Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Heusenstamm (Kreis Ofsenbach). Am 15. März hatte der israelitische Männer- und Frauenverein seine Mitglieder zu einer Purimfeier eingeladen. Der Vorsitzende, Herr (Lugen Ehrmann, begrüßte die Erschienenen und dankte diesen für ihren zahlreichen Besuch. Umrahmt war die Feier von Musikstücken, Vorträgen usw. Großen Beifall erzielte die von Herrn Moritz Frankfurter verfaßte Purimszene, ausgeführt von Fräulein Friedet Schönmann, Berta Frankfurter, Beatrice Ehrmann und Horst Ehrmann. Anschließend an diesen gemütlichen Teil wurde alsdann auf Kosten des Vereins ein Abendessen verabreicht. Zum Schluß ergriff Herr Eugen Ehrmann nochmals das Wort und sprach allen Mitwirkenden seinen Dank aus. Mainz. In einer am 17. März d. I. stattgehabten Vorstandssitzung unterbreitete der Erste Vorsteher den Tank der Frau Professor Salfeld für die ihr zum 85. Geburtstag dargebrachte Gratutation, gab Keiiiitnts von verschiedenen Eingängen, darunter auch von Berichten des Architekten. Es wurden verschiedene lausende Angelegenheiten erledigt, eine Ausbesserung der Büroräume beschlossen und notwendige Kredite bewilligt. Vereine und Verbände. Am 13. März veranstaltete die Ortsgruppe des Zentralvereins in Worms eine öffentliche Versammlung, wo der Direktor des Zcntralvereins, Herr Dr. Ludwig Holläitder, im Rahmen des Themas „Innerer Friede — Deutschlands Rettung" eingehend alle von gegnerischer Seite wider besseres Wissen und leichtfertig ausgestellten Behauptungen von der „jüdischen Presse", „jüdischen Internationale", jüdischen Marxismus", Fremdheit der Juden, Rassensrage usw. aus ihre Berechtigung untersucht und den ungeteilten Beifall des überfüllten Saales fand, der sich ganz besonders steigerte, als der Redner auch ans die Fragen eingmg, die in einem von nationalsozialistischer Seite ihm zugegangcnen Brief aufgeworfen waren, ohne daß aber trotz eindringlichen Appells einer der im Saale selbst anwesenden Nationalsozialisten den Mut zum persönlichen Meinungsaustausch gefunden hätte. In Heppenheim an der Bergstraße hatte die Ankündigung, die in Form persönlicher Einladungen ergangen war, daß die Vertreter der drei Konfessionen, Dr. theol. und phil. C. M. Kaummann, Frankfurt a. M., Pfarrer Adolf Wendel, Oberbreidenbach und Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz, die Frage „Ist der Judenhaß berechtigt?" untersuchen würden, am 17. März d. I. einen Massenbesuch zur Folge, wie ihn das liebliche Städtchen an der Bergstraße wohl noch niemals bei irgend einem Anlaß zu verzeichnen hatte. Während Rabbiner Dr. Levi namens unserer Glaubensgemeinschaft in würdiger Form gegen die Verhetzung protestierte und unter Widerlegung einzelner Behauptungen über das jüdische Schrifttum und die Rolle der Juden im Wirtschaftsleben aus die Schädigung des deutschen Namens überhaupt hinwies, zeigten Dr. Kaufmann, für die katholische, und Pfarrer Dr. Wendel für die protestantische Glaubensgemeinschaft, wie aus der Geschichte, aus der Glaubenslehre der beiden Nachbarrelrgionen und aus den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsgefühls und der Nächstenliebe, daß der Judenhaß niemals die Zustimmung wahrer Christen finden, sondern gar nicht scharf genug verurteilt werden könne. — Auch in Ossenbach a. M. rollte der Direktor des Zentralvereins, Herr Dr. Holländer, am 15. März vor zahlreichen geladenen nichtjüdischen Gästen den Fragenkomplex auf, der infolge der völkischen Verhetzung jeden wohlmeinenden Nichtjuden zur eigenen Stellungnahme zwingt. — Am 8. März sprach Herr Dr. med. Otto Feldmann, Freiburg, in Bad-Nauheim in einer gut besuchten Versammlung über „Rassesragen", indem er die Grundbegriffe des Rasseproblems und der Vererbungslehre in anschaulicher Weise behandelte. — Im Anschluß an die drei erstgenannten Veranstaltungen bestellten sich zahlreiche Versammlnngsbesucher nach eigener Wahl die über die Judensrage sie interessierenden Broschüren, die der Landesverband des E.-V, Hessen und Hessen-Nassau jeweils in je einem Exemplar zur Ansicht aufgelegt hatte und den Bestellern kostenlos zugehcn lassen wird. Die Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa" Frankfurt a. M. gibt nachfolgendes bekannt: Das Sommersemester an unserer Lehranstalt „Jeschiwa" beginnt am Dienstag, den 99. April. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorstufe, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich aus: Bibel, Hebr. Grammatik, Talmud mit Kommentaren cursorisch und statarlsch und Tezisoren. Ten Schülern ist eventuell Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter sachgemäßer Leitung sortzubilden. Für den Lehrgang in der Vor- und Unterstufe werden schulentlassene Knaben und Jünglinge ausgenommen, die schon einige Kenntnisse in Talmud besitzen. Anmeldungen sind zu richten an den Leiter, Herrn Rabbiner Dr. Hossmann, Frankfurt a. M., Börneplatz 16, der zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Zu einer imposanten Kundgebung des „O r t" - Gedankens gestaltete sich die Aktion, die von prominenten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde zugunsten der „Ort"-Gesellschnst Anfang März in Hamburg veranstaltet wurde. Die Aktioit lvurde ciitgeleitet durch eitten Vortragsabend im Hotel Esplaitade, all dein die Mitglieder der Zentral-Verwaltung des „Ort"-Verbandes, die Herren Justizrat Tr. I. B r o d n i tz und Professor Tr. S. F r a n k s u r t vor einem engen Kreise angesehener Vertreter der Hamburger Judcnheit über' die Tätigkeit und Ausgaben des „Ort"-Verbandes sprachen. Ter Vorsitzende des Abends, Herr Alfred L e v y , begrüßte die Anwesenden mit dem Hinweis daraus, daß der „Ort"-Verband in Ost-Enropa vor Aufgaben gestellt sei, deren Verwirklichung im Interesse der jüdischen Bevölkerung Deutschlands liege und deren llnterstützuitg eine der driiigendsten Pflichten der deutscheii Judenheit sei. Herr Professor Tr. F r a n k s u r t entwarf in großen Zügen ein Bild von den gewaltigen Umwälzungen, die als Folge des Umsturzes innerhalb des jüdischen Wirtschastskürpers in alleri Ländern Ost-Europas währeiid der letzten Jahre vor sich gingen und berichtete eiitgehend über die Tätigkeit, die der „Ort"-Verband eiilsaltet hat, um die produktive Untschichtung der jüdischett Bevölkerung zu ermöglichen und zu fördern. In eindringlichen Worten sprach Herr Justizrat Tr. B r o d n i tz über die Pflicht deutscher Juden, die „Ort"-Beweguiig zu unterstützen. Eitigedenk ihrer Schicksalsgetneinschast mit den Glaubensbrüderu im Osten muß die deutsche Judenheit nicht iiur aus ethischen, sondern gerade aus egoistischen deutschen Erwägungen sich dieser ihrer Ausgabe nicht entzieheri Tie Gesundung der wirtschaftlichen Lage Ost-Europas liegt stn ureigensten Interesse der deutscheii Judenheit, deren Teilnahme ant werktätigen Umbau des ostjüdischen Wirtschastskörpers als driitgcndes Gebot jüdischer i'.nd allgeniein menschlicher Ethik bezeichnet werden inuß. Auch die Hamburger Judenheit sei ebenso wie die Jndenheit anderer Städte Deutschlands verpflichtet, am „Ort"-Werke tätig mitzuarbeiteii. Int Anschluß an die Vorträge hat sich ein Aktionsausschuß der „Ort"-Gesellschast in Hamburg gebildet. Ebenso fanden erfolgreiche „Ort"-Aktioneit in Dortmund, Bochum und Chemnitz statt. Am Mittwoch, den 19. März d. I., hielt in Berlin die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. ihre Hauptversammlung ab, die sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Der Vorsitzende, Professor Tr. M. S o b e r n h e i m , erstattete den Geschäftsbericht. Der Kasscnverwaltung wurde Entlastung erteilt. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. Im Allschluß Blumen- und Früchte-Haus Albert Bauer, Mainz Telefon 5716 Kaiserstrasse 98 Moderne Kranz- und Blumenbindereien,T afeldekorationen Tafelobst,Obstweine u.Liköre Lieferung frei Haus durch eigene Boten «* * Sp ezial-Auto -Rep ar atur- Werkstätte Carl Heinen, Mainz, Josefstr. 65 gegenüber derjosefskirche, Tel. 2148 Spezial-Reparatur aller amerik. Wagen Der Lospreis bleibt unverändert 35 /261. Preußisch-Süddeutsche Klassen-Lotterie Zur Ziehung 1. Klasse am 25. und 26. April 1930 habe ich noch abzugeben: Vs V, V. 7i Los_ Rm. 3.— 6.— 12.— 24.— pro Klasse Rm. 15.— 30.— 60.— 120.— für alle 5 Klassen B. LEVY, MAINZ Parkusstr. 8 Staatl. Lotterie-Einnahme Telefon 1031 Ecke Bahnhofstr. 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