Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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reiche Geschenke von Freunden und Bekannten. Sogar die Prinzessin von Isenburg-Büdingen sandte die herzlichste Gratulation. Möge dem Jubilar noch lange Jahre gleiche körperliche und geistige Frische beschieden sein! Friedberg (Hess.i. Der hiesige Israel. Frauenwohltätigkeitsverein veranstaltete am Sonntag, den 20. Januar, in den Räumen des „Kasino" ein wohlgelungencs Wohllätigkeitsfcst. Die künstlerische Leitung hatte Max Neumann aus Franksurt a. M. übernommen urid so konitte man von vornherein wissen, daß der Abend ein künstlerisches und gesellschaftliches Ercugnis bedeuten wird. Tie Räume waren bis aus den letzten Platz gesüllt, als Frau Selma Neumann im Austrage des Vorstandes die Anwesenden in herzlichen Worten begrüßte. Das Gebotene stand sasr durchweg aus beachtenswerter Höhe, insbesondere die Darbietungen des Orchesters unter der meisterhaften Leitung Max Neumanns. Im Aufträge des Vorstandes des Frauenvereins sprach alsdaitn nach Beeitdigung des reichhaltigen Programms Lehrer S-eelig all denen den Dank aus, die sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten. Insbesondere gebührte dieser Dank Herrn Max Neumann, der sich vollkommen uneigennützig in den Dienst der guten Sache gestellt hat. — Wenn auch noch berichtet werden darf, daß das finanzielle Ergebnis des Abends sehr besriedigend war, so kann der Frauenverein mit Stolz aus ein in allen Teilen wohlgelungenes Fest zurückblickcn. Friedberg «Hess.). In dem großen Vortragssaale des neuen Polytechnikums sprach am Samstag, den 26. Januar, Rabbiner Dr. Salzberger, Franksurt über das Thema: „Buddha und Moses". Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde hatte hierzu öffentliche Einladung ergeben lassen, die eine große Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung zur Folge hatte. Der Redner verstand es, in ebenso formvollendeter wie inhaltsreicher Darstellung die Zuhörer zu fesseln und erntete für seinen hochinteressanten Vortrag großen Beifall. Seligenstadt. Ter 1. Vorsitzende unserer Religionsgemeinde, Herr Adolf Stein, feierte am 27. Januar d. I. seine 25jährige Zugehörigkeit zunt Gemeindevorstande. Von den zahlreichen Hausgratulanten verdient unser Herr Stadtpsarrer Lambert besonders hervorgehoben zu werden, der dem Jubilar die Glückwünsche seiner katholischen Gemeinde übermittelte. Am Nachmittag des Jubiläumstages versammelte sich die israelitische Gemeinde in ihrem zu Ehren des Jubilars geschmückten Gatteshause, in welchem auch Herr- Pfarrer Zilles als Gast erschienen war. Nach einem einleitenden hebräischen Chorgesange hielt Herr Lehrer Grünbaum eine Ansprache, in der er die bescheidene und zurückhaltende Lebensart des Jubilars und insbesondere seine vorzüglichen Eigenschaften als erster Gemeindevorsteher hervorhob. Nach dem zweistimmigen Kinderchor: „Lobe den Herren", bestieg Herr Pfarrer Zilles die Kanzel. In zu Herzen gehenden Worten brachte Herr Psarrer Zilles dem Jubilar die Glückwünsche seiner evangelischen Gemeinde und die seines Hauses dar. Er knüpfte mit seinen Worten an die Einweihungsseierlichkeit der Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Kriegshelden an, um das zu sagen, was ihm damals durch Verhinderung leider unmöglich war. Im Kriege, so führte Herr Pfarrer Zilles aus, gab es keinen Unterschied der Religionen, da ein jeder nur das Wohl des deutschen Vaterlandes im Auge behielt, und so mutz es auch heute und immer sein. Er bedauerte aufrichtig, daß es jetzt noch in deutschen Landen .Kreise gibt, die von der wahren prophetischen Lehre noch nicht erfaßt worden sind, daß wir alle Sohne eines einzigen Vaters im Himmel sind. Dagegen freute sich Herr Pfarrer Zilles, die Wahrnehmung machen zu können, daß ein freundliches Verhältnis zwischen seiner evangelischen Gemeinde und der jüdischen Gemeinde schon seit vielen Jahrzehnten besteht. Er wünschte von Herzen, daß dieses Verhältnis auch fernerhin an Kraft und Bedeutung zunchnien soll, nach dem Psalmwort: „Wie schon und lieblich ist es, wenn Brüder zusammen wohnen." Zum Schlüsse der Feier dankte der Jubilar für die ihm erwiesenen Ehren, für die treue Mitarbeit seiner Kollegen im Vorstände mit tiefbewegtem Herzen. Ebenso dankte er dem Altlehrer Herrn M. Hamburger und seinem Nachfolger Herrn Lehrer Grünbaum für die treu geleisteten Dienste in Synagoge und Religwnsschule. Er gelobte, wie in der bisherigen Weise auch fernerhin feines Amtes zu walten. Rüsselsheim. Die hiesige Synagoge, die seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert wurde, war schon lange der Neuinstandsetzung bedürftig. Die Gemeinde ist aber so klein, daß sie aus eigenen Mitteln diese notwendige Arbeit nicht bewerkstelligen konnte. Um so erfreulicher ist es, daß die hiesigen Automobilwerke Adam Opel A.-G. sich in hochherziger Weise erboten haben, einen erheblichen Zuschuß zur Wiederherstellung zu leisten. Die Synagoge von Rüsselsheim, für deren vollständige Erneuerung die Automobil-Werte Adam Opel eine beträchtliche Summe stifteten. ...■•••(miiimiiiiikiiiiiiiiiiniliin'l Winterkur auf Norderney. Das Kindererholungsheim der Zion-Loge auf Norderney hat seit seinem Bestehen vielen Tausenden von Kntdern während der warmen Jahreszeit Erholung und Kräftigung gebracht. Es wurde im Jahre 1910 in einem kleinen Bau, der etwa 20 Kindern Ausnahme bieten konnte, eröffnet. 1011 wurde es erheblich erweitert, so daß 80 Kinder Aufnahme finden konnten. Das Jahr 1926/27 brachte eine erneute Vergrößerung. Jetzt ist es möglich, 100 Kinder aufzunehmen. Was aber in diesem Neu- und Umbau das wesentliche darstellt, ist die Einrichtung einer Badeanlage für warrne Seebäder und der Eittbau einer Zentralheizung. Die Tatsache der Verabreichung warnier Seebäder im Hause macht die Pfleglinge vollständig unabhängig von dem Warmbadebause der Gemeinde. Ter zeitraubende An- und Abmarsch bis zu diesem Hause, die quälende Wartezeit fällt fort, kurzum der Erfolg des Badens wird in besonderer Weise sichergestellt. Der Einbau der Heizungsanlage aber hat die Möglichkeit geschaffen, Winterkuren einzurichten. Diese auszubauen ist eine dringende Notwendigkeit für die erholungsuchenden Kinder. Immer mehr kommt die Aerzteschaft zu der Ueberzeugung, daß die Winterkur für Bronchialasthma, chronische Katarrhe der Bronchien und aller Schleimhäute, Skrofulöse, Rachitis, Knochen- und Gelenktuberkulose, allgemeine Schwäche und Nervosität, bei Neigung zu Erkältungen usw. von ganz besonderem Vorteil ist. Der Staat, welcher sich für die Wohlfahrtspflege, insbesondere für die Kräftigung der Heranwachsenden Generation in ganz besonderer Weise einsetzt, empfiehlt die Winterkuren an der See; er fördert sie in gleicher Weise wie die städtischen und anderen Entsendestellen, indem er durch seine Vertrauensärzte .Kinder in einer Zahl, die von Jahr zu Jahr steigt, in die Kinderheime auf Norderney entsendet. Das Kinderheim selbst bietet unter der gleichen bewährten Leitung wie in der Sommerszeit aus Grund der eingangs geschilderten technischen Einrichtungen einen ganz hervorragenden Aufenthaltsort. Versäumnisse im Unterricht können durch den Unterricht, den eine in der Anstalt ständig anwesende geprüfte Lehrerin erteilt, wettgemacht werden. Die mit dem Neubau geschaffenen Tagesräume sind iiach modernsten pädagogischen Ersahrungsgruiidsützen ausgeftattet; sie bieten den Kindern einen angenehmen Aufenthalt in fannlienbafter Gruppierung. Die Verpflegungssätze werden je nach der Länge des Kuraufenthaltes bzw. unter Berücksichtigung etwaiger Bedürftigkeit der Aufzunehmenden gestaffelt. Entsendestellen genießen ohne weiteres Vorzugspreise. Die Zion-Loge hat den lebhaften Wunsch, ihre Anstalt das ganze Jahr im Interesse kur- und pflegebedürftiger Kinder geöffnet zu halten. Sie weiß, daß Tausende von Familien allerbeste Erfahrungen mit Sommerkuren gemacht haben. Es steht statistisch fest, daß ihr die gleichen Kinder 5- bis 6-mal zugesührt worden sind, bis sie die Altersgrenze überschritten hatten.