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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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pebijiin 229, Naturwissenschaften 105, Philosophische Wissenschaften 82, Landwirtschaft 31, Handelswissenschaft 28, Rechtswissenschaft 12, Musikwissenschaft 5. . ,, Den Absolventen mußten Mittel zur .Heimreise — etwa o7 Prozent der Gesamtzahl der Absolventen kehrten nach ihren Heunatländern zurück — zur Verfügung gestellt werden. Der Hilfsverein trug zu den Kosten aus seinem Emigrationsbudget vielfach bei. Ein Teil verblieb in Deutschland, andere begaben sich nach Frankreich, Palästina und überseeischen Ländern, wobei wiederum der Hilfsverein dank seinen weit verzweigten Verbindungen mit jüdischen Organisationen und Institutionen in diesen Ländern dw nötigen Informationen einholen konnte. Als die Hilfsaktion eingesetzt hatte, hob Paul Nathan irr einer Ansprache, die er in einer einberusenen Konferenz gehalten hatte, hervor, daß die Studenten aus dem Osten dank ihrer Ausbildung in Deutschland eine bedeutsame Mission in ihren Heimatländern zu erfüllen berufen seien. Es sei darum Pflicht der deutschen Judenheit, die Notlage der Studierenden zu erleichtern und ihre intellettuelle Entwicklung zu fördern. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erläßt nachfolgenden Aufruf: „Wir erhalten eine erschütternde Nachricht aus Litauen. Am 27. Januar ist das jüdische K i n d e r h a u s in K o w n o , das in den letzten neun Jahren eine Heimstätte für die verwaisten und von Verwahrlosung öedrohten jüdischen Kinder Litauens geworden ist, einem Brande zum Opfer gefallen. Das Kinderhaus wurde von deutsch-jüdischen Aerzten geleitet. Es umfaßt Säuglingsheim, Kinderambulatorium, Kinderfürsorgestelle, Schulbadeanstalt, Kleinkinderheim mit Kindergarten, Schulkinderheim, Lehrlingsheim, Kinderwerkstätten und Gärtnereischule. Bei der Katastrophe sind zwei Kinder unrs Leben gekommen, ein drittes schwebt in Lebensgefahr. Die mit großer Mühe geretteten Kinder sind notdürftig untergebracht. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der seit seiner Begründung die Fürsorge für die jüdische Jugend im Osten als eine seiner wichtiasten Aufgaben betrachtet, fordert seine Mitglieder, die weitesten jüdischen Kreise in Deutschland, die jüdischen Gemeinden und die Bne Briß-Logen auf, ihre Mithilfe zur Wiedererrichtung des Kinderhauses zu gewähren. Es gilt, eine Erziehungsstätte auszubauen, die den modernen hygienischen und pädagogischen Anforderungen entsprechen und der gesamte n jüdischen Kinderfurgorge Litauens dienen soll. Es geht um die Rettung tausender jüdischer Kinder! Gütige Spenden bitten wir mit der Bezeichnung „Für das Litauen-Hilfswerk des Hilssvereins der Deutschen Juden" aus unser Bankkonto: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Depositen-Kasse C, Berlin W 9, Potsdamer Straße 127-28, oder aus unser Postscheckkonto, Berlin NW 7, Nr. 331 20, zu überweisen. Jüdischer Frauenbund Mainz. Wir erinnern unsere Mitglieder daran, daß am 10. März dieses Jahres, abends 8 Uhr, in der Rhenusloge unsere Purimfeier und am 24. März d. I., nachmittags 4 Uhr, in der Rhenusloge unsere Generalversammlung mit anschließendem Vortrag stattsinden. Ter Vorstand. Werbearbeit des Weltverbandes Schomre Schabbos für den Sabbathkongretz. Tie Deutsche Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos hat in der Erkenntnis der Notwendigkeit, die jüdische Allgemeinheit und auch die nichtjüdische öffentliche Meinung stärkstens für den kommenden Sabbathkongreß uiid die ihm gestellten Probleme zu interessieren, nach einer sorgfältigen und arbeitsreichen Vorbereitung am 16. Februar in Berlin eine Kundgebung abgebalten, die unter der Devise „Sabbath-Judenmm-McnsÄheit" fast 2000 Menschen in: Bachsaal vereinigte. Namens des Aktionskomitees begrüßte der Präsident des Weltverbandes, Seminardozent Dr. Grünberg, die illustre Versammlung. Herr Tr. Grünberg, der Gründer des Weltverbandes, schilderte die tiefe Tragik des' Judentums, die darin bestehe, daß es in einer Zeit, wo der Begriff des Ruhetages als solcher in allen Kulturstaaten immer FÜR PESSACH führen wir in einer separaten Abteilung sämtliche Kolomalwa^en sowie Kaffee, Kakao, Zucker, Schokolade, Pralinen u. Gebäck zu den bekannt billigen Preisen. Die Abteilung steht unter Aufsicht s. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Levi- MazzenIPfd. Pak.0.50, MazzenmehlIPfd.Pak. 0.50 Die Lieferung erfolgt franco soweit unsere Lieferwagen verkehren. AKT! EN-GES, LEONISARD MAINZ *5*5? stärker im Staatsgesetz verankert werde, um feilten gottgegebenen Ruhetag kämpfen und ringen müsse, jenen ernsten und heiligen Kamps, den zu führen der Weltverband gegründet und berufen sei. Herr Rabbiner Dr. Jakob Freimann zeichnet ein Bild des „Waffenstillstands im Kleinkrieg des Lebens". Von zwei Seiten sei der Sabbath gefährdet: einmal durch die Konzentrierung jüdischer Menschen in bestimmte bisher typisch „jüdische" Berufe und die Sabbathkontrakte, die leider v.elen Unternehmern als Handhabe dienen, jüdische Arbeitnehmer zu entrechten, fernerhin von außen her durch die die Sicherheit einer festen Sabbathruhe gefährdende Kalcnderreform mit ihren „Blankotagen", die den Sabbath im Kreislauf der Woche wandern lasse. Oberrabbiner Dr. Josef Earlebach spricht von den Segnungen des Sabbaths, der die jüdische Seele am stärksten hincinstelle in den Bund mit Gott. Die Menschheit habe nur das Aeußerliche unserer Sabbathidee übernommen, und ttoch immer tst die Mehrheit der Menschen versklavt, damit Wenige feiern können; der Sabbath diene, in seinem tiefen Sinne verslanden, der Ucberwindung zweier schwerer Krisen unserer Jett, nämlich der Krise der Religiosität in der Großstadt, die ein Kenilzcichen für die Verflachung des Lebens fei und der Krise des Sozialismus als Ausdruck der Lebensverbitterung. Der scheinbar gegen Gott geführte Kampf sei zumeist in Wirklichkeit lediglich ein Kampf gegen jene Kreise, die, Gott im Munde führend, mit religiöser Ausgestaltung Unrechtes tun, Profitgier und Steigerung der wirtschaftlichen Macht zu bemänteln suchen, nicht aber ein Kampf gegen den Gott des Sabbath, der der Menschheit damit die stärkste Möglichkeit gegeben habe, sich ihre Menschenwürde zu wahren, sich ihr Leben zu vergeistigen und zu vertiefen. Frau Lina Wagner-Tauber geißelt da? mangelnde Gefühl der Solidarität vieler jüdischer Brüder, selbst solcher, die in ihrem persönlichen Leben sich den Forderungen des orthodoxen Judentums zu unterwerfen streben. Als Beispiel der Savbathtieue stellt sie den Bekennermut der tioventisten hin, die es ebcii diesem „Mut zur Forderuiig" zu daiiken haben, ioenn es ihnert gelingt, bei Behörden und Großbetrieben unter voller Wahrung der Sabbathruhe Beschäftigung zu finden. Rednerin schließt mit dein warmherzigen Ausruf: „Wir wolleii uris vornehmen, den. Sabbath zu halten, und Gott wird uiis dabei helfen." Prokurist Fritz Cohn tritt für produktive Mittelstandsfürsorge ein, unter Ausnützung der bereits geschaffenen Grundlagen für eine interterritoriale 'Kreditgenossenschaft, propagiert die Förderung selbständiger Existenzen, vor allem im Handwerk, fordert ferner, daß der Weltverband Schomre schabbos die voii ihm bereits früher aufgenonimene Anregung des Herrn Staatssekretär Hirsch, betreffend Verlegung der Lohiizahlungstermine weiter verfolge, daß er der Wochenendbeweguiig ilach wie vor stärkstes Interesse zuwende, grüßte Solidarität der Sabbathtreuen wecke, mit dem Ziele, durch dies alles das Kleinod des Sabbath aus einer betrüblichen Gegenwart hinüberzuretten in eine bessere Zukunft. Bibliotheksrat Prof. Dr Hermann Pick beha'.idelt den Sabbath im Lichte der Wissenschaft. Ec weist nach, wie alle Angriffe, die seiiierzeit auf bent Boden einer polemischen Wissenschaft gegen die Ursprünglichkeit Uiid gegen das Ethos der reinen jüdischen Sabbathidee erhoben wurden, heute verschwiliidcn sind, daß sie verschwinden mußten vor der Größe uiid Unnachahmlichkeit des Sabbath, die sich gerade jetzt in der Zeit der wirtschaft- 7 Mainzer Pädagogium Höhere Privatschule Fernsprecher 3173 Vorbereitung' zu allen Klassen der höh. Schulen. Obersek, Prima und Abitur. Ostern und Herbst Abschlußprüfung Stoff des früh. Einjähr) an der eig. Schule. Versäumte Schuljahre weiden schnell und sicher nachgeholt. Auch lur Damen und Volksschüler. Sprechzeit 12—722 Uhr. Diether von Isenburgstraße 13’/io

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