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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Das Judentum in der Geschichte Schlesiens. «Ausstellung des Vereins „Jüdisches Museum in Breslau".» Eröffnet anl 3. Februar 1929. Von Studienrat Tr. Willy Cohn, Breslau. Mit der Eröffnung dieser Ausstellung darf sich nicht nur das Judentum Schlesiens beschäftigen, sondern sie ist eine Angelegenheit des Judentums überhaupt, weil in ihr völlig neue Wege gegangen wurden, um ein Stück jüdischer Geschichte der Umwelt verständlich zu machen. Der Verein „Jüdisches Museum zu Breslau", der vor allem durch die unermüdliche Arbeit seines Vorsitzenden Max Silberberg in wenigen Monaten zu außerordentlichen Leistungen emporwuchs, fand in dem Breslauer Museumsdirektor Professor Tr. Erwin Hintze einen verständnisvollen Kenner und musealen Berater. Drei Monate allein wurden dazu verwandt, um das Material zu sichten und sinnvoll aufzubauen. Denn eben dadurch scheint sich diese Ausstellung von vielen anderen zu unterscheiden, daß nicht zufällig Gefundenes aufgebaut, sondern alles in eine bestimmte Ordnung gebracht wurde. Achthundert Jahre jüdischer Geschichte in einer deutschen Provinz zeigen ein geschlossenes und doch mannigfaltiges Bild unseres Stammes. Die feierliche Eröffnung, die in Gegenwart der hohen und höchsten Behörden Breslaus am Sonntag, den 3. Februar 1929, stattfaud, wurde nach begrüßenden Worten durch eiue riefangelegte Rede des Dozenten am jüdisch-theologischen Seminar Dr. Heinemann eingeleitet. Er führte aus, daß es sich nicht unr eure jüdische Ausstellung, nicht um eine Ausstellung für Juden handle, sondern um eine Ausstellung, die alle anginge. Ausgehend von einem Goethewort, forderte er die Anwesenden auf, sich in den Geist des Targebotenen zu vertiefen. Hier handelt es sich nicht um den Anblick toten Gutes. All das, was hier gezeigt würde, sei lebendig und zeige der Welt, wie der Jude auf der einen Seite Gunst und Ungunst von Fürsten und Herren im Laufe der Jahrhunderte über 'ich hat ergehen lassen und auf der anderen Seite durch die Beschäftigungunit seinem Glauben die Kraft gefunden hat, dies zu ertragen. Drer,Teile!umfasse die Ausstellung. In dem ersten, dem historischen Teil, sähe man ireben der Büste des gütigen Förderers der schlesischen Judenheit, Herzogs Heinrichs IV., das furchtbare Kreuz des Mönches Capistrano. Einstmals wurde es auf dem Breslauer Salzring zur Erinnerung daran aufgestellt, daß dort am 4. Juli 1453 11 unglückliche Juden verbrannt wurden, die man der Hostienschändung angeklagt hatte. Im gleichen Raume Bilder von Männern, deren Privilegien für die Juden Glück und Unglück bedeuteten. Niemals konnte der Jude ruhig in die Zukunft schauen. Aber lvac auch feiu äußeres Schicksal herbe und unsicher, das Studiuni des Gesetzes und die Feier seiner Feste (davon kündet der 2. Teil der Ausstellung) gaben ihm immer wieder das innere Gleichgewicht, und wenn wir im 3. Teile uralte Gebetbücher erblicken, dann sehen wir im Geiste jene unserer Vorfahren, die gleich, ob sie^arm oder reich waren, alle freien Stunden ihres Lebens dem Studium des Wortes Gottes widrneten. Dadurch hielt sich, so führte der Redner aus, das Judentum geistig frisch. Sodann nahm Professor Hintze das Wort, um ui die Ausstellung selbst im einzelnen einzusühren. Und mit den auserleseneii Besuchern jener Feierstunde wollen wir von den Schätzen erzählen, die in Breslau nunmehr anderthalb Monate zu sehen sind. Der Gipsabguß eines Grabsteines vom Jahre 1203: „Dieser Stein ist ein Denkmal am Grabe des Rabbi David mit lieblicher Stimme, Sohnes des Rabbi Sar »Lchalom, der eingetan wurde am 2. Tage der Woche, ani 25. Tage des Monats Ab im Jahre viertausend und neunhundert dreiiindsechzig nach Erschaffung der Welt. Seine Seele sei eingeburiden in den "Bund des Lebeiis." Anderthalb Jahrhunderte später durfte mit Erlaubnis des Königs Johann von Böhmen der Friedhof vernichtet uiid die Steine zu Mauerbau fortgeführt werden. Vor wenigen Jahren trat dieser Stein bei Erneuerung des Domes aus halbtausendjährigem Dunkel heraus, und die Domgeistlichkeit schenkte ihn der Lynagogengemeinde. Wir stehen vor dem Bilde der Salvatorkirche in Oels. 1530 war sie noch Synagoge, dann wurde sie Zeughaus und Ende des 17. Jahrhunderts Kirche. In ihrem Anbau befand sich wahrscheinlich die berühmte Druckerei des Chajim Schwarz aus Prag. Von seinem berühmten Oelser Pentateuch sind nur 2 Exemplare vorhanden, von denen Photographien zu sehen sind. Ein letztes Bild aus der geschichtlichen Abteilung „Das Grabmal des in der Schlacht bei Groß-Görschen am 2. Mai 1313 tödlich verwundeten Meyer- Hilsbach, der der erste jüdische Leutnant in der preußischen Armee gewesen ist. In der jüdisch-theologischen Gruppe sehen wir Bilder von Salomo Abraham Tiktin und Abraham Geiger friedlich nebeneinander, die einstmals in Breslau schwere geistige Kämpfe miteinander ausfochten, die die ganze Judenheit in Erregung setzten. Jii weihevoller Stimmung betreten wir die Räuine, die mit Kultgeräten angefüllt sind. Ter Silberschatz der heute nicht mehr bestehenden Zülzer Gemeinde, Mokaunr Zaddik genaiint, Ort der Gerechten, weil diese Stadt nie diese Juden vertrieb, erzählt von einer einst blühenden heiligen Gemeinfchaft. Ter Alinemor ist hier wieder aufgebaut, wie er einstmals in Zülz gestanden har. Prachtvolle Kidduschbecher (einen von ihnen zeigen Nur im Bilde), herrliche Rimoninr «auch von ihnen sind wir m der Lage, einen unseren Lesern vor Augen zu führen), berichten von der Innigkeit unseres Gottesdienstes und von der Liebe, die man der Ausstattung der Dinge widmete, die man zum Kult gebrauchte. Das Eigenartige im Aufbau der Ausstellung tritt hier besonders hervor. Jeder Festtag zeigt sich dem Beschauer als ein geschlossenes Ganzes. Und wer diele Räume durchwandert, läuft durch das ganze jüdische Jahr. Beobachtete uran die Gesichter der Besucher, unter denen sich sehr viele befanden, die nicht unseres Stammes waren, so konnte man sehen, daß sie hier etwas Neues erlebten. Hier stieg ihnen eine andere Vorstellung vom Judentum auf, und wenn der Museumsgedanke heute fast überall, wo Juden wohnen, festen Fuß faßt, Jo beweist gerade diese Breslauer Ausstellung seinen doppelten >-inn: Uns selbst gibt er Vertiefuna und Einkehr, den Menschen aber, unter denen wir leben, zeigt er, wie wir sind. Aus unseren Verbandsgemeinden. Assenlieim. Unter außergewöhnlich großer Beteiligung von Juden und Nichtjuden wurde Herr Isidor Liebmann nach einer 9jährigen schweren Nervenkrankheit, die er sich im Felde zugezogen hat, am 31. Januar zu Grabe getragen. — Bei der am 1. Februar stattgefundencn Vorstandswahl wurden die Herren Frank und Max Reichenberg als Vorsteher der Gemeinde gewählt. Büdingen. Am 20. Januar d. I. feierte Herr Zadok Freimark, Viehhändler in Büdingen, seinen 83. Gebitrtstag. Herr Freimark war lange Jahre erster Vorsteher der Gemeinde uitd hatte durch ganz besondere Umsicht mit großer Pflichttreue feilt Amt nur zunt Vorteil der Gemeinde verwaltet. Insbesondere war sein ganzes Bestreben darauf gerichtet, den Gottesdierlst in der alten Fornr zu erhalten und die Attsgaben der Genteinde vorteilhaft zu gestalten. Von allen Seiten liefen Gratulationstelegrainme ein sowie zahliiiimiliiii MM mm Wo. pfi-n-snii Hilf^ ^1 1 mm Privatklinik für Chirurgie und Frauenkrankheiten von Dr. Rosenthal9 Darmstadt, Eschollbrückerstr. Tel. 580. Aufnahme finden Männer, Frauen u. Kinder mit chirurg. Krankheiten sowie Frauen mit Frauenkrankheiten u. zur Entbindung. Für jüdische Patienten streng koschere Küche. 7 9136^5

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