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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-05-01 · 5 (5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
5 (5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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f fllai 1928 | |. Z.KHrg.,lHr.51 des Landesverbandes der israelitischen llieligionsgemeinden Asiens " DlmC ' 1 Vieses Slatt erscheint monatlich und geht den W- III Luschriften: Jltainj, Jjiniienburgflraßf flr. 44 gliedern unentgeltkch?u. » krscheinungsork ßllaini.!II Schriftleitung: Habbiner vr. S. tevi, Nlaini r~ aac-... —i Die Judenverfolgungen in Speyer, Worms und Mainz. Bon Rabbiner Dr. S. L e b i, Mainz Die Zeit zwischen Pessach und Schewuaus, die Sefiroh- oder Omerzeit, ist eine Trauerzeit im Kalenderlaus des Jahres. Zahlreiche religiöse Vorschriften bezwecken die Verminderung der Freude und die Bekundung der Trauer sür diese Wochen. Als Grund für diese Trauer wird schon in alten Quellen die Tatsache genannt, daß in der Zeit nach Pessach ein großer Teil der Schüler des Rabbi Akiba gestorben sei und daß dies Sterben erst mit dem Lag b'omer aufgehört habe. So wurde der Lag b'omer zum erlösenden Freudentag, die vorhergehenden Wochen blieben in der jüdischen Geschichte Trauerzeit. Von altersher hat man darum in der Zeit bis Lag b'omer auch Trauungen nicht vollzogen. Spätere Auslegung des Religionsgesetzes hat das Verbot der Eheschließung auch auf die Zeit nach Lag b'omer bis zum Neumond Siwan ausgedehnt. Neben dieser Begründung aus der Tanaimzeit hat ein anderes Ereignis Trauer über diese Wochen ausgebreitet: Noch heute werden in zahlreichen Iudengemeinden, besonders in der Gegend des Rheines, an dem Sabbat, der dem Wochenfest vorangeht, Gebete gesprochen, welche dem Seelengedächtnis der Märtyrer aus dem Jahre 1096 gewidmet find. Und diese Gebete erinnern uns an einen der schauerlichsten Zeitabschnitte in der jüdischen Geschichte überhaupt. Im Frühling des genannten Jahres sammelten sich in fränkischen Gebieten Tausende von Männern aus allen Lagern, um jenen Kriegszug zur Eroberung Palästinas zu unternehmen, den man den ersten Kreuzzug nennt. In diesem Heere strömten neben begeisterten und opferbereiten gläubigen Christen in großer Zahl recht fragwürdige Existenzen zusammen. Und schon im ersten Anfang ihres Zuges befleckten diese Horden ihre erhobene Glaubensfahne mit dem Blute wild hingemordeter jüdischer Männer, Frauen und Kinder. Der Weg dieser Judenverfolgung erstreckte sich von Trier nach Speyer, Worms und Mainz; doch blieben diese vier damals blühenden Gemeinden nicht die einzigen Opfer der fanatischen und irregeleiteten Scharen. Tausende von Juden, deren Namen uns zum großen Teil in den alten Memorbüchern erhalten find, wurden damals grausam niedergemacht oder gaben sich, um sich vor seelischen oder körperlichen Qualen zu retten, im Feuer oder Wasser selbst den Tod. Neben dem von Salfeld herausgegebenen „Martyrologium des Nürnberger Memorbuches" (Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, 3. Band) gibt uns das von Neubauer u. Stern herausgegebene und von S. Baer ins Deutsche übersetzte Werk „Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge" (Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, 2. Band) das wertvollste Material über die Vorgänge zur Hand. In diesem letztgenannten Werke werden die erhaltenen handschriftlichen Berichte über diese Judenverfolgungen zusammengestellt und unter diesen Handschriften befindet sich auch eine in der früher großherzoglichen Hofbibliothek, jetzt Landesbibliothek zu Darmstadt aufbewahrte, welche von einem Mainzer Anonymes geschrieben und wohl zu Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden ist. Die Handschrift war nach einer Einzeichnung im Jahre 1560 im Besitze des Arztes Salomon Heilbronn in Frankfurt a. M. Wenn es auch unmöglich ist, den viele Seiten umfassenden Bericht unseren Lesern vollständig zu übermitteln, so sei doch zur Kennzeichnung der allgemeinen Lage jener Tage der Anfang des Berichtes hier abgedruckt. Er lautet: Ich beginne die Geschichte der früheren Verfolgungen; Gott bewahre uns und ganz Israel vor dergleichen Leiden. Es war im Jahre 1028 nach der Tempelzerstörung, als dies Leiden über Israel kam. Es erhoben sich zuerst die Fürsten und Grafen und das gemeine Volk im Lande Frankreich, berieten sich und faßten den Entschluß, aufzubrechen, wie Adler sich zu erheben, um zu kämpfen und sich einen Weg zu bahnen zum Zuge nach Jerusalem, der heiligen Stadt und zum Grabe des Gekreuzigten. Und sie sprachen einer zum anderen: „Sehet wir ziehen nach einem fernen Lande, ziehen dahin, um mit den Königen des Landes Krieg zu führen, wir wagen unser Leben, um alle jene Nationen, die nicht an den Gekreuzigten glauben, zu töten und zu zertrümmern — und wie viel mehr verdienen es die Juden, die ihn umgebracht und gehängt haben!" So wiegelten sich alle Enden und Ecken gegen uns auf, beschlossen und sprachen:

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