Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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meinde zu sorgen. Wir warnen deshalb vor der Förderung solcher Haussammlungen in unserer Gemeinde. Es ist deshalb auch unbedingt erforderlich, daß die Mitglieder unserer Gemeinde von vorsprechenden Listensammlern uns sofort in Kenntnis setzen und diesen nur dann einen Beitrag gewähren, wenn durch eine Verständigung mit uns sestgestellt ist, daß gegen die betreffende Sammlung keine Bedenken vorliegen. Im übrigen bitten wir die Gemeindemitglieder immer wieder, ausgiebigster: Gebrauch von unseren Wohlfahrtsmarken zu machen, die für die Feststellurrg der Würdigkeit der durchreisenden Sammler wertvolle Dienste leisten. Diese Marken sind in Werten von 20 und 50 Pfg. in unseren: Büro, Hindenburgstraße 44, erhältlich und ebenso die Karten, auf welche die Marken aufzukleben sind. Ter Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle bei der israelitischen Religionsgemeinde Mainz. Zwei Episoden aus dem Jahre 1848. Von Rothschild, Worm». Achtzig Jahre sind verflossen, seit in Frankfurt a. M. in der Paulskirche die Nationalversammlung tagte, an der bedeutende Männer wie v. Gagern, Uhland, Rießer, Fröbel, Arndt, Simson urrd andere teilgenommen hatten. In fast allen deutschen Landen gärte es. In Baden 'standen der Advokat Hecker und der Journalist S t r u v e an der Spitze der revolutionären Bewegung. Nach Eintritt der Reaktion war das Zuchthaus in Bruchsal mit Teilnehmern der Revolution gefüllt. Auch der Bruder meiner sel. Mutter, aus S e n n f e l d stammend, befand sich darunter. Wie viele andere, wurde auch er später begnadigt und zur Auswanderung nach Amerika gezwungen. Dort ist er schon lange gestorben. Die bei seinem Tode veröffentlichten Nekrologe geben an, daß er 1848 in Karlsruhe als assistierender Kriegsminister tätig war. Ein Gedicht, das sich in seinem Nachlasse vorgefunden, mag wegen der darin ausgesprochenen Gottesfurcht und Gefühlsinnigkeit hier mitgeteilt werden: I. Des Hochverräters Kerkergcbet. Oh, Gott, der du das Weltall schufest, Und was wir sehen, werden ließest, Der du im Geiste der Menschheit rufest, Und täglich sie mit Wundern prießest. Zu dir will ich mein Herz erheben, Wenn Kummer mir und Trübsal nahen, Denn du kannst Trost auch denen geben, Die nie des Lebens Freuden sahen. Wenn dunkel wir die Zeiten nennen Und schwer noch lastet Schicksalsbürde Wer kann wohl deinen Ratschluß kennen, Für Freiheit und für Menschenwürde? So laßt uns auch mit David sprechen (Sam. II., 24.14. K.) „In deine Hand laß Gott uns fallen", Weil Menschen gerne strafen, rächen — D u bist gerecht und gnädig allen. Nur dich will ich um Gnade flehn. Bei dir ist Wahrheit, Macht und Stärke, Du läßt den Sinn nicht deuten, drehn Du kennst allein den Zweck der Werke. mich, o Gott, das Böse meiden! Gib mir in allem, was ich tue, Und jetzt in meinem Kerkerleiden Ein reines Herz und Seelenruhe. II. Der alte Adel. (Zum besseren Verständnisse mag vorausgeschickt werden, daß die Nachkommen von Aron und Levi — die Aristokratie der Juden — zur Zeit, als Napoleon Familieiinamen forderte, meistens ihren ursprünglichen Namen behielten. Andere aber, die riicht den Nameii Kahn, Kohn, Kohen, Levi usw. wählten, trotzdem sie dem Stamme Levi angehörten, sonderri sich einen neuen Familiennamen beilegten, wareii sich aber jederzet ihrer vorriehmen Abstammung bewußt.) Es ist bekannt, daß die Verhandluiigeii von der Paulskirche in Frankfurt nach Erfurt verlegt und von Simson, (getauft) dem späteren Reichstagspräsidenten, geleitet wurden. Während einer Verhandlung hatte sich der damalige Abgeordnete v. Bismarck etwas sehr laut mit seinem Nachbar unterhalten. Ein scharfes Anschauen Biswarcks von seiten Simsons hatte keinen Erfolg. Er setzte die Unterhaltung, die störend auf den Gang der Verhandlungen wirkte, fort, bis Simson endlich sagte: „Ich möchte dem Abgeordneten v. Bismarck bemerken, daß es sich nicht schickt, während der Rede eines Abgeordneten sich so laut zu unterhalten." Mit zorngerötetem Gesichte erhob sich v. Bismarck und sprach: „Ich als Adeliger werde doch am besten wissen, was sich schickt und brauche mir darüber keine Belehrung geben zu lassen von einem ■—" Das letzte Wort hatte er unterdrückt. Ruhig erhob sich Simson, ilidem er sagte: „Wenn der Abgeordnete v. Bismarck sich auf seinen Adel beruft, soll er das mir gegenüber nicht tun, denn mein Adel reicht hinauf zum Hohenpriester Aro n". Bismarck, auf den die Ruhe Simsons großen Eindruck gemacht und der wohl inzwischen auch seinen Fehler eingesehen hatte, antwortete: „Das habe ich allerdings nicht gewußt; wenn das der Fall ist, bescheide ich mich." Bücherschau. Auf die Bedeutuiig der vou der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden seit Anfang dieses Jahres herausgegebenen „Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege" sei noch einmal kurz hingewiesen. Aus dem Inhalt der zweiten Nummer sind folgende Beiträge zu nennen: Bertha Pappenheim, zu ihrem 70. Geburtstag. Die Wohnungsnot der Großstadtjuden, von Dipl. Ing. Alexander Pinthus. Die Bedeutung der neuen Forschungsergebnisse über die Tuberkulose für die jüdische Wohlfahrtspflege, von Dr. med. M. I. Gutmann. Probleme palästinensischer Wohlfahrtspflege, von Helene Hanna Thon. — Aus der Umschau u. a.: Die Leistungen des Offenen Fonds der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Tuberkulosefürsorge" im Jahre 1928. Die Neugestaltung der Erholuugsfürsorge, Bericht über den Anteil der jüdischen Wohlfahrtspflege an der Dauerausstellung im Reichsarbeitsministerium, Bericht des „Ort" über jüdische Aufbauarbeit im Osten. — Zum Schluß wird über die Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen, die am 1. und 2. Januar stattgefunden hatte, eingehend berichtet. Abonnementsbestellungeri nimmt die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, entgegen. (Postscheckkonto: Berlin 140 617, Fernsprecher: 1.1, Bismarck 1064/65). Der Bezugspreis für die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift beträgt 8 RM. jährlch, für die der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden angeschlossenen Gemeinden, Organisationen, Vereine, Anstalten usw. und persönlichen Mitarbeiter 4 RM. jährlich. Der Preis des einzelnen Heftes ist 1,50 RM. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser hat in der Ausgabe des Heftes Nr. 177 die neueste Zusammenstellung der ihm im In- und Ausland angeschlossenen Restaurants bezw. Hotels gebracht, worauf hiermit hingewiesen sei. Die Pessachliste über Verwendbarkeit von Arzneimitteln und Arzneiverordnungsvorschlägen für Pessach ist in unveränderter vorjähriger Ausgabe bei der Lebensmittel-Komniission der Vereinigung traditionell-gesetztreuer Rabbiner Deutschlands, Berlin NW 6, Philippstraße 7—8 bei Munk gegen Einsendung von 1,10 NM. zu beziehen. Schaare Zedek, Neubearbeitung von Tefilla kezara und Schaare Thora, eine methodische Einführung in die Sprache der Bibel und des Gebetbuches von M. Abraham und I. V. Levh, zweiter Teil, Verlag M. Lehrberger Frankfurt a. M. 1929, 63 Seiten, Preis, geb. Mk. 2.25. Der neue Versuch der durch ihre früheren Veröffentlichungen auf diesem Gebiete bekannten Autoren bedeutet eine weitere Vervollkommnung in dem Bestreben, den ~ hebräischen Unterricht der jüdischen Jugend zu verlebendigen. Vom r nächsten Vorstellungskreis des Kindes aus wird systematisch aufgebaut; Drill und Pauken tritt zurück, festhaftende Erfassung Spracharifbaus wird zum leiteriden Unterrichtsgang. Auf diesem Wege kann ein dauerndes Erfassen des notwendigen hebräischen" Sprachgutes bei unseren Kindern erreicht werden. Das Lehrbuch sei empfohlen. '■;-'- 9