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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-08-01 · 8 (8.1928) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
8 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Eingesandt. Wie ich durch einen unvorhergesehenen Aufenthalt zu einer seltenen Mizwoh kam! Aus der Fahrt nach dem Schwarzwald benutzte ich den Frühschnellzug Maiuz-Karlsruhe-Rastatt, um von letzterer Station aus die neu erössnete direkte Bahnlinie Rastatt-Freudcnstadt zu befahren. Meine Annahme, das; der direkte Schnellzug auch cm diese Linie sofort Anschluß haben würde, war insofern falsch, da ich erfahren mußte, daß der Zug nur bis Gernsbach fahre. Ich war deshalb genötigt, in dem schön gelegenen Gernsbach mich^aufzuhalten, die Gelegenheit benutzend, eine mir bekannte Familie Dreifuß zu besuchen, und wurde mir anläßlich meines Besuchs mitgeteilt, daß am Nachmittag die nenerbante Synagoge eingeweiht würde. Durch die Liebenswürdigkeit der Familie D. wurde mir noch eine Einlaßkarte zur Feier zur Verfügung gestellt, und so hatte ich die große Freude der Synagogenweihe beizuwohnen. Die Synagoge war von einer großen Anzahl fremder Gäste, Regierungsvertretern, Geistlichen beider Konfessionen und geladenen Gästen überfüllt. Nach der Predigt des Bezirksrabbiners, Herrn Dr. Zlocisti, und der Ansprache des Herrn Konferenzrabbiners Dr. Zimels, als Vertreter des badischen Oberrats der Israeliten, sprachen die Geistlichen beider Konfessionen, so auch der Vertreter der badischen Regierung, der Stadtverwaltung von Gernsbach. Es machte ganz besonders auf die fremden Gäste einen erhebenden Eindruck, daß in dem netten Städtchen Gernsbach unter den sämtlichen Konfessionen Friede und Eintracht herrscht, was durch die Ansprachen der katholischen und evangelischen Geistlichkeit zum Ausdruck gebracht wurde. Hervorgehaben seien die wundervollen Gesänge des Synagogenchors van Weinheim a. d. B., der dazu beigetragen, die Feier zu einer glanzvollen und erhebenden zu machen. Durch die eifrige Bemühung der Frau Dreifuß wurden Gelder gesammelt, und so konnten am Tage der Weihe der Synagoge zwei herrliche B r o ch a u s der Gemeinde im Namen der Stifterinnen übergeben werden, eine kunstvolle Arbeit, die der liefernden Firma B. Grünebaum in Kassel alle Ehre macht. Es sei hervorgehoben, daß die israelitische Gemeinde Gernsbach sich nur aus zirka 14 Familien zusammensetzt. Daran können sich die kleineren Landgemeinden auch in Hesse n ein Beispiel nehmen, was Opferwilligkeit selbst in kleinen jüdischen Gemeinden vermag. Tie Synagoge ist ein prachtvoller Bau, errichtet durch den Architekten Herrn Dr. Fuchs. Das Gotteshaus steht auf einem der schönsten Plätze von Gernsbach und gereicht zur Zierde der Stadt. Möge das neu geweihte Gotteshaus ein Ansporn geben, den Zusammenhalt der' Judenschaft zu fordern zur Ehre Gottes auch in religiösem Sinne! Oppenheimer, Gau-Bickelheim. Verbände und Vereine. Zu einer zahlreich besuchten Sitzung waren die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" im Anschluß an die letzte Sitzung des Wohlfahrtsausschusses des Preutzischen Landesverbandes zusammengekommen. Durch ^den Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Seeligsohn wurde über den 'o t a ti b der Erziehungsberatung für schwer erziehbare und psychopathische Kinder in den einzelnen jüdischen Gemeinden und über die weiteren Pläne zum Ausbau derselben berichtet. Richtlinien hierfür lagen der Arbeitsgemeinschaft in zwei Entwürfen vor; diese sollen demnächst nach einer weiteren Beratung der Kommission für Psychopathenfürsorge den einzelnen jüdischen Gemeinden zugehen. Eine rege Aussprache entspann sich über die Mitarbeit der jüdischen Wohlfahrtspflege bei der Sozialen Gerichtshilfe. Diese neue Einrichtung ist in den einzelnen Städten ganz verschiedenartig organisiert. Wer auch immer aber der Träger sein mag, ist anzustreben, daß jüdische Fälle grundsätzlich den jüdischen Wohlfahrtsstellen, sowohl zum Zwecke der Ermittlung als auch zur Uebernahme der Schutzaufsichten überwiesen werden, lieber Wesen und Aufgaben der sozialen Gerichtshilfe im einzelnen und der Mitarbeit der jüdischen Wohlfahrtsämter wird demnächst besonders berichtet. ■— Mit besonderem Interesse wurde der Bericht des Hilfsvereins der deutschen Juden über die Ueberwachung der Auswanderung entgegengenommen. Eine Zusammenarbeit zwischen dieser Tätigkeit, der Bahnhofshilfe des jüdischen Frauenbundes und der örtlichen Wohlfahrtspflege scheint zur Intensivierung der Arbeit erforderlich zu sein. Schritte hierzu werden daher im Laufe des Winters in die Wege geleitet werden. — Wie aus einem weiteren Bericht über den Stand der Zusluchts - und Bewahrungsheime hervorging, bestehen im Augenblick Zufluchtsheime bzw. Einzelzimmer für vorübergehende Aufnahme von Frauen und Mädchen 4 in: Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Leipzig. Ludwigshafen, Miinchen, Neustadt a. d. Hdt. Die Schaffung von Zufluchtsheimcn für männliche Jugendliche wird als eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft in Angriff genommen werden. — In der Aussprache wurden schließlich noch Vorschläge über die Errichtung eines Bewahrungsheimes gemacht. Zur Förderung des Planes einer gemeinnützige» jüdischen Ehevermittlungsstelle hat sich ein Komitee aus folgenden Mitgliedern gebildet: Frau Dr. M. Adler, Aerztiu, Kölu; Wolfgang Auerbach, Frankfurt a. M.; Moritz Bayer, Kultusvorstand, Aschbach bei Bamberg; Benno Basch, Magdeburg; Justizrat Tr. Blau, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Frankfurt a. M.; Landrabbiner Dr. Blum, Emden; Rabbiner Dr. Tienemanu, Offenbach a. M.; Dr. Ehrenreich, Arzt, Köln-Ehrenfeld; Rabbiner Dr. Halperson, Breslau; Prof. Tr. Hanauer, Frankfurt a. M.; Fritz Hirsch, Ladenburg a. N.; Frau Hauptlehrec Kaufmann, Gelsenkirchen; M. Markreich, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Bremen; Sanitätsrat Dr. Ries, Stuttgart; Tr. Franz Rosenzweig, Frankfurt a. M.; Frau Edith Rosenzweig, Frankfurt a. M.; Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Unna, Mannheim. Die Mitglieder des Komitees sind bereit, Anmeldungen zur Mitgliedschaft entgegenzunehinen. Als Mindestjahresbeitrag ist RM. 5,— vorgesehen. Bereits sind eine Anzahl Anmeldungen eingegangen. Um weitere Anmeldungen, auch vou Korporatiouen, wird dringend gebeten, damit der Verein baldigst gegründet werden und seine- Tätigkeit entfalten kann. Wie groß das Bedürfnis nach einer derartigen gemeinnützigen Einrichtung ist, ergibt sich daraus, daß schon jetzt auf die Ankündigung einer beabsichtigten Griindung hin bereits zahlreiche Zuschriften jüdischer Männer und Mädchen erfolgt sind, die bereit sind, sie in Anspruch zu nehmen. Erfreulicherweise wächst überall unter den Juden das Interesse^ für ihre Vergangenheit. Neben den Bestrebungen, die sich darauf richten, die Erforschung der jüdischen Familie durchzuführen, verdienen besonders jene anderen Berücksichtigung, die cs sich zur Aufgabe machen, die Ueberreste vergangener Zeiten zu sammeln. Aus diesen Gründen hat sich in Breslau ein Verein „Jüdisches Museum E. V." gebildet. Sein Ziel ist: Die Sammlung und Aufbewahrung von Gegenständen und deren Abbildungen aus dem Gebiete des jüdischen Kultus. Ebenso will er Archivalien, Altertümer, Handschriften und Druckwerke, die sich auf das Judentuiu beziehen, sammeln und — vor allem sie der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Ter israelitische Landes-Lehrervereiu im Volksstaate Hessen hält am Sonntag, den 26. August 1928, vormittags 11 Uhr beginnend, im Festsaale der Synagoge zu Offenbach seine diesjährige Generalversammlung ab. Notiz. Wir beabsichtigen in der nächsten Nummer unseres Mitteilungsblattes, das noch vor den Feiertagen erscheinen wird, eine namentliche Zusammenstellung derjenigen Familien und Einzelpersonen zu geben, die ihre Glückwünsche zu nJirn itki abzulosen wünschen und berechnen pro Namen 8.— M. Wer sich Schreibarbeit und Portoausgaben für Gratulationen ersparen und dabei ein gutes Werk vollbringen will, wende sich daher gefl. rechtzeitig an die Schriftleitung. Gemeinnützige Institutionen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mainz, die au dieser Stelle für die in der Zeit vom ^Astil bis 31. Juli d. Js. ihr zugeflossenen Spenden in Geld, Beklewungs- und Wäschestücken dankend quittiert, bittet, auch in Zukunft ihrer zu gedenken um deu an sie herantretenden, vielseitigen Wünschen stets entsprechen zu können; sie ist auf Wunsch gern bereit, die ihr zugedachten Gaben abzuholen. Abt Frau B. Wwe. Altschul Frau E. Wwe. Berney Gustav Blättner David und Ludwig Blum Frl. Rosa Deutsch Jakob Deutsch Frau Sally Wwe. Dreh Dr. Leopold Feist Frl. E. Friedmann L. Fröhlich Manfred Fuld Dr. Ludwig, Justizrat Gärtner Willy Guttmann Arthur Hanau & Co. Hecht Fritz

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