Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582242-9623186-9620520--0354-9620525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gemeinde Mainz sind zwei der Gemeinde gehörige Almosen- Lüchsen ausgestellt, die beide im Jahre 1747 mit sinnigen Jnsprüchen versehen, von Herz, Sohn von Josef Gans-Hannover, gestiftet worden sind. Mainz. Am Samstag, den 12. Jan. 1929 (NI des Monats 2-2') kann Herr Lazarus Friedmann seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Unseren Lesern ist Herr Friedmann kein Unbekannter. Immer wieder stellt er uns in dankenswerter Weise seine Arbeiteii über religions- und zeitgeschichtliche Fragen zur Verfügung. Die lebendige, jugendlich-frische Art dieser seiner Artikel ließ den Leser aber kaum auf den Gedanken kommen, daß der Autor bereits tief ins Greisenalter hineingeschritten ist. Die geistige Beweglichkeit des Herrn Friedmann ist ein Erbe seiner Jugendzeit, in der er sich, als Sproß eines lernbeflissenen Hauses, in das jüdische Schrifttum vertiefte. Durch seine geistige Beschäftigung von Jugend auf hat er sich Wissen und Urteilskraft angeeignet, und hat auch gelernt, im geistvollen und witzigen Wort, Menschen, Zeiten und Dinge Zu bewerten. Trotz seiner geschäftlichen Unternehmungen (er ist noch heute Mitinhaber des Uhren-, Gold- und Silberwarengeschäftes L. Friedmann), für welche er die gründliche technische Durchbildung mitbrachte, fand er immer die Möglichkeit, die Zeitereignisse von höherer Warte aus zu betrachten. Er fand diese Möglichkeit, weil er sie suchtedenn ihm ist der Sinn für das Ideale und die Begeisterungsfährgkeit für große Ziele eigen. Es ist deshalb auch aus seiner eigensten Wesensart verständlich, daß dieser Veteran der Jahre auch ein Veteran der zionistischen Bewegung in Deutschland ist. Vom ersten Aufleben der zionistischen Regungen stand er einem Theodor Herzl zur Seite, wirkte als Delegierter an den grundlegenden Beschlüssen des ersten Zionistenkongresses mit und hat der zionistischen Bewegung, der er von Anfang an verbunden war, bis heute durch alle Wirren und Wandlungen die Treue gehalten. In den fünf Jahrzehnten, die Herr Friedmann hier in Mainz lebt und wirkt, hat er und sein Familienkreis sich die Schätzung der weitesten jüdischen Kreise wie auch der nichtjüdischen Bevölkerung erworben. Wir hoffen, daß nach dem Worte in Pirke aboth N->12^ £ „mit achtzig Jahren zur Kraft" dem Achtzigjährigen die unverminderte Kraft des Körpers, des Geistes und der Begeisterungsfähigkeit erhalten bleiben möge und wünschen ihm ein herzliches „Maseltof" Ad meoh weesrim schonoh! L. Mainz. Der jüdische Frauenbund Mainz beging am 16.Dezember 1928 unter Leitung seiner derzeitigen Vorsitzenden, Frau Sanitätsrat Dr. Metzger, in einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier das Jubiläum seines zehnjährigen Bestandes. Die Feier fand im Vortragssaale der Hauptsynagoge, wo vor zehn Jahren auch die Gründungsversammlung zusammengetreten war, statt und war umrahmt von musikalischen und gesanglichen Darbietungen des Herrn Musikdirektor Hackebeil und der Frau Gertruds Weinschenk. In einer nach Form und Inhalt vollendeten festlichen Rede gab Frau Stefanie Gebhardt, die Schriftführerin des Vereins, einen geschichtlichen Rückblick auf die zehnjährige Tätigkeit des Frauenbundes, stattete den Dank ab an alle, die sich in dieser Zeit durch Leitung und Mitarbeit um den Verein verdient gemacht haben und zeigte in einem Ausblick neue Aufgaben auf, welche in kommenden Jahren der Lösung harren. Im Namen der israelitischen Religionsgemeinde und aller in derselben bestehenden Vereine überbrachte Herr Rabbiner Dr. Levi Dank für die geleistete Arbeit und Segenswünsche für die künftige Zeit. Allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen wird die weihevolle Stunde in erhebender Erinnerung bleiben. Verbände und Vereine. Bericht des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur, Mainz. In der Einladung zu der Vorstandssitzung des „Vereins für jüd. Geschichte und Literatur" lautete der Hauptpunkt der Tagesordnung: Beschlußfassung über die Auflösung oder das Weiterbestehen des Vereins. Der Vorstand ist sich seiner Verantwortung über einen solchen Schritt wohl bewußt gewesen; hat doch der Verein jahrzehntelang durch Abhaltung von Vorträgen und Diskussionsabenden segensreich für das geistige Leben in Mainz gewirkt, dessen Mittelpunkt er war. Durch grundlegende Veränderungen der Kriegs¬ und Nachkriegszeit hat jedoch der Verein seine Daseinsberechtigung in der früheren Form verloren. Es werden von den einzelnen Vereinen so viele Vorträge gehalten, daß man geradezu von einer Ueberfülle sprechen kann. Der Verein hatte sich wohl in den letzten Jahren der hiesigen Arbeitsgemeinschaft zur Abhaltung von Vorträgen angeschlossen, doch kam der Vorstand in der genannten Sitzung zu dem Entschlüsse, daß damit der Verein seine ursprüngliche Aufgabe nicht erfülle. Von einer Auflösung wurde aber abgesehen, da die vorhandenen Mittel die Möglichkeit geben, den Verein auf andere Basis zu stellen. Es sollen Veröffentlichungen über die Geschichte der Juden, besonders über die von Mainz, gegeben und eine Bibliothek von Jugendschriften für unsere Jugend geschaffen werden. Der Vorstand lud zu einer Generalversammlung am Donnerstag, den 6. Dezember 1928, ein, über welche anstehend berichtet wird: In dieser 'Gcmeralversammlung wareri anwesend vorn Vorstand die Herren Eschelbacher, Gochsheimer, Dr. Ladenburg, Dr. Levi, Dr. Lichten und Tr. Lorge. Der Vorsitzende, Herr Dr. Lorge, begrüßte die, Anwesenden und erstattete Bericht. Die Versammlung ist mit den Vorschlägen des Vorstandes bezüglich Umstellung des Vereins einverstanden. Eine Kommission soll sich mit den Statuten des örtlichen Vereins, der ja ein selbständiges Leben führt, beschäftigen. Herr Gochsheimer erstattet Rechenschaftsbericht über die letzten 10 Jahre. Ter Verein besitzt per 1. Dez. 1928 ein Vermögen von RM. 1504,50. Für die Einrichtung der Jugendbibliothek wurden RM. 861.95 ausgegeben. Der Verein, der vor 10 Jahren 117 Mitglieder zählte, hat heute noch 98 Mitglieder. Bei der Wahl des Vorstandes wurden die anwesenden Vorstandsmitglieder wieder gewählt, ebenso die Herren Kommerzienrat Ludwig Kronenberger und Moritz Berney. Neugewählt wurden die Herren I. Jonas, Bernhard Metzger und Dr. Picard. Ter Vorstand fetzt sich aus folgenden Herren zusammen: Moritz Berney, Oberreallehrer Eschelbacher, Max Gochsheimer, Oberkantor I. Jonas, Kommerzienrat Ludwig Kronenberger, Dr. Ladenburg, Rabbiner Dr. Levi, Justizrat Dr. Lichten, Studienrat Dr. Lorge, Bernhard Metzger, Dr. med. I. Picard. Auf Wunsch der Versammlung übernimmt Herr Studienrat Dr. Lorge das Amt des 1. Vorsitzenden, Herr Bernhard Metzger das des Schriftführers. Gemeinnützige Institutionen. Wohlfahrtsbriefmarken 1928. Seit 15. November 1928 werden von der Deutschen Nothilfe wieder Wohlfahrrsbriefmarken ausgegeben, deren Erträge zur Linderung materieller Notstände im ganzen Reichsgebiet dienen, insbesondere zur ergänzenden Fürsorge für Kinder, alte Leute und Erwerbsunfähige Es werden ausgegeben: 5-Pf.-Marke zum Verkaufspreis von 10 Pf., Wappen von Hamburg; 8-Pf.-Marke zum Verkaufspreis von 15 Pf., Wappen von Mecklenburg-Schwerin; 15-Pf.-Marke zum Verkaufspreis von 30 Pf., Wappen von Oldenburg; 25-Pf.-Marke zum Verkaufsreis von 50 Pf., Wappen von Braunschweig; 50-Pf.- Marke zum Verkaufspreis von 1 RM., Wappen von Anhalt. — Ferner wird von der Reichspost eine amtliche Bildpostkarte mit eingedruckter 8-Pf.-Marke zum Verkaufspreis von 15 Pf. zur Ausgabe gebracht. Endlich werden Markenheftchen zum Preise von 1,50 RM. enthaltend vier 8-Pf.-Marken, und drei 15-Pf.- Marken ausgegeben. — Die Wohlfahrtsbriefmarken sind vollwertige amtliche Postwertzeichen, gültig zur Frankatur aller Postsendungen nach dem In- und Ausland. — Der Postverkauf dauert bis zum 31. Januar 1929. Die postalische Gültigkeit der Marken zur Frankatur erlischt am 30. April 1929. — Die Zentralwohlfahrtsstelle macht alle jüdischen Organisationen und Vereine daraus aufmerksam, daß in diesem Jahr statt 60 Prozent 80 Prozent des Reinerlöses der vertreibenden Organisation für ihre eigenen Wohlfabrtszwecke verbleiben. Sie richtet die dringende Bitte an die jüdischen Wohlfahrtsstellen, sich nach Kräften an dem Verkauf der Briefmarken zu beteiligen, um dadurch einmal die Anteilnahme der Juden an den allgemeinen Wohlfahrtsaktioncn erneut zum Ausdruck zu bringen, zum anderen aber auch, weil der jüdischen Wohlfahrtspflege dadurch eine beachtenswerte Einnahmequelle erschlossen wird. Die Briefmarken sind durch die Landes- und Provinzialverbände für jüdische Wohlfahrtspflege sowie durch die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die zu allen Auskünften bereit ist, zu beziehen. Bücherschau. Siegfried Siwertz, der nach den „Seelambs" nun im Verlag von Otto Ouitzow-Lübeck die beiden Romane „Das große Warenhaus" und „Zurück aus Babylon" hat erscheinen lassen, zeigt hier und immer wieder, daß auch ein vom Krieg nicht unmittelbar berührtes Gebiet den Einflüssen dieses Zeitgeschehens unterworfen ist. Auch seine Menschen werden vom heimischen Boden losgerissen, werden hineingeschleudert in fremde Lebens- 5