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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-05-01 · 5 (5.1929) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
5 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Verbandsvorsitzender entschieden ablehnen. Die Gemeinde Mainz kann es für die Dauer nicht übernehmen, Schulden- und Zinsenlasten für leistungsunwillige Gemeinden zu tragen. Am Ende des Rechnungsjahres waren in Rheinhessen und Starkenburg je 2 Verbandslehrer angestellt. Wegen Anstellungen solcher in Oberhessen ist der Schulausschuß noch mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Es find Stunden-Hvnorare für Unterricht gezahlt und auch Remunerationen an Gemeindelehrer im Septemberangewiesen worden. Eine Auszahlung Ende März, wie solche beabsichtigt war, muß in das neue Jahr übernommen werden, was ja dadurch erleichtert wird, daß das Pesiachfest dieses Jahr viel später im allgemeinen Kalender liegt. Jedenfalls fürchte sch, daß bei Beratung des Voranschlags hier Abstriche gemacht werden müssen. Zur Zeit findet in Mainz ein Vorbeter- und ein Schächterkursus statt, an welchem sich ungefähr 10 Herren beteiligen. Den Herren Oberkantor Jonas und Lehrer Rosenberg, welche den betreffenden Unterricht erteilen, sei an dieser Stelle für ihre opferfreudige Arbeit gedankt. Die Begräbnisplähe H^idesheim und Schwabenheim sind in das Eigentum unseres Verbandes übertragen worden. Wegen der Sicherung anderer Begräbnisplätze schweben noch Verhandlungen. Mit solchem Eigentum werden von unserem Verband dauernde Lasten übernommen, es find jedoch Lasten, zu deren Uebernahme er in erster Linie verpflichtet ist. Auch in diesem Jahre haben wir zu Rosch haschanah und Jom Kippur Vorbeteradressen nachgewiesen. Wie bereits gesagt, sind mehr ausgegeben als eingenommen worden: für auswärtige Unterrichts- und Wohltätigkeitsanstalten ca. RM. 3000.— jedoch durch Offenbach, Worms und Mainz bereits gedeckt. Ferner wurden mehr ausgegeben RM. 3400.— für diverse Ausgaben, die nicht durch ordentliche Einnahmen im Jahre 1028 gedeckt wurden, darunter Ausfall RM. 1500.— Zahlung vom Reich für besetztes Gebiet und Preußenverband für Lektorat Gießen und deren Deckung RM. 600.— 1. durch das von der Gemeinde Kirchbrombach überlieferte Kapital in Höhe von RM. 1200.— 2. durch den Kassevorrat aus dem Rj. 1927 RM. 475.67 3. durch bereits eingegangene Mitgliedsbeiträge pro 1929 RM. 1792.08 betätigt wurde. Diese Deckungsbeträge haben das Budget ausgeglichen bis auf die RM. 3000.—, die wohl noch im alten Jahre zu zahlen gewesen wären und nun mit ins neue Jahr übernommen werden müssen. Das eigentliche Defizit beträgt demnach gegen den letztjährigen Voranschlag RM. 9400. Ich muß deshalb beantragen, da wir an dem Voranschlag für nächstes Jahr Abstriche zu machen haben, sofort eine Kommission zu ernennen, die den Voranschlag, den unser Rechner Herr Fränkel derselben vorlegen wird, nachprüfen soll und uns Vorschläge machen möge, wie wir Ersparnisse erzielen können. Es ist dies umsomehr nötig, als uns die Gemeinden Darmstadt, Friedberg, Bingen und Alzey erklärt haben, daß sie ihre Beiträge nicht erhöhen könnten und auch nicht in der Lage seien, freiwillige Beiträge zu leisten. Ich verweise deshalb sämtliche Herren Oberratsmitglieder auf mein Rundschreiben vom 21. März und sehe Ihren Vorschlägen betr. Ersparnissen entgegen. Hoffentlich gelingt es uns, den Landesverband zu erhalten und indem ich hiermit meinen Bericht schließe, eröffne ich die Diskussion über denselben. * II. Protokoll über den am 14. April 1929 im Festsaale der israelitischen Religionsgemeinde Offenbach a. M. stattgehabten 4. Gemeindetag des Landesverbandes der israelitifchen Religionsgerneinden Hessens. Anwesend sind nahezu hundert Abgeordnete; vertreten fast sämtliche Gemeinde- bzw. Stimmbezirke. Ter Verbandsvorsitzende. Herr Kommerzienrat Bernhard Albert Mayer- M a i n z, eröffnet den Gcmeinvetag und erteilt dem Ersten Vorsteher der israelitischen Gemeinde Offenbach, Justizrat Dr. G o l d s ch m i d t, das Wort. Justizrat G o l d s ch m i d t begrüßt die Versammlung namens der durch ihn vertretenen Gemeinde Offenbach und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der in ihren Mauern stattfindende vierte Geineindetag zum Vorteil uiid Gedeihen der hessischen Judenheit ersprießliche Arbeit leisten werde. Er lädt die Versammlung zur Besichtigung der Synagoge und einer Kunstausstellung sowie zu einem Mittagsmahle ein. Ter Vorsitzende dankt dein Redner und erteilt Herrn Rabbiner Tr. Lewit-Alzey das Wort zu einer Weiherede. Rabbiner Tr. Lewit-Alzey dankt für den ehrenvollen Auftrag. Ausgeheiid von einem Talmudausfpruch über die verschiedenen Kategorien des Friedens, erfleht er für die Verfammlung die Segnuiig des wahren Friedens, der erzielt werde durch das allzeitige Streben nach Wahrheit im Streite der Meinungen, und schließt mit dem Wunsch, daß der himmlische Segen auf der Arbeit ruhen möge. Ter Vorsitzende daiikt dem Rediier namens der Verfammlung. Justizrat Dr. Marx-Bingen weist auf die Fülle der wichtigen Beratungsgegenstände hin und schlägt vor, die Redezeit des Einzelnen auf fünf Minuten zu beschränken. 4 Dr. Rosenthal-Friedberg wünscht, daß man zu Beginn der Beratungen von einer Begrenzung der Redezeit absehe. Der Vorsitzende erstattet den Geschäftsbericht; derselbe ist an anderer Stelle abgedruckt. Im Anschluß hieran schlägt er vor, nach der Diskussion eine Kommission zur Beratung des Entwurfs für eiiien Voraiischlag zu wählen. Hache nburger-Dar m st adt, Erster Vorsteher der Gemeinde Darmstadt und Marcus-Gießen, Erster Vorsteher der Gemeinde Gießen, stellen Nachschußzahlungen ihrer Gemeinderi zur teilweisen Deckung des Defizits in Aussicht. Lehrer Stern-Alzey, Rechner der Gemeinde Alzey, gibt für diese eine ähnliche Erklärung ab. Rothschild-Friedberg teilt mit, daß seine Genleinde, außer den durch Vermittlung des Verbaiids geleisteten Zahlungen, noch andere Subventionen an Wahlfahrtsanstalten abgeführt habe. Die Mehrausgaben des Verbands feien uiiter Berücksichtigung der Größen und Seelenzahl der Gemeinden von diesen aufzubringen. K a u f in a ii n - K i r t o r f stellt fest, daß ein Beitrag von RM. 80.— wie ihn feine Gemeinde geleistet habe, für eine Gemeinde von dieser Größe eine wesentliche Belastung darstelle. Frankfurter-Heusenstamm wünscht eine zwangsweise Erhebung der Beiträge, indem er auf die Leistungen seiner Gemeinde einerseits und den Rückstand der Gemeinde Weiskirchen andererseits aufmerksam macht. Der Vorsitzende erwidert, daß die gegenwärtige Verbandsverfassung eine Zwangsbesteuexung ausschließe.

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