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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Vor langer Zeit war auch hier eine jüdische Gemeinde. Ein Zimmer der vorgenannten alten Burg diente viele Jahre Hindurch als Synagoge. Ein älteres, jüdisches Fräulein, welches seine Wohnung iin alten Rathaus hat, ist noch hier ansässig. Von allen Einwohnern gut gelitten, könnte niemand dasselbe dazu bewegen, ihr geliebtes Heimatsdorf zu verlassen. In der ganzen Umgegend hat es gute Bekannte, die ihm in Not und Krankheit beistehen. Abwärts geht der Weg weiter nach Ebersgöns, und eine vor längerer Zeit abgebaute Synagoge zeugt, daß auch hier eine jüdische Gemeinde bestand. Eine Familie wohnt noch hier und treibt Landwirtschaft und dabei eine von der Umgegend gern aufgefuchte Gastwirtschaft. Tiefe Familie, sowie noch vier aus Ober- und Niederkleen, besuchen die Synagoge in Pohlgöns. Diese Gemeinde, wozu auch noch Kirchgöns und vorgenannte Gemeinden gehören, bauten vor etwa 3 Jahren eine' neue Synagoge. Leider hat sich auch durch Sterbefälle und Wegzug letztgenannte Gemeinde verkleinert. Heimwärts geht mein Weg über den Schrenzer, ein niederer Berg mit prachtvoller Aussicht in die Wetterau und auf Butzbach. Ich komme dabei an der vor vier Jahren neuerbauten Synagoge vorüber. Hier hat sich durch Zuzug auswärtiger Familien, die Gemeinde vergrößert, und wenn ich an die vielen erwähnten, jetzt verlassenen Synagogen und nicht mehr bestehenden Gemeinden am Schlüsse meiner 'Wanderung denke, so fallen mir die Dichterworte ein: „Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, und neues Leben blüht aus den Ruinen." I. Krämer, Butzbach. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alsfeld. Bei einem Gastspiel des Gießener Stadttheaters ereignete sich ein aufregender Zwischenfall. Es wurde Maughams „Heilige Flamme" gegeben, und Fräulein Drude Heß spielte die Hauptrolle. So oft die Schauspielerin auftrat, setzte aus einer Ecke des Saales ein störender Lärm ein, und bei Aktschluß wurde gepfiffen. Die Störenfriede stellten sich einwandfrei als Nationalsozialisten heraus, die ruhig zugaben, daß das Auftreten einer jüdischen Schauspielerin sie allein zu den lärmenden Kundgebungen veranlaßt habe. Darunter befand sich ein Gießener Student, der aus denr Saal gewiesen wurde. Das Publikum gab zu Beginn des nächsten Aktes die richtige Antwort: als Fräulein Heß auftrat, setzte auf offener Szene spontaner Beifall ein. Der Bürgermeister entschuldigte das rüpelhafte Verhalten und ließ den Darstellern zum Schluß unter dem riesigen Beifall des Publikums Blumenspenden überreichen. — In der letzten Stadtverordnetensitzung versuchte nun ein Nationalsozialist diese Vorgänge zu entschuldigen, indein er eine nicht wiederzugebende Schimpfkanonade gegen das Stück losließ. Von linksgerichteter Seite wurde jedoch bewiesen, daß die Kundgebungen vor allen Dingen gegen die jüdische Schauspielerin gerichtet waren. „Seltsam malt sich die Welt in einem Hitlerhirn!" meint das Kasseler Tageblatt dazu. Alzey. Als ein erfreuliches Zeichen ist es zu verbuchen, daß auch in den hiesigen jüdischen Vereinen in den letzten Wochen wiederum eine lebhafte Tätigkeit eingesetzt hat. Am Sonntag, den 3. Februar d. I., hatte die Ortsgruppe des C.-V. die ganze israel. Gemeinde sowie viele Nachbargemeinden zu cineni Vortrage des Syndikus Tr. Martin Marx aus Frankfurt a. M. eingeladen, iu WAND-und BO.PENBELAGE< Adam Kadel, Darmstadt Pallaswiesenstrasse 45/47 Fernruf 3063 Baumaterialien Wand-u.Bodenplattenbeläge dem dieser in einem ausführlichen und interessanten Referate über die Tätigkeit des C.-V. berichtete und zu noch intensiverem Zusammenschluß ermahnte. An der regen Diskussion, in der auch die Maßnahmen besprochen wurden, die man jeweilig bei nationalsozialistischen Versammlungen treffen müsse, beteiligten sich Rechtsanwalt Reumann, Mainz, Mayer, Harxheim, Lehrer Stern, Alzey und andere. Eine Zwischenbemerkung betr. Ausweisung der Ostjuden, wurde allseitig energisch zurückgewiesen. — Auch der israel. Frauenverein hatte kürzlich die hiesigen Frauen, sowie die der Nachbargemeinden, zu einer Versammlung eingeladen, in der Frau Borg aus Bingen unter Assistenz noch einiger Damen von dort über Aufgaben und Ziele des Jüdischen Frauenbundes sprach und zum Anschluß an diesen aufforderte. Am Vorabend des Purimfestes versammelte die Ortsgruppe des N.J.F. die hiesige Gemeinde, um einem Vortrage des Rechtsanwalts Robert Stern aus Bingen zu lauschen. Die Worte des Redners, die aus dem Herzen kamen, verfehlten deshalb auch ihre Wirkung nicht. Das Thema lautete „Der R.J.F. und feine Beziehungen zu den anderen jüdischen Korporationen". In fesselnder Weise verstand es der Vortragende, seine Zuhörer nicht nur zu unterhalten, sondern auch für die jüdische Sache zu begeistern. Auch hier gestaltete sich die auschließende Diskussion sehr interessant und anregend. Am Sonntage nach Purim fand im Saale zu den „Zwölf Aposteln" ein äußerst schön gelungenes Jugendfest statt, zu dem sich ebenfalls neben den hiesigen Familien viele aus den Nachbargemeinden mit ihrer Jugend eingefunden hatten. Das Fest stand unter der Leitung unseres Lehrers Herrn Stern und war in erster Linie vom israelitischen Frauenverein angeregt worden. Nachdem die Jugend mit Kuchen und Kakao bewirtet war, sprach Fräulein Erna Friedmann in ausdrucksvoller Weise einen Prolog, der uns in poetischer Form die Geschichte des Purimfestes ins Gedächtnis zurückrief. Diesem folgten launige Deklamationen der Schulkinder, während die reifere Jugend humoristische und musikalische Vorträge, Tänze, Reigen und dramatische Szenen aufführte. Alle Mitwirkenden waren ganz bei der Sache und gaben ihr Bestes, besonders hervorzuheben sind noch die jungen Damen Liesel Baum, Selma Strauß, Lotte Friedmann und die Geschwister Liesel und Ruth Marx aus Flonheim. Alles in allen: hatten die Aufführungen sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen viel Freude und Vergnügen bereitet. Am Schlüsse wurden alle Kinder sowie die reifere Jugend mit Purimgeschenken erfreut. Wohl noch lange werden unsere Kleinen an diese schöne Veranstaltung zurückdenken. Friedberg. Die Arbeitsgemeinschaft der hiesigen jüdischen Wohltätigkeitsvereine hielt am 22. Februar d. I. abends eine gut besuchte ordentliche Generalversammlung ab. Die Arbeitsgemeinschaft wurde im Jahre 1920, durch Zusammenschluß der bestehenden Wühlfahrtsvereine, gegründet, die teilweise auf e-n ansehnliches Alter zurückblicken können. Durch diesen Zusammenschluß ist eine gerechte Betreuurig der Unterstützungsbedürftigen gewährleistet. Ter Vorsitzende, Herr Siegfried Rothschild, eröffnete und leitete die Versammlung. Ter Arbeitsgemeiiifchaft sind nachstehende Vereine angeschlossen: der Studentenunterstützungsverein, der Gegenseitigkeitsverein, der Holz-, der Hilfsder Armenverein und die Unterstützungsabteilung der Arbeitsgemeinschaft. Der Geschäftsilnd Rechenschaftsbericht lag tu gedruckter Form vor, aus dem ersichtlich ist, daß die Vereine im allgeineinen güttstig gewirtschaftet FÜR PESSACH führen wir in einer separaten Abteilung sämtliche Kolonialwaren sowie Kaffee, Kakao, Zucker, Schokolade, Pralinen u. Gebäck zu den bekannt billigen Preisen. Die Abteilung steht unter Aufsicht s. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Levi. Mazzen IPId. Pak. 0.50, Mazzenmehl IPfd.Pak. 0.50 Die Lieferung erfolgt franco soweit unsere Lieferwagen verkehren. Verlangen Sie unsere reichhaltige Preisliste MAINZ LEONHARD AKTIEN-GBj I 7

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