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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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<1) Beiträge zur Erklärung des jüdischen Schrifttums, c) Aufsätze zur Rechtsbelehruug. Es wird ferner als dringend erwünscht ausgesprochen, nach Möglichkeit Gemeindeblätter auch in die kleinen und kleinsten Gemeinden zu senden, insbesondere sollen in weitgehendem Matze auch Rabbinern und Lehrern auf ihren Wunsch Gemeindeblätter zur Verfügung gestellt werden. Es wird Einmütigkeit darüber festgestellt, datz im Gemeindeblatt auch Nachrichten aus dem gesamten jüdischen Leben veröffentlicht werden sollen. Zur Frage der Veröffentlichung von Austritten aus der Gemeinde wird festgestellt, datz diese Frage den örtlichen Verhältnissen entsprechend verschiedenartig zu behandeln sei. Jedenfalls wird von mehreren Herren darauf hingewiesen, datz mau mit gutem Bedacht grundsätzlich von solcher Veröffentlichung abgesehen habe. Auf Anregung des Herrn Landesrabbiner Dr. Walter wird ferner beschlossen, den Versuch zu machen, mit einer Anzeigenexpedition in Fühlung zu treten um festzustellen, unter welchen geschäftlichen Modalitäten es möglich sei, Anzeigenaufträge für alle angeschlossenen Gemeindeblätter gleichzeitig zu beschaffen. Angeregt wird auch ein Zusammenschluß der Schriftleiter, der besonders dann notwendig sei, wenn die Gemeinden ihre Zustiminung an der geplanten Interessengemeinschaft versagen sollten. Rabbiner Cohn bringt ein Schreiben der Jüd. Telegraphen- Agentur zur Verlesung, worin diese bittet, datz die Gemeindeblätter in größerem Umfange als es bisher geschehen ist, den Nachrichtendienst der „Jta" zu beziehen. Von verschiedenen Seiten wird die Höhe der Bezugsgebühren als Grund dafür ausgesprochen, daß man auf die Nachrichten nicht abonniert sei. Nachdem wiederholt Herrn Rabbiner Cohn aus der Versammlung heraus für die Vorbereitung und Durchführung der Zusammenkunft gedankt worden ist, dieser für die Mitarbeit der Teilnehmer seinen Dank ausgesprochen hat, wird gegen 2 Uhr die Sitzung geschlossen. Am Nachmittag trafen sich die meisten Teilnehiner bei einer Führung durch die jüdische Ausstellung der Pressa. Aus unseren Verbandsgemeinden. Mainz. Verreist vom 5. Juli bis 3. August d. I. Rabbiner Tr. Levi, Mainz. Vertreter: Rabbiner Tr. Lazarus, Wiesbaden, oder bis 15. Juli Dr. Holzer, Worms; ab 17. Juli Dr. Dienemann, Ofscnbach. Worms. Ich bin vom 16. Jnli bis 6. August d. I. verreist. Rabbiner Dr. Holzer. Vertreter: Herr Rabbiner Dr. Lewit, Alzey und Herr Rabb. Tr. Tienemann, Offenback. Oberolm. Am 9. Juli begiug Frau Biua Abraham. Ehefrau des verstorbenen Ludwig Abraham, im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihren 70. Geburtstag bei voller körperlicher und geistiger Frische. Wallertheim. Herr E m i l I s a a e wurde zum ersten Vorsteher unserer Kehillo wiedergewählt und vom Kreisamt Oppenheim als solcher bestätigt. Der Vorstand setzt sich nunmehr zusammen aus den Herren: Emil Jsaae, 1. Vorsitzender, Aug. Baum und Jsaac Oppenheimer, Beisitzer. Verbände und Vereine. Tie 7. ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands in Dresden, über die wir schon kurz berichteten, hat in allen Kreisen des deutschen Judentums große Beachtung gefunden. Es war nicht nur der geistige Gehalt, auf den wir in folgendem näher eingehen werden, sondern vor allen Dingen der stark spürbare inenschliche Zusammenhang, welcher diese große Zusammenkunft jüdischer Jugend zu einem besonderen Ereignis gestaltete. In der von künstlerischen Darbietungen umrahmten Erösfnungsfeier sprach Rabbiner Dr. Albert Wolf, Dresden, Worte der Weihe. Nach Begrüßungsworten des Verbandsvorsitzenden Tr. Klein, Düsseldorf entboten Rechtsanwalt Sulinger, Dresden namens des Gemeindeverbandes Sachsen, Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, namens der Grotzloge UOBB., Dr. Ludwig Tietz, Berlin für den Neichsausfchutz der jüdischen Jugendverbänöe und Heinrich Guttmann, Chemnitz namens des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Jugendvereine der Tagung herzliche Grütze und Wünsche. 8 Rabbiner Dr. Max Wiener, Berlin sprach sodann über „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit". Er ging von der Feststellung aus, datz die jüdische Religion über alle Besonderheiten parteimäßig getrennter Auffassungen hinweg das Leben von innen nach außen betrachte und Verwirklichung einer Gesinnung, den Willen zur Ausführung und Wirklichkeitsgestaltung verlangt. Die Folge der Erziehung der jüdischen Religion sei, datz der Jude im Leben besonders aktiv werde. Man könne heute keinen Dualismus mehr zwischen Wirklichkeit und Idee anerkennen. Es gebe keine Wahrheit ohne Wirklichkeit, das heißt Wirksamkeit. Aus dieser Erkenntnis müsse man die notwendigen Folgerungen ziehen, es gelte Klarheit zu gewinnen über das, was ist, um sich entscheiden zu können, und das scheine ihm auch als die Aufgabe, die sich aus der Tendenz des Verbandes ergebe. Unsere Neutralität sei einmal der Ausdruck vou Besonnenheit, die vor dem Urteilen lernen will, dann aber vor allem Frucht des Glaubens, daß es e i n wurzelhaft Jüdisches gibt, ein Positives als die Voraussetzung des K'lal. Was wir in unserem Bunde wollen sei, uns zu dem Gedanken der Einheit der jüdischen Weltgemeinde zu bekennen und uns selber zu erziehen. Aus innerer Ueberzeugung heraus wollen wir die Zelle zur Bildung eines einheitlichen Judentums sein, wollen lernen und uns bilden, aber vor allem, um wirken zu können. Herbert Felsenthal, Düsseldorf, forderte in fernem Referat „Die Arbeit in den Bünden" die Festsetzung eines Erziehungsmindestprogramms aus der Erkenntnis, datz der Verband und seine Bünde ein einheitliches Gebilde seien, das eine einheitliche Erziehungslinie verlangt. Das Erziehungsmindestprogramm müsse von der Voraussetzung ausgehen, datz jedes Bundesmitglied während seiner aktiven Zeit mit allen der jüdischen Gemeinschaft imanenten Fragen in Berührung kommt. Das Minimalprogramm soll zum mindesten das Verständnis jüdischer Gegenwart und das Gefühl der unlösbaren Verbundenheit mit allen Erscheinungsformen des jüdischen Lebens bringen. Als unerläßliche Punkte dieses Programms erscheinen ihm: der Gottesdienst, das Fest, das Haus, die Gemeinde, die Parteien, die Organisationen der Juden in Deutschland, die jüdische Heimstätte in Palästina, das jüdische Volkstum außerhalb Deutschlands, ebenso wie dienichtnur jüdischen Fragen: Staat, Erziehung, Wirtschaft. Weiter forderte er die Einrichtung von drei Kreisen der Arbeit: den Werbekreis, den weiteren oder Arbeitskreis und den engeren Kreis oder die Gilde. Der Werbekreis stellt die Verbindung des Vereins mit der Oeffentlichkeit da; der Arbeitskreis dient der Verwirklichung des Erziehungsmindestprogramms; der engere Kreis oder die Gilde dient den: doppelten Zweck des Lehrens und Lernens, das heißt, der führerischen Arbeit im weiteren Kreis ohne Begrenzung auf einen bestimmten Bund. Nur durch eine solche einheitliche Erziehungslinie in den Bünden, beginnend bei der Junggruppe, dre in gleicher Richtung aber mit anderen Mitteln arbeitet, sei im Geiste unserer Idee ein einheitliches Erziehungsergebnis zu erwarten. Dr. Julius Herzfeld, Essen ging in seinem Referat „Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde" von der Erwägung aus, daß die Arbeit in den Bünden notwendigerweise die Mitarbeit in den Gemeinden zur Folge haben müsse. Der Jugend müsse aber durch die Gemeindegesetzgebung die Möglichkeit praktischer Mitarbeit gegeben werden; deshalb sei zu forderu, datz in bezug auf das aktive und pafsive Wahlrecht in den Landesverbänden und Gemeinden die weitestgehende Anpassung an die entsprechenden Bestimmungen der Reichsverfassung gesichert werden. In der Frage der Karenzzeit müsse nach Würdigung aller Bedenken ein Zeitraum von 6 Monaten als vollauf genügend angesprochen werden. Erst diese Voraussetzungen machten die praktische Mitwirkung, vor allem auch an den sozialen Aufgaben der Gemeinderl seitens der Jugend möglich. An der Schaffung einer auf breitester demokratischer Grundlage gewählten Gesamtvertretung der deutschen Juden sei die jüdische Jugend aufs lebhafteste interessiert. Jii einer vielstündigen Debatte wurden die Anregungen und Forderungen der Referate, wie auch die Wege der bisheriger! Bundesarbeit einer eingehenden Kritik unterzogen. Hinsichtlich der Erziehungsarbeit des Verbandes kam der Wunsch nach Jniensivierung und Ausbau allseitig zum Ausdruck. In bezug auf die Stellung des Verbandes zu den Fragen der Judengesetzgebuug gelangte folgender Antrag Felfenthal-de Jonge mit Stimmenmehrheit zur Annahme: „1. Der Preußische Laudesverbaud jüdischer Gemeinden wolle in dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen, unverzüglich folgende Entschließung aufnchmen: a) Die Wahlfähigkeit beginnt ruit dern vollendeten 20. Lebensjahre. Ist Die Wahlfähigkeit und Wählbarkeit dürfen nicht von einer Karenzzeit abhängig gemacht werden.

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