Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9582242-9623187-9620658--0494-9620664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
wurde angeregt, im Monat März einen Trauer-Gottesdienst für die Kriegsgefallenen stattfinden zu taffen. Kamerad Dr. Ehrm a n n hat sich bereit erklärt, diesen Wunsch an den Vorstand der Gemeinde weiterzuleiten. Im Monat Februar soll ein karnevalistischer Herrenabend stattfinden, wozu sich schon jetzt mehrere Mitglieder bereit erklärten durch Vorträge oder Lieder zur Verschönerung des Abends beizutragen. Die Frage über die zu gründende Turngruppe mit dem jüdischen Jugendverein in Mainz brachte eine einstündige Diskussion. Es wurde beschlossen, daß eine Turnriege mit dem jüdischen Jugendverein gegründet werden soll. Die Turnriege, die jüd. Pol. und religiös neutral ist, hat in erster Linie den Zweck, jüdische Turner und Turnerinnen auszubilden, um diese später den Mainzer Turn- und Sportvereinen zusühren zu können. Gegen 12 Ilbr schloß der Vorsitzende die Versammlung, nachdem vorher noch der Senior unserer Ortsgruppe, Kamerad Oppenheimer, den anwesenden Kameraden dringend ans Herz legte, für den R.J.F. eisrigst zu werben. Bücherschau. Fiebig, D. Paul: Ter Talmud, seine Entstehung, sein Wesen, sein Inhalt, unter besonderer Berücksichtigung seiner Bedeutung für die neutestamentliche Wissenschaft. Verlag Eduard Pseisser, Leipzig 1929, 140 Seiten. Preis brosch. M. 5.50. Die Verbreitung der Kenntnis des Talmud wird von uns Juden dankbar begrüßt. Leider waren sebon wiederholt Veröffentlichungen über dieses Gebiet zu verzeichnen, die aus dem Grunde abzulehnen waren, weil ihnen die notwendige wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit fehlte, weil der Versuch, Proben talmudischen Stoffes zu bringen, die Autoren dazu verleitet hatte, Ausführungen und Grundsätze aus ihrem Zusammenhang zu reißen und so die talmudischen Gedankengänge zu vergewaltigen. Ausdrücklich sei betont, daß Fiebig in seinem Werke sich von diesem Fehler sreigehalten hat und daß er wissenschaftlich und sachlich einen lleberblick über die Entstehung, das Wesen und den Inhalt des Talmud erbringt. Entstehung und Wesen des Talmud werden eigentlich nur als Einleitung zum ganzen Werke behandelt; für die Darlegung des Inhalts stellt der Verfasser den größten Teil seines Werkes zur Verfügung: Er läßt den Talmud in wörtlicher Uebertragung selber sprechen und versieht die ausgewählten Stellen nur mit kurzen Bemerkungen erklärenden oder vergleichenden Inhalts. Die von ihm (Seite 20) gebrachte Bemerkung: „daß Zitate aus dem Talmud nur dann Wert haben, wenn sie den Wortlaut genau zeigen und den. Zusammenhang, in dem sie stehen. Sonst läßt sich mit solchen Zitaten überhaupt nichts ansangen. Gesetze wollen genau wörtlich zitiert sein, nicht aber nur in ungefährem Wortlaut und etwa so, daß man ihre ganze Kasuistik verwischt und das Konkrete dabei in Allgemeinheit verflüchtigt", hat Fiebig in seinem Werke befolgt. Er hat es verstanden, dem Talmud einen Dienst zu leisten und — wie es seine Absicht war —• auch der neutestamentlichen Forschung vom Talmud her wesentliche Förderung zuteil werden zu lassen. Dr. L. Weinberg, Max: Ewige Weisheit, aus dem Spruchborn der Weisen. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen. 5. Auslage. Verlag Otto Hendel, Berlin. 384 Seiten. Preis M. 4.50 in Ganzleinen, M. 5.— in Halbleder. Daß dieses Buch, ein jüdisches Buch, in 5. Auslage erscheinen konnte, spricht zur Genüge für das Buch. Daß es s. Zt. durch die Verleihung des Schillerpreises ausgezeichnet war, beweist, daß man in Fachkreisen es zu würdigen wußte; daß die vier ersten Auslagen seit längerer Zeit vergriffen waren, bekundet, daß dieses Buch durch lange Zeit und immer wieder eifrige Leser gesunden hatte. Die poetische Form, in die der Verfasser Prosatexte aus dem talmudischen und rabbinischen Schrifttum bringt, ist zwar unserem Zeitgeschmack keine Notwendigkeit für gehobene Sprache, ist aber frei von Vergewaltigung und gezwungener Dichtelei; das Buch ist in der neuen Auslage immer noch zeitgemäß, die vornehme Ausstattung macht es zum geeigneten Geschenkwerk für Jung und Alt. Tienemann, Tr. M.: Galuth. Tie Morgenreihe sechste Schrift. Philo-Verlag GmbH., Berlin SW 68, 1929. 16 Seiten. Preis brosch. M. 0.50. Dienemanns klarer und kluger Aussatz, der im „Morgen" Jahrgang 4, Nummer 4, veröffentlicht war, ist in diesem Sonderheft erschienen. Bei der Bedeutung, die dieses Thema im innerjüdischen Leben heute hat, wird die Sünderpublikation weiten Kreisen erwünscht sein. Dr. L. Schorsch, Dr. Emil: Tie Lehrbarkeit der Religion. Verlag Hermann Beyer & Söhne, Langensalza 1929. 96 Seiten. Preis geheftet M. 2.10. Wenn wir in der Bücherschau der Oktobernummer unsres Mitteilungsblattes bei der Besprechung des Werkes: Edmund Fischer „Der religiöse Komplex im Kindertraum", unserem Bedauern darüber Ausdruck gegeben hatten, daß der Autor jüdisches Material für seine Abhandlung nicht gebracht habe, so können wir heute mit Befriedigung feststellen, daß in der 6 Schorsch'chen Arbeit uns ein Werk geschenkt ist, das in wesentlichen Teilen seiner Ausführungen sich aus jüdischem Grunde ausbaut. Schorsch hat hier eine erste Abhandlung geschaffen, die wissenschaftlich grundlegend und pädagogisch fruchtbar ist. Jüdische Fachkreise haben sich bereits intensiv mit dem Werk und dem darin behandelten Problem besaßt. Wir verweisen aus den in voriger Nummer enthaltenen Bericht über die am 15. Dezember 1929 in Mainz stattgesnndene Tagung des südwestdeutschen Rabbiner-Verbandes, bei welcher ein Referat und eine Aussprache über Schorsch's Arbeit im Mittelpunkt der Verhandlungen stand. „Die Lehrharkeit der Religion" ist als Heft 2 der 3. Reihe der von Professor Dr. Oswald Kroh, Tübingen herausgegebenen pädagogischen Untersuchungen in Friedrich Mann's pädagogischem Magazin erschienen. Dr. L. Asch, Schalom: Petersburg. Verlag Paul Zsolnay, Berlin— Wien—Leipzig 1929. 447 Seiten. Als erster Band eines geplanten dreibändigen zeitgeschichtlichen Romans ist dieses „Petershurg" erschienen. Vielleicht sollte man mit der Besprechung des Werkes warten bis Asch uns so wie durch Petersburg auch durch „Warschau" und „Moskau" geführt hat. Die Tendenz des Werkes, und diese wird zweifellos beabsichtigt, sowie die Entwicklung der gezeichneten Persönlichkeiten, soweit sie noch entwicklungsfähig sind, wird dann erst gewertet werden können. Aber auch das, was Asch in diesem ersten Bande schildert, fesselt durch seine Bildhaftigkeit, die aus ber Meisterung des Stoffes beruht. Das weite russische Land, russische „Herrennaturen" wie Dienerseelen in ihrem seelischen Ausbau sind plastisch hingestellt, das äußerlich glänzende, aus dem Vollen schöpfende Leben der „höheren" Schichten im Petersburg der Zarenzeit wird im schauerlichen Kontrast zur stieren Dumpfheit des niederen Volkes gezeichnet und von diesem bewegten Hintergrund hebt sich das innere Drama der zum Aufenthalt in der Zarenresidenzstadt zugelassenen Judengruppen ab. Kausleute erster Gilde und bevorzugte Akademiker, eingelullt in eine Selbsttäuschung, führen ein ihrem Seelengrunde fremdes Leben. Innerlicher, wertbewußter erscheinen die scheuen, verfolgten und bedrängten Jnterimsgäste der Absteigeschänke. Aus diesen beiden Erlebnisbezirken tritt der jüdische Held zu jüdischem Bewußtsein hervor, löst das Band mit Vater und Braut, mit Freunden und einem plötzlich fremd gewordenen Leben, weil er sich verbunden fühlt mit einem neuen, das er im Warschauer Judenviertel bewußt zu finden unternimmt. Dr. L. Grozinger, Dr. M. Joseph: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. Erster Band: Von Moses Mendelssohn bis Salomon Maimon. Berlin, Philo-Verlag, 1930. 204 S., broch. 10.— RM. Dargestellt ist einleitend die Teilnahme der Juden an dem der Aufklärung vorausgehenden philosophischen Denken. Vielleicht ist dabei ein wenig zu viel von dem bestimmenden Einfluß von Juden geredet. Der These, daß der Chaßidismus unmittelbare Fortsetzung der Bahn Spinozas ist, wird man kaum beipslichten können. Es sind sodann neben Moses Mendelssohn die Kantinterpreten Markus Herz und Lazarus Bendavrd behandelt, und insbesondere die Ethik und Aesthetik Bendavids besprochen. Der Band schließt mit einer Schilderung des Lebens Salomon Maimons und seiner Stellung in der Geschichte der Philosophie. Störend ist die Ilebersülle der vermeidlichen Fremdwörter und nicht minder störend die Häufigkeit der Druckfehler. Dr. Dienemann. Das Tezemberheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält eine ganze Reihevon Beiträgen von den verschiedensten Gebieten jüdischen Wissens — von der Bibelwissenschast bis zur jüdisch-deutschen Literatur der Gegenwart. Für wei- Auto-Müller c.m.b.H., Mainz Telefon 4384 Rheinstrasse 105 Telefon 4384 Brennabor Buick Hansa-Lloyd Goliath Spezial - Reparaturwerkstätte / Garage