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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-01-01 · 1 (1.1929) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
1 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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bedingungen, werden geschüttelt im wirren Treiben der Zeit, um schließlich im Erproben und im Erprobtwerdcrl mit einer neuen Liebe zur Heimat hinzufinden: mit einer geprüften unb bewußten Liebe. So wandert Linus Treffenberg („Zurück uns Babylon"), der schwedische Jngt-nieu«:, durch Europa-Babvlon, abenteuernd, auf der Suche nach sich selbst. Ja, Abenteuer findet er draußen in einem wilden, oftmals blendenden und dennoch leeren Leben. Aber sich selbst? Nie - niemals dort draußen. — Erst als er abgekämpft ist, mit dein Verlangen nach stille und^ Arbeit beimkehrt ans „Babylon", findet er sich und auch die Frau, mit der er von allem Anfang an zusammen gebärt bat. _ Tiefer Roman und auch „Das große Warenhaus", die Schöpfung des kleinen ängstlichen Ostjuden (»oldmann, aus seinem Hausierkastcn nach und nach ausgebaut, erscheint bei aller wissenden Ueberlegcnheit durchpulst von einer sehr sympathischen menschlichen Wärme. Tie fesche Modebaronin ^Leiterin der Damenkonfektionsabteilung), der elegante Jursiorchef, der ^Detektiv, der llhrmacher — alle sind sie vom Leben geschlissene Typen, die in einer oftmals täuschenden Atrappe ihr Herz verbergen wollen. Vor allen anderen der Seniorchef (»oldmann. Ihm steckt die Erinnerung an die Progrome, die er in seiiter Kindheit erlebt, in Leib itub Seele, uiacht seinen Rücken krutiun, sein Gefühl zaghaft und ängstlich. Aber auch bereit für jede freulde Not. Im alten Goldmann, der ein Findelkind ausniinmt, und niit eiiter so schüchternen wie tiefen Liebe hütet, der seinen Hausierkasten als Talisman scheu bewahrt, und den die Nachricht von der russischen Revolution befreit aufntmen läßt, hat Siwertz einen menschlich ergreifenden und sehr glaubwürdigen Judentyp geschaffen. Ueberhaupt siitd seine Menschen voller Leben, und die int Alltag laufende Handlung ist mit einer zu Humor vertieften Ueberlegenheit gestaltet. Tank der Uebersetzung von Alfons Fedor Eohn bekommt'man auch eine deutliche Vorstellung davon, wie vorzüglich Siwertz zu erzählen versteht. __ Zahn, Ernst. Tochter Todais. Roman. Stuttgart. Deutsche Vcrlagsanstalt. In Leinen 7.—. RA!. Scheinbar dem Ruf der Machthaber am Hofe des Königs David folgend, in Wahrheit vom Schicksal gezogen, kommt Abisag von Sunem nach Jerusalem, damit ihre jugendwarme Schönheit den sterbensmüden König noch so lange am Leben erhalte, bis die Frage der Thronfolge gelöst ift._ Ergreifend steht inmitten politischer Skupellosigkeit, Gesetzesstarre und Gottgebundenheit, steht neben dem von letzter, Müdigkeit und Todesgraucn gequälten König die lichte Menschlichkeit dieses Naturwesens. Ein einziges Mal bat sie daheim zwischen den Hügeln von Sunem Davids Sohn Adonija gesehen, und seitdem sind sie aneinander gebunden: eines des anderen Schicksal. Abisag sieht David sterben, erlebt Adonijas Untergang. Sie kehrt in die Heimat zurück: ibr Los ist gefallen, ihr Schicksal ist erfüllt. Mit tiefer Anteilnahme hat Zahn hier Zeitbilder und Schicksale gestaltet, die scheinbar Fernliegendes ganz nahe bringen und so erkennen lassen, daß im gleitenden Wirbel alles Geschehens innerstes Menschentum uuberührbar und immer gleich sich bewahrt. Goll, Iwan. Ter Mitropäer. Basel. Zürich. Rhein-Berlag. 5. RM. Ter östliche Affektmensch, scheinbar ziellos getrieben, doch im Grunde gehorsam einem Gesetz in sich selbst — der Westler, jenseits aller Wnnschkraft und Hoffnung, satt und nrüde bis zum äußersten und zwischen beiden — Objekt belächelter Unzeitgemäßheit, der Mitropäer; ein Wesen, das merkwürdigerweise noch zu glauben vermag, das noch Ideale kennt, dem aber in dieser von Maß- und Ziellosigkeit erfüllten Atmosphäre der Boden unter den Füßen bedenklich schwankt. Guter deutscher Michel! In einer harten Lehrzeit begreifst du nur sehr allmählich, daß man von Wesensfremdem nichts übernehmen kann, und.crst durch viele Püffe bringt das Schicksal dich wieder in deine alte Bahn, auf den Weg, "wo man als Menfch und Bürger sich selbst gehören darf und auch den anderen. Iwan Goll, elsässifcher Dichter, kennt wie selten einer das Paris von heute, diesen Brennpunkt, wo Osten, Westen, Mitropa und noch vieles andere aufeinander stoßen. Mit wägendem Blick und gesundem Fühlen, doppelt sympathisch durch eine streng beherrschte Wärme, vermag er aus aller Wirrnis den Kern herauszuschälen und aus der durcheinander brodelnden Wirklichkeit das Bild der Wahrheit zu heben in klaren aufsteigenden Linien. Wtznü Wolfsberg, Oskar, Nehemias Anton Nobel, Versuch einer Würdigung mit Portrait. Verlag I. Kauffrnann, Frankfurt a. M. 1929.' 57 Seiten. Preis brosch. RM, 9.—, geb. RM. 4.50. In einigen wenigen Kapiteln unternimmt es Wolfsberg, als dankbarer Schüler und als mitstrebcnder Geistesgefährle dem früh verstorbenen, zuletzt in Frankfurt a. M. tätigen Rabbiner und Gelehrten N.. A. Nobel ein Gedenkbuch zu schaffen, das die wesentlichen Züge der Tätigkeit und der Persönlichkeit des früh Vollendeten aufweist. In zahlreichen Einzelzügen wird die gründliche 6 und mitreißende Vielseitigkeit des Gewürdigten dargetan. Der Mault Nobel und seine Zeit erfahren durch diese Abhandlung eine treffende und treffliche Schilderung. Gelungen ist die Darstellung aber besonders dadurch, daß über allen Einzelzügen, die aufgewiesen werden, die packende, einzigartige Persönlichkeit Nobels erwächst, die dieser Führernatur ihre Eindrucksfähigkeit gab uud ibre nachwirkende Kraft erhält. Wer gedankliche Weite und Tiefe, wer seelische Erhebung am Lebensbilde eines Menschen liebt, der lese dies Buch. Herr Rabbiuer Tr. Merzbach in Darulstadt übersendet uns unter Berufung auf § 11 des Pressegesetzes folgende Berichtigung: 1. 1l n w a h r ist die in Nr. 7 (Juli) Ihres Blattes im Namen von Herrn Rechtsanwalt Benno Joseph, Tarinstadt, berichtete Angabe, ich hätte bei der betreffenden Konferenz im. Ministerium erklärt, daß es sich zwischen mir und den Antragstellern (u. o. Herrn Rechtsanwalt Joseph) um ein anderes Bekenntnis handle. Diese Behauptung wird in der Einsendung des gleichen Herrn in Nr. 12 (Dezember) auch nicht mehr wiederholt, ohne zu erklären, daß die Angabe in Nr. 7 eine falsche gewesen ist. 2. Unwahr ist die von Herrn Rechtsanwalt Joseph in Nr. 12 (Dezember) angegebene Bemerkung, daß erst ich bei genannter Sitzung erklärt hätte, daß der Uebertritt von einer Religionsgemeinde' (liberaler Richtung) —- wohl zu ergänzen: zu einer anderen Religionsgemeinde (orthodoxer Richtung) — einein Wechsel des Bekenntnisses gleichkomme. 3. Wahr ist, daß diese Aeußeruilg von.Negierungsseite aus, ohne daß diese erst hätte beantragt werden müssen, in den Begründungen zu dem Gesetzentwurf vermerkt ist: Erläuterurig zu Artikel 11, Absatz 1: „Unter Aenderung des Bekenntnisses im Sinne dieser Vorschrift ist auch ... der Uebertritt aus einer israelitischen Religionsgemeirrde gu einer anderen israelitischen Religiorrsgemeinde zu verstehen." 4. Wahr ist, daß meine Erklärung lediglich feststellte, daß im Gegensatz zu den Anträgen der Gegenseite ein Austritt aus einer (liberalen) Religionsgemeinde aus religiösen Gründen auch an Orten, wo keine selbständige Religionsgemeinde, (orthodoxer Richtung) sich befindet, dem Uebertritt von einer zur äuderen Gemeinde und sonnt der „Aenderung des Bekenntnisses im Sinne des Gesetzes" gleichkommt. Dies wurde von mir damit begründet, daß bei dem Austretenden hier eben dieselben grundlegenden religiösen Verschiedenheiten, die zwischen dem orthodoxen historischen Judentum und der liberalen Religionsauffassung bestehen, maßgebend sind, wie beim Uebertritt von einer zur arideren Gerneirrde, und daß bei Austretcnden, einerlei ob mit oder ohne Uebertritt zu einer andererr Gemeinde, eben die Auffassurrg rnaßgebend ist, daß die Religionsanschauung der Gemeinde mit seiner persönlichen und der des historischen Judentums in keinem Einklang mehr steht und eine Bekenntniseinheit im Sinne des Gesetzes deshalb rricht mehr vorliegt. Wir entsprechen hiermit irr loyaler Weise dem Wunsche des Herrrr Rabbiner Dr. Merzb'ach unr Abdruck, ohne nachzuprüfen, ob seine Einsendung eine Berichtigung im Sinne des Pressegesetzes darstellt. Den Ausführungen unserer Gewährsmänner in Nr. 7 und Nr. 12 unseres Mitteilungsblattes von 1928 haben wir nichts hinzuzusetzen. Wir möchten darauf verzichten, diese Diskusston fortzusetzen und überlassen die Angelegenheit dem klaren Urteil unserer Leser. Personalnotizen. Geboren: Ns a i n z : 8. 1. 29 eine Tochter des Herrn Arthur Strauß. Geburtstage. K i r ch b r o m b a ch (Odw.): 15. 12. 28 Jsak Ullmann, 80 I. Viernheim: 13. 12. 28 Josef Lublin, 78 Jahre. 75. Geburtstag. Mainz: 27. 12. 28 Jakob Seligmann. 19. 12. 28 Kommerzienrat Richart. 24. 12. 28 Georg Cahn. 80. Geburtstag. Mainz: 12. 1. 29 Lazarus Friedmann. Verlobte: N i e d e r - S a u l h e i m — Würzburg : Frl. Einrny Herzog mit Herrn Emanuel Vorchheimer. Vermählte: N i e r st e i n ■— M ainz : Albert Goldschmidt und Margrit Goldschmidt, geb. Berghesiner. Gestorben. Griesheim: Bertha Rosenberg, geb. Rosenberg, 68 I. alt.

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