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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Der alte jüd. Friedhof an der Ronneburg. Von Lehrer Halber st adt, Büdingen. Wer auf der Bebraer Bahnstrecke von Frankfurt a. M. nach Fulda fährt, sieht kurz nach dem Verlassen der Station Hanau, im Hintergründe des Geländes auf der linken Seite, einen gewaltigen Turm. Das ist der Bergfried der Ronneburg, die hier an der Grenze Preußens, im hessischen Gebiet, in den frühesten Jahren des Mittelalters auf einem mächtigen Basaltkegel errichtet wurde. Die Geschichte dieser Höhenburg ist eine sehr wechselvolle. Sie gehört zum Fideikommis des Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Wächtersbach und war bis zum Jahre 1708 Residenz. Für uns Juden ist die Ronneburg von ganz besonderer Bedeutung, weil mit ihr und ihrer nächsten Umgebung die Geschichte unserer Vorfahren in hiesiger Gegend eng verbunden ist. Nachdem Kaiser Ludwig der Bayer aus dem Reichstag zu Hagenau 1330 dem Grasen Luther von Isenburg und Büdingen zu Büdingen gestattete, in seiner Grafschaft zwölf Juden zu halten, ist es ohne Zweifel, daß in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sich in der Nähe der Ronneburg Juden seßhaft machten. Urkunden darüber sind allerdings nicht vorhanden. Meines Wissens aber berichtet das Mainzer Memorbuch von einer Judenvertrcibung im Büdinger Land, die etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts stattgefunden haben soll* Die älteste Urkunde über die Juden aus der Ronneburg stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Darin wird geschildert, daß Graf Wilhelm eine Anzahl sogenannter Separatisten, auch Inspirierte geheißen, in die Ronneburg ausnahm. Diese Sekte richtete in der Burg eine Wollwarenfabrik ein und gestattete dann auch einer Anzahl Juden in der Vorburg zu wohnen. Das sind Wohl die ersten Angaben über den Aufenthalt von Juden in der Burg. Das Ankäufen der Wolle bei den Bauern der Umgegend war Sache der Juden, ebenso mußten diese als Hausierer die irr der Fabrik gefertigten Woll- und Strumpfwaren wieder unter die Leute bringen. Gras Zinsendorf, der Begründer der Herrnhuter-Gemeinde, nahm um das Jahr 1736 seinen Wohnsitz auf der Ronneburg und begann sogleich Bekehrungsversuche unter den Einwohnern. Bei den Juden und den Separatisten hatte er scheinbar wenig Erfolg. Letztere blieben bis zum Jahre 1832. Dann zogen die Wohlhabenden unter ihnen ab, da die 1816 zur Landesherrschast gelangte Hessen-Darmstädter Regierung ihnen allerlei Schwierigkeiten bereitete. Unter den zurückbleibenden Armen waren viele Juden ohne Erwerb. Ein aus dem Jahre 1865 vorliegendes Verzeichnis der Ortsarmen gibt deren Zahl mit 51 an, darunter 33 israelitischen Bekenntnisses. Nach Wiedererrichtung des Deutschen Reiches 1871 und nach Erlaß des Gesetzes über die Freizügigkeit gelang es der fürstlichen Verwaltung, die Burginsassen allmählich abzuschieben. Die letzten Ronneburger jüdischen Bekenntnisses waren: Betty Goldstücker, gestorben am 26. Febr. 1886 im Mathilden-Hospital zu Büdingen und Maier Schwarzschild, gestorben am 9. Dez. 1893 zu Mittelgründau, wo er in Pflege gegeben war. Heute sind noch die Gemächer der Burg, die den Juden zu Wohnungen angewiesen waren, an den Vertiefungen aus der rechten Seite der Türpfosten — die Stelle, wo die Mesusso saß — deutlich zu erkennen. Die Ronneburger Juden haben sich nach und nach in nahegelegenen Dörfern am Fuße der Burg ansässig gemacht: in Altwiedermus, Diebach am Haag, Vonhausen, Eckartshausen, Nieder-, Mittel- und Haingründau, Gettenbach, Lieblos, Himbach und Lorbach. 1 oder 2 Familien zogen auch nach Büdin¬ * Im genannten Memorbuch ist (Büdingen) tatsächlich unter den Jugenverfolgungsorten vom 10. Tamus 1337 T2£ nn) erwähnt. (Siehe Salscld, Martyrologium S. 67 und 238.) Dr. Levi. gen. Alle Träger von den in der hiesigen Gegend so oft vorkommenden Familiennamen: Adler, Goldschmidt, Grünebaum, Hecht, Lahnstein, Meyer, Rosenthal, Niedenthal, Gutheim, Sichel, Berleburger, Lilienfeld, Kuhnreuter und andere mehr sind die Nachkommen von Glaubensgenossen, deren Stämme sich auf der Ronneburg setzhast machten. Am Fuße der Burg, durch einen Bach vom Dorf Altwredermus getrennt, liegt der alte jüdische Friedhof, der vor einem Jahre noch von Gestrüpp und Dornhecken so dicht überwuchert war, daß kein Mensch dort einen Begräbnisplatz vermuten konnte. Im Grundbuch des Amtsgerichts Büdingen ist dieser Friedhof auf Blatt 1 der Gemarkung Ronneburghof als „israelitischer Begräbnisplatz im Burgstrauch" 1392 Quadratmeter groß, eingetragen. In den Akten vom Jahre 1862 wird er bereits als zum Familienbesitz des Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Wächtersbach gehörig verzeichnet. Dort ist als Erwerbstitel -„Ersitzung" angegeben. Bei der Umfrage nach dem rechtlichen Besitzer haben unsere Vorfahren gewiß versäumt, ihr Eigentumsrecht an dem Platz geltend zu machen. Trotzdem die einzelnen jüdischen Gemeinden der Gegend eigene Begräbnisplätze anlegten, fanden noch bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts Beerdigungen aus dem Ronneburgerfriedhof statt. Mancher von denen, dessen Eltern dort die letzte Ruhe gesunden, hatte seinen letztwilligen Verfügungen den Wunsch eingeftigt. TQN iMX Tinp „Begrabet mich zu meinen Vätern." Diesen Wünschen kam man bereitwilligst entgegen, bis der Friedhof voll belegt war. Die von dem Denkmalspfleger des Kreises Büdingen, Herrn Studienrat Dr. Lade, jetzt Leiter der höheren Schule in Schlitz, während der Säuberung des Friedhofs von Gerüpp gemachte Aufnahme, die hier beigefügt ist, zeigt deutlich die Grabsteine der zuletzt belegten Plätze. Herr Dr. Siegfried Halberstadt in Jena hat einzelne Steine tm Lichtbild sestgehalten. Wertvoll für uns ist das hier beigerW!*<SS>V? , £ J,;>£ #13* v-vH: SS*-» -r. Iß*. KM»)' , > :• ,;

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