Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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waltungsdirektor der Synagogengeineinde, mit der Abhaltung von Vorlesungen am Seminar beauftragt, wird lesen: Tie rechtliche Stellung des Judentums in Preußen. — 7. Herr Direktor Glaser, Leiter des Indischen Wohlfahrtsamtes, mit der Abhaltung von Vorlesungen am Seminar beauftragt, wird lesen: 1. Die Kinder- und Jugendfürsorge und das Recht der Minderjährigen unter besonderer Berücksichtigung der jüd.-sozialcn Arbeit. — Beginn der Vorlesungen des Wintersemesters: 31. Oktober 1930. — Aufnahmeprüfungen: 29. und 30. Oktober 1930. — Alle Anfragen sind an das Dozcntcnkollegium des jüdisch-theologischen Seminars lFraenckelsche Stiftung), Breslau, Wallstraße 14, zu richten. Ter Verein jüdischer Hotelbesitzer und Nestanratenre e. V. erläßt z. Zt. ein Rundschreiben, aus dem folgendes entnommen ist: Anläßlich der letzten in Wiesbaden stattgesundencn Tagung des obigen Vereins, dem fast sämtliche größeren jüdischen Betriebe angcyören, wurde von allen Seiten ans die ganz außerordentlich ernste Lage hingewiesen, in welcher sich der größte Teil der jüdischen Gaststätten, besonders in den Kur- und Badeorten, befindet. Wir sind uns darüber klar, daß unser Gewerbe durch die jetzige Krise ganz besonders irr Mitleidenschaft gezogen wird, aber unsere Lage rührt nicht erst von dieser Krise her. sie wird nur durch diese verschärft. Nachdem die jüdischen Betriebe lange Zeit in bezug aus Modernisierung zurückgeblieben waren, ist seit ungefähr 10 Jahren hierin eine Äenderung eingetreten, wir haben sertdem unsere Häuser den neuzeitlichen Forderungen in bezug aus Leistung und Führung angepaßt, unsere Häuser werden heute fachmännisch einwandfrei geführt. Mit diesen Maßnahmen hofften wir, auch diejenigen Kreise des Judentums zu gewinnen, welche bis jetzt nicht zu uns kamen, weil, wie sie sagten, die jüdischen Hotels ihren Ansprüchen nicht genügten. Leider wurden unsere Hoffnungen bitter enttäuscht! Trotz aufmerksamster Bedienung und Behandlung und obwohl wir auch unsere Preise denjenigen der gleichrangigen christlichen Konkurrenz angepaßt haben, bleibt ein großer Teil des reisenden jüdischen Publikums uns fern. Wenn vielleicht heute viele Gemeindemitglieder die Speisegesetze nicht mehr halten, so ist doch nicht ersichtlich, warum sie nicht trotzdem unsere gut geleiteten Häuser aussuchen sollen, wo ihnen in einem ihnen nahestehenden Milieu genau das Gleiche und in bezug aus Verpflegung meist Besseres geboten wird wie in nichtjüdischen Hotels. Die Lage ist jetzt so, daß viele jüdische Hotelbesitzer verkaufen müssen, freiwillig oder gezwungen, wenn ihnen nicht in letzter Stunde geholfen wird. Vor einigen Tagen fand eine Sitzung des Geschäftsführcnden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden unter Vorsitz von Dr. James S i m o n in Berlin statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Dr. James Simon einen warmen Nachruf aus die dahingeschiedenen Herren Ludwig Schiss, Frankfurt a. M., Mitglied des Geschäftssührenden Ausschusses, Otto Lippmann, Aachen, Mitglied des Zentralkomitees, Kantor Baum, Vertrauensmann des Hilfsvereins in Bonn. Aus den erstatteten Berichten geht hervor, daß die Arbeit in den letzten Monaten aus den verschiedensten Gebieten erhebliche Fortschritte gemacht hat. Die Sammlung für Litauen, die der Kindersürsorge dient, hat ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Der Geschäftsführende Ausschuß beschloß, angesichts der fürchterlichen Notlage, die Kinderfürsorgearbeit auch ans Polen auszudehnen unter Zugrundelegung von Vorschlägen von Herrn Dr. Bernhard Kahn. 'Die Hilssarbeit sowohl in Litauen wie in Polen erfolgt im Einvernehmen mit dem American Joint Distribution Comittee. In der Ukraine und in der Krim vollzieht sich die sanitäre Hilfsarbeit des Hilfsvereins in engstem Zusammen- Nürken mit der Jewish Colonization Association und dem Agro Joint, die bei dem Bau von Ambulatorien, die der Hilssverein in den genannten Gebieten errichtet, ihre Mithilfe leihen. Das Kultur- Werk des Hilfsvereins in Rumänien wird in umfassendem Maße sortgesührt. Der Produktivierung der jüdischen Jugend, die durch eine intensive Berufsberatung vorbereitet und gefördert werden soll, wird hierbei besonderes Augenmerk gewidmet. Die Fürsorgetätigkeit für die Auswanderer, für Waisenkinder und für Studierende nimmt ihren Fortgang und beansprucht nach wie vor erhebliche Mittel. Die Organisation des Hilfsvereins hat auch im letzten halben Jahr eine sehr wesentliche Erweiterung erfahren. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. B., Hamburg, macht hierdurch die jüdischen Fahrgäste der Albert Vallin- Klasse der Hapag darauf aufmerksam, daß die von der Einwanderungsbehörde in Newyork vorgeschriebenen Formalitäten, darunter auch eine Unterschriftsleistung, sofort nach Ankunft der Dampfer — d. i. am Sabbat — zu leisten sind. Somit können jüdisch-gesetzestreue Passagiere z. Zt. die erwähnten Dampfer nicht benutzen, ohne sich erheblichen Schwierigkeiten bei der Landung auszusetzen. Der obenerwähnte Verein hat sich mit der Hamburg-Ämerika-Linie in Verbindung gesetzt, die zugesagt hat, sofort Verhandlungen mit den amerikanischen Einwanderungsbehörden aufzunehmen, um einen Weg zu finden, jüdischen Passagieren die Unterschriftsleistung ohne Uebertretung des Sabbatgesetzes zu ermöglichen. Wie bereits in den Heften des genannten Vereins bekanntgegeben, hat die H. A. L. Vorkehrung getroffen, daß jüdische Fahrgäste bis Nacht an Bord bleiben können, und daß die Zollabfertigung des Gepäcks erst nach der Landung der betr. Fahrgäste vorgenommen wird. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. wird eine Mitteilung ergehen lassen, sobald die obenerwähnten Verhandlungen mit den Einwanderungsbehörden zu einem positiven Erfolg geführt haben. Heimabende des Jüdischen Friedensbundes. Nachdem der Jüdische Friedensbund im Laufe des Jahres durch mehrere öffentliche Kundgebungen für den Gedanken der Beteiligung der jüdischen Gemeinschaft an dem Friedenswerk der Religionen weite Kreise gewonnen hat, ist er nunmehr bemüht, die tiefere Kenntnis der Friedensprobleme und der Methoden der Friedensarbeit unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten und sie zur aktiven Förderung dieser Arbeit anzuregen. Dieses Ziel kann nicht mehr durch große Versammlungen, sondern nur im Rahmen kleinerer Zusammenkünfte und durch persönliche Aussprache wirksam angestrebt werden. Zur Veranstaltung derartiger Studien- und Diskussionsabende haben, zunächst in Berlin, jüdische Friedensfreunde hilfreiche Hand geboten, indem sie ihre Wohnungen für diesen Zweck zur Verfügung stellten. Auf der anderen Seite haben viele Rabbiner sich bereit erklärt, Heimabende solcher Art durch Ansprachen zu eröffnen. Durch die vielseitige Beleuchtung der Friedensprobleme und die Ungezwungenheit der Aussprache haben die Heimabende der jüdischen Friedensbewegung einen neuen Impuls verliehen und ihr viele wertvolle Freunde zugeführt. Es ist zu erwarten, daß Veranstaltungen solcher Art auch in anderen Zentren durchgeführt werden. Die Exekutive der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth) hat beschlossen, den Weltkongreß für das arbeitende Palästina für Ende September d. I. einzuberuseu. Die schwere politische Lage, die Erschütterungen, die unser Werk in den letzten Monaten durchgemacht hat, der gewaltige Drang nach Befestigung der bereits erzielten Errungenschaften im Lande sowie die grenzenlose Not der jüdischen Massen in der Diaspora, die eine breite Masseneinwanderung fordert, dies alles macht den Zusammenschluß aller Kräfte, die dem arbeitenden Palästina nahestehen, notwendig. Die Massen unserer Genossen und Freunde, organisiert in den Parteien und Organisationen des arbeitenden Palästina, und unorganisiert, aktiv und passiv, müssen sich um diesen Weltkongreß konzentrieren und in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas stellen. Die Unterzeichneten Parteien und Organisationen rufen die breiten Schichter: der jüdischen Masserr Deutschlands auf, sich dem Kongreß anzuschließen. Unser Ziel muß es sein, für den Kongreß aus Deutschland eine starke Vertretung zu erreichen. Die Beteiligung am Kongreß ist allen Juden, die das 17. Lebensjahr erreicht haben, sich rnit den Grurrdsätzen des arbeitenden Palästina einverstanden erklären und dies durch den Kauf einer Kongreßkarte bekunden, ermöglicht. Um weiten Kreisen die Möglichkeit der Beteiligung am Kongreß zu geben,. ist der Preis der Kongreßkarte auf 0.50 RM. festgesetzt. Die Stärke der deutschen Delegation ist von der Zahl der verkauften Kongreßkarten abhängig. Da uns bis zum Kongreß nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, fordern wir alle Freunde des arbeitenden Palästina auf, sich aktiv für den Kongreß einzusetzen und große Massen um das Werk des arbeitenden Palästina zu sammeln. Liga für das arbeitende Palästina Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation „Poalo Zion" „Hapool Hazair", Deutscher Landesverband der Hitachduth Jung-Jüdischer Wanderbund „Hechaluz,,, Deutscher Landesverband. Trinkt das gute Mainzer [Aktien-Bier! 5