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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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27. April d. 3. stattfindenden Gemeindetag dem Verbandsbüro umgehend zu bezeichnen. Formular nachstehend. Kleingemeinden schließen sich zu Stimmverbänden zusammen. Die Wahl der Abgeordneten derselben erfolgt durch Abstimmung der Ersten Vorsteher. Aus fünfzig Steuerzahler entfällt ein Abgeordneter. Mainz, den 26. Februar 1930. Hochachtungsvoll gez. B. A. Mayer, Verbandsvorsitzender. Muster: An den Qberrat des Landesverbandes der isr. NeligionSgemeiuden Hessens Mainz. Als Abgeordneter unserer Religionsgemeinde ist Herr . . bestimmt worden. Unsere Gemeinde zählt .... Steuerzahler. Unser Stimmverband zählt .... Steuerzahler. Zu unserem Stimmverband gehören die Religionsgemeruden: , den .... März J 930. Stempel Erster Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde XU. Vorstehendes ist mit dem Stempel des Vorstandes oder des Bürgermeisters zu versehen. Die Raschikapelle in Worms a. Rh. Von I. Kiefer. Mit freundl. Genehmigung des Verfassers aus der Zeilscdrifl sllr die Geschichte der Juden in Deutschland entnommen. Ter verstorbene Forscher A. Epstein aus Wien schrieb in seiner Veröffentlichung über „Jüdische Altertümer in Worms und Speyer, Breslau 1896": „Die Raschikapelle hat also mit Raschi nichts zu tun, und man soll diesen großen Lehrer, der sein ganzes Leben nach Wahrheit forschte, nicht mit einer Lüge zu verherrlichen suchen. Die jüdische Gemeinde zu Worms kann dabei immer noch stolz sein, daß Raschi seine Studien in ihrer Mitte gemacht hat." Man muß sich über die Heftigkeit dreier Auslassung wundern, umsomehr als Epstein selbst auf eine ganze Reihe von Widersprüchen gestoßen ist, die ihn bei seinen Behauptungen hätten zur Vorsicht mahnen sollen. Es ist auffallend, wie Geschichtsauffassung und Forschungsergebnisse über die Wormser Synagoge und Kultusgebäude bei den meisten, die sich mit dieser Materie beschäftigten, die verschiedensten Resultate gezeitigt haben. Teils waren die Forscher fähig, gute Uebersetzungen der hebräischen Jnschrifttafeln und Auszeichnungen zu liefern, fanden sich aber bautechnisch nicht zurecht, teils war bei ihnen das Umgekehrte der Fall. Der Mangel an gründlichen Lokalkenntnissen trat aber bei vielen ganz besonders nachteilig in Erscheinung; auch bei Epstein war dies der Fall. Zunächst hierfür ein Beispiel. Zum ersten Male veröffentlichte der s. Zt. in Worms amtierende Prediger Lewysohn in seinem Büchlein: „Nafschos zadikim" alle Inschriften der Synagoge. Hierauf bezugnehmend meinte Epstein in seiner Abhandlung: „Unglücklicherweise hat Lewysohn viel Confusion hineingebracht, indem er eine andere, viel jüngere Handschrift (9fr. 5) als den Anfang von 'unserer Nr. 1 betrachtete und so auch veröffentlichte. Er wußte dann nicht, was mit dem anderen Datum ,1186) anzufangen sei, und verleitete durch den Mißgriff Graetz zu einer abenteuerlichen Conjektur." Von den beiden Inschriften, um die es sich hier handelt, befand sich.eine rechts vom Nordportal der 9Nännersynagoge, die andere, Vgl. A. Epstein-Wien: Jüdische Altertümer in Worms und Speyer, Breslau 1896. Verlag Schottländer. Derselbe: Wormser Minhagbücher, Breslau 1900: Verlag Schottländer. Dr. L. L e w y s o b n : Sechszig Epitaphien des isr. Friedhofes zu Worms, Franks. 1855. Verlag Bär. 2 aus zwei Teilen bestehend, über einer Tür, die zur Raschikapelle und zum Frauenbad führte. Die erstgemeinte Tafel behandelt die Erbauung der Männersynagoge durch Mar Jacob und Frau Rachel im Jahre 1034 und läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die andere dagegen, in Ausführung und Schriftart wohl dieser ähnlich, hat einen Inhalt, der nicht ohne Weiteres klar ist. Psalmworte und Bibelsprüche bilden den Unterton und stellen eine recht schwer zu lösende Aufgabe dar. Der Inhalt betrifft den Hof der Synagoge und Gebäude, die sich darin befinden; er lautet nach Lewysohn: „Von der Sehnsucht nach dem Vorhof des Tempels errichtet, stehe das Zeugnis da in Joseph; Gottesfürchtige Ihr, schaut aufwärts zum Felsen, zur Schrift ihm vorn eingegraben. Den Inhalt beweist, ruft und bezeugt der Stein aus der Wand, der Balken aus dem Gehölz. Tief grub er bis zum Grunde und führte aufwärts das Gewölbe, einwärts führt ein gerader Weg, und die Wand erhebt sich aus früheren Trümmern. Dieses alles auf Kosten seines Geldes, auf daß er im Schatten der Weisheit eine Hütte sich schaffe, unter dem ästigen Baume, in jener Höhe errichtet, dort, wo beim Aufgang der Sonne das Licht ihm schön erglänzt, daß Schatten ihm werde in der Hütte, von der Haut dessen, über welchen die Freunde die Lose werfend, würdig zur Teilung im Kreise sich setzen. Genießen wird er der Freuden Fülle; einem Gurte gleich wird Tugend um seine Lenden, Treue um seine Hüften sich schließen." Ueber diese Inschrift berichtet nun Epstein: „Sie befand sich somit anno 1559 oberhalb des Waschbeckens an der westlichen (oder südlichen?) Wand und oberhalb der nördlichen Tür angebracht, woselbst sie von Lewysohn gesehen wurde. Gegenwärtig ist sie in der östlichen Mauer des Vierecks (im Hofe) eingemauert. Es liegt nahe, anzunehmen, daß die Gedenktafel von ihrem ursprünglichen Platze infolge des Anbaues der Raschikapelle entfernt werden mußte. Die Inschrift ist sehr gut erhalten. Wenn Elieser über Undeutlichkeit klagt (Elieser ben Samuel nahm 1559 von allen Tafeln Abschriften), so muß sie zu seiner Zeit von Staub und Moos sehr bedeckt gewesen sein." Hier beginnen die falschen Folgerungen, und es fehlte außerdem Epstein das kundigeAuge. Die Jnschrifttafel besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte, und es ist unschwer zu erkennen, daß die letztere nach Eliesers Zeit erneuert worden ist. Die Stelle jedoch, an der sich die Tafel ehemals befand, hätte zu dem Rärselraten („wenn ich nur Lewysohn recht verstehe", schreibt Evstein S. 9 Anm. 1) keine Veranlassung gegeben, wenn jemand Epstein auf die Abbildungen aus früheren Zeiten hingewiesen hätte. Aeltere Holzschnitte, besonders aber die Lithographien einer Wormser Kunstanstalt, die in sehr vielen Familien verbreitet sind, zeigen, genau wie es Lewysohn beschreibt, daß diese Tafeln über der Tür, die zur Raschikapelle führte, und oberhalb des Waschbeckens angebracht waren. Sie befanden sich also niemals in der Westwand der Synagoge. Wenden wir uns nun noch kurz dem Inhalt der Tafeln zu, so haben Lewysohn und Epstein gute Uebersetzungen geliefert, aber beide kamen nicht zu einem abschließenden Ergebnis. Auch hier hätte ein lokalkundiger Berater Epstein die Aufgabe erleichtern können. Es dürfte sich lediglich um das Frauenbad handeln, das 1186 von einem Manne, der Joseph hieß, errichtet wurde. „Tief grub er bis zum Grunde und führte aufwärts das Gewölbe, einwärts führt ein gerader Weg und die Wand erhebt sich aus früheren Trümmern." Mit anderen Worten heißt dies, daß ein aus Römerzeiten stammender Brunnen zu einem Frauenbad umgebaut wurde. Eine Treppe, die bis hinab zur Quelle führt, wurde angelegt, das Ganze überwölbt, und die noch brauchbaren Fundamente, besonders die östliche Mauer mit deutlichem römischen Ursprung wurden mit benutzt. Die rein romanischen Steinhauerarbeiten bestätigen das Erbauungsjahr 1186. Kehren wir nun zu dem Gegenstand unserer Betrachtung zurück. Epstein nahm an, wie schon vorher ausgeführt wurde, die Tafel bezüglich der Erbauung des Frauenbades hätten in der Westwand der Männersynagoge gesessen, weil er dort einen Eingang vermutete, der in früheren Zeiten bestanden haben soll. Durch diese, durch nichts -begründete Vermutung ließ man sich alsdann verleiten, falsche Schlüsse zu zwhen, d. h. die Epistenz eines Gebet- oder Lehr-Hauses, in dem Raschi geweilt hätte, an der Stelle der jetzigen Raschikapelle zu verneinen. Die erste Aufgabe dürfte es deshalb sein zu prüfen, ob an der vermuteten Stelle eine Tür möglich und erforderlich war und ob solche überhaupt einen Zweck hätte haben können. Wir wissen, daß der Hof der Synagoge recht klein war, er hatte nicht einmal die Größe von heute. Im Norden lag die Judengasse mit der übergroßen Mehrzahl der Häuser unserer Vorfahren. Dementsprechend befindet sich das Hauptportal der Synagoge in ihrer Nordfront. Es kann nicht an anderer Stelle gewesen sein, denn eine Chronik im städtischen Archiv gibt uns Kunde davon, daß dieses Portal bei der Zerstörung

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