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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-05-01 · 5 (5.1929) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
5 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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sodaß unser Verband jetzt 135 Gemeinden mit 16 795 Seelen umfaßt. Nicht angeschlossen sind noch 72 Gemeinden mit 3356 Seelen. Von den uns angeschlossenen Gemeinden haben nur die Gemeinden Darmstadt, Ossenbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Gießen, Bingen, Worms und Mainz mehr als 250 Seelen, während alle anderen 127 Gemeinden diese Seelenzahl nicht ereichen. Die Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Verbände war am 4. März 1929 in Stuttgart vereinigt, wo sie auch am 5. Mai d. I. wiederum tagen wird. Es kann mit Befriedigung sestgestellt werden, daß diese ohne Verwaltungskosten arbeitende Konserenzgemeinschaft seit ihrem Bestehen zum Vorteil der angeschlossenen Verbände reibungslos wirkt. Die Reichsarbeitsgemeinschaft aller Landesverbände war zu einer wiederholten Beratung der Statuten für einen Reichsverband der deutschen Juden am 2. Sept. 1928 in Berlin zusammengetreten. In dieser Sitzung war es gelungen eine Einigung über die strittigen Punkte zu erzielen und eine gemeinsame Festlegung auf eine Verfassung für den Reichsverband zu erreichen. Seitens der süddeutschen Verbände ist man hierbei dem Preußischen Landesverband auf das alleräußerste entgegengekommen. Wir haben dem Preußenverband eine Majorität im Rat zugestanden, sodaß derselbe 51 Prozent der Ratssitze zur Verfügung gehabt hätte. Gleichwohl hat der Gemeindetag des Preußenverbandes diese mit vieler Mühe und Not, nach unendlicher Arbeit erreichten Statuten, wiederum abgelehnt. Waren es im Herbst 1927 die Volkspartei, so war es jetzt die Fraktion der Liberalen im Preußenverband, die alle möglichen Einwendungen erhoben und das so lange ersehnte Werk zum Scheitern brachten. An dieser Stelle muß ich ganz besonders dem Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumaier in München, dem Vorsitzenden des Bayernverbandes, den Dank unseres Landesverbandes dafür aussprechen, daß er zu wiederholtem Male mit einer unvergleichlichen Beharrlichkeit immer wieder neue Statutenentwürfe gemacht hat, um ein Gelingen der Verhandlungen über den Reichsverband herbeizuführen. Leider ist dies mißlungen. Die Schuld liegt aber ganz allein, wie bereits gesagt, an dem Preußenverband, der glaubt absolut dominieren zu müssen und den anderen Landesverbänden diktieren zu können, was sie zu tun und besonders was sie zu zahlen haben. Ich für meine Person muß aus Grund meiner Erfahrungen, die ich bereits im Verband der Deutschen Juden, deren Vertretung ich seit 1908 angehörte, gemacht habe, zu meinem Bedauern der Ansicht Ausdruck geben, daß eine jahrzehntelange Arbeit keine Früchte hat reisen lassen, so sehr auch ein Reichsverband zu begrüßen wäre. Ich halte die Gründung desselben für die nächsten Jahrzehnte bei der Uneinigkeit des deutschen Judentums für vollständig ausgeschlossen. Andererseits muß ich aber auch sagen, daß uns ein Reichsverband große Opfer auserlegen würde und wenn es nicht möglich war, den von der Arbeitsgemeinschaft nur zur Deckung der Kosten der Rabbiner- und Lehrer- Seminare angesorderten Betrag von RM. 1.— pro Kopf der Bevölkerung von den Landesverbänden aufzubringen, so weiß ich nicht, wo die Gelder für alle Institutionen, die unter den Reichsverband fallen würden, aufgebracht werden sollten. Denken Sie nur, daß wir im hessischen Landesverband für die Seminarien und Lehranstalten nach Ansicht der Reichsarbeitsgemeinschaft heute RM. 16000.— aufbringen sollten, Institute, die wir heute mit zirka RM. 3000.— unterstützen. Es war uns nicht möglich die beim letzten Gemeindetag angesorderten RM. 9300.— für die Zuschüsse an Seminarien und Wohlfahrtsanstalten einzubringen. Zahlreiche Gemeinden haben sich direkt geweigert die 35 bzw. 70 Pfennig pro Kopf ihrer Bevölkerung zu tragen. Es ist ein trauriges Zeichen der geringen Opferwilligkeit dieser Gemeinden, die wohl der Meinung sind, daß, wenn ein Landesverband besteht, sie nicht nötig haben, diesem Landesverband Beiträge zu leisten zur Unterstützung der allgemeinen Lehr- und Wohlfahrtsanstalten, dagegen aber vom Landesverband verlangen, daß er für den geringen Beitrag, den sie ihm leisten, nur für sie sorgt. Zum Beispiel haben die Gemeinden Büttelborn, Egelsbach und Weißkirchen, bei denen ein Wanderlehrer wirkt, im ganzen Jahr keinen roten Heller gezahlt, ebenso wie in Starkenburg die Gemeinden Heppenheim, Klein- Krotzenburg, König, Mühlheim, Nauheim, Oberklingen, Pfassenbeersurth, Rimbach, Urberach, in Oberhessen die Gemeinden Alten-Buseck, Altenstadt, Assenheim, Griedel, Großenbuseck, Homberg, Niederwöllstadt, Rodheim, Staben, in Rheinhessen die Gemeinden Dolgesheim, Erbesbüdesheim, Gauodernheim, Partenheim, Sprendlingen und sogar Wörrstadt nicht einen Pfennig im ganzen Jahr bezahlt haben und zahlreiche unter diesen Gemeinden verlangen vom Landesverband alle möglichen Zuschüsse, ohne sich auch nur zu bemühen, ein paar Mark an denselben abzusühren. Es muß doch bei einigem gutem Willen möglich sein, auch in diesen kleinen und kleinsten Gemeinden ein paar Mark für den Landesverband übrig zu haben, sonst hat es weiter keinen Zweck für diese Gemeinden künftig auch nur irgendwie zu sorgen. Die letztes Jahr beschlossenen Beiträge für Lehr- und Wohlsahrtseinrichtungen wurden nicht bezahlt von den Gemeinden: Starkenburg: Arheilgen, Bürgel, Bürstadt, Dornheim, Dreieichenhain, Griesheim, Langen, Lee- Heim, Oberramstadt. Oberhessen: Allendors, Büdesheim, Erainfeld, Eckartshausen, Eschzell, Gambach, Großkarben, Himbach, Höchst, Kirtorf, Lauterbach, Lindheim, Lollar, Niederflorstadt, Niederweisel, Ober-Seemen, Reiskirchen, Rohrbach, Schlitz, Staden, Storndorf, Treis, Wieseck. R h e i n h e s s e n: Alsheim, Bechtolsheim, Bretzenheim, Eppelsheim, Essenheim, Flonheim, Framersheim, Fürfeld, Gensingen, Gimbsheim, Hechtsheim, Heppenheim, Hillesheim, Monsheim, Schornsheim. Die Herrschaften in diesen Plätzen, die es nicht für nötig halten, für die allgemeinen Lehr- und Kulturzwecke auch nur 35 Pfennig pro Kopf ihrer teilweise nur 10 oder 20 Seelen betragenden Bevölkerung beizutragen, glauben wohl, daß die Ausbildung von Lehrern, die Unterbringung von Geisteskranken, wenn solche unglückseligerweise Vorkommen sollten, oder die Unterbringung von Waisen nichts kostet. Sie glauben wohl dem Landesverband zumuten zu können, daß er alle Gelder von den Großgemeinden nimmt und den kleinsten Gemeinden zuwendet. Wenn auch Alzey eine Zuschußgemeinde ist, so sind doch noch Leute in der Gemeinde, die dem Landesverband mehr als ganze RM. 230.— zuwenden können, ebenso wie ich es für unwürdig erachte, daß Alsfeld, das auch eine Großgemeinde und im Landesverband stark vertreten ist, nur im ganzen RM. 240.— zu dem Landesverband beisteuert.

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