Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 5 (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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besonders bedeutsame Fragen zur Behandlung gelangen, so „Volksbelehrung als Aufgabe der Gesundheitsfürsorge", über welche Rechtsanwalt Dr. Philipsborn und Frl. Neufeld referierten, ferner eine „allgemeine Einführung in die Gesundheitsfürsorge" mit Magistrats-Medizinalrat Dr. Goldmann als Referenten, und schließlich „Praktische Tuberkulosefürsorge", über welche Dr. Samson, und „Geschlechtskrankenfürsorge", über welche Stadtarzt Dr. Löwenstein berichtete. Die Vorlesungen wurden zum Teil durch Arbeitsgemeinschaften in willkommenster Weise ergänzt; außerdem fanden einige Besichtigungen statt. Im Rahmen der Schulungswoche veranstaltete auch der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands eine Sondersitzung, in der Direktor Dr. Rothschild-Dinslaken zugleich für die Teilnehmer der Jüdisch-Sozialen Schulungswoche über die Frage sprach: „Was können wir aus der Erziehungsweise der Landerziehungsheime für unsere Anstaltserziehung verwenden?" Während der Schulungswoche trat schließlich der „Soziale Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche" zu seiner ersten Sitzung zusammen; ferner fand eine besondere Zusammenkunft der beruflich tätigen jüdisch-sozialen Kräfte statt. Wie der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle, Rabbiner Dr. Baeck, in^ seiner Schlutzansprache hervorhob, sollte die Fortbildungsveranstaltung vor allem dazu dienen, Theorie und Praxis, die allzu leicht verschiedene Wege gehen, erneut miteinander zu verbinden. Die Schulungswoche, aus deren Erfahrungen manches für die Ausgestaltung späterer Veranstaltungen entnommen werden konnte, soll den Anfang weiterer Schulungsmöglichkeiten bilden. Es ist auch beabsichtigt, den wesentlichen Inhalt der Vorlesungen zu veröffentlichen, damit die zahlreichen starken Anregungen der Vortragenden — die sich alle mit größter Bereitwilligkeit und vollem Erfolge in den Dienst der Fortbildungsarbeit gestellt haben, — über den Kreis der unmittelbaren Teilnehmer hinaus aus die praktische Arbeit fortwirken können. Gemeinnützige Institutionen. Tie Zentralwohlfahrtsstelle der Israelitischen Religionsgemeinde Mainz dankt den unten verzeichneten gütigen Spendern für die in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1928 ihr zugewendeten Gaben und bittet die verehrten Leser und Leserinnen dieses Blattes, sie auch fernerhin mit Geld, gut erhaltenen, abgelegten Kleidern, auch Wäsche und Schuhwerk zu bedenken; des Dankes der beschenkten Bedürftigen dürfen sie gewiß sein. Adler, Frau Benjamin Wwe. Altschul, Frau Emil Wwe. Baer, Berthold Baer, Hermann Berger, Frau Ludw. Wwe. Berney Gustav Berney, Frau Simon Wwe. Blättner, Frau Jakob Wwe. Blättner, Max und Julius Blum, Frl. Rosa Bondi, Dr. I., Rabbiner Eahn, Hugo Eahn, Jacob Erlanger, Frau, München Friedmann, Ludwig Fröhlich, Manfred " Fuld, Dr. Ludw., Justizrat Fulda, Frau Nathan Wwe. Ganz, Carl B. Gebhardt, Ludwig Gebhardt, Hans Goldchmidt, Carl u. Hubert Goldstein, Louis Gochsheimer, Frl. Emma Herzog, Jacques Heinemann, Richard Hillebrand, Carl Hirschmann, Karl Heymann, Karl Jourdan, Frl. Rosa Kaufmann, Frl. Frieda Kahn-Hut, Alfons Kaplan, Julius Koch, Leo Kronenberger, Dr. Fritz Kronenberger, Hermann Wwe. Kronenberger, Ludw.. Kom m.-Rc Kronenberger, Theodor Lazar, Isidor Wwe. Lebrecht, Paul, Bankdir. Wwe. Liebenstein, Justin Lion, Michael Oskar London, Max, Kantor Löwenstein, Artur Löwenstein Wwe. (Firma) Mann, Albert Mayer, Bernh. Alb., Komm.-Rat Mayer, Frau, Franziska Marx, Nathan, Stettin Metzger, Michael Neumann, Karl Neumann, Frau Mathilde Pintus, Willy Wwe. Pfungst, Frl. Wilhelmine Raphaelsohn, Alfred Reiling, Isidor Rosenberg, Emil Rothschild, Julius Wwe. Nudowski, Moritz Sänger, Frl. Nanni Selig, Josef Siegfried Schlösser, Ernst Schalem, Emil Schönberger, Frl. Berta Schottländer, Julius Schwesternheim, Jüdisches Simon, Dr. med. Karl Simon, Rudolf Stein, Julius Strauß, Siegmund n. Eo. Süßel, Dr. S. Trepp, Maier- Vogel, August Wolfs, Sally Worms, Adolf N. N. Dem vorstehenden Dank der Zentralwohlfahrtsstelle für die ihr zugeflossenen Gaben kann auch ich Worte des Dankes anschließen für wohltätige Spenden, welche mir im Laufe des ersten Jahresviertels von den im folgenden genannten Damen und Herren überwiesen wurden und welche Verwendung im Sinne der Spender gefunden haben. Frau Rosa Kahn, Frau Direktor Lion Theodor Kranenberger A. S. S. Arthur u. Siegmund Strauß Rabbiner Dr. Levi. Das „Sanatorium Emser Heilquelle", ein Heim mit ritueller Verpflegung für minderbemittelte jüdische Patienten (täglicher Pensionspreis fünf Reichsmark) wird Mitte Mai wieder eröffnet. Anmeldungen an den Vorsitzenden San.-Rat Dr. Nehab, Bad Ems. In Vorträgen und Aufsätzen hat der Unterzeichnete auf die Notwendigkeit der Errichtung einer gemeinnützigen jüdischen Ehevermittlungsstelle hingewiesen. Er sieht darin ein geeignetes Mittel, um der jüdischen Ehenot der Gegenwart zu steuern, die ständig sinkende Ziffer der jüdischen Eheschließungen zu heben, zahllosen tüchtigen jüdischen Mädchen, die heute aus äußeren Gründen nicht zur Verehelichung gelangen können, und damit ihrer natürlichen Bestimmung entzogen werden, zur Verehelichung zu verhelfen; vor allem aber sollte die gemeinnützige jüdische Ehevermittlungßstelle berufen sein, die bedrohlich anwachsende Zahl der Mischehen, die ernstlich den Bestand des Judentums gefährden, einzudämmen. Nachdem mir von verschiedenen Seiten Zustimmungserklärungen zugegangen sind, und die Gründung einer derartigen Institution als eine Notwendigkeit bezeichnet wurde, beabsichtige ich nunmehr, an die Ausführung des Planes heranzutreten. Ich bitte daher alle, Männer und Frauen, welche sich für die geplante Institution interessieren und dieselbe zu unterstützen geneigt sind, mir ihre Adresse mitzuteilen, sowie Anregungen und Wünsche bekanntzugeben, wie ich zu weiteren Auskünften gerne bereit bin. San.-Rat Dr. Hanauer, Universitätsprofessor, Frankfurt a. M., Im Trutz 27. Bücherschau. Lamparter, Eduard. Das Judentum in seiner kultur- und rcligionsgeschichtlichen Erscheinung. VIII und 340 S. 1928. Verlag von Leopold Klotz, Gotha. Jl 8, geb. Jl 10. Das Buch des bekannten Stuttgarter Stadtpfarrers gehört zu den leider immer noch spärlichen, ausgezeichneten lschriften christlicher Gelehrten treuerer Zeit, die man gern als ein Zeichen der Zeit und einer Wendung zum Besseren deuten möchte. Denn wie sehr auch die teils auf Unwissenheit, teils auf Bosheit und Verlogenheit beruhenden antisemitischen Verunglimpfungen des Judentums den Freund der Wahrheit und des Kulturfortschritts empören, am betrübendsten ist doch das Verhalten derer, die die Wahrheit kennen, aber nicht bekennen. Betrübend vor allem ist das Verhalten mancher offiziellen Vertreter der Religionen, die dem Judentum das Beste und Edelste verdanken, das sie besitzen, die sich Erben des ethischen und religiösen Geistes der Propheten Israels nennen und ihn doch auf das gröblichste verleugnen. Lainparter gehört in die Reihe der edlen Gestalten der christlichen Geistlichkeit, die sich durch ihre liebevolle Vertiefung in die jüdischen Quellenschriften, ihr Wahrheitsstreben und ihren Bekennermut um die Sache der Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit verdient gemacht und Anspruch auf^Dank und Anerkennung in unserer Mitte erworben haben. L-chon auf der ersten Seite seines Buches spricht er es aus, daß nach seiner Ueberzeugung die christliche Wissenschaft der Gegenwart gegenüber der Frage des Judentums eine verhängnisvolle Teilnahmslosigkeit und Tatenlosigkeit an den Tag gelegt und zum Anschwellen des Antisemitismus auf deutschem Boden beigetragen habe. Der Verfasser will nun diese Sünde an seinem Teil gutmachen und „zur Sühne des an dem Judentum seit sieben Jahrhunderten auf deutschem Boden begangenen Unrechts beitragen" dadurch, daß er die Wahrheit und das Wissen über das Judentum im deutschen Volke verbreitet und ihm die Augen öffnet über die deutscher und christlicher Gesinnungsart widerstreitende Natur des Antisemitismus. In 7 Kapiteln erörtert und beantwortet er, gestützt auf ivisscnschaftliche Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Weise die Frage, was das Judentum in den drei Jahrtausenden seines geschichtlichen Lebens an kulturellen und religiösen Werten der Menschheit gegeben hat, und schließt seine mit Schärfe und Klarheit des Geistes, aber auch zugleich mit innerer Wärme und Teilnahme des Herzens gegebene Darstellung mit den Worten: „Unsere jüdischen Mitbürger haben den redlichen 7