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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-09-01 · 9 (9.1928) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
9 (9.1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Verpflegung der Anstalt entspricht jeder religionsgesetzlichen und rituellen Forderung; die Verpslegungs- und Behandlungssätze stimmen etwa mit den in den anderen hiesigen Krankenhäusern üblichen überein. Bei der E i n w e i h u n g s f e i e r gab der Vorsitzende des Hospitalvereins, Herr Bankdirektor Eduard Simon, eine liebersicht über die Geschichte der Anstalt und des Neubaues und stattete allen, die am Zustandekommen des neuen Werkes beteiligt waren, den gebührenden Dank ab. Als Vertreter der Provinzialdirektion Rheinhessen beglückwünschte Herr Regierungsrat M. Oppenheim den Hosprtalverein zu dem schönen Werke, mit dem er sich um die leidende Bevölkerung ein Verdienst erworben habe. Herr Beigeordneter Laaff überbrachte für die Stadt Mainz mit dem Dank für bie unermüdliche Mithilfe der jüdischen Bürger an allen sozialen und humanitären Aufgaben Glückwünsche zu der neuen Schöpfung und sagte der Anstalt auch für die Zukunft das Wohlwollen und die Förderung der Stadtverwaltung zu. Herr Kommerzienrat Kronenberger bekundete in Vertretung des> verreisten Ersten Vorstehers der israelitischen Religionsgemeinde, des Herrn Kommerzienrat B. A. Mayer, die Mitfreude und jederzeit tatwillige Mitbereitschaft der gesamten israelitischen Religionsgemeinde für die Aufgaben des in seinem Wirken selbständigen Hospitalvereins und überbrachte gleichzeitig die Glückwünsche des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens. Auch die israelitische Religionsgesellschaft Mainz ließ durch ihren Vorsitzenden, Herrn Dr. S ch l e tz i n g e r , dem Hospitalverein Dank und Glückwünsche überbringen. Herr Kaplan Maurer, welcher eine regelmäßige Seelsorge an den Patienten des Hospitals ausübt, war erschienen, um im Namen der katholischen Geistlichkeit der Anstalt seine Glückwünsche zu der Eröffnung auszusprechen. Er erwähnte dankend, daß hier die Kranken aller Bekenntnisse in Menschlichkeit ihre ärztliche Hilfe und ihre Pflege fänden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Gott gefällige Geist der Hilfe auch fernerhin sich bewähren möge. Im Namen aller in Mainz bestehenden jüdischen Vereine ergriff sodann der derzeitige Präsident der Rhenusloge, Herr Rechtsanwalt Otto N e u m a n n , das Wort und brachte zum Ausdruck, wie sehr alle diese Vereine, die sich der Wohlfahrtspflege, der sozialen Hilfe und der geistigen Förderung der Menschen widmen, freudig anteilnehmen an dem vom Hospitalverein geschaffenen Werke. Er gibt der Versicherung Ausdruck, daß diese Vereine, die teilweise jetzt bereits zum Neubau finanziell beigetragen haben, auch in Zukunft, wann immer es Not tut, ihre Mithilfe nicht versagen werden. Der erste Vorsitzende des ärztlichen Kreisvereins Mainz, Herr Sanitätsrat Dr. Herzog, gab hierauf im Namen der Aerzteschaft der Freude Ausdruck, daß durch den Neubau eine erweiterte Stätte ärztlicher und sozialer Hilfe geschaffen worden sei und entwickelt den Zusammenhang zwischen geistlicher und medizinischer Hilfe in einer geschichtlichen Betrachtung. _ Er will im Seelsorger den Arzt und im Arzt den Seelsorger sehen und wünscht, daß an dieser Stätte großzügiger Hilfe Kleinlichkeit für alle Zeit vermieden bleibe. Hierauf gab der Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde Mainz, Herr Dr. L e v i, der Stunde und dem Hause die religiöse Weihe, indem er darauf hinwies, daß die Vollendung des Baues erst der Anfang der in ihm zu leistenden Arbeit sei. Alle Organisation sei nur ein Aeußeres, und ein Gebäude sei nur ein Gemäuer, solange nicht der menschliche mit persönlicher Selbst¬?. A. 3toss Nachf., Mainz Ludwigstrafte 22/10 / Fernruf 4107 * Gummiwaren * Bandagen aller Art Sämtliche Artikel zur Kranken- und Gesundheitspflege * Damen- und Herren-Bedienung Maßabteilung aufopferung wirkende Geist der Liebe in ihm wirke. „Durch Liebe wird die Welt erbaut", dieses Wort möchte er im neuen Haus, so lange es von Nöten ist, verwirklicht sehen. Aber jene strenge Drohung des biblischen Wochenabschnittes „Ein Haus sollst du bauen, und du sollst nicht darin wohnen", wäre wohl der ideale Wunsch, durch welchen aller Krankheit und aller Not, deren Bekämpfung dieses Haus gewidmet ist, ein recht baldiges Ende gesetzt wäre. Er flehte den Segen Gottes über das Haus hernieder und wünschte, daß Gläubigkeit und Liebe alle Zeit den Bau erfülle. Der Chefarzt des Krankenhauses, Herr Dr. W a g s ch a l, und die Oberschwester, Oberin Betty B e r n st e i n , führten hierauf die Schar der Gäste, unter welchen wir u. a. Herrn Kreisarzt Medizinalrat Dr.Schäffer, Herrn Stadtmedizinaldirektor Dr. Rosenhaupt, zahlreiche Vertreter der Aerzteschaft, der Krankenkasse und Apotheker sahen, durch die Räume des Hauses und gaben Erklärungen über dessen Einrichtung. So steht nun dieses Gebäude an der Gonsenheimer Straße als ein Merkzeichen neuzeitlicher Hilfsbereitschaft im Dienste der Menschheit. Wenn der Hospitalverein, der vor dem Kriege ein schuldenfreies und durch Stiftungen gesichertes Anwesen besaß, durch das neue Werk eine große Schuldenlast auf sich genommen hat, nachdem die Stiftungswerte in der Inflationszeit geschwunden waren, so braucht man bei der allzeit bewährten Opferbereitschaft der Mainzer Gemeindemitglieder um die Zukunft des neuen Werkes sich keiner Sorge hinzugeben. Das Vermächtnis eines nach Amerika ausgewanderten und dort gestorbenen früheren Mainzer Gemeindemitgliedes, des Herrn Lehmeyer, hatte in etwa 20 000,— RM, den ersten Anlaß zum Neubau gegeben, der israelitische Krankenverein der Aeltere, der Waisenverein und die Rhenusloge hatten Beiträge geleistet; wir hoffen, daß solche Gaben auch in Zukunft für die Zwecke des Hospitalvereins bereitgestellt werden. Abschied eines Lehrerveteranen. Ein Segen ruht im schweren Werke, Dir wächst, wie du's vollbringst die Stärke, Bescheiden zweifelnd fingst du an, Und stehst am Ziel als ganzer Mann. So war es, neben diesem Bilde stehend, auf einer formschönen Einladung zu lesen, mit der der Vorstand der Gemeinde Worms deren Mitglieder zu einem festlichen Abschiedsgottesdienst am Samstag, den 25. August, gebeten hatte. Galt es doch, einen Beamten zu ehren, dessen Verdienste nicht besser hätten gekennzeichnet werden können, als mit den vorstehenden Dichterworten Em. Geibels. Gesundheitshalber trat Herr Julius Rosenthal vom Amte eines Kantors zurück, nachdem er dasselbe 40 Jahre innehatte. Durch vortreffliche Eigenschaften, insbesondere Eifer und Pflichttreue, Pünktlichkeit und Kenntnisse, Bescheidenheit und entgegenkommendes Wesen zeichnete er sich aus; ja, sein persönliches Verhalten war derart einnehmend, daß er alle Gemeindemitglieder ausnahmslos seine Freunde nennen kann. Die würdige Ausgestaltung des Festgottesdienstes war deshalb allen, die sich damit zu befassen hatten, eine Herzenssache. Reicher Blumenschmuck zierte die Synagoge, und für die große Beliebtheit des Scheidenden sprach schon äußerlich die überaus starke Beteiligung, nicht allein durch Gemeindemitglieder, sondern auch durch viele Angehörige anderer Konfessionen. Nach Einholen des Gefeierten durch Vorstandsmitglieder und Geleiten 7

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