Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 5 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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die Anwesenden richtete. Cr gibt der Hoffnung Äusdruch daß der heutige Verbandstag zum Wohle des Landesverbandes und der angeschlossenen Gemeinden gedeihen möge. Rabbiner Dr. L e v i, Mainz, ausgehend vom vorigen Wochenabschnitt, mahnt zu segensreicher Arbeit und fleht zu Gott, daß er wie er mit unseren Vätern war, uns nicht verlasse und uns nicht preisgebe. (Auszug aus der Eröffnungsrede siehe S. 5.) Nachdem der Vorsitzende Herrn Dr. Levi den allerherzlichsten .Dank der Versammlung für seine eindrucksvolle Rede erstattet hat, trägt er den an anderer Stelle abgedruckten Geschäftsbericht vor. Im Anschluß daran berichtet Herr Provinzialrabbiner Dr. Sander, Gießen, über die Tätigkeit des Schulausschusses. Nach bestem Wissen sei der Schulausschuß bemüht gewesen, allen Gemeinden zu helfen und es gereiche ihm zu besonderer Freude, daß der Oberrat niemals einen Antrag des Schulausschusses zurückgewiesen habe. Hierfür gebühre dem Oberrat, sowie dem gesamten Verbände der Dank des Schulausschusses. Wenn bis jetzt kein Wanderlehrer für Oberhessen angestellt worden sei, so sei dies damit zu erklären, daß bisher kein Bedarf für einen solchen iw Oberhessen gewesen sei, da daselbst der Mangel an Lehrkräften weniger stark war. Bedauerlicherweise seien in vielen Gemeinden die Lehrergehälter noch nicht in normaler Höhe, doch sei es vor Pessach möglich gewesen, eine einmalige Aufbesserung seitens des Verbandes unmittelbar an die Lehrer zur Auszahlung zu bringen. Der Schulausschuß habe sich auch mit der Heranbildung von Lehrern beschäftigt. Ob die Ausbildung auf einer Akademie — in Mainz ober in Frankfurt a. M. -— tunlich sei, hierüber könne vorläufig ein Urteil noch nicht abgegeben werden. Kommerzienrat Kronenberger, Mainz, knüpft an einen Ausspruch in der Pessach-Haggada an. Unsere Widersacher seien heute nicht weniger als früher. Redner macht dabei auf eine kürzlich vom preußischen Oberverwaltungsgericht ergangene Entscheidung aufmerksam, nach der in bezug auf ein Grundsteuerprivileg die Rabbiner in Preußen nicht als Geistliche anzusehen seien. Er gibt seinem tiefen Bedauern Ausdruck, daß wir nicht als eine geschlossene Religionsgemeinschaft, sondern als eine Gemeinschaft verschiedener Sekten erscheinen und schlägt nachfolgende Resolution vor, die einstimmig Annahme findet. „Die heute in Darmstadt versammelten Vertreter der jüdischen Gemeinden des Volksstaates Hessen geben erneut ihrem tiefen Bedauern Ausdruck, daß die Regierung des Volksstaates Hessen ihren Volksgenossen jüdischen Glaubens gegenüber jede Subventionierung für ihre Kultusbedürfnisse ablehnt, während sie solche den anderen Religionsgesellschaften seit Jahrzehnten gewährt. Die von der Regierung für ihre ablehnende Stellung angeführten Gründe können im Hinblick auf Gerechtigkeit und Billigkeit nicht standhalten, sie werden von uns als Mangel an gutem Willen empfunden. Die uns nach der Prozentnorm zustehende Subvention von zirka 16 000 RM. spielt gegenüber dem Gesamtbudget bei aller Notwendigkeit zum Sparen keine Rolle. Wir hessischen Juden fühlen uns durch die Ablehnung der Subventionierung, die wir für notleidende Gemeinden, für schlecht besoldete Lehrer und ähnliche kulturelle Zwecke so dringend benötigen, gekränkt und zurückgesetzt. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß die Regierung und die Regierungsparteien schließlich doch noch den jüdischen Bewohnern unseres Landes die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die Preußen, Bayern, Baden und Württemberg ihren jüdischen Bürgern gegenüber schon seit Jahren anwenden." Lehrer B i ck, Michelstadt, fragt, ob mit der SPD. wegen der Petition um Staatszuschutz Verhandlungen gepflogen worden seien. Er stellt ferner die Anftage, ob es den hier anwesenden Gästen gestattet sei, das Wort zu ergreifen. Letztere Frage wird von dem Vorsitzenden bejaht und auf erstere erwidert Herr Rabbiner Dr. Levi, Mainz, daß man seit Jahren mit den Abgeordneten sämtlicher Parteien verhandelt habe. Auch der heutige Staatspräsident habe seinerzeit in einem Privatgespräch erklärt, daß die SPD. einen Zuschuß für die Israelitischen Religionsgemeinden nicht prinzipiell ablehne, sofern die Schaffung ernes Rechtsanspruches nicht zu befürchten sei. Auch bei den Demokraten habe man Fürsprache gefunden. Bei dem Staatspräsidenten und dem zuständigen Ministerialrat sei man in Audienz gewesen. Für Anregungen, gleich von welcher Seite sie kommen, sei man dankbar. Kommerzienrat Kronenberger, Mainz, bedauert, daß wir keine Majorität besitzen und wir deshalb Nicht zu unserem Rechte kommen. Das Mainzer „Juden-Erbe" sei eine Konfiskation ähnlich der Sequestierung der Kirchengüter. Krämer, Butzbach, stellt fest, daß Landtagsabgeordneter Lehrer Reiber, öffentlich für einen Staatszuschuß für den Jüdischen Kult eingetreten sei. Rabbiner Dr. Holzer, Worms, wünscht neuerliche Verhandlungen mit den einzelnen Vorstandsmitgliedern der Parteien. Hamburger, Rimbach, bedauert, daß keine Fühlung mit dem orthodoxen Verbände bestehe, denn nur durch Geschlossenheit sei größerer Einfluß zu erreichen. Er begrüßt es, daß unser Verband die Einigung wolle und drückt sein Bedauern aus, daß auf der anderen Seite der Wille nicht so sei, wie er sein könnte. Erhofft und wünscht, daß der Oberrat eine Einigung noch weiter anstrebe, denn nur Einigkeit kann Erfolg bringen. Justizrat Dr. Goldschmidt, Offenbach, antwortet dem Vorredner, daß es Absicht des Vorsitzenden gewesen sei, die ganze Verhandlung mit der Orthodoxie heute nicht mehr zu berühren, nachdem doch der Bericht des Vorsitzenden angenommen worden sei. Da man jedoch auf die Angelegenheit zurückkomme, müsse man die ganzen Verhandlungspunkte jetzt dem Gemeindetag unterbreiten. Der Redner mutz nunmehr erklären, daß die Leitung unseres Verbandes alles getan und nichts unterlassen habe, um zu einer Einigung zu kommen. Unser Verband wird von der Gegenseite als Mainzer Verband und ein liberaler Verband bezeichnet. Dies zu Unrecht, denn unser Verband, der weder liberal, noch orthodox, ist ein Verband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens. Die von unseren Unterhändlern dem orthodoxen Verband zugestandenen Satzungsänderungen seien so weitgehend, daß der Redner befürchtet, diese Zugeständnisse hätten die Ablehnung des heutigen Gemeindetages erfahren. Man sei unsererseits damit einverstanden gewesen, in eine Zweiteilung der Kasse, mit einer Satzungsänderung, die den neutralen Zweck des Verbandes noch schärfer zum Ausdruck bringe, als heute, mit dem Zugeständnis des Vetorechtes für sämtliche Rabbiner, sofern sich der Anspruch auf das Religionsgesetz stütze. Die Zugeständnisse seien den Vertretern des orthodoxen Verbandes an und für sich genügend gewesen. Trotzdem habe man in letzter Minute erklärt, daß der orthodoxe Verband, wenn auch ohne Anspruch auf öffentlich-rechtlichen Charakter, weiterbestehen müsse, und sich auch das Verhandlungsrecht mit der Regierung Vorbehalte. Diese letzte Forderung hat zum Abbruch der Verhandlungen geführt. Es habe sich nicht um religiöse Dinge gehandelt, was hier betont sei. — Falls die Gegenseite die Verhandlungen aber wieder anknüpfe, sei man mit Freude zur Bildung einer Einheitsfront bereit. Kommerzienrat Kronenberger, Mainz, bedauert tief, daß die seit fünf Jahren gepflogenen Verhandlungen nicht zum Ziele geführt haben. Es fehle halt auf der anderen Seite an gutem Willen, zu einem Resultat zu kommen. In unserem Verband, worin sich 136 Gemeinden vereinigt haben, sind 45 orthodoxe Gemeinden, während der Orthodoxen-Verband insgesamt nur 40 Mitglieder hat, von denen übrigens vier zu beiden Verbänden zählen. Der Redner stellt die Frage, wer nun eigentlich der orthodoxe und wer der liberale Verband sei. Er erstrebe für Hessen einen einheitlichen Verband wie in Bayern und bittet den in der Versammlung anwesenden Herrn Max Rosenstein, Bensheim, um Auskunft über die seinerseits mit dem Vorsitzenden des orthodoxen Verbandes in Darmstadt geführten Verhandlungen. Rosen st ein, Bensheim, dankt namens seiner Gemeinde für die Einladung. Die Verhandlungen m Frankfurt seien allerdings an der Forderung der Gegenseite, selbständiger Verband zu bleiben, gescheitert. Bis zu diesem Zeitpunkt habe auch er an ein Zustandekommen der Einigung geglaubt und die Forderung selbständiger Verband zu bleiben, sei ihm unbekannt gewesen. Er sei nicht der Ansicht, daß böser Wille vorliege, aber man müsse sich in die Psyche der Trennungs-Orthodoxie, der schärfsten Orthodoxie, Trinkt Ydas gute X r Mainzer Aktien-Bier! «OrJ; 3