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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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halachischen Vorschriften wurde die Mammut-Pumpe mit geringen Abänderungen sowohl von dem Gemeinderabbiner Dr. Levi, als auch von dem Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft Dr. Bamberger für rituell zulässig erklärt. Unsere Mammut-Pumpe ermöglicht es, innerhalb eines Zeitraums von 20 Minuten eine Mikwa zu füllen. Die Fördermenge der Pumpe beträgt 3 Kubikmeter pro Stunde. Die Wassererwärmung geschieht durch eine neu angelegte Warmwasserheizung, die außerdem zur Heizung der Jnnenräume dient. Wir haben gleichzeitig einige dringend notwendige innere Reparaturen vornehmen lassen, (Tünchen des Raumes, Anbringen von einfachen Waschbecken mit warmem und kaltem Wasser, Einrichten von zwei Zellen für Frisierraum zum Haartrocknen und eine 4. Badekabine usw.), wenn wir auch von unserem Wunsche, die Baderäume plätten zu lassen, aus Ersparnisgründen abgesehen haben. Die gesamten Ausgaben wurden von unserer Vermögensrechnung bestritten. Nachdem wir die Mammut-Pumpe schon bestellt hatten, erfuhren wir, daß die Wiener Gemeinde seit vielen Jahren eine Mammut- Pumpe in Gebrauch hat und mit den Erfahrungen sehr zufrieden ist. Eine Umfrage über die Wasserbeschaffung von Mikwaus in einer großen Anzahl deutscher Gemeinden ergab das Resultat, daß 4 zwar in Berlin eine aus Regenwasser und Grundwasser gemischte Anlage besteht, dagegen scheinen wir in Deutschland die erste Mikwa zu haben, die reine Grundwasserzuleitung hat. Wir glauben, eine mustergültige, den modernsten Anforderungen der Hygiene entsprechende Anlage, unter gleichzeitiger Anwendung äußerster Sparsamkeit geschaffen zu haben. Bekanntmachung. Unter Hinweis auf den in dieser Nummer des Mitteilungsblattes gebrachten Artikel aus der Feder des Herrn Dr. Ehrmann, Mainz, machen wir darauf aufmerksam, daß die Gemeindennkwa, Margaretengasse 1, nachdem der Umbau nunmehr vollendet ist, am Sonntag, den 14. September d. I., vormittags von 9—12 Uhr von unseren Gemeindemitgliedern besichtigt werden kann. Die Inbetriebnahme wird am Nachmittag des 8. September dieses Jahres erfolgen. Das Bad wird an Werktagen eine Stunde vor Eintritt der Nacht geöffnet. Es wird gebeten, die Bäder spätestens am Vormittag des Badetages zu bestellen. Ohne eine vorliegende Bestellung wird nur Montags und Donnerstags geöffnet. Der Vorstand der israel. Neligionsgemeinde Mainz. Betrachtungen zur Jüdisch-liberalen Weltkonferenz in London. Von Lazarus F r i e d m a n n, Mainz. Anläßlich der im August 1928 in Berlin stattgehabten ersten Jüdisch-liberalen Weltkonserenz haben wir in dem „Mitteilungsblatt" Nr. 11 (Nov. 1928) unsere Meinung dahin geäußert, daß die Konferenz im allgemeinen bei der jüdischen Welt, sogar auch bei konservativ Gesinnten, infolge der Aufforderung zu religiösen! Leben und der Betonung zur Einheit des Judentums, einen günstigen Eindruck hinterlassen hatte. Wir hatten nur das Fehlen der Klarheit bemängelt, wie und auf welche Weise der Liberalismus in der Lage wäre, das Judentum und das jüdische Leben in der allgemeinen jüdischen Bevölkerung zu heben. Wodurch soll der einfache Jude, dem die wissenschaftlichen Ergebnisse der Religionsphilosophie fehlen, sein Judentum betätigen? Was bietet der Liberalismus dem Gros des jüdischen Volkes? Welche positiven Wege zeigt er ihm, wodurch die seit der Resormzeit rapid nachgelassene Treue zum jüdischen Gesetz und zum Zeremoniellen wieder gutgemacht werden könnte? Durch manche Aeutzerung von sehr kompetenter Seite während der Tagung, wie „Der Liberalismus ist kein Freibrief, daß jeder in religiöser Beziehung machen kann, was er will", sowie die Worte „Daß die Religion nicht zeitgemäß und deshalb nicht nach den Zeitverhältnissen umgestaltet werden kann", konnte man mit Recht erwarten, daß in der nächsten Konferenz Vorschläge unterbreitet werden, um positives religiöses Leben auch in Kreisen der Liberalen zu heben. Hierdurch hätte auch eine Annäherung an das konservative Judentum erfolgen können, um wenigstens die Kluft zu überbrücken und den inneren Frieden und die Einheit des Judentums einigermaßen wieder herzustellen. Nun aber hat die zweite Tagung der Konferenz eine bittere Enttäuschung in dieser Hinsicht gebracht. Ein gewaltiger Rucknach links hat alle Hoffnungen zerstört und den Zwiespalt bedeutend verstärkt. Eine Verherrlichung der äußerst linksstehenden Reform füllten den Hauptinhalt der Tagung aus. Der Schallplattengottesdienst der Berliner Resormgemeinde, sowie die Referate der amerikanischen Reformrabbiner hatten höchste Wirkung erzielt und den Ausschlag gegeben. Aus den Verhandlungen sowie aus dem Schreiben des ersten Präsidenten über die Dresdener Versammlung der liberalen Jugend geht klar hervor, daß man sich nicht mit der bisherigen Reform, wie Verlegung des Sabbatgottesdienstes auf Sonntag, den Aenderungen und Kürzungen der Gebete, der Abschaffung der Kopfbedeckung und Trennung der Geschlechter während des Gottesdienstes usw. begnügen will. Man beabsichtigt offenbar viel weiter zu gehen. Die Speisegesetze, die Heiligung des Sabbats, sowie die Ehegesetze werden wahrscheinlich an die Reihe kommen. Dabei wurde die Liebe zur Religion von allen Rednern der Tagung mit größter Begeisterung hervorgehoben. Allein, je mehr die Religion gepriesen wird, desto mehr wurde sie verstümmelt. Aus lauter Liebe wird sie erdrückt. Es scheint, daß die Bestrebungen der jetzigen Reformer dahin zielen, die Religion, gestützt aus theoretische Forschungen und auf Ergebnisse der Religionsphilosophie, nur aus die Gottesidee und die allgemeinen Sittengesetze zu beschränken. Alle anderen jüdischen Gesetze, die zwar keineswegs unsittlich, aber angeblich veraltet sind, sollen aufgehoben werden. Auch viele Stellen in der Bibel, die nach Ansicht und nach dem Empfinden der Liberalen veraltet sind sollen ausgelassen und nicht mehr in den Synagogen vorgelesen werden

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