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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Auch die Frauen fügend, die Aktivität und Entschiedenheit fordert, nicht solche Verbreitung gefunden. Deutsche jüdische Jugend! Wer unter euch jetzt noch immer nicht unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit sich dem volksverhetzenden Antisemitismus und dem völkischen Diktaturstreben entgegenstellt, der verdient das Schicksal, das diese dem deutschen Judentum bereiten wollen! Was ist im einzelnen zu tun? Als erstes: Hinein in die Parteien, die sichfür die Gleichberechtigung aller Staatsbürger einsetzen. Welche Partei der einzelne wählt, ist Sache seiner Ueberzeugung, es genügt aber nicht, dieser Partei am Wahltag seine Stimme anzugeben. Notwendig ist heute, daß jeder Mann und jede Frau, und gerade der Angehörige der jungen Generation, sich in der Partei seiner Wahl organisiert und als einfaches Mitglied in Reih und Glied mitarbeitet Als zweites: Stärkt die Gedanken den Gerechtigkeit, des äußeren und inneren Friedens und der Gewissensfreiheit! Zeigt, daß Jugend in ihrem Lager zu finden ist, ermuntert die Lauen, überzeugt die Schwankenden, sprecht als Jugend zu Jugend, als junge Menschen mit jungen Menschen, nicht taktlos oder fanatisch, sondern ruhig und sachlich, nicht durch Monologe, sondern durch Zwiesprache wirkt man. Zeigt durch euer Verhalten der deutschen Jugend anderer Bekenntnisse, daß auch der jüdischen deutschen Jugend Aufbau und Ausstieg unseres Vaterlandes Herzenssache ist! Als drittes: Stärkt die Organisationen, die gegen den Antisemitismus und für die Gleichberechtigung der deutschen Juden kämpfen! Lernt ihre Schriften kennen und verbreitet sie! Helft ihnen Geldmittel verschaffen! Stellt euch ihnen für die Wahlarbeit zur Verfügung! Als letztes: Jeder, der das zwanzigste Lebensjahr erreicht hat, geht am 14. September zur Wahlurne! Jeder sorgt dafür, daß alle Familienangehörigen, alle Freunde und Bekannte am 14. September ihre Stimme abgeben. Jede jüdische Stimme, die verloren geht, stärkt unsere Gegner. Deutsche jüdische Jugend! Ihr seid für unsere Zukunft verantwortlich. Erwin Baer, Frankfurt. haben Wahlrecht! MiKwa mit Grundwasserversorgung. Von Dr. Ehrmann, Mainz. Bevor wir über unsere neue Mikwa mit Grundwasserversorgung berichten, müssen wir in kurzem, historischem Rückblick darauf Hinweisen, daß die erste Mainzer Mikwa, über die wir orientiert sind, ebenfalls Grundwasser enthielt. Eine Abbildung dieser Mikwa, die bis zum Jahre 1811 in Benutzung war, befindet sich im Stadtarchiv. Diese Mikwa befand sich bei der im Jahre 1684 fertiggestellten Synagoge, und zwar in deren Keller. Von hier führte eine Treppe von 14 Stufen zu dem eigentlichen Tauchbad in der Art eines Brunnenschachtes, der mit Grundwasser angefüllt war, dessen Höhe wechselte. Eine Möglichkeit, das seit vielen Jahrzehnten dauernd benutzte Badewasser zu erneuern, bestand nicht. Diese Mikwa scheint aber selbst für die damaligen Ansprüche und hygienischen Forderungen zum mindesten zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht genügt zu haben. Im Jahre 1811 wurde im sogenannten „Bau", jetzt Margaretengasse 1, eine neue Mikwa erbaut, die im Erdgeschoß lag. An der gleichen Stelle befindet sich die heutige, im Jahre 1888 ihrer Bestimmung übergebene Mikwa. Von 1811 bis zum heutigen Tage wurde die Mikwa mit Regenwasser gespeist. Unsere heutige Mikwa besteht aus drei Badekabinen und zwei Tauchbädern. Da unsere Regenzisterne verwittert und gebrauchsunfähig geworden war und eine Reparatur nicht mehr m Frage kam, sah sich der Gemeindevorstand vor der Frage gestellt, ob man eine neue Zisterne bauen, oder dafür eine andere, rituell einwandfreie Wasserbeschaffung einrichten soll. Die Regenwasserversorgung hat den Nachteil, daß man zu sehr von der Gunst der Witterung abhängig ist und auch im günstigsten Falle, der wohl in diesem Sommer vorlag, kaum imstande ist, die Mrkwa vor jedem Gebrauch mit frischem Wasser zu füllen. Wir waren uns einig, daß sowohl vom hygienischen als vom ästhetischen Standpunkt aus es nicht angängig ist, daß Wasser in der Mikwa längere Zeit, wie es an vielen Plätzen üblich ist, zu belassen. Da uns von diesem Gesichtspunkt aus die Regenwasserversorgung unzureichend erschien, mußten wir uns der Frage zuwenden, wie das Wasser auf andere Weise zu be. schaffen sei. Am billigsten und einfachsten ist zweifellos die Ableitung von einem fließenden Gewässer. Dies aber kam für die Mainzer Verhältnisse bei der Entfernung vom Rhein und der damit verbundenen Schwierigkeiten nicht in Frage. Es konnte sich daher nur darum handeln, unsere Mikwa mit Grundwasser zu versorgen, und erschien uns nach langer Prüfung aller möglichen Pumpanlagen die Mammut-Pumpe als die einzrg geeignete. Das Prinzip der Mammut-Pumpe besteht darin, daß mit Hilfe von Preßluft Grundwasser in die Höhe gefördert wird. Nach unseren örtlichen Verhältnissen war es notwendig, daß die Pumpanlage eine Tiefe von 20 Meter unter der Erdoberfläche hatte. Da wir einen Brunnen von 5 Meter Tiefe im Hofe vorfanden, der früher zu Trinkwasserzwecken benutzt wurde, mußte noch 16 Meter tief gebohrt werden. Die Mammut-Pumpe besteht aus Förderrohr und Druckluftleitung, die an ihrem unteren Ende durch ein Fußstück miteinander verbunden sind. Um eine gleichmäßige Förderung zu erreichen, ist es notwendig, daß die Rohre bis zu einer gewissen Tiefe in die zu fördernde Flüssigkeit eintauchen. Wird durch die Luftleitung dem Fußstück der Mammut-Pumpe Preßluft zugeführt, so steigt sie in dem im Förderrohr stehenden Wasser in die Höhe und bildet dadurch ein Gemisch von Luft und Wasser, dessen spezifisches Gewicht kleiner ist, als das des Wassers außerhalb des Förderrohrs. Nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren steigt der Spiegel des Gemischs im Förderrohr gegenüber dem des Wassers außerhalb des Rohres um so höher, je mehr Luft in dem Gemisch enthalten ist. Durch Einführen einer entsprechenden Luftmenge treibt man den Spiegel des Gemisches so hoch, daß es am oberen Ende der Förderleitung heraustritt. Um ein dauerndes Arbeiten der Mammut-Pumpe zu erreichen, ist nur für stetige Zuleitung einer ausreichenden Wasser- und Luftmenge zu sorgen. Die Mammut-Pumpe, die in der Industrie schon lange Verwendung gefunden hat, soll den Vorzug größter Betriebssicherheit, keiner Wartung und geringer Unterhaltungskosten haben. Es soll weder ein Einfrieren noch ein Versanden des Bohrpunktes in Frage kommen. Der zur Erzeugung der Druckluft dienende Kompressor befindet sich mit dem Elektromotor in dem mehrere. Meter entfernten Maschinenraum. (Vergl. Abbildung). Es versteht sich von selbst, daß jeder Teil der Mammut-Pumpe, sowie die Zuleitungsrohre zur Mikwa, Wasserhähne usw., vorher sorgfältigster Prüfung "unterworfen wurden. Unter Beachtung der strengsten 3 An alle Mitglieder der israelitischen Religionsgemeinde Mainz! Die gegenwärtige schwierige politische Lage erfordert dringend eine Klärung innerhalb der hiesigen Judenheit. Wir laden Sie deshalb zu einer Versammlung für Mittwoch, den 10. d. M., abends 81/* Uhr, in den Bankettsaal der „Liedertafel“, Große Bleiche 56, ein. In dieser Versammlung wird Herr Rabbiner Dr. Levi über „Die deutschen Juden und die Reichstagswahl“ berichten. Zu eingehender Aussprache wird Gelegenheit geboten. Wir hoffen, Sie und Ihre Angehörigen bei dieser Versammlung begrüßen zu können. MAINZ, den 5. September 1930. Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Ortsgruppe Mainz

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