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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-05-01 · 5 (5.1929) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
5 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Der Vorsitzende pflichtet den Ausführungen des Vorredners im Prinzip bei. er wünscht, daß die Beitragsleistungen der Gemeinden dem Oberrat die Zahlung hoher Remunerationen möglich mache. Der Verband sei in erster Linie für die Lehrer gegründet worden, der Oberrat werde, wenn man ihn hierzu bevollmächtige, den Lehrern zu Pessach Remunerationen, möglichst in vorjähriger Höhe, auszahlen lassen. Die Rechnung 1928 sei von den Revisoren Bankdirektor Fritz Reis-Friedberg und Ferdinand Oppenheimer- Ober-Jngelheim geprüft und in Ordnung befunden worden. Die Versammlung erteilt hierauf dem Oberrat Entlastung, sie bevollmächtigt den Oberrat den Voranschlag für 1929 auf Grund derRechnung 1928 aufzustellen und notwendigenfalls Einschränkungen der Ausgaben eintrcten zu lassen. Die Revisoren Oppenheimer und Reis werden durch Zuruf wiedergewählt. Auf Vorschlag Oppenheimer - Ober-Ingelheim werden der Verhandsvorsitzende und sein Stellvertreter auf gleiche Weise wiedergewählt. Kommerzienrat Mayer-Mainz dankt für die ihm und Herrn Kommerzienrat Kronenberger gelegentlich der Wiederwahl zuteil gewordene Ehrung und verspricht, daß man den Verband im gleichen Sinne weiterleiten werde. H e r z o g - N i e d e r - S a u lh e i m erklärt, Herr Jsaac Oppenheimer wohne heute noch in Gau-Bickelheim, sei also uoch Angehöriger einer Gemeinde mit weniger als 50 Steuerzahlern, könne daher als Vertreter von Landgemeinden gelten. Die Versammlung wählt als Oberratsmitglied Herrn Rosenthal- Oppenheim, als sein Stellvertreter Ferdinand Oppenheimer-Oüer- Jngelheim und Herrn Oppenheimer-Gau-Bickelheim bzw: Mainz als Stellvertreter für Herrn Küchler-Alzey. Auf Antrag Kahn-Alsfeld wird Dr. Stahl-Bad-Nauheim als Stellvertreter des Herrn Krämer-Friedberg gewählt. Im übrigen werden die Oberratsmitglieder und Stellvertreter en bloc wiedergewählt. Auf von verschiedenen Seiten geäußerten Wunsch nach einem Normalstatut für die Gemeinden, erklärt der Verhandsvorsitzende, man werde sich in der nächsten Oberratssitzung mit diesem Gegenstand beschäftigen. Er ersucht, die Herren Krämer-Friedberg und Rechtsanwalt Rothenberger-Gießen ihrerseits einer in der Versammlung erfolgten Anregung Folge zu geben, und die Verfassung der oberhessischen Landjudenschaft einer Prüfung zu unterziehen. Oppe n hei mer-Ober-Jngel heim appelliert an diejenigen Gemeinden, die einen Verbandslehrer für sich in Anspruch nehmen und auch ihre Leistungen an den Verband kein Zehntel der Lasten, die sie dem Verband aufbürden, erstatten. Kahn-Alsfeld, Vorsitzender der hessischen Lehrer, dankt Herren Rabbiner Dr. Sander und Levi, insbesondere Justizrat Marx für ihr Eintreten für die Lehrer und für die Wertschätzung der Tätigkeit derselben, begrüßt, daß der Vorsitzende Zahlungen an die Lehrer in Aussicht gestellt habe, daß er nunmehr nach dem Verlauf der Nachmittagssitzung über den Leistungswillen der Verbandsmitglieder optimistischer denke, als heute Vormittag und daß er hoffe, daß die Lehrerbesoldung so gestaltet werde, wie sie unbedingt sein müsse, daß jeder Lehrer mindestens eine Besoldung beziehe in Höhe der alten Gruppe VII. Der Vorsitzende erklärt hierauf den geschäftlichen Teil der Sitzung geschlossen und erteilt Herrn Rabbiner Dr. D i e n e m a n n - O f f e n b a ch das Wort zu dem angekündigteu Vortrag. Herr Rabbiner Dr. Dienemann spricht über die Kornposition des Mörgengebetes. Er geht vom Sch'ma bzw. den drei Abschnitten aus. Zum Bekenntnis trete die persönliche Beziehung, die Ergriffenheit, die Liebe. Alles Judentum beruhe auf der Tradition, sei nicht nur Sache des Herzens, müsse geübt werden. Bekenntnis, Liebe, Ueberlieferung, Hebung. Der Mensch rnüsse die Empfindung haben, daß seine Tat vergolten werde. Im Abschnitt W'hojo stehe das Volk da. Im Abschnitt Wajomar stehe das elementare Ereignis des Auszugs aus Aegypten, hier beginne die Geschichte. Von Benediktionen, die dem Sch'ma vorausgehen, handle die erste vor: der Schöpfung des materiellen Lichtes, die zweite (ahavo rabbo) vom geistigen Licht, der Thora. Ter Benediktion nach den Abschnitterr schließe sich das Gemeinschaftsgebet an. Redrrer geht auf die Benediktionen, die drei ersten, die drei letzten und die mittleren ein. Dem Gemeinschaftsgebet schließe sich das Bittgebet des Einzelnen, tachanun, an. Mit Psalmen beginne jeder Gottesdienst und da jeder Handlung ein Segenspruch vorauszugchen habe, seien die Psalmen umrahmt von Segensprüchen Boruch scheomar und jischtabach. Dem Tachanun schließen sich die früher nach dem Lernen gesprochenen, mit uvo I'zijon eingeleiteten Trostesworte an, denen man das Lernkaddisch folgen lasse. Hiermit bringe man den Gedanken zum Ausdruck, daß der Bestand der Gemeinschaft gesichert bleibt. Durch reichen Beifall bekundet man dem Redner £>eu Dank für seine Ausführungen. III- Lifte der Oberratsmitglieder für das Geschäftsjahr 1929/30 Zufolge der am 14. April d. I. stattgehabten Wahl setzt sich das Obcrratskollegium wie folgt zusammen: Kommerzienrat B. A. Mayer, Verbandsvorsitzender; Mitglieder: Karl Benjamin, Bankdirektor, Tarmstadt; Justizrat Tr. Goldschmidt, Offenbach a. M.; Heinrich Hirsch, Fabrikant, Groß-Gerau; Lehrer Leopold Kahn, Alsfeld; Ferdinand Krämer, Friedberg; Jacob Küchler, Alzey; Rabbiner Dr. Levi, Mainz; Louis Marcus, Gießen; Justizrat Dr. Marx, Bingen; Sanitätsrat Dr. med. Nickelsburg, Worms; Siegfried Rosenthal, Oppenheim; Rabbiner Dr. Sander, Gießen; Diplom-Handelslehrer Simon, Darmstadt; Adolf Steinberger, Alsfeld; Kommerzienrat Ludw. Kranenberger, Stellvertreter des Verbandsvorsitzenden; Stellvertreter: Leopold Hachenburger, Darmstadt; Tr. Guggenheim, Offenbach a. M.; Moritz Oppenheimer, Fr.-Crumbach; Lehrer Sulzbacher, Großbieberau; Dr. Rud.. Stahl, Bad-Nauheim; Jsaac Oppenheimer, Mainz; Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M.; Rechtsanwalt Rothenberger, Gießen; Oskar Mayer, Bingen; Rechtsanwalt Dr. Clemens Goldschmidt, Worms; Ferdinand Oppenheimer, Oberingelheim; Rabbiner Dr. Lewit, Alzey; Lehrer Stern, Alzey; Jacob Goldschmidt, Altenstadt. Sitzung des Oberrats am 14. April zu Offenbach a. M. Anwesend: Kommerzienrat Mayer als Vorsitzender und säst sämtliche Oberratsmitglieder und Stellvertreter. 1. Einer rheinhessischen Gemeinde wird empfohlen, sich wegen eines Baukostenzuschusses an das Ministerium zu wenden. 2. Der Vorsitzende berichtet über den vorläufigen Voranschlag und empfiehlt vom Gemeindetag eine fünfgliedrige Kommission wählen zu lassen, deren Ausgabe es zu fein habe, Abstriche zu beantragen. 3. Dem Gesuch einer Gemeinde um einen einmaligen Beitrag kann nicht entsprochen werden. 4. Für den Unterricht einer aus 2 Orten bestehenden Gemeinde werden bis zu RM. 200 — pro anno bewilligt. 5. Herr Rabbiner Dr. Sander wird gebeten, in der voraussichtlich Ende Juni stattfindenden Oberratssitzung über die beabsichtigte Anstellung zweier Lehrer durch den Verband zu berichten.

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