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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Tarnte einschlägige religionsgesetzliche Material und die Diskussionen darüber unter großen Gesichtspunkten und seinen inneren Zusammenhängen vor, so daß eine auszugsweise Wiedergabe seiner Ausführungen kaum möglich ist. Dieser wissenschaftliche Kursus wurde von verschiedenen Seiten als eine zeitgemäße Fortsetzung der im frühen Mittelalter wiederholt in Mainz zusammengetretenen Rabbinersynoden bewertet. Die Mainzer Gemeinde und Mainzer jüdische Vereine übten, in berechtigtem Stolz auf diese Tagung, den rabbinischen Gästen gegenüber ihre oft bewährte Gastfreundschaft. Der nächstjährige wissenschaftliche Kursus soll in einer württembergischen Gemeinde abgehalten werden. Jahresversammlung des Südwestdeutschen Rabbinerverbandes. Nach zweijähriger Pause hielt der Südwestdeutsche Rabbiner- Verband am 16. Dezember eine Jahres-Versammlung in Mainz ab, die, unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. L e v i, Mainz, in der Hauptsache eine Aussprache über aktuelle Fragen aus der Praxis des jüdischen Religionsunterrichts brachte. Auf die Begrüßungsworte von Rabbiner Dr. S e l i g m a n n , Frankfurt, als dem Senior der Versammelten und Rabbiner Dr. L e v i, Mainz, folgte das Referat von Rabbiner Dr. Lazarus, Frankfurt über das Thema: „Ist Religion lehrbar?" Der Redner sieht in der jüdischen Vergangenheit und in der jüdischen Verpflichtung zu religiöser Belehrung des Kindes eine Bejahung der Lehrbarkeit der Religion als gegeben an. Der jüdische Religionsunterricht ist heute ein vollberechtigtes Lehrfach und findet bei den Behörden und Schulverbänden das gleiche Interesse wie der anderer Konfessionen. Trotzdem sind seine Erfolge nicht immer befriedigend. Dies liegt an verschiedenen Faktoren, zum Teil auch an der nicht immer hinreichenden pädagogischen Ausbildung der Rabbiner auf den Rabbiner-Seminaren. Eine eingehende Bespreckmng war dem Buche von S ch o r s ch über die „Lehrbarkeit der Religion" gewidmet, dessen Wert der Referent durchaus anerkennt, wenn er auch eine besondere Berücksichtigung der Ergebnisse der Adlerschen und besonders der Jungschen Forschungen auf dem Gebiete der modernen Tiefenpsychologie und ihrer Auswirkungen für den jüdischen Religionsunterricht vermißt. Die Ausführungen gipfeln in dem Anträge, daß der Südwestdeutsche Rabbinerverband beim Allgemeinen Rgbbinerverband in Deutschland beantragt, einen religionspädggogischen Ausschuß ins Leben zu rufen; diese Forderung wird einstimmig angenommen. In der sehr anregenden Debatte kamen u. a. die Herren Rabbiner Dr. Seligmann. Frankfurt. Schiff, Karlsruhe, Lazarus, Wiesbaden und Sander, Gießen zu Worte, auf deren Ausführunaen der Referent nochmals in seinem Schlußwort einging. Die Grüße der Bayrischen Rabbinerkonserenz wurden durch Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg und die des Allgemeinen Rabbinerverbandes durch ein Telegramm Rabbiner Dr. Baecks übermittelt. Neuaewählt wurden Rabbiner Dr. L e v i, Mainz, als 1. Vorsitzender, Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden, als dessen Stellvertreter, und Rabbiner Dr. B i e n h e i m , Darmstadt zum Schriftführer. Mit einigen internen Mitteilungen schloß der offizielle Teil der Veranstaltung. An diesen schloß sich eine Besichtigung des Gemeindehauses, insbesondere des Museums für jüdische Altertümer, der Bibliothek sowie der Synagoge. Wann entstanden die fünf Bücher Mose? Vortrag von A. S. Aahuda in der vorderasiatisch-ägyptischen Gesellschaft. In einem von Geheimrat Prof. Dr. Sellin geleiteten Vortragsabend der „Vorderasiatisch-ägyptischen Gesellschaft" in der Universität zu Berlin gab Professor Dr. Aahuda am 4. 12. 1929 neue Ergebnisse seiner Forschungen bekannt, die er in aller Ausführlichkeit in dem demnächst bei Walter de Gruyter erscheinenden 2. Band seines Werkes „Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Aegyptischen" niederlegen wird. Dahuda war lange Jahre Ordinarius an der Universität Madrid, Dozent für semitische Philologie und Bibelexegese in Berlin, er hat mehrere Forschungsreisen nach Palästina und Aegypten unternommen und lebt, seitdem er sein Werk nach zwanzigjähriger Forscherarbeit zum Teil in Heidelberg abgeschlossen hatte, in London. Was sich hinter dem trockenen Titel seines Buches verbirgt, das ahnten die Wenigsten bei seinem Erscheinen. Seitdem sich die Wissenschaft der ganzen Welt und die Tagespresse jedoch' der Arbeit bemächtigt hat, ist es auf der einen Seite anerkannt, auf der anderen Seite umstritten. Nicht umstritten ist die Persönlichkeit des Autors, dessen Objektivität und Leidenschaftslosigkeit von jedermann gerühmt werden. Er hat bisher nur den sachlichen Befund seiner Forschungen veröffentlicht und es bewußt den Gelehrten überlassen, die sich daraus folgerichtig ergebenden Schlüsse selbst zu ziehen. Und diese sind allerdings überraschend. Was sagt Aahuda? Er sucht zu beweisen, daß es eine hebräische Schriftsprache gibt, die an Wucht und Würde durchaus eigenes Gepräge aufweist; und der Schluß, der aus dieser Tatsache gezogen werden müßte, wäre der, daß der Pentateuch, die fünf Bücher Mose, entgegen der jetzt herrschenden Auffassung nicht in einem Zeitraum, der sich vom Beginn des Königtums bis zum babylonischen Exil erstreckt, sondern bereits viel früher, vor der Eroberung Kanaans entstanden ist, wobei spätere Zusätze und Umarbeitungen keineswegs geleugnet werden. Zur Erhärtung seiner Theorie schlägt Uahuda einen zuerst eigenartig anmutenden, in Wirklichkeit aber sehr naheliegenden Weg ein. Er sagt: Ist der Pentateuch um die Zeit des Exodus entstanden, so müssen in ihm starke Spuren der Sprachen jener Völker zu finden sein, unter denen die Hebräer damals gewandert sind, also vor allem Spuren des Assyrisch- Babylonischen und des Aegyptischen. Während der Einfluß des Assyrisch-Babylonischen seit langem wissenschaftlich anerkannt und festgestellt ist, blieb es Aahuda Vorbehalten, in seinem Buch an einer Unzahl von Beispielen in überzeugender Weise den Einfluß auch des Aegyptischen nachzuweisen. Auch in seinem von den Anwesenden mit größter Aufmerksamkeit entgegengenommenen Referat führte Aahuda nur neue Tatsachen an, ohne aus ihnen irgendwelche Probleme zu entwickeln. Besonders Beachtung fanden die Ausführungen, in denen er den Einfluß des Aegyptischen auf die hebräische Ritual- und Opfersprache nachwies, sowie die Zusammenhänge, die von dem Vortragenden im Hinblick auf den Osiriskult aufgedeckt wurden. Das viel umstrittene und nie verstandene Wort „Gillulim" (wörtlich: die Eingewickelten — Mumien) stelle, so sagte er, nichts anderes dar, als die Osirisse vergöttert wurden. Die Tatsache, daß im Pentateuch dieser Gillulimkult (Osiriskult) mit besonderer Schärfe bekämpft wurde, lasse darauf schließen, daß er sehr stark verbreitet gewesen sei. Sollte diese Deutung richtig sein, so würde 8)ahudas Annahme, daß dieser Teil des Pentateuch nicht erst rm Exil entstanden ist, erhärtet werden. In der anschließenden Diskussion (es sprachen Sellin, Bertholö, Schäfer) wurde dem Referenten vor allem von Seiten der Aegyptologen vorgehalten, daß, selbst wenn man den Nachweis des Aegyptischen im Hebräischen zugestehe, damit Dahudas geplante Schlußfolgerungen nocht nicht erwiesen seien. Diese Einflüsse ließen sich sowohl aus der zeitweisen Beherrschung Palästinas durch Aegypten, als durch die regen Beziehungen, die zwischen beiden Ländern bestanden hätten, erklären. In seinem Schlußwort forderte Dahuda sowohl die Aegyptologen wie die Bibelkritiker auf, sich mit dem Studium beider Sprachen zu befassen, weil sie nur dann in der Lage wären, seinen Thesen zu folgen, ihnen zuzustimmen oder sie wissenschaftlich zu widerlegen. Wenn er zwischen mehreren Möglichkeiten für die Erklärung einer Tatsache zu wählen habe, so entscheide er sich für die wahrscheinlichere und das sei in diesem Falle seine These, die sich auf die biblischen Ueberlieferungen stütze. Or. Professor Dr. Albert Einstein über die Bedeutung der Hilssvereinsarbeit Am 10. Dezember fand in Berlin auf Einladung der Herren Dr. James Simon, Generalkonsul Eugen Landau, Willy D r e y f u s, Berthold Israel und Generalintendant Leopold I e ß n e r zugunsten des Hilfsvereins der Deutschen Juden ein Konzert statt, an das sich unter sehr reger Beteiligung ein Gesellschaftsabend schloß. Es erschienen zahlreiche prominente Mitglieder der Gesellschaft, aus der Bank-, Industrie- und Handelswelt, der Wissenschaft, Literatur und Presse. Vertreter der Regierung, Konsulate sowie der großen Schiffahrtsgesellschaften folgten der Einladung. Herr Professor Albert E i n st e i n hielt vor Beginn des Konzerts nachstehend wiedergegebene Ansprache, in der er die Notwendigkeit des Hilfswerks zur Erfüllung unerläßlicher Solidaritätspflichten höchst wirkungsvoll zum Ausdruck brachte: „Wir Juden sind dadurch beständig bedroht, daß wir überall als eine Minorität leben, die sich durch den Komplex ihrer Traditionen von der Umwelt unterscheidet. Hieraus erwächst für die Individuen eine Gefährdung teils wirtschaftlicher, teils moralischer Art; wirtschaftliche Gefährdung durch Verdrängung aus Berufen, moralische durch Vereinsamung, die meist zu armseligem Eaoismus führt. Gegen diese Schäden hilft uns nur jüdische Solidarität. Wenn diese sich auch vornehmlich durch das persönliche Verhalten von Mensch zu Mensch auswirken mutz, so bedarf es doch zur 3

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