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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-10-01 · 10 (10.1928) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
10 (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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besuchen, baö ist uodi nicht entschieden, Ich sage es Ihnen essen und ehrlich, daß mich — wahrscheinlich auch viele von Ihnen — diese Lösung, die nichts anderes als ciu tirotversrrch ist, nicht befriedigt. Aber es wird wohl keinen anderen Weg geben, und wir hier in Hessen haben auf die Neugestaltung der jüdischen Lehrerausbildung nicht dieselbe Einwirkung, wie andere oerrtsche Staatcn, nie Seminare bisher bestanden, Aber als jüdische Lehrer bringerr ivir gerade dieser Frage das größte Interesse entgegen rurd Pflicht des Vorstandes ist es, nachdem er zu diesem Problem Stellung geirommen hatte, Ihnen darüber zrr berichten rurd evtl, arich Ihre Meinung enchegerrzrinehmen. Eirre weitere Frage von grrnrdlegcnder Bederrlnug ist die, welche Stellung unser Verein in Zukunft zrr der großen Lehrerbereinignng in Deutschland, die mit Ausnahme unseres Vereins alle großen Lehrerbereine bereits umfaßt, nämlich dem Reichsverband der jüdischen Lehrerbereine, einnehmcn soll. Der Vorstand hatte bis vor kurzem nichts getan, diese Frage zu fördern: oder gar zr: erörtern. Sie wissen, daß bei der: lailgen Verhandlungen, die der Gründung unseres Vereins borarlsgingerr, diese Frage von vornherein ansgeschaltet wurde, daß man sich danrals einigte, keiiiem der bestehenden Verbände beizrltreterr. Wir haberr seit jener Zeit diese Frage, die ans berschiederleir Grürideri genau so wichtig für riirsercir Verein, wie sie es für alle dem Reichsverbaird arrgehörenden Vereine ist, auf sich beruhen lassen. Doch haben wir seit eiiiiger Zeit Stinriilcii ans unserem Verein gehört, die sich mit dieser Frage beschäftigten, es siird uns eirre ganze Reihe von Zuschrifteir aris den Pressen unserer Vereirrsmitglieder zngegairgcir, die alle ciucu Anschluß an beit Reichsverbarid befürNvorten oder doch rvenigsteirs eine Stellrrirgirahme in dieser Sache forderten. Diese Wünsche, die sich sogar zeitweise zu Anträgen berdichtetelr, sind liicht seit gestern, sondern sie gehen schon auf Jahre zurück. Der Vorstand, der auf alle Stimmen rurd Ströniniigen innerhalb seiries Vereins zri achten rind ihrierr Rechnung zu tragerr hat, war gerrütigt, mm arich dieser Frage näher zrr treten. Dazu kamen noch verschiedene Zuschriften, die sich arrch rnit dieser Angelegenheit befaßten, d. h. eine Entscheidnrrg zrigrirrsteir des ilieichsverbairdes rvüirschtcrr. Am zweitcrr Pfingsttage dieses Jahres erschierr nun ans einer Porstandssitznng urrseres Vereiiis iir^friedberg der erste Vorsitzcrrde des jüdischerr Reichsverbandes, Herr College Stern ans Berlin, rnit welchem wir über diese Angelegenheit eine eingehende Anssprache halten. Der Vorstand kam in dieser Sitzung zu dem Beschlrisse, der heutigen Gerreralversainmlnng einen Airtrag vorzrrlegerr, der einen t'lirschlrrß an dcrr Reichsverbaird jüdischer Lehrervereine vorsieht. Der Porstarrd giirg bei seirrem Beschlrisse von der Erwägung ans, daß, riachdem hcrrte alle rnaßgebenderr jridischerr Lehrervereine, so der bah. und die Hess. Lehrerkonserenz. der ostfriesische Verein, in welcher? die orth. Lehrer bei weitem in der Mehrheit sind, sich dem Reichsverbaird angeschlosscn haberr, für uns eigentlich dairn auch fein Grund mehr besteht, ihirr ferrrzubleiben. Der Vorstarrd stand danrr rveiter auf dem Standpunkt, daß sowohl irr ideeller als arrch in rrraterieller Beziehung der Zrisammenschlriß aller jüdischerr Lehrervereirre zu einer festgefügten kompakten liiiu heit, die dann drrrch das Gewicht ihrer Zahl urrd ihrer Größe die Belarrge der jüdischerr Lehrerschaft ganz arrders förderrr rurd vertreten kanrr als ein eirrziger Vereirr, desserr Rc'achtmiltel ja immer befchränkt rrnd dazu rroch durch die örtlichcrr rurd sorrstigerr Verhältnisse eirrgeengt siird, ein dringendes Gebot der Strrnde ist. Arrs dieser Ueberlegnng heraus kam unser Beschluß zustande. Iirzwischcn aber sind urrs von verschiedener Seite Stimmen zugegairgcn, die uns warrren, in dieser Lache eirre schnelle Entscheidrurg herbeizriführerr. Wir lvrrrderr darauf hirrgeivieseir, daß gerade in der Hessischen Lehrerkonfercirz durch diese Angelegenheit eirr Streit cirtstanden ist, weil dort vielerr orth. Lehrern' die' Sicherungen irr der Neutralität und Parität der religiösen Anschauungen nicht gerrügend erscheinen. Auch in orth. Kreisen rurseres Vcreins hält man diese Sicherungen in dcrr Statnterr des Reichsverbandes rricht für ausreichend und man möchte gern erst einmal abwartcrr, wie sich die Perhältrrisse in Knrhessen entwickeln, man rrröchte solange die endgültige Entscheidung hier in unserem Vereirr hirrarrsschiebciu Die Hessische Lehrerkonfererrz, in ivelchem Verein die Verhältnisse ja ähnlich liegen, wie in dem nnsrigcrr, wird noch eaunal versuchen, in Verhandlungen mit der Verbaridsleitnng einzrrtreten, um ihre Fordernngerr bezüglich der religiösen Sicherheiten dnrchzrrsetzerr. Ter Vorstand, der auf die gegnerischen Stimmen in unserer,r Verein auch zu achten hat, und der einmütig ans dem Standpunkt steht, daß es in dieser Frage keine Vergewaltigung geben darf, hat deshalb beschlossen, heute von der Vorlage seines Antrages abzusehcn. Wir wollen erst abwarten, welches Ergebnis bei den Verharrdlnngcn der Knrhesscn mit der Verbandslertung heranskommt. Wir wissen, daß dieser Beschluß für viele Kollegen eure Enttäuschung ist, die einem Anschluß an dcrr Reichsverband günstig gestimmt sind, wir wissen auch, daß die Gegner des Anschlusses auch rricht darnit befriedigt sind, es wird urrs vielleicht arrch ein Umfall von rnancher Seite ans vorgeworfen werden. Ihrren allen, die solche Gedarrkerrgänge hegen, sei gesagt, daß bei 4 uns arrch/ wie überall, ivo Merrscherr rri'd Persönlichkeiten verschiedener Weltanscharrnng zrisammerr sind, niemals Lösrrngcir ohne rveiteres gesrrnderr iverderr küirnen, die jeden befriedigen, daß eben, wie irr der Politik, so auch in nuferem .Streife, .Kompromisse ge - schlossen iverderr irrüsserr, wobei ein jeder etivas nachgeberr muß. Der Vorstarrd ist in dieser Frage nicht nmgefallc» und auch nicht drrrch äußere Einflüsse irr seirrem Verhalten bestimmt worden, er sieht heute wie früher ein, daß für urrs auch hier irr Hessen der Anschluß an'den Verband das alleinig richtige ist, er will aber den Bestand unseres Larrdeslehrervereins, der mit solch großer Mühe rurd Anstrengrurg geschafferr iverderr korurte, rricht aufs Spiel setzen. Sie wissen alle, daß gerade drrrch diese Frage jener langjährige Streit sich entzündete, der die hessische Lehrerschaft in zlvei serndliche Heerhanfen teilte rurd jede ersprießliche Zusammenarbeit vereitelte. Das darf, das foll rricht mehr geschehen. Deshallstbitten mir sie, sich unserem Standpnnkt anznschließen. Glauben ^ie urrs, er ist rricht irr dem zrrfällige» Eirrfall eines Augenblicks geboren, sondern er ist das Ergebnis langwöchentlichen Nachdenkens rrnd lleberlegerrs. Er ist auch fein feiges Znrückweichen vor einem etwa entsleherrden .Stampf rurd Streit, Sie wisserr, daß wir auch zrr kämpfen und für rrnsere Meinnng eirrzrrtreterr verstehen, sondern er ist eben das Fazit, das man, wenn inan klrrge rrnd feine Gewaltpolitik treiben will, ans der Lage ziehe,r muß. Nicht leichten Herzen? haben wir diesen Antrag preisgegeberr. Er wird zu gegebener Zeit wieder arrfgegrifferr rverdcn. Wir rverdcir an dieser Frage gar rricht vorüber koirrrnen könrrerr, rrnd was herrte rroch rricht crrdgültig möglich ist, rvird vorarrssichtlich irr baldiger Zeit urrs wieder beschäftigcrr müssen. Ist eirre endgültige Klärung in dem Verhältnis der Kurhessen zum Verbarrd herbeigeführt, darrn ist für uns die Zeit gekommen, dieser Sache wieder näher zu treten. Wir hoffen nun von der Einsichtigkeit all nuferer Kollegen, daß sie diese Frage, ebenso wie wir, ohne jede Leiderrschaft behandeln, daß daran, wie es leider früher fchon einmal geschah, die Eirurachr und der Zusammenschluß rurseres Vereins rricht zerbricht. Ich habe Ihnen rückhaltlos und ungeschminkt rrrrsere Lage so gezeigt, rvie sie ist rrnd ich habe Ihnen mit derselberr Speichert auch gesagt, ivas mir zu tun beabsichtigen, rurd in welchen Bahnen Nur unseren Verein rveiter führen wollerr. Der Vorstand hat' arrch in? vergangenen Jahre nach bestem Wisserr rrnd Können stets versrrcht, seine Pflicht zu hm. Er wird arrch in Zrrkrrrrft das, ivas unter den gegebenen Verhältnissen rnöglich ist, zu erreichen snchcrr, rricht nur zum besten urrseres Starrdes, sondern auch zrrr Pflege und zur Förderung unserer hl. Religiorr. Und nun zum Schlüsse rroch ein Wort und dieses Wort »röge verirommeir werden nicht nur .von denjenigen, die die bisherige Führrrng rurseres Vereins billigten, sondern auch vorr dcrr anderer?, die unsere Anschannrigerr bekämpfen rurd unserer Arbeit fortgesetzt Widerstände irr den Weg legen. Bedarrerlicherweise rvaren wir hier in Hessen bisher gezwungen, nach außen hin derr Kampf nur rrrrser Recht zu führen, einen Kampf, der sorrst überall schorr zngnnstcir'der Lehrerschaft entschieden ist, rurd der? wir mit Gottes Hilfe und hoffentlich mit Unterstützung einsichtiger, weitsichtiger rurd gut jüdischer Merrscherr, die der Lehrerschaft rurd ihren Fordernngcn rnit größtem Wohlwollen gegeirüberstehcrr, das sind wir überzerrgt, arrch hier in Hesscrr geivirrncir müssen. Wir müssen es aber heute erleben, daß ein Teil der hessischen Lehrerschafl, der zahlcnrnäßig allerdings sehr klein ist, sich gegen urrs gewarrdt hat und so nnsererr Kairrpf sabotiert. Ist es nicht traurig, zrr sehen, wie einige Lehrer, verlockt von falscher? Sirenenklängen oder auch gezivrrngen durch die ganz besonders gearteten Verhältnisse Starkcnbrrrgs, es bisher nicht wagten, offen und ehrlich sich rurs airzrrschließcrr rrnd so verhinderteil, daß die Eirrheitsfrorrt aller jüdischen Lehrer Hesserrs errdlich hergestellt wurde? Jetzt, wo auch hier irr Hessen eirr großer Schritt zur ^arrierrrng der Verhältnisse der jüdischen Lehrerschaft gemacht ist, ijt jedes rrrüßige Beiseitesteherr, jedes „Sich-rricht-airschlreßen" an die Einheitsfront der Lehrerschaft eine große Unterlassungssünde, jeder Widerstand aber, vorr woher er auch komme, ein Vergehe-! an der Lache nuferes Starrdes. Doch wir werden uns rricht beirren lassen, nur wissen, daß die überwältigende Mehrheit unserer Kollegen irr Treue rurd festgefügter Disziplin zu uns steht, wir ivisserr, daß eirres Tages arrch die Larrcir nrrd Gleichgültigen den Weg zrr rurs firrderr werden und Nur hoffen, daß rrrrsere Gegrrer bald erkennen iverderr, ivie schlecht beraten sie ivarcrr, eine Politik zrr betreiben, die rrnserem Stande rrnr Schaden bringen konnte. Wir iverderr rurs den Glaribcir nicht nehmen lassen, daß auch hier irr Hessen die jüdische Lehrerschaft, gleich zu welcher religiösen Airfchannng sie auch steht, einig und friedlich vereirrt in unserem Lairdeslehrervereirr sich znsammenfinden karrrr. Wir aber, die wir heute schorr von der Erkenntnis erfüllt sind, daß unser Landeslehrerverein die alleirrig mögliche Plattform für alle in Hessen arirtiererrden Lehrer ist, wollen arrch weiterhin das Banner der Eintracht und Eirrheit Hochhalten und unseren Verein so führen und leiten, daß er innerhalb der jüdischen Lehrerbewegruig Derrtschlands in Ehren bestehen kanrr. In diesen? Geiste zu neuer Tat, zu irener Arbeit!

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