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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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auch in der älteren Geschichte des Judentums Perioden eines solchen Pessimismus vorchnnden waren und überwunden wurden. Er wies darauf hin, daß über alle wirtschaftlichen Gründe hinaus letztlich eine Aenderung des Willens in diesen Dingen nur zu erzielen ist durch die lebenbejahende Auffassung, die aus einer wirklich inneren Religiosität quillt, aus der das Vertrauen und die Zuversicht erwachsen. Ein Korreferat zu den sämtlichen Referaten erstattete Rabbiner Dr. Arthur Levy, Berlin. Auch er betonte den Primat des Menschen vor der Wirtschaft und hob mit besonderem Nachdruck das Recht auf den Sabbat als Parallele des Rechtes auf die Arbeit hervor. In der Diskussion wurden Stimmen laut, daß die Probleme des deutschen Judentums angesichts der gerungen Zahl, die das deutsche Judentum innerhalb der Gesamtjudenheit darstellt, als nicht von höchster Wichtigkeit zu betrachten seien. Dem gegenüber wurde auf die Führerrolle des deutschen Judentums hingewiesen. Die Diskussiori bot ein deutliches Bild von den mancherlei Fragen persönlicher Lebensgestaltung, die dem Rabbiner in der Seelsorge und in der Kleinarbeit des Tages eritgegentreten, vor allem voii den Problemen der Sabbatheiligurrg uiid der Sexual- Ethik. Es lag im Wesen einer solchen Diskussion, daß sie keine Lösung aufstellen konnte, sonderri mir ein ernstes Ringen mit den Problemen bedeutete. Zum Schluß erstattete Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt den Bericht über die Tätigkeit des sozialen Ausschusses. Er gab seiner Freude Ausdruck über die Errichtung sozialer Kurse an den theolog. Lehranstalten. Seine Ausführung begann und schloß mit dem Wort des Propheten „Das Verlorene suche ich, das Kranke heile ich." Ter Jüdische Frauenbund, Verband Berlin, Berlin N 24, Monbijouplatz 10, berichtet uns folgendes aus dem Mädchenwohnheim II, Auguststraße 17 (Studentinnenheim). Das Heim, das seit 1925 besteht und das einzige in Berlin bestehende jüdische Wohnheim für das in der Ausbildung begriffene Mädchen ist, hat sich im vergangenen Jahre von 10 auf 12 Plätze vergrößert. In der Zeit vom 1. April 1927 bis 1. April 1928 wohnten insgesamt 20 Mädchen im Heim, die sich zu folgeiiden Berufen vorbereiteten: Apothekerin (1), Bibliothekarin il), Fürsorgerinnen (5), Haushaltungsschülerin (1), Heilgymnastik (1), Hortnerinnen (2), Kunstgewerblerin (1), Jugendleiterin il), Laborantin (1), Lehrerin (1), Putzmacherin (1), Schneiderin (1), Studentin der Medizin (1), Studentinnen der Philologie ,2). Der Pflegesatz beträgt bei voller Pension 80 Mark monatlich. Tie Zimmer werden jeweils von 2 jungen Mädchen geteilt. Aus den zahlreichen Anfragen schließen wir, daß das Heim einem starken Bedürfnis entgegenkommt. Auskunft erteilt der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin X 24, Monbijouplatz 10. Bücherschau. Religion oder Illusion? Eine Auseinandersetzung mit dem jüngsten Buche Prof. Sig. Freuds: „Die Zukunft einer Illusion", von Medizinalrat Dr. Heinrich Haase. Wien und Leipzig 1928, br. Verlag Moritz Perles. Man )nag zur psycho-analytischen Forschung stehen, wie man will, sicher ist, daß die psycho-analytische Wissenschaft eine Fülle von neuen Erkenntnissen gebracht hat, die bahnbrechend gewirkt haben auf allen Gebieten der modernen Kultur. Was nun die Religion anbelangt, hat der geniale Begründer der psycho-analytischen Wissenschaft, Sigmund Freud, beireits in feiner Arbeit „Toten und Tabu" ihre Urgeschichte analysiert. Besonders eingehend beschäftigt sich Freud in seiner neuesten Schrift „Die Zukunft einer Illusion" mit der Frage nach „dem Anteil, den die psycho-analytische Betrachtung zur Lösung des religiösen Problems leisten kann". Tie Religionen sind nach Freud Zwangsneurosen, die aus der Kindheit der Menschheit stammen und heute überwunden werden müssen. Freud will an die Stelle der durch eine „Erziehung zur Realität überwundenen Religion den Primat des Intellekts" setzen, und er meint, daß die Menschheit sich gerade letzt in einer dazu geeigneten Phase befinde. — Mit diesem Werke von Sigm. Freud setzt sich nun Medizinalrat Dr. Heinrich Haase m seiner Schrift „Religion oder Illusion?" in überaus interessanter und scharfsinniger Weise auseinander. Unter fleißger Benutzung aller mischlägigen Literatur, von Sokrates angefangen, über Spinoza, Fichte, Hegel, Feuerbach bis Spengler und Einstein, sucht der Verfasser dem Hauptangriff der Philosophie gegen die Annahme eines persönlichen Gottes, der aber undefinierbar bleibt, dadurch zu begegnen, daß er fragt, „ob die Schöpfung durch das Wart, durch den Gedanken, durch Ausstrahlung, durch den unbewußten Geist mehr sagt, leichter faßbar ist als die Warte der Bibel: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Auch Sie Wissenschaft allein, deren Primat Freud dem Glauben gegenüber betont, vermag nicht, die 10 die Welträtsel befriedigend zu lösen. Religion ist keine Illusion. Gerade in unseren Tagen durchsträmt ein breiter Strom religiöser Sehnsucht die Welt, und von allen Seiten sucht man ihm die Wässer zuzuführen, die sonst im Boden wieder versickern würden. „In der Gottes- und Sittenlehre des Alten Testaments und der Propheten ist jene religiöse Form gegeben, welche die Bestrebungen des modernen Völkerlebens zu weihen, der kranken und zerrütteten Gesellschaft Heilung, Frieden und Versöhnung zu bringen vermag". Wir empfehlen die kleine Broschüre von Heinrich Haase all denen aufs wärmste, die den psycho-analytischen Forschungen ihr warmes Interesse entgegenbringen und dennoch dem Ergebnis der letzten Schrift des großen Forschers Sigm. Freud „Die Zukunft einer Illusion" aus ihrer religiösen Haltung heraus nicht zustimmen können. — Dem Verfasser der Broschüre, Medizinalrat Dr. Heinrich Haase, gebührt unser Dank für seine Arbeit. Dr. Paul Lazarus-Wiesbaden. Die unter dieser Rubrik in voriger Nummer in Aussicht gestellten Besprechungen müssen wegen Raummangel für die nächste Nummer zurückgestellt werden. Jüdischer Iugendverein Mainz a. Rh. Heim: Gemeindehaus, Gabelsbergerstraße. Programm für Juli 1928. 1. Juli, Sonntag: Treffahrt mit Bingen. Treffpunkt Mainz Hptbf. 7,20 Uhr vormittags. Stromberg, Rheinböllerhütte, Dichtelbach, Blüchertal, Steeg, Bacharach. Führung Max Tchornicki. 2. Juli, Montag: 8% Uhr Heimabend im Heim. Besprechung zwecks Gründung einer Sportgruppe. Zu dieser Besprechung sind alle dringend eingeladen, die sich für die Gründung dieser Gruppe interessieren. 4. Juli, Mittwoch: GH Uhr vormittags, Gymnastikkurs von Else Schwarzschild. 5. Juli, Donnerstag: 8% Uhr, Heimabend. Leitung Max Tchornicki. Ueber das Buch von Wölflin: „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe". 8. Juli, Sonntag: Fahrt in das Strandbad Frei-Weinheim. Treffpunkt Mainzer Anlegestelle der Köln-Düsseldorfer Rheindampfer am Rheinufer, 9,15 Uhr vormittags. Leitung Walter Kramer. Nur bei trockenem Wetter. 9. Juli, Montag: 8% Uhr, Heimabend. Leitung Max Tchornicki. Thema wie oben. 11. Juli, Mittwoch: GH Uhr vormittags, Gymnastikkurs. 12. Juli, Donnerstag: Heimabend, 8% Uhr. Leitung Dr. Picard. Thema wird noch bekannt gegeben. 15. Juli, Sonntag: Fahrt nach Idstein, Strinz, Michelbach. Treffpunkt Mainz Hptbhf. 7,40 Uhr. Führung Josef Kahn. 16. Juli, Montag: 8% Uhr, Lese- und Unterhaltungsabend. Leitung Max Tchornicki und Ernst Hirsch. 18. Juli, Mittwoch: GH Uhr vormittags Gymnastikkurs. 19. Juli, Donnerstag: 83A Uhr, Heimabend. Leitung Josef Kahn. Thema wird bekannt gegeben. 22. Juli, Sonntag: 8 bis 10 Uhr vormittags gemeinschaftliches Rudern. Leitung Walter Kramer. Treffpunkt 8 Uhr vormittags, Bootsanstalt Proff im Winterhafen. (OhneHaftung des Vereins). 23. Juli, Montag: Heimabend. Leitung Max Tchornicki. „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe." 25. Juli, Mittwoch: GH Uhr vormittags Gymnastikkurs. 26. Juli, Donnerstag: Sitzung des Erziehungsausschufses. Einladungen hierzu ergehen noch. 29. Juli, Sonntag: Treffahrt mit Frankfurt, Wiesbaden, Höchst und Offenbach. Königstein, Fuchstanz, Schmitten, Oberrcifenberg, Feldberg, Königstein. — Treffpunkt Bahnhof Mainz- Kastel, 7,15 Uhr vormittags. Führung Max Tchornicki und Ernst Neuburger. 30. Juli, Montag: 8% Uhr, Heimabend. Leitung Max Tchornicki. Thema wie oben. 1. August, Mittwoch: GH Uhr vormittags Gymnastikkurs. Es ist beabsichtigt, eine besondere Sportgruppe unter Leitung eines geprüften Sportlehrers einzurichten. Alle diejenigen, die sich dafür interessieren, sind gebeten, dies durch Postkarte mit Adressen-

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