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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-05-01 · 5 (5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
5 (5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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„Entweder müssen die Inden sich zu unserm Glauben bekehren oder sie werden vertilgt samt Kind und Säugling!" Sie setzten ein Zeichen des Kreuzes an ihre Kleider, die Fürsten sowohl wie das Landvolk und Helme auf ihre Köpfe. Als das die Gemeinden im Lande Frankreich erfuhren, gerieten sie in Schrecken, Angst und Beben, und sie ergriffen die Handlungsweise ihrer Väter, sie schickten nämlich mittelst Boten Briefe ab an alle Gemeinden der Rheingegend, daß diese fasten und sich kasteien und wegen ihrer um Erbarmen flehen sollten vor dem in der Höhe Thronenden, damit sie gerettet würden aus der Feinde Hand. Als das Schreiben zu den Heiligen sencs Landes kam, zu den Männern von Ruf, den Weltstützen in Mainz, da schrieben diese als Antwort nach Frankreich wie folgt zurück: „Alle Gemeinden haben ein Fasten angeordnet, wir tun das unsrige. Gott möge uns und euch befreien aus seder Not und Bedrängnis, denn wir sind euretwegen in großer Furcht. Was uns selbst betrifft, so brauchen wir uns nicht zu ängstigen; wir haben derartiges nicht einmal gerüchtweise vernommen, von einer Gefahr, daß das Schwert über unserm Leben schwebe, haben wir nichts'gebürt." Als aber die Irrenden anfingen, an diese Gegend zu komnwn, da forderten sie Geld von uns, um sich Brot zu kaufen. Wir gaben es ihnen, indem wir die Schriftstelle auf uns bezogen: „Dienet dem Könige von Babel, das; ihr lebet!" (Jcr. 27,17s. Doch all dies nützte uns nicht, denn unsere Missetaten waren Ursache des Unheils. In allen Städten, wohin die Irrenden kamen, fachten die Städter den Streit aegen uns an, denn auch sie hielten mit ihnen, den Weinstock sIsraeU samt der Wurzel auszurotten auf dem ognzen Wege bis nach Jerusalem. Wenn auch im Jahre 1012 bereits eine Verfolgung über die Mainzer Juden gekommen war. so war doch das Blutbad von 1006 etwas Unerhörtes in der Geschichte der deutschen Juden. Aber so arosi wie die Not der Juden war, so grosz war ihre reliaiöse Kraft und ihre Bereitschaft, entweder in ihrem Glauben zu leben oder für diesen Glauben zu sterben. Mit dem Bekenntnis „Höre Israel, der Ewige ist einzig", aus den Livpen. starben die Lehrer und Führer der Gemeinde, und Alt und Iuna schöpfte aus solchem heldenhaften Beispiel den aleichen Märtyrergeist. Der Bericht schliefst dann mit den Worten: Alles dieses taten die hier mit Namen Erwähnten. Was die übrige Gemeinde und deren Führer für die Einheit des göttlichen Namens, des Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt sei er, getan und vollführt haben, aleich dem Rabbi Akiba und dessen Gefährten, das ist mir nicht näher bekannt geworden. Gott erlöse uns aus dieser Trübsal! Aus dem Verbandsbüro. -Vi 1. Als Termin für den nächsten Gemeindetag ist der 1. Juli 1028 in Aussicht genommen. 2. Die Nechnuna für das am 31. Marz 1028 abäelaufene Rechnunassahr 1027 muss vor Berufung des Gemeindetaaes. also einige Wochen vor demselben, gestellt und zur Revision vorqelegt sein. Aus diesem Grunde wird hiermit nochmals um umgebende Ueberweifung der rückftändiaen Beiträae ersucht. Die Gablungen haben auf das Postscheckkonto der israelitischen Religionsgemeinde Mainz Nr. 6308 (Amt Frankfurt a. MO zu erfolgen. 3. In neuerer Zeit sind unserem Landesverbände als Mitglied beiaetreten: Religionsgemeinde Dornheim tStarkenburg) Religionsgemeinde Nauheim (Starkenburg) Neliaionsgemeinde Treis (Oberhessen) Religionsgemeinde Gimbsheim (Rheinhessen). Für alle elektrotechnischen Installationen u. Reparaturen empfiehlt sich Peter Zenkert hlnt. Synagogenstr 32 Fernsprecher 2359 §>'Ls s Geschehen zu Frankfurt a. M. am 15. April 1928. In Gegenwart: r,) als Delegierte des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens (Sitz Mainz): die Herren: Bankdirektor Karl Benjamin-Darmstadt, Jakob Tcutsch-Mamz, Juftizrat Dr. Goldschmidt-Ofscnbach a. M., Lehrer Kahn- Alsfeld, Kommerzienrat Kronenberger-Mamz, Rabluner Dr. Levi-Mainz, Jsaac Oppenbeimer-Ganbickelhenu, Rechtsanwalt Rothenberger-Gießen, Dipl. Handelslehrer I. Simon- Darmstadt, Adolf Steinberger-Alsfeld. b) als Delegierte des Hessischen Landesverbands gesetzestreuer Shnagogengemeinden (Sitz Darmstadt)): die Herren San.-Rat Dr Badenheimcr-Darmftadt, Leo Bondi-Mainz, Hugo Cahn-Mainz. A. Fröhlich-Gießcn. I. I. Fulda-Mainz, Prov.- Rabbiner Dr. Hirschfeld-Gießen, Lehrer L. Kaufmann- Sprendlingen (bei Offenbach), I. Knoller-Bensheun Moritz Mainzer-Pfungstadt, Moritz Mayer-Darmstadt, Rabbiner (TSa* CVT} /a-v--* X-,r+A-\vt-vr Sf Aus allseitigen Wunsch übernimmt Herr . Sanitätsrat Dr. Botzenheimer den Vorsitz; er begrüßt die Erschienenen, teilt mit, daß in Verhinderung des Herrn Rabbiners Dr. Bondi, Herr Leo Bondi an den Beratungen teilnehmen werde, und gibt sodann seiner Freude Ausdruck, daß man. behufs Erzielung einer Verständigung zusammengekommen fei. Im gleichen Sinne, äußern sich die Obmänner der beiden Delegationen, hie Herren Rabbiner Dr. Merzbach und Kommerzienrat Kronenberger. — Bei der stattfmdenden mehrstündigen Aussprache legt der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden dessen grundlegende Anschauung und seine Einstellung zu religiösen Fragen dar; es werden die Geschichte der Verbandsgründungen, die historische Entwicklung der Struktur der hessischen Gemeinden, einzelne lokale und provinzielle Verhältnisse kurz erwähnt und in den in konziliantesten Formen sich vollziehenden Verhandlungen wird über den Umfang einer Zusammenarbeit debattiert. — Nachdem hierbei die divergierenden Anschauungen vertreten worden sind, überreicht der Hessische Landesverband gesetzestreuer Shnagogengemeinden einen schriftlich fixierten Entwurf für einen gemeinsamen Arbeitsplan. — Im Besitze desselben ziehen sich die Delegierten des Landesverbandes der israelitischen Neligionsgem.einden Hessens (Sitz Mainz) zu einer kurzen Konferenz zurück. Nach Rückkehr in den Sitzungssaal verliest Herr Justizrat Dr. Goldschmidt nachstehende Erklärung: „Die Delegierten des Landesverbands der israelitischen Neligionsgemeinden Hessens haben mit Freude die Gelegenheit wahrgenommen, sich mit den Delegierten des Hess. Landesverbands gesetzestreuer Synagogengemeinden zwecks gemeinschaftlicher Aussprache zusammenzufinden und begrüßen es, daß von seiten des gesetzestreuen Verbands Vorschläge für eine Verhandlung gemacht worden sind, bte eine Vereinheitlichung zur Bewältigung der Aufgaben der hessischen Judenheit in die Wege leiten sollen. Nachdem aber die Delegierten erst heute Kenntnis von den Vorschlägen erlangt haben, sind sie heute nicht in der Lage, hierzu Stellung zu nehmen; sie werden sie aber den Organen des Verbands vorlegen und diese zur Stellungnahme veranlassen." Hieraus wird die Debatte beendet und auf Antrag des Herrn Rabbiners Dr. Merzbach, der den Dank für den freundschaftlichen Ton der verlesenen Erklärung abstattet, wird die Bildung einer sechsgliedrigen, mit dem Rechte der Kooptation ausgestatteten Kommission beschlossen. Aufgabe dieser Kommission soll es sein, bevor sich die Organe des Landesverbands der israelitischen Religionsgemeinden Hessens (Sitz Mainz) mit dem überreichten Entwurf des Hess. Landesverbands gesetzestreuer Shnagogengemeinden zu befassen haben werden, denselben durchzusprechen und zu überprüfen, wie überhaupt die Verhandlungen sortzuführen. Aus Vorschlag des Herrn Kommerzienrat Kranenberger werden einerseits gewählt: Herren Juftizrat Dr. Goldschmidt-Offenbach, Lehrer Kahn-Alsfeld und Rahbiner Dr. Levi-Mainz. Aus Vorschlag des Herrn Mayer-Darmstadt werden anderseits gewählt die Herren: Sanitätsrat Dr. Bodenheimer-Darmstadt, Hugo I. Cahn-Mainz und Rabbiner Dr. Merzbach-Darmstadt. An der Diskussion beteiligen sich die Herren Rabbiner Dr. Merzbach, Kommerzienrat Kranenberger, Rabbiner Dr. Levi, Hugo I. Cahn, Rabbiner Dr. Hirschfeld, Justizrat Dr. Goldschmidt, Adolf Steinberger und Lehrer Kahn. Nach Dankesworten der Herren Rabbiner Dr. Levi und Kommerzienrat Kranenberger an den Sitzungsvorsitzenden für die umsichtige Leitung schließt dieser die Versammlung.

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