Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Dies ist in kurzen Worten die Bilanz der zweiten Welt-Konferenz der Jüdisch-Liberalen in London! Wenn in einer so kurzen Spanne Zeit ein solch gewaltiger Ruck nach links geschah, so kann man sich wohl denken, was die nächste Konferenz, die 1932 in Chicago tagen wird, uns bringt. Sollte dort wirklich das Vorhaben der Neformdurstigen zum Beschluß und zur Ausführung kommen, so fragen wir, was würde alsdann vom Judentum noch übrig bleiben! Die Gottesidee und Sittenlehre sind jetzt gleichfalls ein allgemeines Gut der ganzen zivilisierten Welt geworden und wir wissen wirklich nicht, inwiefern dann das Judentum in der Lage ist, sich als selbständige Gemeinschaft zu erhalten. Läuft es dann nicht Gefahr, im Strom der Menschheit vollständig unterzugehen, also gänzlich zu verschwinden? Da auch die Liberalen dies ganz gewiß nicht wünschen und auch ihnen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt, so ist dringend zu wünschen, allzuweitgehender Reform Einhalt zu tun und nicht an dem positiven jüdischen Gesetz zu rütteln. Man soll berücksichtigen, daß nur dem Gesetz als göttlichem Gesetz es zu verdanken ist, daß das jüdische Volk während der vielen Jahrhunderte erhalten blieb. Martin Buber. Martin Buber, der in unserem hessischen Städtchen Heppenheim lebt, ist eine längst verdiente Würdigung und Auszeichnung zuteil geworden: Er wurde zum Honorarprofessor für Religionswissenschaft in der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. ernannt. Martin Buber, der im Jahre 1878 in Wien geboren wurde, also im 52. Lebensjahre steht, ist, ausgehend von einer Neuentdeckung und Wertung des Chassidismus, zu einem Forscher der religiösen Mystik und der Geschichte und des Wesens der Profetie geworden. Zahlreiche Druckwerke aus Bubers Feder legen Zeugnis von seinen Wissens- und Forschungsgebieten ab. Die in Gemeinschaft mit dem früh verstorbenen Franz Rosenzweig unternommene Verdeutschung der Bibel, welche bis zum Propheten Jeschajahu einschließlich durchgeführt ist, stellt eine eigenartige Leistung unserer Tage dar und dürste allein schon als eine Lebensarbeit gewertet werden. Martin Buber hat vom Lehrkatheder aus seit einer Reihe von Jahren einen großen Kreis von Schülern herangebildet und hat vom Vortragspult aus auch auf die Gestaltung des Zeitgeistes und auf die Einbettung der heutigen Lebensströmungen in die religiösen Ewigkeitswerte hingewirkt. Die hessische Judenheit nimmt freudigen Anteil an der Würdigung, die Martin Buber zuteil geworden ist. Beteiligung des NIF. an der Feier des 60. Bestehens des Mainzer Veteranenveretns verbunden mit dem Treffen der in der „Haffia" zufammengefchloffenen Militär- und Regimentsvereine. Die Ortsgruppe Mainz des RIF. nahm mit einer Abordnung von 25 Kameraden an der am Samstag abend, den 30. August 1930 in der ca. 7000 Menschen fassenden und bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthalle an der akademischen Feier und Fahnenweihe teil. Kamerad Fritz Löwensberg überreichte im Aufträge der Ortsgruppe eine künstlerisch wertvolle Faynenschleife und gedachte anschließend an seine Glückwünsche der kameradschaftlichen Beziehungen des Mainzer Veteranen-Vereins und der Ortsgruppe des RIF. Sonntag, den 31. August, vormittags 8 Uhr, fand in der Hauptsynagoge eine Gedenkfeier für die gefallenen Kameraden statt, hierzu sandte der Mainzer Veteranenvirein einige Fahnenabordnungen, Fahne des Maizer Veteranenvereins, des Vereins ehemaliger 118er, ehemaliger 13er Husaren, Fahne des Kyffh. Verb, und andere mehr, ferner waren verschiedene Abordnungen der Mainzer Vereine vertreten, insbesondere der Vorstand des festgebenden Vereins. Von unserem Standquartier „Kaffee Fürstenhof", marschierten wir unter Vorantritt einer Musikkapelle und unseres Emblems, das durch den Reichsadler einen neuen Schmuck erhielt, nach der Synagoge. Die Führung lag in den bewährten Händen des Kameraden Arthur Löwenstein, Mainz. Der Gottesdienst wurde durch ein Präludium eingeleitet, es folgte ein Psalm, der Höhepunkt der eindrucksvollen Feier war die großangelegte Gedenkrede des Herrn Rabbiner Dr. S. Levi. Der Kern der Rede war die Mahnung zur Einigkeit aller Deutschen; ein Hinweis auf die Notwendigkeit der im RIF. vereinigten Frontkämpfer, stets und immer wieder den gehässigen Angriffen unserer Gegner begegnen zu müssen, welche uns unsere treue erfüllte Pflicht rm Dienste des Vaterlandes streitig machen wollen. Es folgte ein Gebet für die gefallenen Kameraden aller Bekenntnisse mit anschließendem Kaddisch. Die stimmungsvolle Feier, die in der von Herrn Oberkantor Jonas gesungenen „Litanei" von Schubert ihren Abschluß fand, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck, besonders bei den Teilnehmern anderer Bekenntnisse. , Mit Musik ging es zum Standquartier zurück, nach einer halbstündigen Pause erfolgte unser Abmarsch zur Aufstellung zum Festzuge, an welchem wir uns mit mehr als 100 Mann beteiligten, Kamerad Arthur Löwenstein hatte die Führung und gebührt ihm für die musterhafte Durchführung des Aufmarsches unser besonderer Dank. Den Landesverband vertrat Kamerad Gabriel Offenbach, ferner beteiligten sich gemeinsam mit ihren Vorständen Kameraden der Ortsgruppen Frankfurt a. M., Wiesbaden, Worms, Groß-Gerau, Ingelheim und Mainz. Der Festzug setzte sich in der Hauptsache aus den Regimentsvereinen der früher in Mainz garnisonierenden Regimenter und deren Tochterformationen zusammen, ein großer Teil unserer Kameraden marschierte daher auch bei ihren Regimentern mit. Am Schlüsse unserer Abteilung fuhr ein Wagen mit den hochbetagten Altveteranen Leser und Hermann Rheinstein aus Mainz und Frankfurt a.M., welche, betreut von unserem Ortsgruppenvorsitzenden Kamerad Benno Levy, Gegenstand lebhafter Ovationen waren und durch zugeworfene Blumengrüße besonders geehrt wurden. Der Vorbeimarsch des Festzuges dauerte ca. 1A Stunden. Wir können auch mit Genugtuung auf diese Veranstaltung zurückblicken, es war Dienst an der guten Sache des Judentums, wir danken allen beteiligten Kameraden. Nachmittags fand in der Mainzer Liedertafel (Traubensaal) ein gemütliches Beisammensein mit Familie statt. Kamerad Benno Levy begrüßte die Erschienenen und übertrug die Leitung an Kamerad Alfred Fridberg. Kamerad Lilienthal. Wiesbaden, begrüßte die Damen und benutzte diese Gelegenheit, mit einer tiefgründigen Rede an die Frauen des RIF. die Mahnung zu richten, den Männern und Söhnen die Pflicht der Mitarbeit im RIF. besonders nahe zu bringen. Frl. Grau brachte Lieder und Arien in künstlerisch vollendeter Form zum Vortrage, Herr S. Rosenbusch erfreute uns durch seinen herzerfrischenden Humor. Wir danken den Künstlern und hoffen, sie bei nächster Gelegenheit wieder bei uns zu sehen. Alfred Fridberg. Aus unseren Verbandsgemeinden. Groß-Bieberau. Am 9. August ds. Js. nahm unser verdienter Lehrer, Herr H. Sulzbacher, in einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier Abschied von seiner Gemeinde. Die Feier fand in der hiesigen.Synagoge unter Beteiligung der ganzen Gemeinde statt. Nach dem Gottesdienst ergriff unser 1. Vorstand, Herr Jur Trinkt j das gute ' Mainzer Aktien-Biert 5