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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-05-01 · 5 (5.1929) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
5 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Gut h nt aun - Ei ch dankt dem Verband und insbesondere dem Verbaudslchrer Snlomon-Worms für die segensreiche Tätigkeit. Er verweist aus die Höhe der Beitragsleistung seiner kleinen Gemeinde und gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Kleingemeinden cs vielfach daran fehlen ließen, den nur in ihrem Interesse tätigen Verband genügend zu fördern. M a y e r - H a r x h e i m wünscht eine intensivere Tätigkeit der Lehrer auf dem Land in Bezug auf die religiöse und geistige Beeinflussung der Gemciudemitgliedcr. Neben der Erteilung des Unterrichts und der Abhaltung der gemeindlichen Gebetsversammlungen müsse der Lehrer zttr Belehrung und Beeinflussung der Erwachsenen tätig sein. S t e i n b e r g e r - A l s f e l d erwartet promptere und höhere Beitragsleistungen im Falle die Anforderung in fester Sutnme und auf gedrucktem Formular erfolge. Der Vorsitzende erwidert, daß lediglich aus Sparsamkeitsgründen die Anforderung seither hektographiert worden sei. H i r s ch - G r o ß - G e r a u empfiehlt, unter Hinweis auf die geringen Lasten seiner Nachbargemeinde Büttelborn, Uebergang zu einer exekutorischen Verbandsteuer. Justizrat G o l d s ch m i d t - O f f e n ba ch weist auf die Arbeitsleistungen der Vorortgemeinde Mainz für den Verband, auf die ^orge des Verbands für Religionsunterricht der Kinder hin, tritt für eine intensive Verbandsarbeit ein und empfiehlt eine Prüfung der Frage, inwieweit eine Reduktion der Ausgaben möglich sei. Auf seinen Antrag wird die Bildung einer Voranschlagskommission beschlossen und es werden in dieselbe gewählt: Kommerzienrat Kronenberger-Mainz, Vorsitzender, Ebert-Osthofen, Lehrer Kahn- Alsfeld, Oppenheimer-Ober-Jngelheim, Rosenthal-Frtedberg, Rosenthal-Oppenheim, Justizrat Goldschmidt-Offenbach. Die Gewählten werden gebeten sich zu Beginn der Mittagspause des ihnen gewordenen Auftrags zu entledigett. Dr. R o s e n t h a l - F r i e d b e r g dankt unter lebhaften Bravorufen im Namett aller Anwesenden, dem Verbandsvorsitzettden für die von ihm geleistete Arbeit. Das Defizit des jetzt abgelaufenen Geschäftsjahres sei nunmehr unbedingt zu decket: und es sei für die Zukunft Sorge zu tragen, daß sich gleiches nicht wiederhole. Redner tritt für eine progressive Staffelung der Verbandsbeiträge, für eine schärfere Heranziehung der Großgenteindeu, für eine Abwechslung in der Zusammensetzung des Oberratskollegiums eilt. Letzterer Antrag bezwecke, den Verband bei den Mitgliedern der eiitzelnen Gemeindet: populärer zu tuachen. Seiner Ansicht nach wissen 75 Prozent seiner Gemeinbemitglieder nichts vom Verband. Der Vorsitzende erwidert, daß durch die progressive Lokalsteuer auch die Verbandsbeiträge progressiv zur Erhebung kommen, Mehrleistung der Grotzgemeinden sei tatsächlich der Fall; auf ben Kopf der Gemeindemitglieder berechnet, war der Betrag vott Mainz zirka RM. 4.—, der von Friedüerg zirka RM. 2.—. Kommerzienrat Krone nberger -Mainz erwidert Herrn Rosenthal, daß die Vorortsgemeinde tteben den Beiträgen, die Arbeit für den Verband und die Porto- und sonstigen Bürokosten trage. Er stellt diesen Leistungen die geringen Aufkommen der Gemeinden gegenüber, wobei er sich auf die diesbezüglichen Veröffetttlichungen des Mitteilungsblattes in der April-Nummer bezieht. Er bringt zur Kenntnis, daß es vorgekotnmett sei, daß sich eine Gemeinde an den Verband zu einer Beitragsleistung von RM. 20.— bereit erklärt habe, unter der Bedinguttg, daß ihr aus der Verbandskasse eine Subvention von RM. 200.— geleistet werde. Der Verband sei kein Bankgeschäft, die Leitung tuüsse es ablehnen, einem Anträge zu eutsprecheti, der dahingeht, Stundung der Verbandsbeiträge zu bewilligen. Die Beiträge seien so gering, daß jede Gemeinde zu prompter Leistung derselben in der Lage sei. Er ersucht die Herren Rabbiner Kasualfälle zur Propaganda für den Verband zu benützen. Die Vorortgemcittde Mainz müsse die ihr durch Atunahnungen erwachsene Arbeit künftig unter allett Umständen reduzieren. Rabbiner Dr. L e v i - M a i tt z rät davon ab, die Ausübung rabbinischer Funktionen von Zahlungen att ben Verband abhängig zu machen. Er weist darauf hin, daß die heutige Versammlung ztt einer Verfassungänderung tticht berufen uttd daher zu einer Aenderung in der Festsetzung der Verbandsbeiträge nicht zuständig sei. Zur Deckung der nach auswärts zu leistenden Kultusbeiträge sei eine Kopfsteuer am Platze und wohl zu rechtfertigen; jeder Einzelne sei zur Förderung des Verbands berufen, den Gedanken au eitte Auflösuttg des Verbands dürfe matt tticht aufkommen lassen. E b e r t - O st h o f e n schließt sich bezüglich Ablehnung des Atltrags Kronettberger betreffs der rabbittischen Funktionen Herrn Rabbitter Dr. Levi att. Er fährt fort, indeut er ausführt, daß eine Gemeinde mit wettigett leistungsfähigen Steuerzahlern unter Umständen wohl genötigt sei, Stundung der Verbandsbeiträge zu verlangen. O p p e n h e i m e r - G a u - B i ck e l h e i m tritt den Ausführuttgett Dr. Rosenthals, daß der Verband unpopulär sei, entgegen. Mainzer-Heppenheim will mit Zahlungen im Rückstand sich befindliche Gemeinden tticht als böswillig angesehen haben. Er empfiehlt bei Beitreibung der Verbandsbeiträge die Hilfe der Abgeorditeten des Gemeindetaaes in Anspruch zu nehmen. Justizrat Dr. G o l d s ch m i d t * O f f e u b a ch erwidert Herrtt Dr. Rosettthal, daß die von ihm berührte prinzipielle Frage in der Praxis bedeutungslos sei. Die Zahlung der kleinen Gemeittden erfolge nach deren eigenem Willen, während die Großgetneinden die Bedürfnisse des Verbattds für ihre Beitragsleistungen maßgeblich fein ließen. Es wird hierauf beschlossen, eine Mittagspause eiutreten zu lassen. Während derselben findet uttter Führung des Herrtt Dr. Guggenheim eine Besichtigung des im Jahre 1013 erbauten Synagogettattwesetts und einer Kuttstausstelluttg des Herrtt Dr. Wolpe statt. Im Anschlüsse hieran wird einer Einladung der israelitischen Gemeittde Offenbach zu einem Mittagsmahle Folge geleistet. Für die in jeder Beziehung genußreichen Darbietungen sprechen namens der Versammlung die Herrett Kommerzienrat Kranenberger uttd Jsaac Oppenheimer-Gau-Bickelheim der Gemeiude Offenbach in humorvollen uttd herzlichen Worten ben Dank aus. Nach Verrichtung des Tischgebetes durch Herrn Rabbiner Dr. Levi wird in die Fortsetzung der Verhandlungen eingetreten. Der Vorsitzende erteilt Herrn Kommerziettrat Kranenberger das Wort. Dieser berichtet über die uttter seinem Vorsitz in Gegenwart der Herrett Ebert, Justizrat Goldschmidt, Lehrer Kahn, Oppenheimer-Ober-Jngelheim uttd Rosenthal-Oppenheim stattgehabteu Sitzuttg der Voranschlagskommission. Dieselbe sei leider gezwuttgett, den Atttrag zu stellet!, zu diesem Pessach Gratifikatiotten nicht auszahlen zu lassen. Tie Kommission beatttrage ferner, 1. Streichuttg des Zuschusses für das Lektorat Giehctt, 2. Zuschüsse an Seutinare und Anskaltett erst tiach erfolgtem Eingang der diesbezüglichen Sonderbeiträge auszuzahlen, 3. Als Bedingung zur Subventionierung des Religionsunterrichts, der Regel ttach hälftliche .Kostettdeckung durch die Getueittdett selbst, 4. Ein Vorschlag, der dahingeht, einen einmaligen Kopfbeitrag von RM. 1.— zu erhebet!, wolle tuau als ultimo ratio in suspenso lassen. Sämtliche Mitglieder der Koinmission bedauern die von derselben gestellten Anträge, man könne jedoch nur Ausgaben bewilligen, wenn Teckungsmittel vorhanden seien. Rabbiner Dr. Sander-Gießen dankt der Geschäftsleitung des Oberrats, daß sie seither allen Anträgen des Schulausschusses stattgegeben habe. Tie Subventionierung der Lehrer sei eine Hilfeleistung für die Gemeinden. Er bittet, bei Sanierung der Finanzen im ersten Halbjahr des Rechnungsjahres 1929 nicht zu radikal von der seitherigen Gewohnheit abzukommen. Aus diesetu Gruttd beantragt er als Vorsitzettder des Schulausschusses, zu Pessach Gratifikationen an Lehrer, wenn auch etwas reduziert, auszahlen zu lassen. Die Wiedererrichtung des Lektorats in Gießen sei eine Ruhmestat des Landesverbandes, man möge daher sehen, dasselbe aufrecht zu erhalten. Beim Preußischen Landesverband habe er bereits um Wiederbewtlligung vott RM. 600.— nachgesucht. Keineswegs dürfe eine Kündigung des Lektors vor dem 1. April 1930 eintreteu. Rabbiner Dr. L e v i - M a i n z berichtet über die bisher erfolgte Ablehnung eines Staatszuschusses, über die geringe Zahl der rheinhessischeu Lehrer und über die Tätigkeit, die zwei Wanderlehrer in 22 rheinhessischeu Gemeinden entfallen. Er ersucht, zu Pessach 2/3 des vorjährigen Betrages dem Schulausschusse für Lehrergratifikationen zur Verfügung zu stellen, bittet, die Mitglieder der Verbandsgemeiuden, wte für auswärtige Zwecke, so auch für den hessischen Landesverband freiwillige Zahlungen und demnächst einmal einen einmaligen Kopfbeitrag von RM. 1.— zu leisten. Als ein Mitglied des jetzt abtretenden Oberrats zitiert Redner den Segenswunsch, den im Tempel die abtretende Wache der antretenden Wache eutgegenrief und schließt seine Ausführungen mit der Feststellung, daß in unserem Landesverband jeder Einzelne das Bewußtsein haben müsse, daß es auf seine Leistungen ankomtuen könne. Justizrat Marx-Bing en hält int Gegensatz zu Rabbiner Dr. Sander das Lektorat Gießen nicht für eine Einrichtung, die derart wichtig sei, daß man sie unter allen Utnständen halten müsse. Unbedingt wichtig sei es, die materielle Lage der Religionslehrer, die wahrlich tticht auf Rosen gebettet seien, zu heben. Das Gebot der Religion, den Lehrer zu ehrfürchten, könne nicht schöner erfüllt werden, als dttrch die Hebung der wirtschaftlichen Lage des Lehrers seiner Kinder. Das was die Lehrer nunmehr vom Landesverband glauben in Aussicht zu haben, müsse tnan ihnen voll geben. 5

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