Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/9582242-9623186-9620520--0352-9620523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
anders werden, denn was für den Hilfsverein gegeben wird unb vom Hilfsverein geschaffen wird, ist wirkliche produktive und systematische Leistung. Wenn die Auswanderung der wirtschaftlich bedrängten osteuropäischen Glaubensbrüder auch viel billiger und ihre Einwanderung nach überseeischen Gebieten viel leichter wäre als sie es ist, und wenn Palästina jährlich die fünffache Zahl der gegenwärtig zulässigen Uebersiedler ausnehmen könnte: die L ö s u g der osteuropäischen Judenfrage wird in der Hauptsache doch auf dem Heimatboden dieser Glaubensbrüder erfolgen müssen. Und was wir da an Hilfsarbeit und Hilfsmitteln uns zu ersparen glauben, das muß in unproduktiver Weise für Hin- und Herwanderer, für entwurzelte „Schnorrer" doppelt und dreifach aufgewendet und vergeudet werden. Gewiß werden wir deutschen Juden nicht allein imstande sein, diesen gewaltigen Fragenkomplex zu lösen; wir sollten aber auf die vernünftigste Weise und in wirtschaftlicher Nutzung unsere Mittel verwenden, gerade weil sie bei uns in der Kriegs- und Nachkriegszeit so knapp geworden sind. Zweck dieser Zeilen ist deshalb dazu aufzumuntcrn, daß man in allen hessischen Gemeinden der Wiederausrichtung der früheren Ortsgruppen des' Hilfsvereins sein Augenmerk zuwende. Tie Männer, welche früher ihre Befriedigung darin erblickten, sich der regelmäßigen Ausbringung von Mitteln zu widmen, Mitglieder zu werben und mit jeder Mark die Aufgaben des Hilfs- Vereins zu fördern, die sollten sich an ihre frühere Aufgabe erinnern und ohne besondere Ermahnungsversuche von der Zentralleitung aus wieder ans Werk gehen. Wo die früheren Führer der Ortsgruppen fehlen oder noch keine Ortsgruppen bestanden, da sollten Männer und Frauen mit dem Herz auf dem rechten Fleck die Arbeit in Angriff nehmen und — wenn auch kleine — Gruppen von regelmäßigen Mithelfern werben. Die Geschäftsstelle des .Hilfsvereins der deutschen Juden befindet sich Berlin W35, Steglitzerstraße 12. Die Geschäftsstelle wird allen, welche interessiert und zur Mithilfe bereit.sind, gern das notwendige Werbemnterial zur Verfügung stellen und wird dankbar alle Beiträge entgegennehmen (Postscheckkonto: Berlin 83126). S. L. Wahl und Führung der Namen. Im Anschluß an die ia unserer letzten Nummer gel»c«chle Besprechung der verdienstvollen Abhandlung: Das napoleonische Dekret vom Jahre 1808 wegen der Vor- und Zunamen der guden von Iustizinspektor August Menninger, Mainz N>28, Verlag Oskar Schneider, ist uns die folgende Darlegung über Wahl und Führung der Namen zugegangen. Wir l ringen diese Abhandlung gern zur Veröffentlichung und hoffen damit eine wertvolle Ergänzung zu der von Menninger behandelten Spezialfrage zu geben. Die Schriftleitung. In der nicht wortreichen hebräischen Sprgche decken sich vielfach die Bezeichnungen von Gegenständen mit dem Grund oder dem Ursprünge derselben, außerdem führt auch jedes einzelne der Schriftzeichen den Namen einer diesem ähnlichen Gestalt. Diese Eigentümlichkeit der heiligen Sprache dürste neben anderem dem denkenden Israeliten Anlaß sein, die Wahl der Personennamen reiflich zu erwägen. Welch hohe Bedeutung man den Namen beimißt, zeigt der Umstand, daß sie bei dem so wichtigen und heiligen Akt der Ausnahme in den Bund Abrahams bekannt gegeben werden. Die also bestimmten Namen, mit denen man zur Thorah ausruft, sind der Regel nach biblische. Gebräuchlich ist, sich einen Bibelvers zu wählen, der denselben Anfangs- und Schlutzbuchstaben hat, wie der Name, und diesen Vers in das dem Achtzehngebet angeschlagenen Bittgebet vor dem Schlußsätze einzuschalten. ' Dem Namen der Person wird bei allen religiösen und rechtsverbindlichen Akten stets hinzugefügt, Sohn von .... Die Benennung des Kindes ist zwar unter den dem Vater obliegenden Pflichten in Kidduschin 29a nicht ausgesührt, wohl aber wird sie als eine der vornehmsten Rechte des Vaters angesehen. Bibelstellen, die darauf Hinweisen, daß das Kind den von der Mutter bestimmten Namen erhielt (siehe auch Ramban zu 1. M. 38, 5) stehen dem nicht entgegen, wie dies aus dem Bibelvers 1. M. 35, 18, „. . . . und sein Vater nannte ihn Benjamin", hervorgeht. Der Regel nach wrrden die Namen der beiderseitigen Aszendenten >wechselweise gewählt. Durch dieses Verfahren wiederholen sich die Namen innerhalb der einzelnen Familien im Laufe der Zeit und macht dies bei Vorhandensein von Memorbüchern und Epitaphien es leichter, Stammbäume auszustellen. (Siehe Dietz, Stanimbuch der Frankfurter Juden, S. 1.) Ausnahme bzgl. der regelmäßigen Bestimmung des Namens tritt am Tischo b'av ein; Knaben, die an diesem für unser Volk so schicksalsschweren Tage geboten werden, erhalten den Namen Menachem; Knaben, deren Circumcision am 9. Ab ist, erhalten den Namen „Menachem" (Trost) an zweiter Stelle. Es wird aus schöne Namen Wert gelegt. In M'gillah 14b wird ein Hervortun von Frauen als nicht schön bezeichnet und hierbei auf das bescheidene der Namen „Deborah" und „Ehuldah" (Biene und Wiesel) hingennesen (s. M'harscho z. St.). Bezeichnend ist. daß der aus Persien herrührende Name der Jüdin Esther sehr gebräuchlich ist, daß dagegen Ruth, der von der Stammutter Oes Hauses David beibehaltene moabitische Name, kaum vorkam. In dem nach Wiedergründung. der Mainzer Gemeinde im Jahre 1583 angelegten Memorbuch und in der Liste zu Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden, findet er sich überhaupt nicht, in dem Register des von Salseld bearbeiteten alten Memorbuchs ist er ein einzigesmal verzeichnet. (München 1285). Die Bei- und Rufnamen stehen mit dem Namen meistens in irgend einem Zusaminenhang, sie erscheinen in den verschiedensten Sprachen, Uebersetzungen und Uebertragungen. Beispiel für Frauennamen: Bella, Schönchen und Schünle. Beispiel für Männernamen: Uri (hebr. Licht), Schragge (aram, Licht) von der übertragenen Bedeutung Phoebus (Mythologie), Feiwesch, Feist bis zu Philipp. Umbenennungen erscheinen schon in der Mischnah. Am Ende von Aboth (auch in Kidduschin 10b) ist ben Bag Bag (22—22) und ben He He O"*—<*7) genannt. Beide Genannte waren Proselyten; Proselyten werden sonst Sohn Abrahams genannt. " ist der Buchstabe, den unser Vater Abraham zu seinem ursprünglichen Namen bekam (1. M. 17, 5) 2—2 hat den Zahlenwert von n Hierzu ist zu bemerken, daß aus dem Ehescheidungsakt eines Proselyten hervorgehen muß, daß der Name Sohn, bzm. Tochter Abrahams ein fictiver sei und deshalb hinter Avrohom „owinu" gesetzt werden muß. Es gibt kein Zivilstandsgesetz, das strengere Vorschriften trifft, als sie für den Vollzug einer jüdischen Eheschließung und Ehescheidung statuiert sind. Eine ganze Anzahl umfangreicher Werke > Codices und Nachschlagebücher) existieren, uni in einem Ehescheidungsbriefe die richtige Schreibweise der Orts- und Personennamen sicherzustellen. Da oben erwähnt ist, daß Proselyten Kinder von Aworohom owinu genannt werden, sei hierzu bemerkt, daß die Ausnahme von Proselyten sehr erschwert ist und nur selten vorkommt. Wenn in Joma 71 berichtet wird, daß unsere großen Lehrer Schamaja und Abtalion, Abkömmlinge von Proselyten, dem Hohen Priester entgegenhalten konnten -^2'> p*i2>“r 2/2““ paa* '22 pri" so besagt dies nach dem KU^ra zur Stelle, daß ein einem unwissenden^ im Range vorangeht. Immerhin istdieKönigskrone der Dynastie David, und die Priesterkrone dem Hause Aharon für alle Zeiten Vorbehalten. Israel hat umfangreichere Ehegesetze als alle anderen Söhiie Noachs und für seinen Priesterstamm, die Kohanim, hat es noch Londervorschristen bzgl. der Herkunft der Ehegatten zu beachten. Schon der Kohanim wegen muß daher auf die Herkunft der Ehegatten gesehen und auf die Abstammungen geachtet werden. ' Daß in früher Zeit schon Familiennamen geführt wurden, läßt sich leicht Nachweisen. Auch in der anscheinend erst um 1580 ivieder begründeten Mainzer israelitischen Gemeinde läßt sich sehr bald hiernach das Bestehen oder die Bildung von Familiennamen seststellen. Die erste Eintragung im Memorbuch der Gemeinde ist aus dem Jahre 1583, an 3. Stelte ist ein 1591 b'schuk (Marktflecken?) Deutz verstorbener Wendet Deutz, an 15. Stelle ein zu Worms verstorbener Rabbi vom Stamme der (so berühmten Gelehrtenfamilie) Lurie eingetragen. Es folgen Familienbezeichnungen (in Mainz Verstorbener) Bing (1598), Kannstadt (1613), Pfeddersheim, Jstadt, Isenburg, Buxbaum, Hallgarten, Gans,^Ginsheim, Kohn, Oppenheim, Weisenau, Earlebach, Odernheim, Lchwalbach, Guggenheim, Schierstein, Meisenheim, Rüsselsheim, Flörsheim, Mainz, Wiesbaden, Hainbach, Winkel, Günzburg, Langgaß, Breidingen, Bodenheim (oder Badenheim), Neuendors und Naudorf (wohl Neudorf), Alsbach, Erfelden, Schmalkalden, Eastel, Götz, Weisenau, geb. Geilich, Katz, Ossenbnch, Frankfurt, Rost oder Raust, Bretzenheim, Heidesheim, Lobernheim, Niederolm, Homburg, Kirchem (wohl Kirchheim), Stadecken, Grünstadt, Mombach, Wetzlar, Flonheim, Dienheim, Finthen, Nackum (wohl Nackenheim), geb. Wallerstein, Hahnheim, Bamberg, und als erster neu" vorkommender Name irn 18. Jahrhundert, 1704, der Arzt Grothwohl Haas aus Frankfurt. In der Liste Salseld, Bilder aus der Jüd. Vergangenheit, 1903, Seite 61, führen sämtliche Gemeindemitglieder 1774 zwei Narnen. Es kommen in jener Zeit vor: Ursel Berlin, Wetzlar Doctor, Toctor Goldschmidt, Schlosser, Langgaß, Coma, Gantz, Kaup, Maas, Welsch, Kahn, Levi, Aaron. Goßmann, Götz, Gottlieb, Jeremias, Lazarus, Nachmann, Seeliginann, Bamberg, Bodenheim, Burstadt, Eanstadt, Earlenbach, Karlebach, Ereuznach, Cassel, Eastel, Castell, Embden, Ellinger, Fuld, Gundersheim, Hannover, Hallgarten, Hamburg, Homburg, Hausen, Haußen, Jnspruck, Ingelheim, Lohnstein, Mergentheim, Mosbach, Offenbach, Oppenheimer, Ladenburg, Landau, Leimen. Lorch, Lorsch, Lohnstein, Reinach, -Larburg, Siltz, Sültz, Lchleßinger, Schnadig, Speier, Speyer, Schmalkalden, Westenburg, Wiesbaden, Werstatt, Wolfskehl, Wolfskeel Darmstadt. Ellinger Schnadig. fc t 2' 3