Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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altton für Bessarabien. Als im Januar der erste Hilferuf aus Bessarabien an den Hilfsverein kam, war das Hilfswerl für die bulgarischen Juden noch nicht abgeschlossen, das den Opfern des Erdbebens vom April 1928 galt. Es mutzte rasch gehandelt werden angesichts der grotzen Not in Bessarabien. In wenigen Tagen war es dem Hilfsverein gelungen, 15 000 RM. aufzubringen, die unverzüglich telegraphisch nach Bessarabien überwiesen wurden, wodurch man eine erhöhte Aktivität des Kischinewer Komitees ermöglichte. Der Zweck der Versammlung sei, die Aktiott für Bessarabien intensiver zu gestalten uttd alsdann eine Resvttnanz zu schaffen, damit andere Länder, Südafrika, Australieti ete. zur Mithilfe veranlaßt würden. Die Oeffentlichkeit sei noch nicht genügend über die Not in Bessarabien unterrichtet. Er appellierte darauf noch speziell an die Vertreter der jüdischen Presse, das Jiiteresse für die bessarabischen Juden wach zu halten. Er gibt dem Wunsche Ausdruck, datz von dieser Versammlung ein Strom der Liebe ausgehen möge zu den unglücklichen bessarabischen Juden. Der Verein zur Förderung ritueller Speiselläuser e. V. in Hamburg beabsichtigt, eine Nensu ueuäemiea für jüdische Studenten in Heidelberg zu errichten. Studenten, die im kommeiiden Semester in Heidelberg studieren wollen und an der zu errichtenden ^ltznsu Interesse haben, werden gebeten, sich bei der Geschäftsstelle des oben genannten Vereins, Hamburg 1, Dornbusch 4, zu melden. Das „Sanatorium Emser Heilquelle", ein Heim mit ritueller Verpflegung für unbemittelte jüdische Patienten (täglicher Pensionspreis 5 [fünf] RM) wird Mitte Mai wieder eröffnet. Möglichst frühzeitige Anmeldungen an den Vorsitzenden Sanitätsrat Dr. Nehab, Bad Ems. Vereine und Verbände. Am 9. bis 11. Juni tagt in Berlin der Jüdische Frauenbund von Deutschland. Die Tagung gewinnt eine besondere Bedeutung dadurch, datz der Bund sein 25jähriges Bestehen in diesem Jahre feiert. Die verantwortlichen Vertreterinnen des Bundes werdeii auf Grund ihrer langjährigen Arbeit über die Entwicklung des Jüdischen Frauenbundes berichten und die Zukunftsaussichten der jüdischen Frauenbewegung und jüdischen Frauenarbeit erörterii. Der Jüdische Frauenbund, der 50 000 Mitglieder umfatzt und deut 450 Frauenvereine aller jüdisch-politischen Richtungen angeschlvsscn sind, verspricht sich von dieser Tagung, die in allen Kreisen schon lebhaften Widerhall findet, wesentliche Förderung der gesamten Arbeit. Einer Anregung von Frau Rebelah Kohut, New Jork, die auch im Jahre 1923 eine jüdische Frauenkonserenz in Wien einberufen hatte, folgend, findet vom 4. bis 0. Juni d. I. in Hamburg eine Internationale jüdische Frauentagung statt. Mit der Vorbereitung dieses Kongresses ist ebenfalls der Jüdische Frauenbund von Deutschland betraut worden. Etwa 20 autzerdeutsche Länder werden ihre Vertreterinnen entsenden. Aus dem reichhaltigen Programm, das sich mit sozialen und Erziehungsfragen, Frauenarbeit in den Jüdischen Gemeinden, sozialer jüdischer Frauenarbeit beschäftigt, nennen wir Fragen, die für das gesamte Judentum von Interesse siiid, wie Völkerbund, Jewish Agency etc. Im Anschluß an in Wien schon ausgesprochene Wünsche sollen die Möglichkeiten der Gründung eines Frauen-Weltbundes erneut in Erwägung gezogen werden Vor kurzem fand die Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Berlin statt, die sehr eindrucksvoll verlief. Zahlreiche Mitglieder und Freunde des Hilssvereins aus Berlin und aus dem Reiche waren erschienen. Die Tagung wurde von Herrn Generalkonsul Eugen Landau in Vertretung von Herrn Dr. James S i m o n geleitet. Im Tätigkeitsbericht, der vom stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Willy D r e y s u s , und dem Generalsekretär, Herrn Dr. M. W i s ch n i tz e r , erstattet wurde, wurde auf die Fortschritte der Arbeit hingcwiesen, die sich sowohl in der Erhöhung der Eingänge als auch in der Erweiterung und Vertiefung der Arbeit auf den einzeliien Gebieten geäutzert hat. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der seit achtundzwanzig Jahren besteht, übt eine umfassetide Auswandererfürsorge aus; er unterstützt bedürftige jüdische Studierende, sorgt für Ausbildung und Erziehung von Waisenkindern, subventioniert eine Reihe von Schulen und sozialen Anstalten, hat anlätzlch des Erdbebens in Bulgarien und der Hungersnot in Bessarabien größere Hilfsaktionen durchgeführt und leitet die kulturelle Arbeit in den neugegründeten jüdischen Kolonien in Rutzland ein. Herr Max Marburg, Hamburg, ist stellv. Vorsitzender des Hilfsvereins, betonte die Weltweite und Weltverbundenheit der jüdischen Hilfstätigkeit der Gegenwart, die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens der großen Gesellschaften für Auslandshilse in Amerika, England, Frankreich und Deutschland. Er hob die Be- 8 dcutuiig des Hilfsvereins der Deutschen Juden als ständiger stets hilfsbereiter Organisation hervor. Die deutschen Juden seien unmittelbare Nachbarn der Länder des Ostens, wo die Juden am meisteii zu kämpfen haben, und als solche ii a t ü r l i ch e Mitt - l e r zwischen Westen und Osten bei der Orgatlisation und Durchführuilg von Hilfsaktionen. Zur Ermöglichung des Hilfswerks, das der Hilfsverein in dem gebotenen Rahmen durchführt, sei Opferbereitschaft ein dringendes Gebot für jeden deutschen Juden gegenüber den Juden des Ostens wie gegen sich selbst. Die Rückwirkung voti Katastrophen im Osten — Pogromen, ökonomischen Umwälzungen, wie sie sich jetzt in Rutzland und in den Randstaatcn vollziehen — auf die Juden in Deutschland Blieben nie aus. Es liege sin eigenen Interesse der deutschen Juden, den Hilfsverein in tatkräftigster Weise zu unterstützen. Gedenket der Armen! Eiii ungewöhnlich harter Winter ist m. G. H. vorüber. Ungewöhnlich wie die Unbill dieser kalten Jahreszeit war die Not, die mit Krankheit und Entbehrung in viele Häuser unserer jüdischen Gemeinde Mainz quälend und zermürbend eingebrochen ist. Datz man in den Kreisen utiserer Gemeindemitglieder von der gegen diese Not geleisteten Hilfe so wenig hört, ist ein Ruhm für die diskrete Arbeit unserer Zentralwohlfahrtsstelle. Wir können aber versichern, datz ungewöhiilich wie der harte Winter und die harte Not auch die Hilfeleistung war, die wir mit Ausbietung aller Kraft und der letzten Mittel vollbracht haben. Noch aber trennen uns sorgenbeschwerte Wochen der Uebergangszeit von der Sommerzeit, die befreiende Wärme und auflebende Hoffnung bringen soll; das Pessachsest, welches erhöhte Anforderungen an die Versorgung des jüdischen Hauses stellt, kommt heran und wird von vielen Familien mit Bangen erwartet statt mit Freude, weil sie sich nicht Rat wissen in ihrer Bedrängnis. Es war von jeher rühmliche Art in unserer Gemeinde, der Armen und Bedrängten zu gedenken und ihnen hilfreich beizustehen. Wir sehen uns gezwungen, uns an diejenigen Gemeindemitglieder, die durch Besitz und gesichertes Einkommen gesegnet sind, mit der Bitte zu wenden: „Helft mit, damit wir helfen k ö n n e n!" Seit Jahren haben wir es absichtlich unterlassen, mit allgemeinen Sammlungen für unsere Hilfsmaßnahmen an die Gemeindemitglieder heranzutreten. Wir hoffen aber und wir bitten drum, daß dieser unser Notruf Gehör finden und daß uns reichlich Gaben zufließen mögen, für welche wir im Namen unserer Pflegebefohlenen im voraus schon von Herzen danken. (Postscheckkonto 6308 Amt Frankfurt a. M.) Der Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle bei der israelitischen Religionsgemeinde Mainz. Warnung vor Haussammlungen. Auch in den letzten Wochen wieder ist es vorgekommen, daß Ortsfremde angeblich zur Stützung oder Forderung ausländischer jüdischer Institutionen Sammlungen von Haus zu Haus in unserer Mainzer Gemeinde Vornahmen. Durch vorgelegte Ausweise und Sammellisten wurden zahlreiche Gemeindemitglieder zu namhaften Spenden für diese fragwürdigen Sammlungen veranlaßt. (Manches Gemeindemitglied suchte sich auch durch eine schnellaewährte Gabe vom Anhören langatmiger Bittvorträge zu befreien.) In kürzester Frist gelang es diesen Sammlern, große Beträge aus unserer Gemeinde fortzutragen. In vielen Fälleti steht aber nicht einmal fest, ob die „Auftraggeber" dieser Samtnler wirklich existieren. Erst kürzlich mußten wir die Feststellung machen, datz weder der Sammler, noch das Institut, für das er saminelte, am zuständigen Orte bekannt war. Wir verschließen uiis zwar keiner berechtigten Hilfe gegen Not uiid Unterstützungswürdigkeit; wir können aber nicht untätig die Gebefreudigkeit unserer Gemeindemitglieder mißbrauchen lassen in einer Zeit, wo selbst der kleinste Betrag mit Bedacht und Sorgfalt Verwendung finden mutz. Wie viel Segen hätte mit diesen fortgetragenen Beträgen an richtiger Stelle g e - schaffen werden können! Wir halten es in dieser schweren Zeit für unsere Pflicht, derartige Sammlungen zu überwachen, um für eine haushälterische Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel in unserer Ge-