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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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p.eBerte der achtbaren Frau, Gitche, Frau des (Simon von der Ronneburg, die am Donnerstag, den 17. Kislew 5611 (1851) an dieser Stätte die letzte Ruhe fand. Sie war die Großmutter der noch heute in Altwiedermus lebenden Herren Simon undSalomon Goldschmidt und deren Vetters, des Herrn Simon Goldschmidt in Büdingen. Vor etwa 18 Jahren habe ich den Ronneburg-Friedhof zum erstenmal besucht. Damals zählte man noch etwa 22 Grabsteine. Heute sind nur noch 10 vorhanden. Manche der starken Sandsteinplatten, die sich sehr gut als Treppentritte oder Vorlagen zu Hauseingängen eigneten, sind sicherlich hie oder da an profaneren Plätzen zur Verwendung gekommen. Bei aller Sorge um die Erhaltung der altehrwürdigen Stätte, war es nicht möglich, die Mittel für ihre Restaurierung in den kleinen Gemeinden der Gegend aufzubringen. Der Landesverband der israelitischen Gemeinden im Volksstaat Hessen stand uns hier helfend zur Seite. Er hatte anfangs die Absicht, das Friedhofsgelände anzukaufen, konnte sie aber nicht verwirklichen. Ta die Gemarkung Ronneburghof vollkommen Eigentum des fürstlichen Hauses Isenburg und Büdingen zu Wächtersbach ist, so wird die Uebereignung des Geländes an den Landesverband abgelehnt. Dagegen ist die fürstliche Verwaltung mit Eintragung einer Servitut ins Grundbuch zugunsten des Landesverbandes in irgend einer Form einverstanden und hat auch nichts einzuwenden, wenn der Tütenacker in einen seiner Würde entsprechenden Zustand versetzt wird. Das Vorstandsmitglied des Landesverbandes, Herr Rechtsanwalt Eugen Rothenberger aus Gießen, war beauftragt, namens des Verbandes die Verhandlungen mit dem fürstlichen Haus in Wächtersbach und die Rechtsgeschäfte am Amtsgericht zu Büdingen zu führen. Die fürstliche Verwaltung zeigte das freundlichste Entgegenkommen. Ein von ihr gestelltes Auto brachte Herrn Rothenberger vom Bahnhof Gelnhausen nach Wächtersbach und nach beendeter Besprechung wieder nach Gelnhausen zuruck. Mit dem fürstlichen Kammerdirektor begab sich Herr Rothenberger zum Fürsten, einem 80jährigen Herrn, der durch Beschwerden des Alters ans Bett gefesselt war. Seinem ganzen Wesen nach machte der alte Herr mehr den Eindruck eines Gelehrten als den eines Grandseigneurs. In einer etwa cinstündigen Besprechung zeigte er sein reges Interesse für die 'Instandsetzung des Friedhofes und ließ dabei durchblicken, wie er über die Verhältnisse der Juden in hiesiger Gegend, auch über die früherer Jahrhunderte, ganz trefflich unterrichtet ist. Von allen Einzelheiten wußte er genau zu berichten und erwähnte dabei auch jene Urkunde, die erzählt, daß ein Jude einmal in den 80 Meter tiefen Burgbrunnen gefallen sei. Man versuchte damals drei Tage und drei Nächte ununterbrochen den Brunnen auszuschöpfen, bis cs eiiicm Glaubensgenossen gelang, den zu Tod Erschöpften aus seiner unglücklichen Lage zu befreien. Nachdem alles vorbereitet war, überwies uns der Landesverband den Betrag von RM. 200. - für das nötige Material und die zu leisteiide Arbeit. Herr Kaufmann Max Salomon von Büdingen übernahm es, an Ort und Stelle die Arbeiten zu vergeben und deren Ausführungen zu überwachen. Das Werk ist nun getan. Eine einfache Einfriedigung schützt den stillen Ort vor dem Eindringen Unberuferier. Das dichte Gestrüpp und die eng verwachsenen Dornheckeii sind abgcholzt. Ein Teil des Gehölzes harrt noch der Vernichtung, die mit Eintritt des Frühjahrs vorgenommen werden soll. Mir ist es eine angenehme Pflicht, namens der Juden des Büdinger Landes an dieser Stelle nochmals all denen herzlichen Dank zu erstatten, die uiis bei dem schwierigen Restaurierungs- Werk mit Rat uiid Tat in so freundlicher Weise unterstützt haben. # An einem Spätnachmittag des jüngsten Herbstes haben wir den alten Friedhof an der Roniiebiirg zuletzt besucht. Wir wanderten von Hügel zu Hügel und von Steiii zu Stein. „Friede sei mit Euch, Ihr Väter und Mütter, die Ihr hier im Staube schlafet", so klang es uiis durch die Seelen. „Einstmals seid Ihr hier durch diese Täler geeilt uiid über diese Hüheli geschritten. Des Lebeiis Unrast hat Euch oft gejagt. Der Kampf ums Dasein ist Euch durch alle Zeiten ein sehr harter gelvescn, aber Eure Herzen waren durchglüht voll dem heiligen Geist für unser Judentum, als dessen treue Bekenner Ihr gelebt und unter dessen Segnungen Ihr aus dieser Welt der Zeitlichkeit geschieden seid." Herbstbluinen irnd Grashalme, am Rain des alten Begräbnisplatzes gepflückt, entfielen unseren Händen und von uiiseren Lippen kam das so bedeutungsvolle Wort -^-1 „Beim Scheiden van diesen Gräbern wolleii wir denken, daß auch wir Staub sind, daß auch für uiis einmal die Mutter Erde ein Ruheplätzchen haben wird." Droben hinter der Burg spielte der Abendwind mit dem Geäst der gewaltigen Eiche, und eine frische Brise wehte das Rauschen des Waldes hernieder. Aus diesem Rauschen sang es uns zu: „Warte nur, warte nür, Balde ruhest auch du!" Der Ernst und die Weihe, die wir aii diesem stilleii Ort empfanden, hatte sich tief in unsere Seelen gegraben. Wir schritten über das kleine Bächlein, das von Westen her seine Wasser um das schiefgezogene Dreieck des alten Begräbnisplatzes lenkt. Plätschernd sprangen die Wellen über den hellen Kies des Bachbettes. Aus ihrem Murmeln vernahmen wir nochmals die Stimme der Natur, die uns zurief: „Kehret wieder! Führt auch Eure Kinder her, damit sie schauen, daß dieser „gute Ort" der Vergessenheit entrissen ist." Nur noch eine kurze Zeit, dann sind unsere Kinder ja allein dazu berufen dieses Plätzchen zu schützen und zu hüten. Enkel und Urenkel sollen sie darüber belehren, wie es den Bekennern des Judentums heiligste Pflicht ist, die Treue zu halten denen, die im Staube schlafen. Zu uns Juden des Büdinger Landes sprechen die Gräber des Ronneburgfriedhoss. Mahnungen aus alter Zeit. Möchten wir standhaft sein wie die, die aus diesem JVQ die Ruhe gefunden, nachdem sie in dunklen Tagen früherer Jahrhunderte im Vertrauen auf die Hilfe des Höchsten die Geschicke des Lebens mit so viel Kraft und Mut zu meistern wußten. LNN2 PJ?2 L.-NlQY D1YCK fTCt! DfTCT Das Verdienst der Väter möge uns tragen in einer Zeit des Ringens um unsere heiligsten Güter und im harten Kampf für unsere Menschenrechte. Der Profangebraitch der hebräischen Sprache. Von Lazarus F r i e d m a n n. Aus verschiedenen jüdischen Kreisen — von linkswie von rechtsstehenden — hört man öfters, wenn nicht gerade in offener Opposition, aber immerhin gesprächsweise, abfällige Bemerkungen über das Aufblühen der hebräischen Sprache in unseren Tagen. Auch hier berühren sich die Extreme. Tie äußerst Linksstehenden sind gegen die Pflege der hebräischen Sprache, weil dies eine Annäherung an Palästina und eine Störung der Assimilationsbestrebungen bedeute. Die rechtsstehende Orthodoxie in Deutschland will die Verwendung der hebräischen Sprache nur für religiöse Schriften zulassen, nicht aber für weltliche Zwecke; sie will den Ausdruck „loschaun kaudesch" (heilige Sprache) dahin deuten, daß die Sprache an sich heilig sei, und deshalb nicht „profaniert" werden dürfe. Eine solche Auffassung widerspricht aber der Tatsache, daß die hebräische Sprache seit Jahrtausenden auch zu weltlichen Zwecken verwendet wurde. In der Zeit von Israels Selbständigkeit war sie die Umgangssprache gewesen. In derselben Sprache, in der König David seine herrlichen Psalmen schrieb, erklärte er auch seine Kriege und führte er auch manche seiner Verfehlungen aus. Tie jüdischen Dichter Spaniens haben neben den bleibenden religiösen Dichtungen (Pijutim usw.) auch viele weltliche Dichtungen geschaffen; in Osteuropa — auch in Deutschland bis zur Zeit Mendelssohns — hat man in den vielen Jahrhunderten der Zerstreuung zu geschäftlichen und sonstigen Angelegenheiten die hebräische Sprache benutzt. Auch das heutige Palästina beweist durch Wort und Schrift, daß die hebräische Sprache nur deshalb „loschaun hakaudesch" genannt wird, weil durch s i e uns die heilige Schrift verkündet wurde, aber nicht, daß sie an s i ch heilig ist. Ungeachtet dessen ist uns die Sprache teuer und heilig. Sie ist uns teuer, weil durch sie das ganze religiöse und sittliche Leben in uns verankert ist; sie ist uns teuer, weil sie neben der Religion die e i n z i g e gemeinschaftliche Erbschaft ist. Unsere heilige Pflicht ist es daher, dafür zu sorgen, daß sie uns erhalten bleibt, daß sie Allgemeingut der Juden wird. Unsere Jugend, bei der erfreulicherweise in den letzten Jahren ein warmes, jüdisches Leben erwachte, ist als erste dazu berufen, an dem Ausleben der hebräischen Sprache regen Anteil zu nehmen. Die Jugend erstrebt den Frieden unter den Völkern und die Verbindung der Juden aller Länder. Sie ist gewillt, in allen Juden ihre Brüder zu sehen und auch mit ihren Brüdern im heiligen Land in Kontakt zu kommen. Wie könnte dies aber geschehen, wenn nicht durch die Sprache, die dem „Klal Jisroel" die Verständigungssprache ist. Die hebräische Sprache ist ein einigendes Band für die Judenheit; die hebräische Sprache pflegen heißt die Forderung der Zeit. _ ftauder&C?,Mainz Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. Kaiserstraße 29V10 Telefon 3920 .. Vorteilhafte Bezugsquelle }c für sämtliche Hausbrandkohlen V la. Ware! Reelles GewichtI 3

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