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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wesend sein und hat daher aus schriftlichem Wege sein Beileid ausgesprochen. Mainz. Am 1. Januar 1930 tritt Herr Lehrer Adolf Kahn nach 4chahriger erfolgreicher Unterrichtstätigkeit in den wohlv.rdienten Ruhestand. Als Absolvent des vormaligen Seminars in Alzey war er in den Jahren 1883—86 an dem Privatinstitut, der spateren höheren Bürgerschule, in Wöllstein tätig. Darnach fand er bis zum 1. Mai 1909 an der israelitischen Volksschule in Grebenau Anstellung. Hier, wo zur Blütezeit der Schule zirka 40 Kinder vorhanden waren, versah Herr Lehrer Kahn auch das Amt des Vorbeters. Nur ungern sah die jüdische wie politische Gemeinde Grebenau das Fortgehen ihres allseitig verehrten und beliebten Lehrers, der neben dem Unterricht in der Volksschule auch den der Fortbildungsschule leitete, um einer Berufung nach Mainz Folge zu leisten. Seitdem sind 20 Jahre verflossen. Während dieser Zeit hat er die größeren Aufgaben eines reichgegliederten Schulbetriebes mit bestem Erfolg erfüllt. Dazu verhaften ihm sein unermüdlicher Arbeitswille und seine inuner neue Arbeitslust im Dienste der Mainzer Volksschule, seine reiche Lehrers Ehrung und seine Unterrichtsgeschicklichkeit, die ihm bei allen seinen Kollegen Hochachtung und bei seiner Vorgesetzten Behörde Anerkennung verschafften. Dies zeigt sich am besten darin, daß er in den letzten Jahren nur die oberen Klassen zu unterrichten hatte, was wegen der Verantwortung für die schulentlassene Jugend nur einem bewährten Schulmann übertragen wird. Herr Lehrer Kahn hat in diesen Klassen auch den jüdischen Religionsunterricht erteilt und war immer bestrebt, in die Seelen seiner Schüler die Liebe, Begeisterung und Anhänglichkeit für ihre Religion einzupflanzen. Möge die Saat, die er in seiner langjährigen Lehrtätigkeit ausgeftreut hat, vielfältigen Segen bringen! Das wäre der schönste Lohn für die unzähligen Mühen, die nnt dem Erziehungswerk verbunden waren, das nunmehr Herr Lehrer Kahn nach Erreichung der Altersgrenze, beendet. Möge ihm noch recht lange im Ruhestände ein angenehmer und schöner Lebensabend an der Seite seiner Gattin und im Kreise seiner Kinder beschieden sein! Bei dem Chanukkahjugendgottesdienst am Freitag, den 27. Dezember 1929, stattete Hern Rabbiner Dr. Levi im Verlaufe seiner Predigt Herrn Lehrer Kahn den Dank der Gemeinde für seine 45jährige erfolgreiche und aufopfernde Amtstätigkeit tn Gegenwart der versammelten Gemeindemitglieder ab und sprach ihm zugleich herzliche Wünsche für eine lange und ungetrübte Zeit des Ruhestandes aus. Mainz. Am Abend des 34. Dezember beging der Jüdische Jugendverein sein 20jähriges Stiftungsfest im Gutenbergkasino. Der Saal war bereits gefüllt, als die Feier mit einem von Herrn Sanitätsrat Dr. Picard-Lauterburg verfaßten Prolog eingeleitet wurde. Er wurde in vollendeter Weise von Reno Hartogs gesprochen. In seinen eindrucksvollen Begrüßungsworten gab der 1. Vorsitzende, Dr. Picard, seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Ruf des JJV. überall starken Widerhall gefunden habe, wie die Anwesenheit von Vertretern des Gemeindevorstands, der Loge, des RIF., des Frauenbunds, des CV. und nicht zuletzt des Landesverbands Hessen der jüd. Jugendvereine und einiger Schwestervereine beweise. Am Geburtstag des Vereins sei diese Feststellung eine besondere Genugtuung, wo das Streben der Jugend stets dahin gehe, eine jüdische Gemeinschaft zu schaffen. An diesem Akend verwirkliche sich einfach, worum der Streit der Meinungen noch kürzlich auf der Mainzer Delegiertentagung heiß gegangen sei. Auch in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden könne man sich zusammenfinden, wenn man bei aller fachlichen Kritik nicht den Gedanken an die jüdische Gesamtheit vergesse. Und dazu wolle der Verband der jüd. Jugendvereine Deutschlands seine Mitglieder erziehen: Frieden in den eigenen Reihen zu halten in gegenseitigem Verstehenwollen. Der Standpunkt des anderen kann ge« achtet, braucht nicht nur stets verfemt werden, selbst wenn man ihn nicht teilt. Es muß allen wieder bewußt sein, daß die Stärke des Judentums in guten wie in schlechten Tagen nur in seinem Zusammenhalten bestand und bestehen wird. Zur inneren Geschlossenheit wieder zu gelangen, sei bitter notwendig angesichts der geschlossenen Front unserer Gegner. Im Bunde, in der Gemeinde und der deutschen Judenheit überhaupt müsse der stets vertretene K'lal-Gedanken zur Tat werden. Auch dem Frieden außerhalb der jüdischen Gemeinschaft im Staate und unter den Völkern wolle der Jugendbund getreu den Idealen der Väter helfen den Weg zu ebnen. Die Glückwünsche des Gemeindevorstandes sprach Herr Henry Meyer aus, diejenigen der Rhenusloge sowie der übrigen jüdischen Vereine Herr Rechtsanwalt Reumann. Als Landesvorsitzender überbrachte Max Tschornicki Glückwünsche und Grüße des Verbandes. Dann waltete Ernst Neuburger seines Amtes. Als gewandter und witziger Ansager schuf er rasch die Stimmung für „das lachende, singende und tanzende Programm", das meisterhaft, wie man wohl sagen kann, zusammengestellt war. Die Künstler aus den Reihen des Vereins boten durchweg weit über dem Durchschnitt stehende Leistungen und verdientermaßen wurde ihnen reichster Beifall gezollt. Daß die Wirkung des Tanzes der „Vier Elite-Girls" durch Fehlen eines „Girls" beeinträchtigt war, ließen die folgenden Darbietungen rasch vergessen. Als „Vilzbächer" gewann Erna Lorch mit ihrem humoristischen Vortrag rasch das Publikum und als Soubrette nicht minder Hedi Stieler mit neuen Schlagern. Ganz hervorragend war das verblüffend sichere Spiel Hans Sterns auf der „singenden Säge", begleitet von Kurt Raischner. Als orientalische Tänzerin glänzte Else Schwarzschild, als Vortragskünstler Ernst Neuburger. Ulkige Typen stellte ein Sprechchor, der mit Tucholskys „Wenn die Igel in der Abendstunde" das Programm in ausgelassenster Laune beschloß. In bester, allgemeiner Stimmung folgte der Ball, zu dem die Kapelle Dapper aufspielte. Im Tanz wetteiferte Jung und Alt bis in die frühen Morgenstunden, während die Tombola neidlos und nietensrei ihren Gabensegen spendete. In dankenswerter Weise war sie von allen Seiten reich beschenkt worden. Als man auseinanderging, gab es nur eine Stimme der Anerkennung und Befriedigung. — Nach Wochen fleißiger Arbeit hatte der JJV. ein frohes Fest gefeiert, das ihm Ansporn sein wird auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren und sich weiterhin in seine Aufgaben ernst zu vertiefen. Ruppertsburg. Unser Gotteshaus kann auf ein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde aus diesem Anlaß neu renoviert. 7< hä Sb- DUW K __ <$%■ mm Unsere Gemeinde, die aus elf Mitgliedern besteht, wird von ihrem althewährten Lehrer Zadik schon 44 Jahre geführt. Mainz. Zum Tode von Clemens Schäfer. Wenn wir in diesen Blättern vom Hinscheiden eines christlichen Mitbürgers 5

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