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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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2. Die nichtpreußischen Landesverbände wollen dafür Sorge tragen, daß die Bestimmungen der Judengesetze in den einzelnen Ländern einem modernen Jugendwahlrecht entsprechen, insbesondere die Wahlfähigkeit mit dem 20. Lebensjahre beginnen lassen, sowie Zensus und Karenzzeit abschasfen. 3. Falls die geforderten Aenderungen von den zujtändigen Landesverbänden nicht durchgeführt werden, wird von den Synagogengemeinden gefordert, daß sie ihnen freigestellte Verschärfungen der Bestimmungen über Wahlalter, Karenzzeit usw. nicht durchführen. Im Falle das Gemeindestatut Bestimmungen enthält, die den Forderungen des Verbandes widersprechen, wird von den Gemeinden gefordert, daß sie unverzüglich eine Satzungsänderung vornehmen. 4. Der VJJD. erwartet von sämtlichen Parteien der Landesverbände und Gemeinden, a) daß sie ihren ganzen Einfluß für eine Neuregelung im Sinne der Forderungen des VJJD. einsetzen, d) daß sie bei der Aufstellung von Kandidatenlisten flir Landesverbände und Gemeinden Vertreter der Jugend an aussichtsreicher Stelle nominieren. 6. Der VJJD. spricht die Erwartung aus, daß die jüdischen Körperschaften, die die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorbereiten, alles daran setzen werden, um in kürzester Zeit eine demokratische Gesamtvertretung der deutschen Juden zu erreichen." In der geschlossenen Delegiertentagung wurde die neue Satzung des Verbandes beraten. Der neu gefaßte Tendenzparagraph: „Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands erzieht auf der Grundlage einer umfassenden Neutralität die in ihm vereinigte Jugend zu bewußtem Judentum in gesamtjüdischem Denken und Wollen und im Geiste staatsbürgerlicher Gesinnung" wurde einstimmig angenommen. Die Schaffung eines Kulturamtes wurde befchlossen und die Richtlinien für die Junggruppenleitung genehmigt. Der Kassenbericht und der neue Etat sind nach längerer Debatte angenommen worden. Dem scheidenden Verbandsvorstand wurde per Akklamation Entlastung erteilt. Die Neuwahlen des Vorstandes und des Beirates hatten folgendes Ergebnis: Leitung: Dr. Hugo Hahn, Essen (1. Vorsitzender); Assessor Herbert Felsenthal, Düsseldorf (2. Vorsitzender); Fritz Schwarzschild, Düsseldorf (geschäftssührender Vorsitzender); Karl Goeritz, Chemnitz (Schatzmeister); Dr. Klein, Düsseldorf (Schriftleiter des „Jugendbund"); Waldemar Strauß, Berlin; Vorstand : Elsbeth Capell, Düren; Assessor Dr. Einstein, Stuttgart; Hans Friedberg, Karlsruhe; Jrvin Eppstein, Saarbrücken; Referendar Aribert de Jonge, Duisburg; Alice Kovacs, München; Referendar Dr. Hans Karger, Görlitz; Rechtsanwalt Dr. Hermann Lehmann, Bremen; Lehrer Jaques Raphael, Beckum. Unter der begeisterten Zustimmung der Versammlung überreichte der neue 1. Vorsitzende Dr. Hahn, Essen dem bisherigen Verbandsvorsitzenden Dr. Klein, Düsseldorf als äußeres Zeichen der Dankbarkeit für die hingebungsvolle Aufbauarbeit eine künstlerische Plakette. Als Abschluß der Tagung sprach Rabbiner Dr. Hahn über „Die jüdische Jugend im Weltjugendbund". Beste jüdische Ueberlieferung fordere von dem jüdischen Menschen die Mitwirkung an allen Werken der Zusammenarbeit der Menschheit. Der Jugend falle die Aufgabe zu, zur Sicherung des Friedens jüdische Werte im Weltjugendbund zu verwirklichen und den Weg zur Versachlichung der Friedensarbeit zu finden. Die jüdische Jugend müsse den Weg über die eigene Problematik hinaus in dem Zusammenwirken und im Zusammengehen mit anders gearteter Jugend suchen, um dort ihre Idee der Brüderlichkeit der Menschen zu verwirklichen. Der Düsseldorfer Sprechchor sprach „Stimmen der Jugend von Broger und mit herzlichen Dankesworten an alle Helfer der Tagung, besonders an Kurt und Elsa Hirschel, schloß der Vorsitzende diese bedeutsame Tagung jüdischer Jugend. Im Anschluß an die Dresdener Tagung des Jüdischen Jugendverbandes folgten 130 Delegierte aus 62 Bünden der Einladung der drei Prager UOBB.-Logen und der Herdervereinigung, des Prager Jugendbundes. Ein Begrüßungsabend vereinte etwa 400 Personen im Festsaal des Prager Logenhauses. Den herzlichen Begrüßungsworten des Präsidenten der Herdervereinigung, Dr. Bondy, folgte ein Vortrag des Konrektor der deutschen Universität, Professor Dr. Steinherz, über „Das jüdische Prag". Namens des Jugendverbandes und der Gäste dankte Fritz Schwarzschild für die außerordentliche Gastfreundschaft und bezeichnete diesen Besuch jüdischer Jugend aus Deutschland als den ersten Schritt auf dem Wege zur Schaffung enger Beziehungen zwischen jüdischen jungen Menschen über die nationalen Grenzen hinaus. Ein frohes Mahl, gewürzt durch die Begrüßungsreden der Delegierten der Logen, hielt Gastgeber und Gäste noch lange zusammen. Die glänzende Vorbereitung ermöglichte es, innerhalb der zwei Tage ein umfassendes Bild des schöiien Prag und vor allem seiner jüdischen Stätten zu vermitteln. Die durch diesen Besuch angeknüpften freundschaftlichen Beziehungen sollen durch eine möglichst enge Zusammenarbeit in der nächsten Zeit schon vertieft und ausgebaut werden. Die Prager Reise hat bei allen Teilnehmern dank der Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Prager einen tiefen Eindruck hinterlafsen. Die Ziehung unserer Wertlotterie zur Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben wurde endgültig auf den 20. September hinausgeschoben. Wer ein Liebeswerk bedeutendster und dringlichster Art fördern und sich gleichzeitig die Möglichkeit von Gewinnen erlesenster und kostbarster Art sichern will, möge Lose bestellen, die erhältlich sind: in Frankfurt a. M., Holzgraben 2, 2. St. Am 29. und 30. Mai fand in Berlin die Hauptversammlung des Rabbiner-Verbandes in Deutschland statt. Die Sitzung am 29. Mai, die nur für den Vorabend berechnet war, war eine geschlossene. In ihr wurden die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt. Rabbiner Dr. Dienemann ersiattete den Geschäftsbericht, wiederholte was seitens des Verbandes zugunsten der Kollegen im Laufe der Berichtsperiode geschehen ist und in welcher Weise der Rabbinerverband mit Forderungen und Anregungen ideell religiöser Ar5 an die Öffentlichkeit getreten ist. Er wies insbesondere auf den Aufruf hin, der zu den hohen Feiertagen erlassen worden war und der allgemein günstige Wirkungen erzielt hat. Er erörterte sodann die mit der neuen Besoldungsreform und der veränderten Gruppeneinteilung verbundenen Fragen. In der Diskussion wurde besonders erörtert die Frage des normalen Anstellungsvertrags und die damit in Zusammenhang stehende Frage der Revision des preußischen Judengesetzes. Irr dieser Sitzung wurde die Wahlkommission eingesetzt, die die Neuwahl zu leiten hatte. Die Zusammensetzung des Zentralausschusses wurde von ihr in die Wege geleitet. Die Versammlung wählte zum Vorsitzenden und zum stellvertretenden Vorsitzenden die bisherigen Leiter Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt a. M. wieder. Die Sitzung vom 30. Mai, die früh um 9 Uhr begann, war eine öffentliche. Der Vorsitzende begrüßte zunächst die erschienenen Rabbiner — es waren ungefähr einhundertzwanzig — die Vertreter der Behörden, die Rabbiner, die als Gäste aus den Nachbarstaaten anwesend waren und die sonstigen Vertreter der geladenen Körperschaften und Organifationen. Er gedachte der während der Berichtszeit dahingefchiedenen Rabbiner. Namens des preußischen Landesverbandes und einer Reihe von anderen Körperschaften begrüßte Professor Türk die Versammlung, im Namen der jüdischen Gemeinde das Vorstandsmitglied Direktor Kareski, namens der Theolog. Lehranstalten und namens der Logen Dozent Dr. Lewkowiz. Die sämtlichen Redner gaben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß der Rabbinerverband in öffentlicher Sitzung Probleme des öffentlichen Lebens der Gegenwart anpacke. Das Reichsministerium des Innern und das preußische Ministerium für Volksbildung haben die Versammlung schriftlich begrüßt. Für die öffentliche Sitzung war das Thema gewählt „Die Forderung des Judentums für die Gestaltung des Lebens". Bei der Auswahl des Themas war die Absicht vorwaltend, das Recht und die Pflicht des Judentums deutlich heraus zu sagen, von seiner Idee aus auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens Einfluß zu nehmen, weil das im Sinne und in der Aufgabe des religiösen Empfindens liegt. Der erste Redner, Rabbiner Dr. Lewkowiz, Berlin sprach über wirtschaftliche Ethik, er fetzte sich mit der Frage des Kapitalismus und des Sozialismus auseinander. Insoweit dem Kapitalismus alles nur Mittel zum Zweck der Erzielung höchstmöglichster Rentabilität ist, stellte er ihm die jüdische Idee von dem Eigenwert der Persönlichkeit, den Humanitätsgedanken, gegenüber, und insoweit Sozialismus den Eigenwert des Individuums trübt und vernichtet, stellte er auch ihm die jüdische Ethik gegenüber, die, mag sie noch so sehr den sozialen Charakter des Menschen betonen, die Eigenart des Individuums aufrecht erhalten will. Das zweite Referat hatte Rabbiner Dr. Salzberger, Frankfurt über Bodenreform. Er entwickelte die alte jüdische Gesetzgebung über den Bodenbesitz und die Besitzveränderung an Boden und führte in längerer fachlicher Darstellung aus, wie notwendig es sei auch als Forderung der jüdischen Ethik alle Bestrebungen zur Rückkehr zum Boden zu unterstützen und zu pflegen. Als dritter Referent sprach Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseloorf über Bevölkerungspolitik. Er ging aus von dem in der Gegenwart nicht zu verkennenden Pessimismus, der sich in der Beschränkung und der Verhütung der Geburten zeigt, wies nach, wie 9

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