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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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auf 6 Jahre die Herren Sanitätsrat Dr. Leopold Nickelsburg, Dr. Clemens Gold schm i dt, Sigmund Lieb mann, Max Guggenheim wiedergewählt und Herr David Goldschmidt neugewählt. — Die Wahlbeteiligung war eine sehr lebhafte. - Mainz. Wie aus der obigen offiziellen Mitteilung ersichtlich ist, soll das Jubiläum des Herrn Kommerzienrat B. A. Mayer durch eine Feier in der Hauptsynagoge und durch ein Zusammensein im Rheingoldsaal der Stadthalle festlich begangen werden. Durch die synagogale Feier, welche mit dem Vorabendgottesdienst des Schowuaus-Festes verbunden wird, soll den weitesten Kreisen der Gemeinde Gelegenheit gegeben werden, ihre Dankbarkeit für die uneigennützige und aufopfernde Arbeit des Jubilars am Gemeindewohl zu bekunden. Wie wiederholt schon bei früheren Anlässen, so hat auch diesmal Herr B. A. Mayer der Gemeinde eine sinnige Gabe zu eigen gemacht: Er hat ein neues Porauches, eine Schulchan- und Kanzeldecke, welche für das Schowuausfest bestimmt sind, anfertigen. lassen. Diese heiligen Gaben sollen bei diesen Vorabendgottesdienst des Schowuausfestes ihre Weihe erfahren. Gelegentlich des Zusammenseins sollen sich die männlichen Mitglieder der Gemeinde zwanglos mit dem Jubilar zusammenfinden. Die wirtschaftliche Not, die über unserer Zeit liegt, hat den Plan, eine große Festlichkeit zu veranstalten, als unangebracht erscheinen lassen, weil man erhebliche Kosten für die Teilnehmer vermeiden wollte. Die männlichen Gemeiudemitglieder aus allen Kreisen werden sich so im einfachen Rahmen und mit Freude zur Abendfeier versammeln. Durch verschiedene geistige Darbietungen soll der Bedeutung des Jubiläums Ausdruck gegeben werden. Mainz. Im Verfolg seines Winterprogramms hat der Jüdische Jugendverein Mainz in regelmäßiger Folge seine Heimabende und Freitagabende fortgesetzt. Gelegentlich des Purimfestes fand ein gemütliches Beisammensein im Heim statt, das sehr stimmungsvoll verlief. Für Gaumen und Magen war bestens gesorgt. Aug und Ohr kamen auf ihre Kosten bei den vorzüglichen Kleinkunstdarbietungen, die von Vereinsmitgliedern bestritten wurden, und auch die Tanzbeine kamen nicht zu kurz. — Der Jüdische Jugendverein arrangierte im März ein Führertreffen in Bingen, wo über das Thema „Judentum, Arbeit und Recht" nach den diesbezüglichen Referaten eine rege und fruchtbare Aussprache stattsand. Hervorgehoben seien die Vorträge über „Jugendwohlsahrt und Jugendrecht" sowie über „Jüdische Fürsorgeeinrichtungen, insbesondere in Mainz", die in dankenswerter Weise von den Herren Oberinspektor Schlösser und Kantor London übernommen waren und in sachkundiger Weise belehrten. Mit den jüdischen Vereinen zusammen, die bereits im vergangenen Jahr eine Vortrags-Arbeitsgemeinschaft gebildet hatten, veranstaltete der Jüdische Jugendverein einen Vortrag des Herrn Landau- Wiesbaden „Die geistige Krisis im Judentum der Gegenwart" mit Aussprache. — Im April begann Dank der freundlichen Bereitwilligkeit des Herrn Rabbiner Dr. Levi eine stark frequentierte Arbeitsgemeinschaft, von der eine ganz außerordentliche Förderung des geistigen Lebens im Verein ausgehen kann und sichtlich ausgehen wird. Die Mitarbeit des Herrn Rabbiner buchen wir als eine besonders erfteuliche und anerkennungswerte Tatsache. An Pessach ist es uns trotz mancherlei anfänglicher Schwierigkeiten gelungen, einen gemeinsamen Sederabend zustande zu bringen, der 20 Jungens und Mädels zum Seder vereinigte. Der Abend wurde wohl jedem Teilnehmer ein religiöses Erlebnis. Auch an dieser Stelle sei der Gemeinde für chre Beihilfe gedankt. Mit dem Beginn der wärmeren Jahreszeit haben unsere Fahrten wieder eingesetzt. P. Mainz: Die letzten Monate zeigten ein erfreuliches Zunehmen der Vereinstätigkeit und ein gesteigertes Interesse der Mitglieder an dem Leben der hiesigen Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Ende Januar wählte die Generalversammlung einen neuen Vorstand bestehend aus den Kameraden: Benny Levy (1. Vorsitzender), Dr. Ladenburg (2. Vorsitzender), Max W a ld m a n n (Schriftführer), I. Joseph (Schatzmeister), sowie die Kameraden Dr. Stern, Löwensb e x g und F r i d b e r g als Beisitzer. Die neue Leitung wußte die Mitglieder in stattlicher Anzahl bei den am 1. Mittwoch jeder: Monats stattfindenden Stammtischabenden zu versammeln und damit das gesellige Zusammensein der Kameraden zu heben. In gemütlicher Aussprache konnten sich die Kameraden über innerjüdische und allgemeinpolitische Fragen aussprechen und gegenseitig näher kommen. Zur Hebung der Kameradschaftlichkeit trug wesentlich der als Abschluß der Winterzeit im Cabarett Sanssouci abgehaltene Herrenabend bei, der auch guten Besuch der benachbarten Ortsgruppen aufwies. Zum harmonischen Verlaus dieses Festabends trugen neben den Mitgliedern des Cabaretts, dre von den Mitgliedern verfaßten Lieder bei, und nicht zuletzt die von Kamerad F r i d b e r g, dem Leiter des Abends, vorgenommene amerikanische Versteigerung einer Kiste Sekt und einer Kiste Wein zu wohltätigen Zwecken. In den kommenden Wintermonaten hofft man den Kameraden an geistigen Anregungen mehr bieten zu können, als es die kurze Zeit nach Fastnacht in dem zu Ende gegangenen Winter ermöglichte, in der man nur zwei Vortragsabende veranstalten konnte, die allerdings sehr hoch standen. Kanierad Dr. Kann, der Vorsitzende unseres Landesverbandes, sprach im Monat März über das Thema: „Was lernen wir aus den Friedhofsschändungen", während unser hiesiger Kamerad Dr. Fritz Lehmann im Monat April über die Entwicklung der Orthodoxie nach der Emanzipation sprach. Kamerad Dr. K a n n schilderte in stark empfundenen Worten die Schmach der fortgesetzten Friedhofsschändungen in Deutschland, und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die dadurch hervorgerusene Demütigung unter allen Juden das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken müsse in einer Front stolzer Zurückhaltung sowie steisnackiger Bereitschaft. Kamerad Dr. Lehni a n n schilderte von dem neutralen geschichtlichen Standpunkt aus die Entwicklung der Orthodoxie, ausgehend von den Führern der Bewegung Hildesheimer, Hirsch und Lehmann und begründete deren geistige Einstellung aus der Assimilationsbewegung des vorigen Jahrhunderts. Während der Sommermonate plant die Ortsgruppe des Reichsbund jüdischer Fronsoldaten einen Abend im Freien gemeinschaftlich verbringen zu können, während das Turnen der Knaben- und Mädchenriege genau wie im Winter fortgesetzt wird. Durch ein gemeinsames Abkommen mit dem hiesigen Jugendverein wird auch den Kameraden selbst Gelegenheit gegeben werden, Leichtathletik zu treiben. Mainz. Der Architekt Ossip Klarwein, Sohn des Herrn Moritz Klarwein in Mainz, nimmt heute eine führende Stellung unter den. Architekten Deutschlands ein. Er ist bei der bekannten Architektenfirma Höger in Hamburg tätig. Seine Entwürfe erhielten wiederholt die ersten Preise und die Bauausführung, so das Oetker-Haus in Bielefeld, das Rathaus in Rüstriiigen u. a. m. Neuerdings hat die Firma Höger für den Entwurf ihres Architekten Klarwein deck ersten Preis und die Bauausführung der Bauten erhalten, die die J.G.-Farben Gesellschaft in Berlin für Verwaltungs- und Repräsentationszwecke errichten läßt. Dieser Erfolg des juiigen Mainzer Künstlers ist umso höher zu bewerten, als er bei diesem Wettbewerb mit den fünf bedeutendsten Architekten Deutschlands, darunter Namen wie Poelzig und Mendelsohn, in Konkurrenz stand. Mainz. Das Mitglied unseres Oberrats, Herr Jsaac Oppenheimer aus Gau-Bickelheim, hat seinen Wohnsitz von Wallertheim nach Mainz verlegt. Bei dem anläßlich des Einzuges in die neue Wohnung veranstalteten Lernen kam sowohl das Bedauern der Gemeinde Wallertheim über den Fortzug des Herrn Oppenheimer zum Ausdruck, wie auch die Hoffnung der Mainzer Gemeinde, daß Herr Oppenheimer in. seiner bekannten Begeisterung für jüdische Angelegenheiten nunmehr sich dem Landesverbände der israelitischen Religionsgemeinden Hessens, wenn möglich, noch intensiver zur Verfügung stellen wird. Aus der Geschichte der Juden im Volksstaate Hessen. Von Josef Marx, Gießen. I. Wann sich die Juden in Hessen niedergelassen haben, läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen, aber schon im Jahre 18 8 7 kommen sie urkundlich vor. Vor dem 15. Jahrhundert war den Juden Hessens der Aufenthalt an einem Orte auf längere Zeit nicht gestattet. Erst von dieser Zeit an wurde ihnen das Wohnen an demselben Platze auf mehrere Jahre erlaubt. Landgraf Philipp der Großmütige (1509—1567) wollte im Jahre 1524 alle Juden aus Hessen vertreiben. Er ließ daher ein Ausschreiben an alle Beamten ergehen, das besagte, daß sie in ihrem Amtsbezirke keinen Juden wohnen lassen uiid den benachbarten Edelleuten andeuten sollten, sie dürsten keinen Juden halten. Dieses Gebot scheint jedoch nicht lange ausgesührt worden zu sein, denn schon im Jahre 1532 erschien eine neue Verordnung Philipps, daß allen Juden im Fürstentum ein weiterer Aufenthalt von sechs Jahren gestattet sei. Nach Ablauf dieser Frist ging der Landgraf mit dem Plane um, die Juden auf längere Zeit, vielleicht auf immer wieder aufzunehmen. Er gab auch die Bedingungen bekannt, unter denen man sie dulden könne. Auf die von den Juden dagegen gemachten Einwendungen gab Landgraf Philipp am 13. Dezember 1538 seinem Stadthalter, Kanzler und Räten Kenntnis von dem Schreiben der Juden und fügte hinzu, er habe in Erfahrung gebracht, daß etliche Juden seinen Untertanen mehr Liebes und Gutes mit Leihen und Vorstrecken getan und weniger Wucher genommen hätten als die Christen. Er habe 7

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