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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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hineindenken. Diese wolle nichts aufgeben und wolle aufrecht erhalten, was man vor 60 Jahren unter harten Opfern erkämpft habe. Ein neutrales Judentum werde nicht von der Orthodoxie anerkannt, sondern nur ein Judentum, das auf der Thorah aufgebaut sei. Die Kassentrennung sei nur technischdas Vetorecht sei von Mainz zugestanden worden. In bezug auf Artikel 137 NB. habe der orthodoxe Verband ein Zugeständnis gemacht, was er leicht machen konnte, da dieser Artikel in Hessen bis jetzt überhaupt noch keine Anwendung gefunden habe. So habe er bis zum Schluß an eine Einigung geglaubt, um so mehr, da der Landesverband der Israelitischen Religionsgemeinden Hessens zugestanden habe, daß bei Verhandlungen mit der Regierung jedesmal ein orthodoxer Vertreter zuzuziehen sei. Wiewohl von orthodoxer Seite Opfer gebracht worden seien, habe er doch Verständnis für das Verhalten des Mainzer Verbandes, der wirklich nicht weiter habe gehen können. Er bittet die anwesenden Mitglieder des Rabbinats Darmstadt II für die Ideen des großen Landesverbandes zu wirken. Der Vorsitzende berichtet über die nach den Verhandlungen in Frankfurt abgegebene Erklärung der Kommissionsmitglieder, weitere Verhandlungen mit dem orthodoxen Verband nicht führen zu können. Nunmehr seien dieselben jedoch auf Grund der von Herrn Dr. Levi mitgeteilten Bedingungen und unter der Voraussetzung, daß die Initiative von dem orthodoxen Verband ausgehe, zu neuen Verhandlungen bereit. Er seinerseits würde neue Verhandlungen mit Freuden begrüßen. Die ihm persönlich, aus verwaltungstechnischen Gründen, unsympathisch gewesene Trennung der Kassen würde heute bei ihm keinerlei Widerstand mehr finden, um so mehr, da nicht zu erwarten sei, daß die evtl, neu zu gründende Kasse übergroße Eingänge zu verzeichnen haben werde. Ferdinand Mayer, Harxheim, tritt für Einigung und Geschlossenheit ein, weift auf Angriffe und Vorurteile hin und möchte, daß man, wie man Wanderlehrer zu den Gemeinden schicke, so auch Wanderredner dahin entsende. Herr Moritz Adler, Mitglied der Neligionsgesellschaft, Rabbinat Darmstadt II, der als Gast anwesend ist, gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß eine dem Judentum Vorteil bringende Einigung nicht erzielt wurde. Einzelheiten über die Verhandlungen seien ihm bisher nicht bekannt gewesen. Er glaubt, daß sich eine Reihe Mitglieder der Neligionsgesellschaft finden würden, die neuerdings Verhandlungen wünschten und er hofft, daß in nächster Zeit eine Verständigung doch noch zustande gebracht werde. Auch Oppenheimer, Mainz, tritt für einen Zusammenschluß mit dem orthodoxen Verband ein. Krämer, Darmftadt, erkennt die Leistungen des Verbandes an und bittet denselben, noch mehr zu tun. Er ist überzeugt, daß der Vorsitzende des orthodoxen Verbandes nicht vom Macht- oder Jnteressenstandpunkt geleitet ist, und ist vielmehr der Ansicht, daß derselbe glaube, nicht weiter gehen zu können. Er würdigt die Mühewaltung des Rabbiners Dr. Bienheim und appelliert an den Verband, eine Verständigung mit der Orthodoxie herbeizuführen. Lehrer Bick, Michelstadt, knüpft an den Anfang der vorwöchigen Sidra an und hofft, daß der heutige Tag den hessischen Gemeinden Erlösung bringe. Seme Gemeinde gehöre dem Verband noch nicht an, gleichwohl habe er das größte Interesse für einen Einheitsverband. Man müsse beachten, daß die Orthodoxie sich unterscheide in Anhänger des Trennungsprinzips und andererseits in Gemeindeorthodoxie, die sich auf die Entscheidung R. Seligmann Bär Bambergers stützt. Redner habe versucht, die orthodoxen Rabbiner für unseren Verband zu gewinnen. Die Landgemeinden in Starkenburg verfolgten die Einigungsbestrebungen mit größter Aufmerksamkeit, auch die, die jetzt noch abseits stehen. Es sei die Ehrfurcht vor dem Rabbiner, die sie daran hindere, in den Verband einzutreten. Man müsse vor allem auf die Gemeindevorsteher wirken; ansehnliche Gemeinden wie Michelstadt, Berfelden und Höchst gehören dem orthodoxen Verbände nicht an. Der von der Spitze des orthodoxen Verbandes vertretene Standpunkt sei nicht der der Gemeinden. Seiner Ansicht nach sei es Ausgabe des Landesverbandes, seine Bestrebungen durch geeignete Redner zu propagieren. Steinberger, Alsfeld, wendet sich an die aus dem Rabbinatsbezirk Darmstadt II anwesenden Herren. Er weist darauf hin, daß er, der als einer der ersten mit Herrn Lehrer Kahn, als strenger Orthodoxe, sich dem Landesverbände angeschlossen habe, bezeugen könne, daß dieser bereits vor fünf Jahren eine Einigung mit dem orthodoxen Verbände angebahnt habe und er feststellen könne, daß in dem Landesverband noch nie etwas geschehen sei, das gegen den Din verstoße. Nachdem festgestellt war, daß die Verhandlungen mit dem orthodoxen Verband nur daran scheiterten, daß dieser nicht davon abgehen wollte, direkte Verhandlungen mit der Regierung zu pflegen, verliest Herr Rabbiner Dr. Levi nochmals die Punkte, die unser Verband seinerzeit zugestanden hat und wonach unser Verband gehalten ist, bei Verhandlungen mit der Negierung einen Vertreter der Orthodoxie zuzuziehen. Der Gemeindetag erklärt sich sodann mit der Stellungnahme der Kommission und des Oberrats einverstanden. Als Rechnungsrevisoren werden die Herren Ferdinand Oppenheimer, Ober-Ingelheim, und Fritz Reis, Friedberg, einstimmig wiedergewählt. Dieselben haben die Rechnung für * 1929 (Rj.) geprüft und in Ordnung befunden. Die Abschlußzahlen sind im Mitteilungsblatt bereits veröffentlicht. Auf Grund des Berichts der Revisoren wird dem Oberrat Entlastung erteilt. Bezüglich des Voranschlags für 1930 wird beschlossen, denselben auf Grund des Voranschlags 1929 aufzustellen. Es wird mit höheren Beiträgen und insbesondere mit bedeutenden Mehreinnahmen an Jnsertionsgebühren gerechnet, so daß dre zweite Auszahlung einer Gratifikation an Lehrer voraussichtlich möglich sein wird. Es dürfte ferner möglich sein, die im Jahre 1929 gekürzten Subventionen an Anstalten wieder zu erhöhen. Auf eine Bemerkung von Voehl, Gedern, daß seine Gemeinde relativ mehr leiste als andere, gleich große, oberhessische Gemeinden, erwidert der Vorsitzende, daß die Größe der Gemeinden allein nicht die Norm für die Beitragsfestsetzung bilde. Die Verbandsgemeinden seien gehalten, dem Verband Aufschlüsse über ihre Leistungsfähigkeit zu geben. Um 1,30 Uhr wird die Verhandlung abgebrochen und einer Einladung der israelitischen Religionsgemeiude Darmstadt zu einem Mittagessen gern Folge geleistet. Im Verlaufe desselben spricht Herr Kommerzienrat Kranenberger, sowie Herr R o s e n t h a l, Oppenheim, der Gemeinde Darmstadt aufrichtigen Dank für die gastliche, überaus großzügige Bewirtung namens der Versammlung aus.;*Tf‘ H* •%«*-. ' Mt Oppenheimer, Mainz, dankt dem Verbandsvorsitzenden und seinem Stellvertreter für ihr arbeitsreiches Wirken im Dienste der hessischen Judenschaft, bringt ein Hoch auf dieselben aus, das begeisterten Widerhall bei den Anwesenden findet. Der Vorsitzende dankt dem Redner und der Versammlung, seinen Kollegen im Oberrat und sämtlichen Mitarbeitern. Durch ihren Vorsitzenden, Herrn Sanitätsrat Dr. N i ck e l s b u r g, lädt die Gemeinde Worms den Gemeindetag 1931 nach Worms du. Diese Einladung wird dankend angenommen. Mit der Wiederwahl des Vorsitzenden und seines Stellvertreters wird-die Nachmittagssitzung eröffnet. Das Ergebnis dieser Wiederwahl wird mit Bravorufen begleitet. Als Stellvertreter des Herrn Juftizrat Dr. Marx, Bingen, wird Herr Ferdinand Oppenheimer, Ober-Ingelheim, und als Stellvertreter des Herrn Rosenthal, Oppenheim, wird Herr Ludwig Ebert, Osthofen, erstmalig gewählt. Die übrigen Herren werden en bloc wiedergewählt. ' Hierauf folgte ein geistvoller Vortrag des Herrn Rabbiner D/. Brenherm, Darmstadt, in dem ein übersichtliches Bild dw Entstehung, Wesen und Geschichte des Talmuds entrollt wird. (Auszug des Vortrages stehe S. 5.) t; an ^rrn Vr. Bienheim schließt der V e r b a nds.vo.rsitz ende den fünften Gemeindetag. 4

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