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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-12-01 · 12 (12.1929) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
12 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mafoßeBeitbcu Persönlichkeit der Partei nicht der Versuch gemacht wurde, die Darstellungen des Referenten irgendwie zu erschüttern, sondern daß man sich lediglich auf die Ankündigung beschränkte, daß man mit Juden nicht diskutiere. Diese Feigheit machte aus den größten Teil der Versammlung den Eindruck, den jeder solcher Mangel an Mut unbedingt Hervorrufen muß, nämlich der Unmöglichkeit, Dinge zu widerlegen, die geschichtlich und politisch als eindeutige Wahrheiten zu betrachten siud. Ein Redner, der sich als Nationalsozialist bezeichnete, wandte sich gegen einzelne Lehren des Judentums und stellte Behauptungen über wirtschaftliche Fragen aus, die sich mit den bekannten Ausführungen der nationalsozialistischen Wirtschaststheoretiker deckten. Rabbiner Dr. M e r z b a ch konnte ihm aus dem religiösen Gebiet schlagend die Unhaltbarkeit seiner Auffassung Nachweisen, während der Referent in seinem Schlußwort die anwesenden Gegner wiederholt ausforderte, ihm Gelegenheit zu geben, vor einem Forum nnparteiischer Gelehrter über die einzelnen Abschnitte seines Vortrags zu diskutieren. Wenn die Gegner von der Richtigkeit ihrer eigenen Ausführungen überzeugt seien, so sollten sie auch den Mut aufbringen, mit ihm über das, was ihnen besonders am Herzen liege, in Erörterungen einzutreten. Einen Höhepunkt des Abends bildete die Diskussionsrede von Dr. Carl M i e r e n d o r s s, der ans die Herausforderung mehrerer Redner mit allem Nachdruck daraus hinwies, wie wenig die Nationalsozialisten ein Recht hätten, über die Vaterlandslosigkeit anderer zu sprechen, nachdem der Redakteur ihres Blattes im „Hessenhammer" vom 81. Oktober 1929 bei Besprechung der Arbeit des Reichsbanners seine Verwunderung ausgesprochen habe, daß „keine französische Behörde sich gegen die Uebungen des Reichsbanners, die militärischen Charakter hätten, auslehne". Diese Eröffnung löste eine ungeheuere Empörung aus. Vergebens versuchten die Nationalsozialisten durch Zwischenrufe diese Stelle in ihrem Blatt von sich abzuschütteln. Der Erfolg der Versammlung liegt zweifellos dariri, daß hunderten von Menschen die Augen über die Dinge geöffnet wurden, die sie sonst nur in einseitiger Beleuchtung zu lesen und höreii bekommen. Mainz. Bei der am 24. November d. I. stattgehabten Neuwahl des Vorstandes beteiligten sich von über 700 Stimmberechtigten, 878 Wähler. Es wurden abgegeben für: Herrn Jakob Deutsch 849 Stimmen Herrn Kommerzienrat B. A. Mayer 843 Stimmen Herrn Dr. Paul Lnmon 339 Stimmen Herrn Kommerzienrat Kranenberger 299 Stimmen Herrn Fritz Löwensberg 251 Stimmen Herrn Tr. L. Ehrmann 226 Stimmen Herrn Henry Meyer 225 Stimmen Herrn Julius Fulda 154 Stimmen Herrn Dr. Frz. Kallmann 129 Stimmen Herrn Moritz Berney 114 Stimmen Herrn Jul. Schottländer 83 Stimmen Die vier erstgenannten Herren sind aus 6 Jahre, die folgenden drei Herren aus 3 Jahre als Vorstandsmitglieder gewählt. Mainz. Am 15. November waren es 25 Jahre, daß die Anstalten des Israelitischen Hospitalvereins, Krankenhaus und Altersheim, ihrer Bestimmung übergeben wurden. Seit ihrem Bestehen haben beide Einrichtungen einen steten Aufschwung genommen. Erst im vorigen Jahre wurden sie durch einen größeren Anbau erweitert, und nun besitzt unsere Stadt in ihnen ein mit allen neuzeitlichen Erfordernissen ausgestattetes, musterhaft geleitetes, streng rituell geführtes Krankenhaus, das sich in allen Kreisen Mainzer Pädagogium Höhere Privatschule Fernsprecher 3173 Vorbereitung zu allen Klassen der höh. Schulen. Obersek, Prima und Abitur. Ostern und Herbst Abschlußprüfung; Stoff des früh. Einjähr.) an der eig. Schule. Versäumte Schuljahre weiden schnell und sicher nachgeholt. Auch für Damen und Volksschüler- Sprechzeit 12—l/z2 Uhr. Diether von Isenburgstraße 13l/io der Bevölkerung und auch bei der Aerzteschaft großer Beliebtheit erfreut. Seit der Gründung des Vereins übten die Herrett Battkdirektor Eduard Simon als Vorstand und die Herrett Abraham Schott, Hermann R e i l i n g und I s a a c I. Fulda als Verwaltungsmitgliedcr ihre Ehrenämter in vorbildlicher aufopfernder Weise aus. Bankdirektor E d u a r d S i m o n vollendete am 20. November sein 75. Lebensjahr in bewundernswerter geistiger und körperlicher Frische. Er ist seit 25 Jahren Vorsitzender des Spitalvereins und steht seit Jahrzehnten bei allen jüdischett Wohlfahrtsbcstrebuttgen an führender Stelle. Möge ihm ein gesegneter Lebensabend beschiedcu sein. Nkv "tt? Verbände und Vereine. Die Anteilnahme cm der samiliengeschichtlichen Forschung ist in den letzten zwattzig bis dreißig Jahren in weiten Volksschichten außerordentlich gewachsen, in jüdischen Kreisen allerdings nicht in dem Maße, wie es zu wünschen wäre. Das mag darin liegen, daß es bisher an einer Zentralstelle hierfür fehlte. Durch die „Gesellschaft für jüdische Familienforschung", Berlin W 9, Potsdamer Straße 5, Postscheckkonto Berlin Nr. 183 26, ist eine sülche geschaffen. Wer daran arbeitet, den Zusammenhang der jüdischen Familie zu erhalten und dem einzelnen das Interesse und die Kenntnis der Vorfahren zu vermehren, der wirkt nicht bloß füc die Erhaltung des Judentums, sondern auch für die Ertüchtigung und Rückenstärkung der nach uns Kommenden, denn der Durchforschung der eigenen Familie wohnt ein kaum zu überschätzender Wert inne für die Erweckung eines gesunden und berechtigten Selbstgefühles. In der kurzen Zeit des Bestehens der Gesellschaft ist es dieser gelungen, ihre Ideen in erfreulichem Maße zu verbreiten. Sie zählt zurzeit etwa 500 persönliche und etwa 30 korporative Mitglieder. Jetzt gilt es, dahin zu streben, weitere Kreise heranzuziehen. Je größer die Zahl, um so mehr kattn geleistet und um so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Gerade itt bezug darauf bietet sich noch ein weites Feld der Betätigung. Eilt ungeheueres Urkundcnmaterial liegt ttoch zerstreut, unbeachtet und vernachlässigt herum. Ta ist vor allem das, was in den Familien noch ait alten Urkunden vorhanden ist. lieber kurz und lang dürfte es verloren sein, wie leider schon so vieles unwiederbringlich dahin ist. Hier gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Da sind weiter die alten Gemeindeakten, die viel wertvolles Material enthalten. Sie sind bisher meistens sehr stieftnütterlich behandelt. Dann das unübersehbare Material der sogenannten „Judenakten" aus der langen, vielhundertjährigen Schutzjudenzeit. Die Akten liegen in den städtischen und staatlichen Archiven und sind in sehr vielen Fallen noch vollzählig vorhanden. Es bedarf nur ihrer Erschließung. Sie geben über viele Juden der früheren Zeit weitgehende Auskunft. Ferner die Protokolle über die Annahme der Familiennamen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Man sieht, in welch weitem Maße es möglich ist, außer der Betätigung für die eigene Familie, Forschungsmaterial für das Archiv und für die Zeitschrift der Gesellschaft (die „Mitteilungen" )zusammenzutragen. In diesen „Mitteilungen" bringt die Gesellschaft stets ein reiches und interessantes genealogisches Material und solches aus den Grenzgebieten der Erbforschung und Eugenik. Die „Mitteilungen" erscheinen vierteljährlich, doch ist in Aussicht genommen, sie mit dem Wachsen der Gesellschaft zweitnonatlich erscheinen zu lassen und ihren Inhalt zu erweitern. Probenummern werden auf Wunsch unentgeltlich abgegeben. Dem Familienarchiv der Gesellschaft ist es gelungen, die überwiegende Mehrzahl aller jüdischen Familienchroniken und zahlreiche Stammtafeln zu vereinigen. Mit den Mitteilungen verbunden ist ein „Suchblatt", das Gelegenheit gibt, Rundfragen zu veröffentlichen zwecks Ausschluß über Familienmitglieder oder -beziehungen. Diese Fragen fanden bis jetzt stets Beantwortung, bisweilen aus Weiter- Ferne. Bei weiterer Verbreitung des Blattes wird dieser Austausch immer ergiebiger und wertvoller. In den wenigen Jahren ihres Wirkens und mit den immerhin bescheidenen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, hat die Gesellschaft schon recht Beachtenswertes erreicht. Ordentliches Mitglied der Gesellschaft kann jeder Jude £8

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