Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 12 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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tn diesen Tagen sein 25jähriges Bestehen. Den Auftakt bildete eme akademische Feier in den festlichen Räumen der Börse zu en. Reben zahlreichen treuen Freunden des Vereins, die den großen Raum bis ins letzte füllten, sah man zahlreiche Vertreter des Staates, der Presse und sonstiger christlicher wie jüdischer Körperschaften. Rechtsanwalt Dr. Ernst Herzfeld, Essen, der Vorsitzende des Landesverbandes, konnte in seiner Begrüßungsansprache u. a. Oberbürgermeister Bracht, Essen, Landrat Mertens, Essen, Landgerichtspräsident Dr. V o l l - mer, Essen, Oberregierungsrat Müller, als Vertreter des Essener Polizeipräsidenten, Oberstaatsanwalt L i n g e m a n n, Essen und Generaldirektor Tengelmann, Präsidenten der Handelskammer Essen willkommen heißen. Herzfeld gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Zentralvereins und wies darauf hin, daß man während und auch bei Ende des Weltkrieges in den führenden Kreisen des deutschen Judentums geglaubt hatte, den Zentralverein auflösen zu können. Die Geschehnisse nach dem Kriege, die noch in aller Erinnerung sind, hätten jedoch gezeigt, welche unendliche Arbeit noch geleistet werden muß, um die Gleichberechtigung der deutschen Juden innerhalb des deutschen Volkes nicht nur theoretisch, sondern auch ideell zu erkämpfen. — Den Festvortrag „Deutsche Volks-Idee oder deutsch-völkische Idee" hielt Professor Dr. Julius G o l d st e i n , Darmstadt. Mit überzeugender Klarheit zeigte der Redner den Unterschied zwischen der subjektiven deutschen Volks-Idee, die über die Zugehörigkeit zum deutschen Volke Gesinnung und sittlichen Willen entscheiden läßt und der objektiven deutsch-völkischen Idee, die nur den dem deutschen Volke zuzählt, der seiner Rasse und Abstammung, also biologischen Merkmalen nach, Deutscher ist. Er wies auf die Gefahren hin, die bei Verbreitung dieser Idee dem deutschen Volkstum im Ausland erwachsen und er schilderte mit eindringlichen Worten, welche Gefahren auch nach innen dem deutschen Volke drohen, wenn man an ihm solche Untersuchungen anstellt, da das deutsche Volk aus den verschiedensten Rassen zusammengesetzt ist. Er schloß mit den Worten Dehmels: „Gleich woher die Samenzucht, deutsches Land trägt deutsche Frucht". — Zu der von diesen Ausführungen tief ergriffenen Versammlung sprach darauf Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Berlin, der Vorsitzende des Zentralvereins. Auch er beschwor die Zeiten vor 25 Jahren herauf, in denen er zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Isaak Hirschland die Ortsgruppe Essen gegründet hatte. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er jene Rede, die Ludwig Bamberger, einer der größten Patrioten deutscher Zunge,' als Verbannter unter Verbannten am Grabe eines Verbannten sprach, an dem Tag, an dem er zu seiner sterbenden Mutter nach Mainz eilen wollte, und an dem er diesem Wunsch nicht folgen konnte, weil er nur unter Bedingungen in die Heimat hätte fahren können, die eines Patrioten nicht" würdig sind. Bamberger ermahnte seine Brüder, durch alle bitteren Erfahrungen die Liebe zum Vaterland sich nicht nehmen zu lassen, damit wenn der Ruf an sie ergehe, sie ohne Verbitterung in ihrem Vaterlande wieder ihre Pflicht erfüllen könnten. Wenn Einigkeit und Recht und Freiheit in Deutschland wieder einzögen, dann werde das wahre deutsche Volkstum zum Segen von Deutschtum und Judentum erstanden sein. — Symbolischen Ausdruck fanden diese Ansprachen in den musikalischen Vorträgen, die von dem Trio Max Fiedler, Alexander Kosman und Fritz B ü h l i n g voll tiefem Gefühl für die Schönheit der Werke vorgetragen wurden. Zu Beginn der Feier stand ein Satz aus Felix Mendelsohns Trio opus 49. Jenes Felix Mendelsohns, dessen großer Vater Moses Mendelsohn mit als erster für die Emanzipation der Juden in Deutschland eintrat und der zusammen mit Lefsing aufrief zur Befreiung der deutschen Sprache von Fremdwörtern. Es folgte das Adagio cantabile aus dem Trio opus 1 von Beethoven. Den Beschluß bildete ein Rondo aus Franz Schuberts opus 99, jenes Schubert, der in der Gedrungenheit seiner Gestalt gewiß nicht den Typus des Germanen vertrat, und dessen 100. Todestag das gesamte kulturelle Deutschland und die ganze Welt feiert in Erinnerung an einen Mann, der dem deutschen Lied und der deutschen Musik unendliches gegeben hat. Am 28. Oktober fand in Frankfurt a.M. die Konstituierung des Vereins „Gemeinnützige jüdische Elieanbahnungsstelle" statt. Die vorgelegten Statuten wurden einstimmig angenommen. Danach bezweckt der Verein, der seinen Sitz in Frankfurt a. M. hat und ins Vereinsregister eingetragen werden soll, die Errichtung und Unterhaltung einer gemeinnützigen Eheanbahnungsstelle, ferner die Unterstützung aller Bestrebungen, welche die Förderuilg der Eheschließung unter den Juden, zumal der Frühehe und die Bekämpfung der Mischehen sich zur Aufgabe machen. Der Verein betreibt nur gemeinnützige und fürsorgliche Arbeit, letztere auch in der Richtung, etwa erzielte Ueberfchüsfe, insbesondere aus Schenkungen und Stiftungen zur Ausstattung von armen Brauten zu verwenden. Die Geschäftsstelle der jüdischen Eheanbahnuugsstelle bzw. des Vereins soll in Frankfurt a.M. geführt werden. In größeren Städten und Bezirken des Deutschen Reiches werden ehrenamtlich tätige Vertrauenspersonen sowie erforderlichenfalls lokale Bezirksstellen zur Unterstützung von armen Bräuten bestellt. Sowohl Einzelpersonen wie Körperschaften können Mitglieder werden. Der Mitgliedsbeitrag für das einzelne Mitglied beträgt mindestens 5.— RM. jährlich. Die Geschäfte des Vereins werden aus einem aus 15 Mitgliedern bestehenden Verwaltungsausschuß geführt, von denen 7 ihren Wohnsitz in Frankfurt a. M. oder nächster Umgebung haben müssen. Daneben ist ein Beirat von 21 Mitgliedern bestellt, der bei wichtigen Entschließungen hinzugezogen werden kann. Es wurden Entschließungen aus der Mitgliederversammlung angenommen, wonach der Vorstand ersucht wird, dem Verein einen kurzen, prägnanten Namen zu geben, Richtlinien für dm praktische Tätigkeit auszuarbeiten, und den Ehebewerbern ein Merkblatt über die gesundheitlichen Anforderungen bei der Eheschließung zu übergeben. Allen denen, welche zum Zustandekommen des Vereins beigetragen hatten, wurde Dank ausgesprochen: Der Grotzloge des unabhängigen Ordens B. B. und den jüdischen Gemeinden, welche bereits in größerer Zahl namhafte Zuwendungen gemacht haben, der jüdischen Presse aller Richtungen für ihre Unterstützung und zahlreichen Einzelpersonen, die in Stadt und Land werbend für die Sache eingetreten waren. In den Verwaltungsausschuß wurden gewählt: Wolfgang Auerbach, Frankfurt a.M.; Benno Basch, Magdeburg; Johanna Bär, Vertreterin des Schwesternverbandes d. U. O. B. B. Frankfurt a.M.; Julius Bloch, Frankfurt a.M.; Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M.; Arzt Dr. Ehrenreich, Köln; Sanitätsrat Dr. Goldschmidt, Berlin, Vertreter der Großloge, d. U. O. B. B.; Prof. Dr. Hanauer, Frankfurt a.M.; Frau Hauptlehrer Kauffmann, Gelsenkirchen; N. Marireich, Bremen; Frau E. Nosenzweig, Frankfurt a.M.; Rabbiner Dr. Unna, Mannheim; Prof. Dr. Wolle, Berlin. Jüdischer Frauenbund Mainz. Am 16. Dezember, Kll Uhr vormittags, findet anläßlich des 10jährigen Bestehens des Vereins eine Feier im Gemeindesaal, Hindenburgstraße 44, statt. Wissenschaftlicher Kursus für Lehrer in Würzburg. Auf Grund einer vom bayrischen Landesverband an uns gerichteten Einladung werden die Herren Lehrer hiermit auf den von genanntem Verband in der Zeit vom 24.—27. Dezember 1928 veranstalteten wissenschaftlichen Fortbildungskurfus aufmerksam gemacht: Das Programm lautet: 1. Universitätsprosesfor Geheimrat Dr. Hahn, Würzburg: Der Gottesbegriff der Bibel und die Welt des Alten Orients. (4 Stunden.) 2. Seminarrabbiner Dr. Neubauer, Würzburg: Eine talmudische Suggia in literaturgeschichtlicher Betrachtung. (4 Std.) 3. Seminardirektor Stoll, Würzburg: a) Lehrplanfragen des jüdischen Religionsunterrichts. (2 Std.) d) Der hebräische Unterricht auf der Fibelstufe. (2 Std.) 4. Seminarlehrer Dr. Bamberger, Würzburg: Grundftagen der hebräischen Phonetik. (2 Std.) 5. Rabbiner Dr. Jampel, Schwedt: Biblische Archäologie. (4 Std.) Statistisches. Aus den Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für Landesstatistik entnehnien wir nachfolgende Aufstellungen,^die sicherlich in einem großen,Kreis unserer Leser Beachtung und Interesse finden dürften. Israelitische Volksschüler in Mainz. Volksschule: 38 Knaben, 16 Mädchen — 54 Rel.-Gesellschaft: 24 Knaben, 33 Mädchen — 57 Frl. Görz: 3 Knaben, 13 Mädchen — 16 65 Knaben, 62 Mädchen —127 3876 Lehrer, darunter 23 Israeliten 149307 Schüler, darunter 1146 Israeliten 7