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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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schwierigen Zeiten, und vielleicht gerade in diesen, das gewiß hohe Ziel echtester Menschlichkeit zu erreichen wissen. Kirtorf. Am 26. Juli feierte Herr Heincmann Kauf m a n n in seltener Rüstigkeit des Körpers und Geistes seinen 85. Geburtstag. Ungebeugt von der Fülle der Jahre, nimmt der alte Herr, Vater des Vorstehers der hiesigen Gemeinde, noch lebhaftesten Anteil an allen Ereignissen des Lebens und ist eifrigster Besucher unseres Gottesdienstes. Möge ihm der Allmächtige noch viele Jahre gleicher Gesundheit und Rüstigkeit bescheren! Ad meiho Schonoh! Mainz. Am 1. August d. I. tritt Herr Oberreallehrcr S. Eschelbacher in den Ruhestand, nachdem er die gesetzliche Altersgrenze erreicht hat. Herr Eschelbacher ist von Jugend auf, von den heimatlichen Traditionen seines Geburtsortes Hartheim in Baden wie auch von den Ueberlieferungen seiner Familie, aus der auch sein Onkel, der frühere Gemeinderabbiner Dr. Joseph Eschelbacher s A. in Bruchsal und Berlin und dessen Sohn, der Gemeinderabbiner Dr. Max Eschelbacher in Düsseldorf, entsprossen sind, zum überzeugten Dienst am Judentum berufen. Nach einer mehrjährigen Lehrtätigkeit in Pfungstadt wurde er durch Beschluß des Vorstandes vom 21. Januar 1892 als Religionslehrer der Gemeinde Mainz angestellt und vertraglich verpflichtet, Religionsunterricht an den öffenltichen Schulen der Stadt Mainz zu erteilen. Infolge seiner Bewährung in diesem Lehrdienst wurde ihm, insbesondere infolge der Bemühungen des damaligen Direktors der Oberrealschule und des Realgymnasium, Herrn Schön, im Jahre 1904 die Stelle als Reallehrer übertragen, vor einigen Jahren rückte er zum Oberreallehrer auf. Herr Eschelbacher hat in seiner fast 89jährigen Lehrtätigkeit innerhalb der Gemeinde Mainz sich die Freundschaft und Zuneigung ganzer Schülergenerationen und der Eltern dieser Jugend gewonnen. Im Kreise der Kollegen hat er seine eigene Schätzung und Stellung sich zu erwerben gewußt und hat auch jederzeit für das Ansehen unserer jüdischen Gemeinschaft einzutreten verstanden. Darüber hinaus hat sich Herr Eschelbacher jederzeit in den Dienst unserer Gemeinde gestellt: So als Vorbeter, Prediger und Baal-Tokeah in dem Zweiggottesdienst, der bis zum Jahre 1912 hier abgehalten wurde. Während des Krieges besuchte er die Verwundeten und Kranken in den Lazaretten und stand den kriegsgefangenen Offizieren auf der Zitadelle als Seelsorger zur Seite. In zahlreichen Vereinen innerhalb unserer Gemeinde betätigt sich Herr Eschelbacher seit vielen Jahren mit vorbildlicher Bereitschaft. Das gilt in gleicher Weise auch für unser Mitteilungsblatt, dem Herr Eschelbacher verschiedentlich wertvolle Beiträge zur Verfügung stellte und dadurch für unsere Leser kein Unbekannter geblieben ist. Möge es Herrn Eschelbacher, der des Dankes für seine segensreiche Arbeit sicher sein darf, gegönnt sein, an der Seite seiner Gattin noch viele Jahre sich des Ruhestandes zu erfreuen und in Rüstigkeit des Geistes und Körpers unter uns zu weilen und mit uns gn wirken. Gelegentlich des Sabbatgottesdienstes am 2. Aug. d. I. würdigte Herr Rabbiner Dr. Levi die Verdienste des aus dem Amte scheidenden Herrn Eschelbacher in der Hauptsynagoge. Mainz. In der Vorstandssitzung vom 15. Juli d. I. sind eine Anzahl laufender Angelegenheiten erledigt worden, Sachen des Unterrichts wurden besprochen, und über eine organisatorische Frage ist Beschluß gefaßt worden. Mainz. Wie seit einer Reihe von Jahren, so fanden sich auch in diesem Jahre die Mitglieder der Chevrah halwojas-hames unter Vorsitz des Herrn Wachenheimer, in der Erev Schewuaus-Nacht zu dem traditionellen Lernen zusammen. Auch Herr Gemeinderabbiner Dr. Levi und die Vertreter des Gemeindevorstandes waren zugegen. Das Lernen, die Unterweisung über die Pflichten der Chevrah und eine bescheidene Stärkung des Körpers hielt die Versammelten bis in die tiefe Nacht hinein zusammen, der vorn Gemeindevorstand als Anerkennung für die gewissenhafte Erfüllung der übernommenen heiligen Pflichten der Ehewrah gestiftete Becher kreiste und verband von Neuein die Mitglieder zu Verantwortnngsbewußtsein und Bereitschaft. 4 Niederwiesen (Rbeinhessen). Am 7. August feiert Herr Simon Strauß seinen 75.' Geburtstag. Dieser Tag ist Anlaß genug. des um seine Heimatgemeinde so sehr verdienten Mannes zu gedenken. Jahrzehntelang hat er das Amt des Vorstandes versehen und durch sein versöhnliches Wesen und feine gerechte ^Gesinnung den Frieden in der Gemeinde erhalten. Arincn und Hilfesuchenden ist sein Haus von jeher geöffnet gewesen. Den religiösen Zusammenhalt wahren, war und ist heute noch seine größte Sorge. Denn der nun alleinstehende Man:: ist sehr schwer zu bewegen, an Sabbat und Festtagen die Kehilo zu verlassen, lveil er fürchtet, der Gottesdienst könnte gestört werden. Aus diesem Grunde versieht er ehrenhalber das Amt des Vorbeters und Bal-Korä. Generationeil haben sich an seinem von Gottvertrauen getragenen althergebrachten Chasones erbaut. Der Jubilar hat leider vor einem Jahre seine brave, gute Gattin verloren, die mit ihm darin ihr Lebenswerk erblickte, ihre 3 Söhne zu tüchtigen und guten Menschen zu erziehen. Er erlebt viel Freude an seinen Kindern uild Enkeln. Ihn quält nur der eine Umstand, zu sehen, wie seine liebe Heiinatgerneinde das Schicksal der vielen Landgemeinden teilt und heute schon bis auf wenige Familien zusammengeschmolzen ist. Möge dem Jubelgreis ein weiterer angenehmer Lebensabend beschieden sein ad meo w'esrim schonoh. Vereine und Verbände. Die Generalversammlung des israelitischen Landeslehrervereins findet voraussichtlich am 19. Oktober in Darinstadt statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Das Wintersemester an der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" Frankfurt a. M. beginnt am 22. Oktober. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Uliter-, Mitteluiid Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Die Lehranstalt verfolgt folgenden Zweck: 1. schulentlassenen Jüngliiigen, auf traditionell gesetzestreuer Grundlage Fortbildungsunterricht in den jüdischen Religionswisscnschaften zu erteilen, 2. junge Leute, die sich dem Berufe eines Rabbiiiers, Religionslehrers oder Kultusbeamten widmen wollen, durch Studium des biblrsch-talmudischen Schrifttuins für ihren Lebensberuf vorzubereitcn. Der Unterricht erstreckt sich aus: Bibel, Hebr. Grammatik, Talinud mit Kommentaren cursorisch und statarisch und Dezisoren. Den Schülern ist evtl. Gelegenheit geboteü, sich in profanen Fächern unter fachgemäßer Leitung fortzubilden. Anmeldungen sind zu richten an den Leiter, Herrn Rabbiner Dr. Hofmann, Frankfurt a. M., Börneplatz 16, der zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Im Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau sollen int Wintersemester 1930—31 folgende Vorlesungen und Hebungen gehalten werden: 1. Herr Seminarrabbiner Prof. Dr. Michael Guttmann wird lesen: 1. Talmud A Baba Batra Abschn. 3.; 2. Eben Hasser A 8 1—17; 3. Apologetische Hebungen. — 2. Herr Dozent Prof. Dr. Isaak Heinemann wird lesen: 1. Ueberblick über die Geschichte des jüdischen Denkens im Mittelalter; 2. Lektüre aus Maimunis More, A; 3. Grundzüge einerjüdischen Homiletik; 4„ Homiletische Hebungen; 5. Talmud, B, Rösch Haschana; I; 6. Hebräische Grammatik, (Fortsetzung), B, C; 7. Aramäische Grammatik, B, C. — 3. Herr Dozent Dr. Albert Lewkowitz wird lesen: 1. Der Einfluß der Romantik auf das Judentum; 2. Die religlonsphilosophische Krisis der Gegenwart in ihrer Bedeutung für das Judentum; 3. Die Weltreligionen des Orients; 4. Uebungenzur Philosophie der Romantik; 5. Pädagogische Hebungen. — Herr Dozent Dr. Israel Rabin wird lesen: 1. Bibelexegese: a) Das Buch Hiob, A, (Fortsetzung), b) Samuel I, B, c) Megillot, d) Der Pentatenchkommentar des Raschbam; 2. Grammatik: Die Syntax des hebräischen (mit Hebungen für Fortgeschrittene); 3. Geschichte: a) Von dem Unter* 6stng des 2. Tempels bis zum Abschluß der Mischna, b) DaS Sendschrerben des Gaon Scherira, Hebungen; 4. Talmudhorajoll -6. Herr Seminarassistent Dr. H. I. Zimmels wird lesen: 1 Das Gemeindeleben der Juden im Mittelalter; 2. historische Hebungen: Lektüre historischer Responscn; 3. Liturgische Vorschriften; 4. Talriind B: Taanit I; 5. Talinud C; Auswahl aus Berakot. — 6. Herr Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Rechnitz Ver-

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