Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 7 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dem Religionsgesetz und der Tradition stehen und nichts geschieht und dars geschehen, was gegen diese verstößt. Es besteht also für die Orthodoxie kein Hindernis zum Anschluß an den allgemeinen Landesverband, ebensowenig wie dies in Bayern der Fall war. Wie Sie aus einem Vergleich des Kassenberichtes mit dem des ersten Geschäftsjahres ersehen können, hat sich unser Landesverband in dem am 31. März d. I. abgelaufenen Geschäftsjahre gedeihlich weiter entwickelt. Seinen Ausgaben kann er aber noch immer nicht gerecht werden, da es uns leider an genügend Mitteln fehlt. Wenn man berücksichtigt, daß bei 22 781,— dl Beiträgen von Verbandsgemeinden allein 19 625,17 dl für Besoldungen, Gratifikationen und Stundenhonorare ausgegeben werden und wir uns andererseits sagen müssen, daß von den zirka 42 Lehrern, die in unserem Verbände wirken, 6 Lehrer ein Einkommen von 1500,— bis 2000,— dl haben, 11 Lehrer ein Einkommen von 2000 bis 3000 dl und 25 Lehrer ein Einkommen von 3000,— dl und darüber haben, so müssen wir feststellen, daß uns noch ganz bedeutende Beträge fehlen, um die Lehrer, wie in anderen Landesverbänden, nach den Sätzen des Staats, (alte Gruppe 7) Mindestgehalt 3400,— Jfl zu honorieren. Selbst wenn der hessische Staat uns den von uns verlangen Zuschuß von 16 000,— dl geben würde, würden wir aber auch dieses Ziel nicht erreichen können und müßten uns demnach, was die Honorierung der Lehrer anbetrifft, weiter im Rahmen des uns Möglichen halten. Es muß hier ausdrücklich betont werden, daß es im höchsten Grade bedauerlich ist, daß die Entscheidung über die Bewilligung der Staatssubvention immer wieder hinausgeschoben wird, daß es uns trotz der größten Bemühungen bisher nicht gelungen ist, eine solche zu erreichen. Wie verhält es sich nun mit den übrigen Pflichten, die der Landesverband zu erfüllen hat, Pflichten, die zum größten Teil außerhalb unserer Landesgrenze liegen, und die in der Unterstützung der Lehrerbildungsanstalten, der Seminare, der wissenschaftlichen Vereinigungen und wohltätigen Anstalten bestehen? Für diese Kosten sind von den Verbandsgemeinden kleinere Beträge von insgesamt zirka 4300,— dl abgeführt worden. Wenn unser Landesverband auch der jüngst gegründete ist, so müssen doch Mittel und Wege gesunden werden, dir Lehrerseminarien in Köln, Würzburg und Höchberg, die Rabbinerseminarien und Lehranstalten in Berlin und Breslau, Anstalten wie Ahlem, Samsonschule, Blindenanstalt, Taubstummenanstalt u. a. zu unterstützen. Denn alle diese Anstalten befinden sich in großer Rot und gehen dem Untergang entgegen, wenn nicht baldigst Hilfe gebracht wird. Hier hat unser Verband genau so seine Pflichten zu erfüllen, wie es die anderen deutschen Landesverbände zu tun haben. Wie im Oberrat vorläufig beschlossen und bereits getätigt, wird in Zukunft der Verband an Stelle der Gemeindebeiträge, die ihm für diese Zwecke zusließen, die bereits früher genannten Seminarien, Lehranstalten, Wohltätigkeitsanstalten usw. unterstützen. Da der Beschluß für diese Neueinrichtung erst im Laufe des Geschäftsjahres gefaßt wurde, können die Ziffern des vorliegenden Rechnungsergebnisses nicht als Grundlage für den nächsten Voranschlag dienen. Bei Besprechung des Voranschlages werde ich auf diese Angelegenheit zurückkommen und einen Antrag stellen. Wenn auch in diesem Jahr wiederholt an dem Zustandekommen eines Reichsverbandes der deutschen Juden gearbeitet wurde, so sind doch die Aussichten für denselben 2 recht gering, da im Preußischen Landesverband eine große Opposition sich gegen die, nach unendlichem Bemühen sertiggestellten Statuten bemerkbar macht. Es würde zu weit führen, hier in diesem Rahmen die ganzen Verhandlungen über diese Statutenberatungen, die am 4. März d. I. in Nürnberg und am 3. Juni d. I. in Köln stattsanden, zu berichten. Sie haben aus dem Mitteilungsblatt unseres Landesverbandes in großen Zügen über die Vorkommnisse in diesen Sitzungen Kenntnis erlangt, und können wir nur hoffen, daß der Preußische Landesverband diese Statuten annehmen wird, obschon dann immer noch nicht sicher ist, ob dieser Reichsverband zustande kommen kann. Daß der Reichsverband von unserem Landesverbano, ebenso wie von anderen Verbänden, zur Unterstützung der vorgenannten Anstalten Mittel verlangen wird, ist ganz klar, doch ist noch nicht zu übersehen, inwieweit unser Verband hierzu beitragen kann. Sollte aber der Reichsverband nicht Zusammenkommen, so wird die am 4. März d. I. in Nürnberg gegründete Arbeitsgemeinschaft sämtlicher deutscher Landesverbände in Wirksamkeit treten und werden Sie sich heute mit der Frage zu beschäftigen haben, inwieweit unser Landesverband aus sich heraus noch neue Mittel aufbringen kann. Inzwischen ist am 27. Juni eine Einladung zu einer Sitzung der Reichsarbeitsgemeinschaft auf den 29. Juli nach Oberhos eingelaufen. Sitzungen Ihres Oberrats fanden statt: am 23. Oktober und 11. Dezember 1927 und am 25. März d. I. Tagungen der Konserenzgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände haben in Stuttgart am 20. November 1927 und 26. Februar 1928 stattgesunden und wurde Ihnen über diese Sitzungen im Mitteilungsblatt berichtet. Zu unserem Bedauern hat das Mitglied des Oberrats, Herr Dr. Baum, Alzey sein Mandat niedergelegt. Wir danken ihm an dieser Stelle für alle die Bemühungen, die er im Dienste des Landesverbandes gehabt hat. Abgesehen von der Erledigung der laufenden Geschäfte durch die Verbandsleitung und den Herrn Schriftleiter des Mitteilungsblattes find die Arbeiten des Landesverbandes zu einem wesentlichen Teil durch die Mitglieder des Schulausschusses bewältigt worden. Allen Mitarbeitern und besonders allen denjenigen, die die Schriftleitung des Mitteilungsblattes durch Beiträge unterstützt haben, sei der Dank des Oberrates zum Ausdruck gebracht. Kosten find dem Landesverband als solchem nicht entstanden, da die Gemeinde Mainz die sämtlichen Verwaltungskosten in Opferwilligkeit übernommen hat. Wie bereits letztes Jahr bekannt gegeben wurde, haben die Verbände von Baden, Bayern, Württemberg und Preußen uns Zuschüsse für das Lektorat für die rabbinischen Wissenschaften in Gießen geleistet und hoffen wir, daß wir auch gleiche Zuschüsse für dieses Jahr erhalten werden. Wüttemberg hat diese inzwischen bereits gewährt. Der Oberrat war zur Schlichtung einer Streitigkeit tätig; er hat vor Durchführung eines Prozesses einen Vergleich erzielt. Wie im Vorjahre hat er zu den Iomin hanoroim Hilfsvorbeterstellen vermittelt. Die Hauptsorge des Oberrats galt, wie schon erwähnt, dem Religionsunterricht. Die Zahl der hauptamtlichen Verbandslehrer wird jetzt von 3 auf 4 erhöht. Ein Bezirksschochet ist in Rheinhessen eingestellt worden. Als mittelbarer Erfolg des Landesverbandes kann es verzeichnet werden, daß eine rheinhessische Gemeinde durch einen Verbandslehrer einen zuverlässigen Schochet hat ausbilden lassen, und daß dieser in einwandfreier Weise für mehrere Gemeinden tätig ist.