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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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biel Schönes und Neues, und ich muß es besonders betonen, auch Preiswertes geschaffen. o?ei^mreinei£ Ängsten Besuch in der Kunstgewerbeschule Freudenthal m Breslau konnte ich mich von neuem davon überzeugen wie die rührige Inhaberin bemüht ist, stets das Beste nftc ^rittgen. Und nicht nur bei uns im Osten, auch im Westen und Norden unseres Landes finden wir in allen einschlägigen Geschäften die Erzeugnisse der „Kunstgewerbeschule". Mem besonderes Interesse erweckten zwer neuartige Menorahs, dre an einfacher Schönheit ihresgleichen suchen. Der Preis ist so bemessen, daß er erschwinglich ist. — Da ich grade am Chanukkahtisch stand, fielen mir die reichen Muster an Freudein — das Würfelfpiel „Moaus zur , das Hebr. Bilder-Lotto aus, alles Dinge, mit denen man unseren Kleinen zu Chanukkah so viel Freude bereiten kann. Und fürs Kinderland finden die Eltern noch allerlei schöne Sachen bei „Kunstgewerbeschule Freudenthal": Modelierbog.-n für eine Sukkoh, eine hebräische Druckerei, Wunschbogen usw Wie ich schon weiter oben betonte, bekommt man sämtliche Gegenstände in allen einschlägigen Geschäften der jüdischen Gemeinden. Else Menken, Breslau. Bücherschau. Zum zweihundertjährigen Geburtstag Moses Mendelssohns. Rabbiner Dr. Max Freudenthal. Berlin 1929 Philo-Verlag. 50 S. brosch. RM. 2.—. Es sind hier vier Abhandlungen, an verschiedenen Stellen erschienen, zu einem Band vereinigt. Sie haben ihre Bedeutung nicht nur wegen der augenblicklichen Aktualität, die mit der zweihundertsten Wiederkehr von Moses Mendelssohns Geburtstag gegeben ist. In ihnen, zum mindsten in den ersten drei, spiegelt sich wieder, wie stark Moses Mendelssohns richtiges Wirken in unserer Mitte lebendig ist und fortlebt. Die Titel der einzelnen Abhandlungen geben Aufschluß über das, was in ihnen niedergelegt ist: „Moses Mendelssohn und wir", „Aus der Heimat Moses Mendelssohn", „Gedenkrede bei der Gedenkfeier rn der Hauptsynagoge zu Nürnberg". Um mit den Worten des Autors selbst zu reden, rn ihnen ersteht vor uns die Persönlichkeit Moses Mendelssohns in dem Dreiklang der Vereinigung des Judeseins, Deutschseins und Menschseins. Die zweite Abhandlung, eine Geschichte, der Gemeinde Dessau, ist nicht nur Lokalgeschichte, sondern im Ausschnitt einer Einzelgemeinde zugleich ein reizvolles Stück Kulturgeschichte der deutschen Judenheit in der Zeit der Aufklärung und dem ihr voraufgehenden Jahrhundert. Der Schlußaufsatz ist eine Skizze der Familiengeschichte von Moses Mendelssohn's Mutter und führt davon, und damit Mendelssohns Abstammung bis hinaus zu dem berühmten Glossator des Schulchan Aruch Moses Jsserles. Unnötig bei der Person des Autors erst zu sagen, daß das Ganze spannend und in edelster Form belehrend ist. Dienemann. Das Heft Nr. 181, Nov. 1929, des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser ist soeben erschienen, worauf hiermit hingewiesen sei. Werfel, Franz. Barbara oder die Frömmigkeit. Roman. Berlin. Wien. Paul Zsolnay Verlag. 809 S. Der neue Roman von Franz Werfel hat außer seinem Titel „Barbara" noch einen Untertitel „Die Frömmigkeit". Zweimal je ein Wort und in jedem Wort eine ganze Welt: eine Welt des Körperlichen und eine Welt der reinen Idee und beide Welten dennoch wieder nur eine Welt. Diese Barbara nämlich, eine Magd, lebt in dem Pflichtenkreis des Alltags die überweltliche Idee der Frömmigkeit, das „Aufgehobensein in Gott" so still, so selbstverständlich, so sieghaft unentwegt, daß Krieg, Nachkrieg, Revolution und Gegenwart, in höchst sachlicher Intensität gestaltet, dennoch vergleiten im Unendlichen, d. h. im einzig Wahren. Man erlebt, seltsam und erstaunlich, die Belanglosigkeit alles Greifbaren im Gegensatz zur Wesenhaftigkeit, die einzig eben in der Idee beschlossen ist. Weißmann. Fink, Georg. Mich hungert. Roman, Berlin. 1929. Bruno Cassirer. Georg Fink, ein bisher unbekannter Autor, Sohn eines proletarischen Vaters und — vor allem — einer jüdischen Mutter, schüttet seine Bekenntnisse vor uns hin; Bekenntnisse eines Proletariers, der „mit drei Jahren hungerte, mit vier bettelte, mit fünf handelnd verdiente und mit sechs das-Leben der Großen bis in ihre Liebesgeheimnisse kennt". Bekenntnisse, die besonders ergreifen, weil sie das Wesen eines Menschen offenbaren, in dem die Sensibilität, die Leidensfähigkeit und der Adel einer alten Kultur das eigene Leben nur anerkennen als Schicksalsspiegel eines ganzen Kreises, sodaß das Einzelleben sich heraushebt aus egozentrischer Enge, um in wunderbar reich strömendem Brudergefühl die Umwelt zu umfassen. Es werden manche Bücher geschrieben, die proletarische Verhältnisse behandeln; man trifft da auf viel Mut, viel Mitleidensfähigkeit, viel Rückhaltlosigkeit in der Aussage — aber noch gibt es nicht viele Bücher, die neben all diesen Unbedingtheiten eine solche Liebeskraft atmen, einen solch glühenden und doch sanften Willen zum Ernssein; wie er sich aussagt in dem einzigartigen Verhältnis dieses Menschen zu seiner Mutter, zu seinen Geschwistern und zu den Allerärmsten. Fink nennt das Ganze einen Roman. Das ist nicht völlig berechtigt, wie überhaupt das Formale nicht ganz ausgeglichen ist. Aber was will das bedeuten? was will das bedeuten bei einem menschlichen Dokument von solcher Wahrhaftigkeit und Tiefe, was will das bedeuten gegenüber der leidenschaftlichen Stille, mit der hier Einmaliges ins Allgemeingültige gesteigert wird? Weißmann. ' Panferow. Die Genossenschaft der Habenichtse. Roman,Berlin. Wien. Verlag für Literatur und Politik. Viele Fäden kreuzen hin und wieder zwischen den alten, geizigen, verschlagenen Bauern, den Vertretern einer vergangenen Zeit und der sowjetistisch eingestellten Jugend, die den Fortschritt will auf geradem Weg. Unbedenklichkeit auf beiden Seiten — aber für welche verschieden gearteten Ziele wird da auf beiden Seiten gearbeitet. Während der Bauer alten Schlages sein autokratisches Rafs-Shstem für seinen eigenen greifbaren Besitz anwendet mit frömmelnder Gewissenlosigkeit, müht sich der Mensch der neuen Zeit für das Ganze, ja, er opfert sich und sein Eigenes. Er opfert sich, und auf dem Sterbebett noch bekennt er sich zu seiner Sache. „Ein Kindskopf bist du. Jegor," sagt Ognew zum Schwiegervater seiner Tochter, einem alten Fuchs, der immer seine Freude hatte, wenn dieser Ognew sich quälen mußte, „ein Kindskopf. Wenn ich nicht mehr bin — sind genug da, die die Sache weiter machen — unsere Familie ist groß — wo aber rst deine Ewigkeit? Ein Tagelöhner bist du nur!" Glaube, der über den Untergang des einzelnen hinweg — dennoch den Aufstieg bestätigt, spricht aus diesem sreskenhaft breiten und vielgestaltigen Werk — spricht daraus ruhig, sicher und überzeugend. Weißmann. Polgar, Alfred. Hinterland. Berlin. 1929. Ernst Rowohlt. 270 S. Geh. 4.00 RM, Nimmt man ein Buch von Polgar zur Hand, so weiß man im voraus, was für Bereicherungen einem da bevorstehen: denn mau kennt seinen klaren Blick, seine Vertrautheit mit dem Leben, seine tiefe Teilnahme und die Grazie seines schwingenden Geistes, der niemals Umwege gelten läßt, vielmehr unerschrocken durch alle Dunkelheiten geht und sie mit seinem Humor durchleuchtet. So ist es auch mit der vorliegenden Sammlung kleiner Bilder. Nach seinen eigenen Worten malen sie „das kleine Elend des Krieges, gewissermaßen nur Spreu und Abfall seines Entsetzens, nicht dieses, das gewaltige, dämonische selbst. Aber das Dämonische und das Gewaltige verführen; und auch der Schrecken, ins Großartige gesteigert, hat seine Anziehungskraft. Vielleicht ist es zum Zweck des „Nie wieder Krieg" besser, von der Erbärmlichkeit, der erstickenden Dummheit und Dumpfheit, der grenzenlosen, infernalischen Lächerlichkeit jener räudigen Zeit (die die „große" genannt wurde) zu sprechen als von ihren Greueln." Wie er es tut, das läßt ihn wieder erkennen als den Menschen, der auf „Dennoch und Trotzdem" steht, und der sich, wissend und fühlend, zum Lächeln hingerettet hat. Weißmann. Stellengesuche. Junger Mann, 17 Jahre, sucht Beschäftigung in Eisenwareugeschäft, möglichst in einem solchen, in welchem auch Fortbildung zu Mechaniker geboten wird; Stellung in verwandtem Betrieb wird gern angenommen. Junger Kaufmann, 20 Jahre alt, vertraut mit Buchhaltung, Korrespondenz, Stenographie, Schreibmaschine und allen sonstigen Büroarbeiten, sucht passende Stelle evtl, auch Reiseposten. Junger, jüdischer Gärtnergehilfe, 20 Jahre alt, der seine dreijährige Lehrzeit in der israelitischen Gartenbauschule zu Ahlem bei Hannover beendet hat und schon 2 Jahre als Gehilfe an jüdischen Gemeindefriedhöfen tätig war, sucht passende Stellung. Gute Zeugnisse und Referenzen vorhanden. Verheirateter kaufm. Angestellter, 48 Jahre alt, sucht sofort eine Stelle als Lagerist, Expedient oder sonst einen Vertrauensposten in Mainz, Frankfurt a. M„ Darmstadt, Worms oder Mannheim. Prima Zeugnisse und Referenzen stehen gerne zur Verfügung. Junger Mann, 14 Jahre, sucht Lehrstelle zu Ostern in einem Spirituosengeschäft. Konditorgehilfe, 18 Jahre, sucht Stellung. 7

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