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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-10-01 · 10 (10.1928) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
10 (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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f ei unseren Großgerneindcn der errrstliche Wille vorhanden rst zu helfe,!. Allein, wenn diese Hilfe nicht nur Stückwerk bleiben soll, Nwnn sie wirklich wirksam sein soll, dann muß das Bestcuerungsw.esen unseres Verbandes in derselben Werse geregelt werden, wie dies in den süddeutschen Verbänden bereits geschieht. Dort wird non jedem einzelnen Zeirsiterr eine direkte Steuer für den Landesverband erhoben, die z. B. in Bayern 8 Prozent ans die staatliche Einkommensteuer berechnet, beträgt. Wird dieser Modus auch bei uns eingeführt, dann werden dem Landesverband Mittel in solcher Habe zufließeu, daß er ohne weiteres in der Lage sein wird, allen an ihn gestellten Anforderungen zu genügen. Ich habe den Glauben, daß, nachdem heute sich die Erkenntnis von der Nützlichkeit des Verbandes in allen in Betracht kommenden .Preisen der Hess. Iudenheit dnrchgesetzt und sich dev Verband in den wenigen Jahren seines Bestehens schon so überaus große Verdienste uni die Erhaltung und Förderung unserer religiösen Belange erworben hat, die maßgebenden Persönlichkeiten urrd vor aller, Dingen die Herren, im Oberrat auch bereit sein werden, im Interesse des Judentums die finanzielle Kraft des Verbandes so anszngestalten, daß er fähig und imstande sein wird, den Ansprüchen, die cm ihn gestellt werden, nachznkoinmen. Ob aber die Gemeinden auch ihrerseits bereit sein werden, das zu tun, was zur Erhaltung ihrer Lehrerstcllen nötig ist, das müssen wir nach unseren bisherigen Erfahrungen beziveifeln. Heute ist die Situation die, daß die Gemeinden alles vom Verband erwarten, selbst Gemeinden, die gar keinen eigenen Lehrer und nur einige hundert Mark für den Religionsunterricht anfznbringen haben, machen Gesuche nrn Beihilfen an den Verband. So hat bei sehr vielen Gemeinden das Bestehen des Verbandes die geringe Opsertvilligkeit noch niehr herabgemindert. ES darf eine Geineinde nur dann den Verband iu Anspruch nehmen, wenn es für sie run die Erhaltniig ihrer Ausgaben gar keiner', anderen Weg gibt. Es rrruß Ehrensache jeder Geineinde sein, die Mittel selbst anszubringen. Leicht wird es für uns auch in Zukunft nicht sein, eine Aendernng dieser Zustände herbeiznsührerr. Es muß zunächst eine Aerrderrrng in der Mentalität, in der ganzen geistigerr Verfassung der hessischen Indenheit vor sich gehen. Wir Lehrer können aus eigener .Kraft sehr wenig dazrr tun, es wird urrs ja so wie so schon heute vorgeivorferr, daß wir nur ans Egoisniiis uns zrun Landesverbarrd bekannt haben, ein Vorwurf, der so niedrig ist, daß ich es ablehne, auch iirrr ein Wort zri seiner Widerlegung vorznbringen. Aber ich muß es herite nochnrals rnit allem Ernst urrd allem Nachdruck sagerr, ruid ich richte diesen Appell an diejenigen, die guten Willens rurd ebenso ivie wir vorr der Erhaltung eines guten Lehrerstandes überzeugt siird: „Es ist allerhöchste Zeit, daß Mittel und Wege gesucht und gefunden werden, die Lage der jüdischen Lehrer Hessens auf eine solche Basis zu stellen, die es ermöglicht, den wenigen noch vorhandenen Lehrern ein auskömmliches Einkommen zu gewahren und auch weiterhin jungen Lehrern den Anreiz, gibt, sich um hessische Stellen zu bewerben." Geschieht rrichts urrd läßt man diese Dinge weiter so treiben, dann wird irr absehbarer Zeit der Nachfolger des jüdischen, seminaristisch vorgebildeten Lehrers irr Hessen der ostjüdische Bocher sein, der dann der geistige Führer rind Kulturträger in den Kleirrruid Mittelgenreindeii fein wird. Ob aber diese Herren, von lvelcherr irr letzter Zeit eine ganz erkleckliche Anzahl zu riiis nach Hessen gekomincir ist, imstande sein werde», das Erbe unseres jüdischen Lehrerstandes zu übernehmen und weiter zu führen, diese Frage bedarf in dieserii .Kreise keruerlei Beantwortung. Wir Lehrer erkennen die ganze Große der Ge- ' fahr, die nicht nur rins allein, sondern dem ganzen Judentum droht, und wir haben in der letzten Vorstandssitzung am zweiten Psiiigsttage in Friedberg beschlossen, dem Oberrat riochinals euren Antrag zri unterbreiten, der vorsieht, eine Ueberslntnng unseres Standes in dieser Hinsicht eirrzudämmen. Das beste Mittel aber, diese Kreise vorr Hessen sernzuhalten, ist, rrach wie vor eine grurrdlegenoe Regelung der ganzen Lehrerverhältnissevorznnehmen. Dazu ist nur der Lairdesverbaird allein fähig und imstande, es gibt heute feine aridere Stelle mehr und wir Lehrer, die wir vorr allein Anfang an in unbeirrbarer Treue zürn Verband, urrd wahrlich nicht ans Eigennutz, sonderrl ans der Erkenntnis heraus, daß die Erhaltung eirres gesnriden Lehrerstandes, die Erhaltniig unserer Klein- und Mittelgenieinden bedeutet, stehen, erlvarten von ihm, daß er nun nach dem Vorbild der süddeutschen Verbände, rnit welchen er sich zri einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die auch eine Gesinnungsgemeinschast sein soll, unseren Wünschen und Fordernngeir entspricht. Als Vertreter des Landesverbandes haberr Kollege Siinon und ich an derl Verhandlungen, die rnit dem gesetzestccucn Verband geführt wilrden, teilgenommen. Wir Lehrer, die lvir ganz besonders vori der Notwendigkeit eines Einheitsverbandes, der allciir imstande ist, unseren dahiiisiecherrderr Klein- und Mrttelgemernden wirksam Hilfe zu bringen, durchdrungen siird, haben urrs deshalb auch irr dieseir Verhandlungen auf den Standpunkt gestellt, daß rirlr der Zusammenschluß aller hessischen Genreiliden zu einem Verband für unsere Verhältnisse das Gegebene ist. Vorr eurer Arbeitsgemeinschaft, insbesorrders von dem Entwurf, in welchem der gesetzestreue Verbaird die Ziele und Wirksamkeit einer solchen näher umschreibt, erwarten wir nur eine Erschwerung für unsere bisherige Arbeitsmethode. Tiefe Arbeitsgemeinschaft wurde deshalb vorr rurs Lehrerrr abgelehirt. Dagegen sind lvir ans dern letzten Gemeindetage dafür eiirgetreten, daß die Verhandlungen mit dem „gesetzestrenen Verbaird" weiter geführt werden sollen. Wir hoffen, daß sich auch in diesen Kreisen endlich die Erkenntnis Bahn bricht, daß rrur der Zusanriirerrschluß die absterbenden Gemeinden vor dem völligen Verfall beivahren kann. Zn denr Problekn der zukrrrrstigcn Lehrerausbildung hatten wir inr vergangenen Jahre arrch Stellring zu nehmen. Da bekanntlich in allen deutschen Staateir unb nunmehr auch iir Bayerii, wo das Würzburger Lehrerseminar ist, die Lehrerausbildung aus völlig neue,., Grundlagen gestellt wurde, ist es Aufgabe der jüdischen Larrdesverbände, in dieser Frage einen Weg zu suchen, der sowohl den Anforderungen, die in wissenschaftlicher Beziehung vorr der Ausbildung der Lehrer verlangt werden rnuß, als auch derr Ansprüchen, die die Gemeirrden au ihre religiösen Führer stellen, gerecht wird. Bisher war die Vorbildurrg des jüd. Lehrers, der im Gemeindedienst steht, die des Volksschullehrers. Fast jede Gemeinde, die Wert auf einen beruflich gut vorgebildeten Lehrer legte, verlangte derr seminaraistisch ausgebildeten Lehrer. Auch in Zukunft müssen wir Lehrer daraus dringen, daß von dieser Mirrdestsorderung, sowohl im Ansehen unseres Starrdes, als auch im Interesse der deutschen Juderrheit, nicht abgegangen wird. Ob aber die neue Volksschullehrerausbildung den Bedarf cm jüdischen Lehrerrr zukünftig decken wird, ist eine Frage, die'auf alle Fälle sehr zweifelhaft ist. Ganz abgesehen davon, daß sich nicht viele junge Lehrer sinderr werden, die, nachdem sie eine akademische Ausbildung hinter sich haben, den Schochet aus einer kleinen Landgemeinde zu spielen gesorrrren sirrd. Arrch wird die iveitere Besoldungspoiitrk hier keine uritergeordrrete Rolle spielerr. Dazu kommt rroch, daß die pädagogi» scherr Akademien gerade jenen Wissensstoff, der für die Ausbildung des jüdischerr Religiorrslehrers, (ber jüdische Lehrer der Zukunft wird ja irr der Hauptsache Religionslehrer sein, da die noch wenigen bestehenden jüdischen Volksschrrlerr rroch weiter abnehmen), anr nötigsten ist, gerade anr stiesrrrütterlichsten behandeln, ich merrre die Ausbildrrrrg irr urrsercn jüdischen Disziplirrcir. So wird an der sinrrrltarrerr Akademie irr Frankfurt pro Woche 2 brs 3 Sturrden Religionsunterricht erteilt. Daß da gar rrichts erreicht werden karrrr, daß arrch die allergeringsteir Anforderungen, die rnarr an das jüd. Wissen eines jüdischen Lehrers stellen muß, rricht erfüllt werden körriren, steht außer jeder Frage. Der Reichsverband der jüdischen Lehrervereine in Deutschland — und wir haberr urrs irr rrrrserem Gutachten, das unser Landesverband v o rr rr n s eirrsorderte, ihm airgeschlossen —, hat sich deshalb auf den Standpunkt gestellt, daß die Arrsbildrrrrg der jüdischerr Lehrer rricht eine gleichartige der zukünftigen Volksschullehrer sein m u ß , sorrderrr daß sie eine gleichartige fein s o l l. Die jüdischerr Serrrirrare werden ebenfalls zu Akademien unrgestaltet, die Anforderurrgen, die an die Hörer gestellt werderr, siird dieselberr wie die, welche die andererr Äkaderrrien arrch verlarrgcn, rränrlich lljähriger Besuch einer höhererr Schrrle. Aber die Ausbildrrrrg au der Akademie selbst, ist für derr zrrküiistigeir Religionslehrer zugeschnitten; diejerrigen Fächer, irr welchen der jüdische Lehrer in feiner Amtstätigkeit garrz besonders vertraut sein muß, wie jüdische Religionswisseuschaft, werderr sich an diesen Anstalten einer besonderen Bevorzugung erfreuen. Ob diejenigen jüdischerr Lehrer, die in derr Volksschullehrerdienst treten wollen, ihre Ausbildung in solchcrr Anstalten finden körrrrerr, ob sie rricht gezwuirgerr sind, eine simultane Akademie zu Villeroy & Boch, Mainz ■■■■■■■■■■■ Keramische Werke A.-Q. Mosaiklager ■■■■■■■■■■■ Kaiserstraße 18 ★ Fernsprecher 728 SSeSSbSSSSS J2SS5S555SS Mettlacher Wand- und Fußbodenplatten ■SSS5SS2222 Feuertonwaren ★ Baukeramlk!■■■■■■■■■■ Kachelöfen und Kachelherde S55S555S555 Lieferung und Ausführung:! Tapeten:: Linoleum Alle Preislagen billigst. * Durch eigne Leger verlegt Christian SC HE PP » Darmstadt Soderstraße 19—21 Telefon 737 3

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