Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9582242-9623187-9620658--0493-9620663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aufruf zur Bildung eines Synagogen-Chores. Es entspricht einem schon lange in weiten Kreisen unserer Gemeinde lebhaft gesuhlten Bedürfnis, dem Gottesdienst durch die Bildung eines großen Synagogen-Chores aus der Mitte der Gemeinde eine besondere Weihe zu gewähren und auf diese Weise die Schönheiten des unvergleichlichen traditionellen Melodienschahes, über den unsere Lithurgie verfügt, neu erstrahlen zu lassen. Bereits eine größere Anzahl von Damen unserer Gemeinde haben sich für die Bildung dieses neuen Synagogen-Chores zur Verfügung gestellt. Wir richten demgemäß an die sangeskundigen Mitglieder unserer Gemeinde, Damen wie Herren, die ergebene Bitte sich ebenfalls diesem schönen Zwecke zur Verfügung zu stellen und ihre Mitwirkung für die Tätigkeit dieses neuen Synagogen-Chores zuzusagen. Anmeldungen bitten wir möglichst bald an Herrn Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz, Taunusstraße 45 gelangen zu lasten. Mainz, den 30. Januar 1930. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Mainz i. V.: Dr. Simon Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mainz Telefon 737 Geschäftsstelle: Hindenburgstrasse 44 Helft uns durch Spenden von Geldbeträgen und Zuweisung auch bereits getragener Bekleidungsgegenstände Vereine und Verbände. Der Jüdische Friedensbund erläßt ein Rundschreiben, dem wir nachfolgendes entnehmen: 1. Die jüdische Friedensbewegung vermag ihre Ziele ohne erhebliche Mittel nicht zu verwirklichen. Will sie Schulter an Schulter mit den Friedensorganisationen anderer Bekenntnisse den praktischen Aktionen zur Befriedung Europas und zur Herbeiführung desWeltfriedens sich beteiligen, so tritt ihr stets und überall das Problem der finanziellen Mittel entgegen. Selbstverständlich ist es in erster Linie etrte Ehrenpflicht der begüterten Schichten, zur Aufbringung der erforderlichen Fonds beizutragen. Es sei auch mit Anerkennung hervorgehoben, daß diese Gruppen sich ihrer Pflicht nicht entziehen und am Aufbau des Werkes sich nach Kräften beteiligen. Die Sache des Friedens liegt jedoch jedem Mitglied der jüdischen Gemeinschaft am Herzen; jeder Einzelne empfindet auch das Bedürfnis, durch einen, wenn auch noch so bescheidenen, materiellen Beitrag seine Gesinnung zu bekunden und die Friedensbestrebungen zu unterstützen. Es muß also ein Weg gefunden werden, der es ermöglicht, daß auch die breite st en Massen durch klein st e Geldopfer an dem jüdischen Friedenswerk sich beteiligen und daß dieses Werk so zur Leistung und zum Ausdruck desWollens und Strebens der ganzen Gemeinschaft wird. 2. Diese Idee liegt der Freiwilligen Jüdischen Friede n s st e u e r zugrunde. Die Steuer wird von Arm und Reich, von Alt und Jung in der gleichen Höhe von jährlich einer Reichsmark erhoben. Bei einer Umfrage hat dieser Plan den vollen Beifall aller maßgebenden Stellen gefunden. Ende Dezember v. I. veranstaltete die „Ort"-Gcsellschast in Heilbronn im Saale der Adlerbraüerei einen Vortragsabend, an dem der Generalsekretär der „Ort"-Gesellschaft, Abt. Deutschland, Herr Dr. Michael Traub, Berlin, zum Thema „Schicksalsstunden des jüdischen Wirtschaftslebens" sprach. Der Abend wurde durch eine kurze Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. S. G u m b e l, eingeleitet. Mit größter Aufmerksamkeit verfolgten die Zuhörer die Ausführungen des Vortragenden über die Bedeutung des Berufsumschichtungs-Problems für die wirtschaftliche Gesundung der jüdischen Massen. Im Anschluß an den Vortrag wurde ein Aktions-Komitee gebildet. Die eingeleitete Werbeaktion hatte bereits in den ersten Tagen ein sehr gutes Resultat gezeitigt. Ter Palestine und Orient-Lloyd veranstaltet eine „Früblingsfayrt nach Palästina, Aegypten und Syrien. Die ganze Reise dauert 33 Tage und kostet 825 RM. Interessenten erhalten bereitwilligst Auskunft bei dem Palestine und Orient-Lloyd, Berlin N 24, Friedrichstraße 121. Am 15. Januar 1930 fand die ordentliche Generalversammlung des Reichsbnndes Jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Mainz statt, welche gut besucht war. Gegen 9 Uhr eröffnete der Vorjitzende die Versammlung, begrüßte die Anwesenden und erteilte Kamerad Mar W a l d m a n n das Wort zur Berichterstattung über das vergangene Gesckästsjabr. Bei der Mitteilung, daß im letzten Jahr unsere drei letzten Ehrenmitglieder, die Veteranen 1870-71 Julius Oppenheimer und Moritz Kahn, Mainz, Leopold Weiß, Hecklsheim, sowie mner unserer eisrigst mitarbeitenden Kameraden, Moritz Edinger, Mainz und von den Förderern Herr Louis Heß verschieden seien, erhoben sich die Kameraden zu Ehren der Toten Alsdann erstattete Kamerad Joseph den Kassenbericht, welcher durch die Revisoren richtig befunden wurde. Nachdem der alte Vorstand entlastet wurde, sprach Kamerad Dr. Rosenblatt irn Namen der Mitglieder dem alten Vorstand seinen Dank aus für die im abgelaufenen Geschäftsjahre geleistete Arbeit. Alsdann ergriff er das Wort, um über die Turngruppe zu berichten. Es wurd: freudig ausgenommen. daß die Zahl der Turner und Turnerinnen dauernd im Steigen ist, und daß die turnerischen Leistungen sich ebenfalls dauernd verbessern. Kamerad Benno L e v v dankte hierauf dem Turnwart. Ebenso sprach Kamerad Siegmund Strauß demselben seinen Tank aus und machte den Vorschlag, daß man in den Mainzer jüdischen Zeitungen auf die Turngruppe des RIF. öfters Hinweisen soll. Bei der Vorstandswahl wurden einstimmig gewählt: 1. Vorsitzender Benno Levh, 2. Vorsitzender Dr. Karl Ladenburg, Schriftführer MaxKarl Waldmann, Kassierer Isidor Joseph, Beisitzer: Dr. Stern, Fritz Löwenstein, Alfred Friedberg, Turnwart Dr. Rosenblatt. Alsdann ergriff Kamerad Dr. Stern das Wort, um über den Bundestag in Berlin Ende Dezember 1929 zu berichten. Er gab eine sehr interessante und anschauliche Schilderung über den Verlauf der Tagung und der hier gewonnenen Eindrücke. Für den städtischen Ausschuß der Kriegsbeschädigten wurden wir seitens der Oberbürgermeisterei aufgesordert, von unserer Organisation ebenfalls Vertreter zu senden. Es wurden dazu die Kameraden Benno Levy, Max London und Max Waldmann bestimmt. In der Versammlung 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.