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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Teilnehmer der Feier, neben den vielen Mitgliedern der israelitischen Religionsgemeinde und den israelitischen Kurgästen, Vertreter der Behörden, der andersgläubigen Religionsgemeinschaften, fast sämtliche Stadtratsmitglieder usw., begaben sich hierauf an ihre Platze und nahmen zum ersten Male das Innere der neuen Synagoge in Augenschein, das wie der äußere Bau einen feierlichvornehmen Eindruck auf den Besucher ausübt. Umrahmt voll Ehorgesarig und Gesängen des Kantors mit Chor — den letzteren stellte der Shnagogen-Knabenchor aus Frankfurt a. M. mit seinen frischen Stimmen — vollzog sich dann in feierlichem Ritus der Einzug der Thorarollen, das Anzünden des ewigen Lichtes, der Umzug der Thorarollen, das Oeffnen der heiligen Lade, das Einheben der Thorarollen und die Schließung der heiligen Lade. Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen hielt dann die gedankenreiche Festpredigt. Er begann mit einem Segensgruß an alle Anwesenden und schilderte anschließend die Bedeutung der Synagogen, der israelitischen Gotteshäuser, wobei er in der jüdischen Kirchengeschichte bis auf die Tage der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob zurückging. Zum Schluß gedachte Dr. Hirschfeld des langjährigen bisherigen Religionslehrers der hiesigen Gemeinde, Hermann Oppenheimer, beffen verdienstvolles Wirken durch eine besondere Ehrung (Verleihung des Ehrenbürgerrechts der israelitischen Gemeinde) anerkannt wurde. Dank sagte der Geistliche ferner dem Vorstand der Gemeinde, der mit dem Mut zur Tat und mit durchgreifendem Willen den Plan zum Bau durchsetzte. Er gedachte dabei auch des inzwischen verstorbenen Gemeindegliedes Louis L o e b, der die geldliche Grundlage für das Gotteshaus legte und den neuen Platz erwarb. Auch der Opfersinn aller anderen Beteiligten erfuhr dankbare Erwähnung. Dr. Hirschfeld schloß mit Segenswünschen für das ganz deutsche Land und Volk, für das Zusammenwirken aller Konfessionen und sprach den Wunsch aus, daß Deutschland einen blühenden Aufschwüng nehmen und wieder Weltgeltung erringen möge. Nach ihm gedachte der 1. Vorsteher Emil Rosenthal noch einmal kurz des Tages, der durch die Mitwirkung aller Bevölkerungskreise zu einem Ehrentag für ganz Bad-Nauheim geworden sei und für die israelitische Gemeinde einen Markstein in ihrer Geschichte bedeute. Nosenthal entwarf dann noch einmal eine kurze Geschichte der Entstehung des Baues und gedachte von den Spendern namentlich des Kurgastes Albert Kaufmann in München und des Ehepaares Isaak Strauß, das im Andenken an ihren auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn den Altar stiftete. (Die Gedenktafel der Weltkriegsopfer der hiesigen jüdischen Gemeinde hat jetzt einen Ehrenplatz in der neuen Synagoge erhalten). Rosenthal schloß mit dem Wunsche, daß das neue Gotteshaus allezeit sein möchte ein Wahrzeichen zur Ehre Gottes, ein Wahrzeichen des Glaubens und ein Wahrzeichen zur Ehre der ganzen Stadt. Weitere Glückwünsche überbrachten dann noch: Kommerzienrat Kronenberger, Mainz, für den Landesverband der israelitischen Gemeinden des Volksstaates Hessen, Dr. Marx, Frankfurt a. M., der für die Landesverbände Hessen- Nassau und Hessen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach und für religiöse und politische Duldung erntrat, und Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., der int Namen der Frankfurter Glaubensgenossen Segenswünsche aussprach. Damit hatten kurz nach 1 Uhr die Einweihungsfeierlichkeiten ihr Ende erreicht. Erwähnt sei noch die von Rechtsanwalt Dr. Rudolf Stahl verfaßte Festschrist „Geschichte der Nauheimer Juden", die den geladenen Gästen als willkommene Gabe überreicht wurde. Darmstadt. Am 25. Juli dieses Jahres feierte Herr Ludwig Trier und seine Frau Jenny geb. Gernsheim das seltene Fest 4K > der diamantenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich der größten geistigen und körperlichen Rüstigkeit und verbrachte den Tag tut Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel. Herr Ludwig Trier ist das älteste Mitglied der Darmstädter jüdischen Gemeinde und hat viele Jahre das Amt eines Gemeindevorstanves bekleidet. Friedberg i. H. Am 24. August beging Herr Julius Kan n in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Herr Kann, der lange Jahre hindurch Mitglied des Gememdevorstandes war, erfreut sich in unserer Gemeiiide großer Wertschätzung. Noch heute leitet der Jubilar den Hilfsverein als Vorsitzender und betätigt sich in hervorragendem Maße in der Wohlfahrtspflege. Wir wünschen dem jugendsrischen Jubilar einen recht ungetrübten Lebensabend. Ad meoh schon oh. Gfüen denen, die mich anläßlich meines 40jähr. Dienftj'ubiläums in der ifraelitifchen Gemeinde M-ex, durch ihre Gratulation und ^lufmerbfambeit erfreut haben, danbe ich auf diesem CDege recht herzlich. Stern, £ehrer u. Rantor J Palästina. In zahlreichen Städten und Dörfern Palästinas sind pogromartige Angriffe gegen die Juden von seiten der aufgehetzten arabischen Bevölkerung erfolgt. Genaue Zahlen über die Opfer dieser Angriffe sind infolge der widersprechenden Berichte noch nicht festzustellen. Es muß aber bedauerlicherweise schon heute damit gerechnet werden, daß hunderte von tödlichen und lebensgefährlichen Veletzungen und umfangreiche sachliche Schädigungen bei der jüdischen Bevölkerung zu beklagen sind. Nähere Berichte werden wir in der nächsten Nummer unseres Mitteilungsblattes bringen. Bücherschau. Aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns wird von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß und mit Unterstützung des Hauses Mendelssohn und Eo. die Gesamtausgabe M. Mendelssohns Schriften veranstaltet. Herausgeber siud Professor Jsmar Elbogen, Prof. Julius Guttmann und Prof. Eugen Mittwoch in Gemeinschaft mit Dr. F. Bamberger, Dr. H. Borodianski, Dr. S. Rawidowicz, Dr. B. Strauß und Tr. L. Strauß. Die organisatorische Durchführung liegt in Händen eines Mendelssohn-Komitees unter Vorsitz von Professor Moritz Sobernheim. Der Akademie-Verlag gibt dem Werke eine gediegene und würdige Ausstattung. Die Ausgabe umfaßt sechzehn Bände. Drei Bände erscheinen am Jubiläumstage, (zwei deutsche und ein hebräischer), dann drei weitere Bände jährlich. Der voraussichtliche Umfang des Ganzen ist 500 Bogen in Großoktav. Moses Mendelssohn, Das Märchen seines Lebens. Von Jakob Seifensieder. Berlin 1929. Philo-Verlag und Buchhandlung G. m. b. H. 96 Seiten. Preis 2.50 RM. br., 3.50 RM. geb. Dem deutschen Volke ein Bild eines seiner bedeutendsten jüdischen Köpfe, jeder religiösen Gemeinschaft eine Schilderung eines von wahrhaftem Gottesgeiste bewegten Mannes zu geben, ist das Ziel des Merkchens, das der bekannte Pädagoge Jakob Seifensieder in Nürnberg über Moses Mendelssohn verfaßt hat. Allgemein verständlich und fesselnd geschrieben, gibt das Buch eine lebensvolle Darstellung des Kulturzustandes in Deutschland vor etwa 200 Jahren. Der Kreis um Lessing wird besonders eingehend geschildert. Die großen Fragen, welche damals die Welt bewegten, werden erläutert, die Figur Moses Mendelssohns „märchenhaft" aus der Urkultur der damaligen Judenheit hervorquellend und in die höchsten Kulturkreise des deutschen Volkes hineinragend, sieht der Leser plastisch emporsteigen. Diese außerordentlich wesenhaften Zeitumstände, im Mittelpunkt die Figur Moses Mendelssohns, erfahren eine Schilderung, aus der die heutige Nachwelt unendlich viel für ihr Deutschtum, für ihren Charakter und ihre Zielsetzungen lernen kann. Die deutschen Juden werden ersehen, wie in Wandel, Tat und Gesinnung einer ihrer ersten Vorkämpfer für tiefste Religiosität und echteste Kulturverbundenheit mit dem Gesamtvolke zusammengewachsen war. Die Schrift ist trefflich geeignet, weiten Kreisen, für die Mendelssohn bisher nur einen leeren Begriff bedeutete, das Wesen und Wirken des großen Mannes näher zu bringen. Moses Mendelssohn, der Mensch und das Werk. Briefe, Zeugnisse, Gespräche. Unter diesem Titel erscheint im Berliner Welt- Verlag eine von Bertha Badt-Strauß herausgegebene Sammlung von Dokumenten aller Art, die bestimmt ist, Mendelssohns Wertvollstes: seine überragende menschliche Persönlichkeit dem heute lebenden Geschlecht nahezubringen. Der sorgfältig ausgestaitete, mit zeitgenössischen Bildern geschmückte Band von fast 300 Seiten 5

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