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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ctud| Herr Kollege Gans als Vertreter der israelitischen Lehrerronfe-ens H-ffens. teilnahm. Nach einer längeren, den Gegenstand erschöpfenden und von größtem Entgegenkommen getragenen Aussprache, vereinbarten wir, daß die Statuten des Reichsverbandes jene Zusatze erhalten sollen, die s. Z. auf der Münchener Tagung des Rmchsverbandes abgelehnt wurden. Infolge dieser Zusage, die Herr Kollege Steinhardt uns dann auch noch schriftlich bestätigte, hat dann ^zhr Vorstand am 3. Februar ds. Jahres auf einer Vorstandsbesprechung in Frankfurt a. M., an welcher sämtliche Mngneder des Vorstandes anwesend waren, den einstimmigen ^eschluß gefaßt, der Ihnen in der Märznummer des Mitteilungsblattes bekannt gegeben wurde und welcher lautet: „Der Vorstand beschließt in Ausführung des Beschlusses der Offenbacher Generalversammlung vom 26. August 1928, dem Reichsverband der jüdischen Lehrer im Deutschen Reiche, unter den, in dem Briese von Steinhardt an Kahn vom 16. Nov. 1928 zugesagten Bedingungen beizutreten." Dieser Beschluß wurde dem Vorstand des Reichsverbandes mitgeteilt und von demselben bestätigt. Gestern Abend hatten wir dann das Vergnügen, Herrn Kollegen Steinhardt in unserer Mitte zu sehen, und Sie stehen Wohl alle noch unter der Wirkung des wiederum einstimmig angenommenen Beschlusses, der vorsieht, daß unser Verein nunmehr Mitglied des großen Neichsverbandes ist. Auch die hessischen jüdischen Lehrer stehen nun nicht mehr außerhalb des Stromes der jüdischen Lehrerbewegung in Deutschland. Während aber nunmehr die jüdischen Lehrer Hessens nach außen hin den Anschluß an die jüdischen Lehrerbewegung gefunden haben, ist es ihnen immer noch nicht gelungen, eine Aenderung jener unhaltbaren Zustäßde in der Besoldung und Anstellung eines großen Teils unserer Kollegen herbeizuführen. Immer noch nicht konnte sich die hessische Judenheit dazu aufschwingen das zu tun, was in anderen Ländern, insbesonders in den süddeutschen Staaten möglich war, und was auch in Hessen geschehen muß, wenn nicht das religiöse und kulturelle Leben der meisten Klein- und Mittelgemeinden der völligen Vernichtung preisgegeben werden soll. Wir haben bisher stets auf diese Dinge hingewiesen und gezeigt, daß jede Arbeit umsonst und jede Mühe vergebens sein wird, wenn nicht zuerst eine Wandlung in dieser Hinsicht erfolgt. Auch die Bemühungen des Landesverbandes, die von uns durchaus nicht verkannt und verkleinert werden sollen, werden nur Stückwerk bleiben, werden vielleicht in vieler Beziehung vergebens sein, wenn es nicht gelingt die Zukunft der hessischen jüdischen Lehrer in finanzieller Hinsicht auf eine solche Basis zu stellen, die der der anderen jüdischen Lehrer in Deutschland entspricht. Sie wissen, daß Ihr Vorstand stets bei allen sich bietenden Gelegenheiten mit Wort und Tat für diese Sache eingetreten ist. Ein großer Erfolg — wir wollen dies heute ohne alle Schönmalerei sagen —■ konnte bisher noch nicht erzielt werden. Warum dies nicht ereicht werden konnte, das wissen Sie so gut wie wir auch. In unserem letzten Tätigkeitsbericht sind wir aus diese Dinge sehr genau eingegangen. Es kann gesagt werden, daß dieser Bericht großen Eindruck auf weite Kreise der hessischen Judenheit gemacht hat. Ich habe eine sehr große Anzahl schriftlicher und mündlicher Zustimmungserklärungen erhalten, auch von Persönlichkeiten, die sonst im allgemeinen den Bestrebungen der Lehrerschaft fern stehen Ich will heute nicht mehr diesen ganzen Fragenkomplex aufrollen, ich will heute nur wieder von neuem, feststellen, daß es immer noch Jahresgehälter in Hessen gibt, die in jeder Beziehung unzureichend sind, und daß sich die Verhältnisse im vergangenen Jahre in dieser Hinsicht in nichts geändert haben. Die Folgen dieser Politik zeigen sich schon heute. Wird heute eine hessische Stelle frei, so meldet sich aus ganz Deutschland, selbst dann, wenn diese Stelle mit Volksschullehrergehalt ausgeschrieben ist, kaum ein einziger jüdischer Lehrer. Es wird also in absehbarer Zeit in fast sämtlichen Gemeinden Hessens kaum noch ein Lehrer, der diesen Titel von Rechts wegen führen darf, anzutreffen sein. Das sollten sich zunächst alle diejenigen jüdischen Gemeinden zur Notiz nehmen, die in völlig unbegreiflicher Verblendung und Leistungsunwilligkeit, sich immer noch nicht entschließen können, ihren Lehrern das zu geben, was denselben zukommt. Sie können sich heute schon sagen, daß mit dem Tode oder dem Wegzug des Lehrers ihrer Gemeinde, ihre Stelle unbesetzt bleiben wird. Sie selbst sind die Totengräber ihrer eigenen Gemeinden. Als ich im letzten Bericht sagte, daß der Nachfolger des hessischen Lehrers der „ostjüdische Vochur" sei, wurde mir dieses Wort, obwohl aus dem ganzen Bericht damals klar hervorging, daß gegen den oftjüdischen Bochur als solchen nichts gesagt würde, von einer gewissen Seite sehr übel ausgelegt. Heute sage ich, daß der Nachfolger des hessischen Lehrers nicht einmal der ostjüdische Bochur sein wird, der wird wo anders bessere Anstellungsverhältnisse finden. Der hessische Lehrer wird voraussichtlich gar keinen Nachfolger haben. Ein Rundblick über die vakanten Lehrerstellen in ganz Hessen bestätigt diese Behauptung. Selbst Gemeinden, die ihre Stelle mit einer Besoldung von 4b oder 4a ausschrieben, bleiben unbesetzt, weil sich eben nach Hessen kein Lehrer mehr meldet. Das ist die traurige Folge der Äesoldungspolitik der jüdischen Gemeinden. Wie leistungsunwillig ein großer Teil der hessischen Gemeinden ist, bewiesen die Verhandlungen des letzten Gemeindetages in Ofsenbach. Aus dem Bericht, den der Vorsitzende des Verbandes — Herr Kommerzienrat Mayer — erstattete, ging ja hervor, welche große Mühe erforderlich ist, die Gemeinden zu veranlassen, die geringen Beiträge zum Verband zu leisten, wie dadurch auch die Arbeiten des Verbandes unsäglich erschwert werden. Trotzdem heute doch jede hessische Gemeinde wissen müßte, daß der Verband der einzige Faktor und die einzige Möglichkeit ist, das religiöse Leben zu erhalten und zu fördern, stehen immer noch eine große Anzahl dem Verbände fern und die Führer des Landesverbandes werden vielleicht nun ersehen, welch schweren Kampf wir Lehrer schon seit Jahrzehnten mit vielen hessischen Gemeinden führen. Sie selbst, die doch gestützt sind durch die Autorität des Landesverbandes, müssen heute erkennen, wie außerordentlich schwer es ist, selbst die geringsten Beiträge zu erhalten; sie werden deshalb nunmehr auch einsehen, was wir jüdischen Lehrer alles schon mit solchen Gemeinden und Vorständen durchzufechten hatten. Auch der Landesverband wird nicht eher diese Verhältnisse meistern und beseitigen können, bis er 1. umbetfar sein wird, 2. das Recht einer öffentlichen Körperschaft, besitzt und zum 3. seine Finanzen auf dieselbe Grundlage stellt, wie dies die süddeutschen Verbände in vorbildlicher Weise schon getan haben. Gerade auf den letzten Punkt bin ich in meinem vorjäbrigen Bericht näher eingegangen. Ich hatte dort ausgeführt, daß bei aller Anerkennung der großen Opfer, die unsere hessischen Großgemeinden, vor allen Dingen die Gemeinde Mainz, für den Verband gebracht haben, es dennoch keinen anderen Weg gibt, um den Verband wirklich groß und leistungsfähig zu machen, als den der direkten Besteuerung, die es auch bei einem ganz geringen Steuersatz mit Leichtigkeit ermöglicht. alle die Geldmittel aufzubringen, die wir für die Aufgaben des Verbandes benötigen. Ich hatte auch in dieser Sache die Freude eine ganze Reihe von Zustimmungserklärungen, sogar von Seiten verschiedener Oberratsmitglieder zu erhalten. Doch so lange der Verband nicht universal ist, d. h. so lange ihm immer noch eine Reihe von Gemeinden fernsteht, ist die Möglichkeit eine solche Besteueruna einzuführen sehr gering. Es sollte daher jeder Kollege, dessen Gemeinde noch nicht sich dem Verband angeschlossen hat, mit aller Kraft und Bestimmtheit für den Anschluß wirken und eintreten. Wir bedauern es deshelb sehr, daß manche Kollegen bisher in dieser so sehr wichtigen Frage eine merkwürdige Zurückhaltung und Passivität zeigen, obwohl diese Sache zu der wichtigsten Standesangelegenheit gehört. Wir haben es auch sehr bedauert, daß die Verhandlungen mit dem „gesetzestreuen Verband", obwohl der Landesverband fast bis zur Selbstaufgabe alle nur möglichen Zugeständnisse machte, nicht zu einer Vereinigung führten, weil der Leidtragende an der Zersplitterung der hessischen Judenheit der jüdischen Lehrer ist. Bei dieser Gelegenheit können wir es uns nicht versagen eine Feststellung zu machen, die äußerst interessant und lehrreich ist. Sie werden es alle noch nicht vergessen haben, in welcher Weise wir von einer Indanthren 0.'//. Indanthren-Stoffe für Bekleidung, Wäsche Dekorationen Bademäntel, Badecapes, Badeanzüge Tischdecken Frottierwaren Teegedecke alles unübertroffen wasch-, licht-, wetterecht Indanthren - Haus FRANKFURT O. M. B. H. KAISERSTR. 19 3

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