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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Protokoll über die am Montag, den 4. Juni, in Köln abgehaltene Besprechung der Gemeindeblatt-Schriftleitungen. Anwesend: Emil Bluinenau, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Köln, gleichzeitig sür die Rheinland-Loge; Gemeinderabbiner Dr. Kober, gleichzeitig sür den Provinzialverband für Wohlfahrtspflege; Siegfried Bacharach, Hannover; Rabbiner G. Cohn, Leipzig; Rabbiner Dr. Grünewald, Mannheim; R. Heidelberg, Aachen; Leo Kamnitzer, Erfurt; Sally Kaufmann, Kassel; Dr. Leo Kurzweil, Köln; Rab- - biner Dr. Lazarus, Wiesbaden; Rabbiner Tr. S. Levi, Mainz; Dr. Eugen Mayer, Frankfurt a. M.; L. Ploemacher, Dresden; Jacob Sternlicht, Dresden; Dr. Tannenwald. Hamburg; Landesrabbiner Dr. Walter, Dessau. Aus Wunsch aus der Versammlung heraus eröffnet Rabbiner Cohn 10,30 Uhr die Sitzung und begrüßt die Erschienenen, dankt im besonderen dem Vorsteher der Gemeinde und Rabbiner Tr. Kober für das durch ihr Erscheinen bekundete Interesse au den Beratungen. Die Führung der Niederschrift übernimmt Herr Bacharach. Ter Vorsitzende stellt fest, daß zur Zeit Gcmeindeblätter erscheinen in Aachen, Anhalt, Bayern, Berlin, Bonn, Breslau, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Hessen, Königsberg, Leipzig, Mannheim, Nürnberg- Fürth, Saarbrücken, Stuttgart. Ferner Wochenblätter, die mit Rücksicht auf ihre Neutralität den Gemeindeblättern gleichzustellen sind, in Chemnitz, Erfurt, Halle, Hannover-Brannschweig, Kassel, Magdeburg, Wiesbaden. Die Schriftleitungen der in Berlin, Breslau, Königsberg und Nürnberg erscheinenden Gemeindeblätter hatten die N ichtentsendung von Vertretern durch wichtige Behinderungen entschuldigt, ferner war Herr Tr. Schmidt, München durch Krankheit am Erscheinen behindert. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden haben schriftlich ihr starkes Interesse an der Veranstaltung bekundet. In einem einleitenden Referat spricht Gemeinderabbiner Cohn an Hand einiger an die Beteiligten verteilten Leitsätze über den Zweck der Tagung. Das Gemeindeblatt ist, seitdem 1911 die jüdische Gemeinde zu Berlin zum ersten Male mit der Ausgabe eines solchen begonuen hat, mehr und mehr in größeren und mittleren Gemeinden und Gemeindeverbänden zu einer wichtigen Einrichtung geworden. Wenn in früheren Zeiten die Synagoge (beth hakneßeth) Stätte der Verbindung zwischen dem geistigen Führer und den Gemeindemitgliedern einerseits, und den Gemeindemitaliedern untereinander andererseits gebildet habe, so stelle in neuerer Zeit das Gemeindeblatt diese Verbindung in einer neuen Verhältnissen entsprechenden Weise her. Seine Eigenart bestehe darin, daß es sich im wesentlichen aus die örtlichen Angelegenheiten beziehe und damit die Bindung des Einzelnen an seine Gemeinde, die Eingliederung in die Gemeinden überhaupt und in das gesamte Judentum fördere. Aufgabe des Gemeindeblattes fei es, den Frieden innerhalb der Gemeinde zu festigen, indem die einzelnen in der Gemeinde vertretenen Richtungen einander durch die Berichte über ihre Tätigkeit kennen lernen und näherkommen können. Darum sei in weitestem Sinne Neutralität geboten, müsse alles, was den Frieden zu gefährden geeignet sei, vermieden werden. Daher seien auch alle Polemiken, die leicht heftige Formen annehmen könnten, mit möglichster Vorsicht zu behandeln. Das Gemeindeblatt wolle unter ausdrücklicher Betonung seiner Eigenart sich nicht gegen die allgemeine jüdische Presse richten, sei vielmehr geeignet, für die allgemeine Presse Interesse zu erwecken und dürfe deshalb beanspruchen, daß ihm von dieser ^>eite keine Schwierigkeiten bereitet werden. Wünschenswert sei. in mittleren und größeren Gemeinden ein wöchentliches Erscheinen, weil nur dadurch die innerhalb der Gemeinden arbeitenden Organisationen ein Organ für die regelmäßige Bekanntgabe ihrer Veranstaltungen besitzen, mindestens aber müsse ein monatliches Erscheinen als Notwendigkeit anerkannt werden. Vorsteher Bluinenau begrüßt die Erschienenen, dankt auch iiamcns der Rheinland-Loge für die Einladung. Er betont die große Bedeutung, die ein Gemeindeblatt für das Leben innerhalb der jüdischen Gemeinde gewonnen hat und die Notwendigkeit des Ausbaues. Rabbiner Dr. Kober weist in feinen Begrüßungsworten darauf hin, wie notwendig es sei, daß auch für die kleinen Gemeinden hinsichtlich der Einrichtung eines Gemeindeblattcs gesorgt werden müsse, wie dies zum Teil ja auch schon in den von Verbanden herausgegebeneu Organen berücksichtigt wird. Tr. Mayer dankt Rabbiner Cohn für Anregung und Vorbereitung der Tagung. Neutralität sei geboten, schließe aber die objektive Erörterung strittiger Probleme nicht aus, die nicht totgeschwiegen werden sollten. Das Gemeindeblatt habe in mancher Hinsicht die frühere Funktion des Rabbiners übernommen, dürfe aoer keinen Predigt-Ersatz darstellen. Gewisse Artikel könnten von einer Zentralstelle sämtlichen Gemeindeblättern geliefert werden. Tie Vermittlung von Nachrichtenmaterial aus der deutschen und ausländischen jüdischen Welt sei erforderlich. Sehr erwünscht sei auch zentrale Belieferung mit Bildern. Die Gemeindeblätter müßten fortlaufend historische und statistische Mitteilungen aus der Gemeinde bringen, wodurch sür die Zukunft wertvolles Quellenmaterial entstehe. Auch die Einrichtung eines fortlaufenden historischen Kalenders komme in Frage. Sehr zu erwägen seien belehrende Artikel aus Bibel und Schrifttum, die aber keiuen schablonenhaften Charakter haben dürften. Regelmäßige Bibliographie, Sorgfalt bei Auswahl der Rezensenten. Allgemein interessierende Gesetze, Verordnungen, Entscheidungen. Honorierung aller Originalartikel, etwa 20 Pfg. für die Druckzeile, Zusatzhoiiorar für Nachdruck. Rabbiner Dr. Levi betont, daß diese Zusammenkunft gewissermaßen historische Bedeutung besitze, da zum ersten Male die Gemeindeblätter als eine wesentliche Einrichtung der Gemeinden und Verbände in Erscheinung träten. Zu den schon zuvor gegebenen Anregungen fügt er des weiteren die hinzu, es solle eine Vereinbarung über unentgeltlichen Nachdruck von Artikeln getroffen werden. Er legt Wert auf regelmäßiges Erscheinen von Berichten und Vereinsanzeigen der Jugendorganisationen und empfiehlt die Bildung eines Unterausschusses, der die in den bisherigen Ausführungen gegebenen Anregungen in eine feste Form kleiden solle. Rabbiiier Dr. Grünewald wünscht, daß auch die Berichte über die Vorgänge in den Sitzungen der Geriieiiideverwaltung und die über Gemeindeereignisse auszutauschen seien. Er stellt bcn Grundsatz auf, daß der Inhalt des Gemeindeblattes sich iiicht nach den Wünschen der Leser zu richten hat, daß er vielmehr bestimmt sei, die Leser zu erziehen. Besonders wertvoll seien Soiidernumiiiern. die sich mit eine m Gegenstand befassen. Dr. Taiiiieiibaum bespricht die Sonderfragen der Veröffentlichung von Austritten aus der Gemeinde und Veröffentlichungen politischer Organisationen im Gemeindeblatt. Nach einer Aussprache, an der sich noch die Herren .Kaufmann, Heidelberg, Kamnitzer und Sternlicht beteiligten, wird auf Vorschlag von Rabbiner Cohn beschlossen: 1. Die bei der Zusammenkunft vertretenen Gemeindeblätter treten in gegenseitigen Austausch ihrer Blätter. 2. Es wird ein Ausschuß eingesetzt, bestehend aus den Herren Rabbiner Cohn, Rabbiner Dr. S. Levi, Dr. Mayer und ^-ternlicht, der die Schaffung einer Jntereffengemeinschaft der Gemeindeblätter vorbereiten soll. Als Aufgaben der Interessengemeinschaft werden festgestellt: a) Artikelaustausch, 1 >) Beschaffung von gemeinschaftlichem Bildmaterial, c) Beschaffung einer regelmäßigen, möglichst zuverlässigen Bibliographie, 7

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