Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 5 (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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5. Der Unterricht in Wöllstein, Eich, Heßloch mit Monsernheim und Wachenheim wird Herrn Lehrer Salomon-Worms und der in Niedersaulheim, Wallertheim mit Vendersheim, Wörrstadt, Sprendlingen, Bodenheim, Essenheim, Hahnhetm, Nieder- und Ober-Olm, Weisenau, Gonsenheim und Mombach Herrn Lehrer Nosenberg-Mainz übertragen. 6. In einer weiteren Unterrichtssache soll mit dem zuständigen Kreisamt und in einer Schechitaangelegenheit mit dem Landesverband in Verbindung getreten werden. Offenbach. (Aus dein Gemeindeleben.) Am 10. Mai, abends 8% Uhr, im Großen ^aal des Gemeindehauses: Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Offenbach und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Offenbach. Herr Professor Dr. G o l d st e i n, Darm st a d t und Frau Ella Haas, Frankfurt a. M., werden sprechen über: Vor den Wahlen 1928. — Am 21. Mai, abends 8)4 Uhr, im Großen Saal des Gemeindehauses: Filmvorführung der jüdischen Waiscnhilfe. — Am 1. Tag des Schebuothfestes: Einsegnung der Mädchen. Offenbach. Nach dem Stand vom 12. März 1928 ergaben sich für die jüdische Gemeinde in Offenbach a. M. folgende Zahlen: Familien 433, Seelen, einschließlich der Ausländer 1419; davon Männer (verheiratet) 359, Frauen (verheiratet) 399, Männer (ledig über 21 Jahre) 162, Frauen (ledig über 21 Jahre) 121, männliche Personen unter 21 Jahren 206, weibliche Personen unter 21 Jahren 172, Ausländer 271 Seelen, staatenlos 2 Seelen, Zensitcn ca. 595 Seelen. Offenbach a. M. In Sommer- und Winterkuren wurden 23 Kinder entsandt. Der Kostenaufwand betrug 2380 RM., wozu die israelitische Religionsgemeinde Offcnbach a. M. einen namhaften Zuschuß leistete. Der Restbetrag wurde ausgebracht durch den Ehanukkaverein, durch die von Kindern unserer Gemeinde veranstaltete Purimsammlung und durch Beiträge der Eltern. Auch in diesem Jahre hatten die Kuren einen recht günstigen Einfluß auf die körperliche Entwickelung der Kinder und deren gesundheitliche Förderung. Worms. Eine eigenartige Erscheinung war am Samstag, den 14. April in der hiesigen Synagoge zu beobachten. Während des Gottesdienstes, etwa gegen halb 11 Uhr, setzten sich plötzlich die Beleuchtungskörper, die an langen Ketten von der Decke herabhängen, in deutlich wahrzunehmende kreisende Bewegung. Am stärksten war es bei dem mehrere Zentner schweren mittleren Kronleuchter der Fall. Nach etwa 15 Minuten trat die Ruhelage wieder ein. — Der für die meisten Besucher völlig unerklärliche Vorgang wurde als die Auswirkung eines Erdbebens erkannt und die Richtigkeit dieser Annahme bestätigte das geodätische Institut der Technischen Hochschule in Karlsruhe mit dem nachfolgenden Schreiben. (Es handelte sich um das starke Erdbeben in Bulgarien). „Für Ihre gütige Benachrichtigung spreche ich Ihnen meinen besten Dank aus. Ihre Beobachtungen sind richtig, wie Sie bereits aus den Zeitungen erfahren haben werden. Die ersten Wellen trafen bei uns um 10 Uhr 3 Minuten ein, der zweite Vorläufer fetzte um 10 Uhr 5 Minuten ein,-dann kamen die langen Wellen, deren Wirkungen Sie beobachtet haben. Die Erschütterungen waren so stark, daß 2 Seismographen außer Tätigkeit gesetzt wurden. Das dritte Instrument, das weniger empfindlich ist, registrierte das Erdbeben weiter und ergab, daß die heftigen Erschütterungen, die bei uns Bodenbewegungen von über 1 Millimeter hervorgerufen haben, etwa 5 Minuten dauerten. Daß bei Ihnen die Kronleuchter in Schwingung gerieten, kommt davon her, daß dieselben gerade in Resonanz mit den Erdbebcnwellen waren, so daß jede folgende Welle die Bewegung der vorhergehenden Welle verstärkte. Ihre Beobachtungen sind absolut richtig, es hat mich sehr interessiert, daß die Bewegungserscheinungen bei Ihnen bemerkt worden sind. In vorzüglicher Hochachtung gez. Prof. Tr. Schlötzer." Verbände und Vereine. In: kommenden Sommer, vont Mai bis Oktober 1928, findet in Köln eine internationale Presse-Ausstellung statt („Pressa"), die die ganze Entwicklung uiid gegenwärtige Gestaltung der gesamten Weltpresse zur Anschauung bringen soll. Alle Kulturnationen haben ihre Teilnahme zugesagt, und die großen Gemeinschaften verschiedener Art, Religionen, politische Parteien, soziale Organisationen usw., werden ihren Zusammenhang mit der Presse vorführen. Unter diesen Gemeinschaften darf das Judentum nicht fehlen; und so hat sich denn in Köln, am Schauplatz der Ausstellung, eine Vereinigung gebildet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, innerhalb des Rahmens der Pressa eine Sonderausstellung der 6 spezifisch jüdischen Presse, d. h. der Presse, die vom jüdischen Standpunkt aus jüdische Interessen vertritt, zu veranstalten. Diese jüdische Presse, die sich gegenwärtig in 48 Ländern und 35 Sprachen präsentiert, soll nun in einem Pavillon in ihrer historischen Entwicklung, in ihrer literarischen und soziologischen Gestaltung gezeigt werden. Sie soll wirklich als das erscheinen, was sie ist: als das Spiegelbild jüdischer Kultur und jüdischen Lebens der Vergangenheit und Gegenwart. Damit sie aber die Form gewinnt, die der jüdischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft würdig ist, bedarf das Unternehmen der Unterstützung aller Juden, gleichviel welchen Ländern und welchen Richtungen sie angehören. Jeder Jude, der etwas auf sein Judentum hält, wird aufgefordert, diese bedeutsame Veranstaltung, die bis jetzt noch nicht ihresgleichen in der Geschichte des Judentums hatte, mit Rat und Tat zu unterstützen. Der Verein Jüdische Sonderschau der Pressa 1928, Köln, „Jsop" als E.V. tritt nunmehr an alle, die geneigt sind, nach Kräften das Unternehmen zu fördern, besonders an die jüdischen Gemeinden und sonstige Organisationen, mit der Bitte heran, dem Verein als Mitglied oder Gönner beizutreten. Am Sonntag, dem 29. April 1928, vormittags 9 Uhr, fand in Berlin, Oranienburger Str. 29, Repräsentantensitzungssaal, die Gesamtvorstandssitzung der Zentralwohlfahrtsstelle statt. Die Tagesordnung enthielt neben dem Geschäfts- und Finanzbericht ein Referat von Bankdirektor Wilhelm Kleemann-Berlin über: „Gesichtspunkte, welche für die Errichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind." Mit dem 1. Februar 1928 hat der Soziale Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinervcrbandes eine gemeinsame Geschäftsstelle mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in deren Räumen, Berlin N 24,' Oranienburgerstraße 69, II, um seine Aufgaben in stetiger enger Fühlung mit der Zentralwohlfahrtsstelle durchführen zu können. Die Verbindung zwischen Ausschuß und Zentralwohlfahrtsstelle wird durch Herrn Rabbiner Dr. Emil Levv, Berlin, hergestellt. Ihm sind als Sacharbeiter zwei Rabbinatskandidaten, die Herren Dr. Köhler und Dr. Philipp, beigegeben. Zuschriften für die Geschäftsstelle sind nur nach Berlin N 24, Oranienburger Str. 69, II zu richten. Anregungen und Mitteilungen allgemeiner Art bitten wir weiterhin an den Vorsitzenden des Sozialen Airsschusses, Herrn Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M., Staufen Straße 30, senden zu wollen. Unter Beteiligung von etwa 200 Teilnehmern, von denen ein großer Teil aus dem Reiche nach Berlin gekommen war, fand vom 18 .bis 23. März 1928 in Berlin eine von der Zentralwvhlfahrtsstellc der deutschen Juden gemeinsam mit den anderen großer: Wohlfahrtsorganrsationen verarrstalteteJüdisch-Soziale Schulungswoche in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums statt. Urrter den Teilnehmern waren Var allem in der jüdisch-sozialen Arbeit der verschiedensten Gebiete beruflich tätige Kräfte; aber auch Rabbiner, Lehrer und freiwillige Mitarbeiter der Wohlfahrtspflege nahmen an der Veranstaltung teil. Die Schulungswoche wurde durch einen Vortrag van Frau S. Wronskh über „Neuzeitliche Wohlfahrtspflege" (Wandlungen der Ideen, Begriffe und Methoden) eingeleitet, der den Gesamtzusammcnhang der jüdischen mit der allgemeinen Wohlfahrtspflege, sowie der einzelnen Themen untereinander herstellte und Zahlreiche Anregungen für die neuzeitliche Ausgestaltung der Arbeit gab. An den Bortrag schloß sich ein geselliges Zusammensein fast aller Teilnehmer in den neuen Räumen der Zentralmohlfahrtsstelle. Nachdem Prof. Dr. Erich Seligmann an: nächsten Tage die Schulungswoche mit einer Ansprache eröffnet hatte, wurden auf den einzelnen, während der Schulungswoche behandelten Gebieten eine Reihe ausgewählter Themen möglichst vom allgemeinen und vom jüdischen Standpunkt aus dargestellt, um sie für die Praxis nutzbar zu machen. So ergänzten sich die Vorselungen von Stadtrat Dr. Muthesius und Dr. Berget über „Durchführung der Reichsfürsorgeordnung", ferner die Vorlesung von Frl. Wunderlich über „Produktive Sozialpolitik" mit denen von Adler-Rudel über „Jüdische Wanderungen und Wanderfürsorge" und Dr. Kreutzberger über „Frager: der Arbeitsfürsorge", während Rechtsanwalt Dr. Faustädter das Sondergebict des „Ausländerrechts" behandelte. lieber „Soziale Gerichtshilfe" sprach Frl. Meyer, und für das Gebiet der „Sozialversicherung" wurde ein allgemeiner Ueberblick von Frl. Gertrud Israel gegeben. Auch die Vorlesungen von Frl. Ruth v. d. Lehen und Dr. Stahl über „Sozialärztliche und sozialpädagogische Fragen bei schwer erziehbaren Kindern" stellten eine gegenseitige Ergänzung dar. Aus dem vielgestaltigen, im Vordergrund der neuzeitlichen Arbeit stehenden Gebiet der Sozialpädagogik sind ferner die Vorlesungen von Direktor Schlosser-Wackenitzhof über „Fürsorgeerziehung", Frl. Fürst über „Neuzeitliche Führung der Kindergärten und Horte", Frl. Karminski und Dr. Lubinski über „Die schulentlassene Jugend" zu nennen. In der Sozialhygiene konnten — wie auf allen anderen Gebieten — auch nur einige