Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 3 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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„Und ja, wenn man schon bittet, soll man ordentlich bitten, und so bitte ich ihn um einen Zobelpelz sür dich." „Vater, er wird böse werden, und das Holz wird verschwinden." „So soll es nicht Zobel sein, aber du sollst einen Pelz haben." „Wozu? bedenke doch." „So soll es nur eine Jacke sein, gefüttert mit Pelz, daß du nicht mehr frierst." Laktef Wilna hörte alles und lachte heimlich in sein gutes, mitleidiges Herz hinein und wieder eilten die Stelzen hm und her, und Hamans große Nase blickte in alle Fenster, und sein Arm langte hinein, wo es nur anging, und bemächtigte sich der Sachen, die der Prophet Elias nötig hatte. Vor dem Laden des Trödlers Winkelfeld hingen ein Paar rote Hausstiefel, die er von einem Edelmann erhandelt. Haman nahm sie, ohne viel zu fragen, mit. Bei dem reichen Sprintze Veigelstock entlehnte er einen schwarzen Atlaskaftan, bei den Töchtern des Freudenthal ein Paar neue Schuhe und ein Kleid. Aber die Pelzjacke? Richtig, bei Frau Zuckerspitz waren die maskierten jungen Leute eingedrungen, und sie tranken jetzt Tee und tanzten, und die schöne kokette Frau hatte ihre mit Zobelpelz ausgeschlossene und gefütterte Jacke abgeworfen, und da das Fenster nur angelehnt war, öffnete es Laktef Wilna leise und nahm die Pelzjacke vom Stuhl. Mehrere Minuten später klopfte es an Esthers Fenster. „Das ist er," flüsterte Tobia, „tu' ihm auf." Esther öffnete das Fenster und lief dann hinter den Ofen und schloß die Augen. Als sie dieselben wieder öffnete, lagen oer Kastan da und die Pelzjacke, das Kleid und die Schuhe und Stiefel. „Vater!" rief sie, „er hat uns alles gebracht, was wir erbeten haben." Sie schloß das Fenster und zog dem blinden Vater die warmen Stiefel an und den seidenen Kaftan, und zog selbst die Schuhe an und das Kleid und schlüpfte in die prächtige Pelzjacke der Frau Zuckerspitz. „Was für ein Glück!" rief der Blinde, «gewiß stehst du jetzt da, Esterka, wie eine Prinzessin. Komm doch zu mir." Und da er sie nicht sehen konnte, so strich er mit der zitternden Hand, sie zitterte jetzt vor Freuden, über den Samt der Jacke und das schwellende Pelzwerk. „Das ist Zobel, mein Kind," sprach er fast erschreckt, „der gute Prophet Elias hat mich gehört und hat dir zum Schuschan-Purim eine Jacke mit Zobelpelz gebracht. Siehst du, wie Gott uns liebt? Und da der Prophet Elias uns so viel geschenkt hat, soll er meinem Kinde auch einen braven, schönen und jungen Mann bringen." Esther hielt ihm den Mund zu. „Sei ruhig, Vater, sonst verschwindet noch alles so wunderlich, wie es gekommen ist." Laktef Wilna aber blickte durch das Fenster in das Stübchen, und als er Esther so stehen sah in dem hübschen Kleide und der prächtigen Pelzjacke, da dachte er: was für ein schönes Mädchen, und so brav und klug, und so reinen Herzens, warum soll sie nicht einen Mann finden? Sie aber lächelte und sprach: „Vater, wer sollte mich nehmen, die keinen Groschen hat?" „Weißt du was?" flüsterte Tobia, „du sollst^dein Glück versuchen, Esterka, und am Schuschan-Purim eine schlinge legen." „Warum nicht?" rief Esther lachend, „ich will aus die Straße gehen und will einem Mann eine Schlinge legen, aber wenn ein Alter über die Schlinge schreitet und sich fangt, oder einer, der einen Buckel hat?" Sie lachte, und lachend riß sie sich drei ihrer glänzenden Haare aus und knüpfte sie zu einer Schlinge, und Laktef Wilna sah sie die Schlinge knüpfen und lachte und dachte: „Warte nur, du sollst den losesten Vogel der ganzen Gemeinde in deiner Schlinge fangen." Und als Esther vorsichtig aus dem Hause trat, war Haman von seinen Stelzen herabgestiegen, hatte Hut und Gewand und Nase seinem Freund übergeben, und in dem Augenblick, wo sie die Schlinge gelegt hatte und sich scheu in das Haustor zucückzog, kam Laktef Wilna daher, sch'.itt ic£>rr die. Schlinge hinweg und war gefangen und Esther mit ihni, denn er erhaschte sie im Haustor, schlang die kräftigen Arme uni die schurnke, lebende Gestalt und küßte sie auf die roten Lippen. Sie aber inachte sich los und floh die Treppe hinauf. Am nächsten Morgen beklagte Frau Zuckerspitz ihre Pelzjacke und Veigelstock feilten Kaftan und der Trödler seine Stiefel, und Laktef Wilna erschien und klärte alles auf. „Ich habe Ihre Pelzjacke genommen und habe sie einem armen Mädchen gegeben"", sprach er zu der schönen Kokette, „und sie glaubt, daß der Prophet Elias sie beschenkt hat, aber Sie sollen die Jacke wieder haben." „Nein, nein", rief die. Schöne, „sie war so nicht mehr ganz neu, Sie haben ein gutes Werk für nnch getan, und mein Mann soll mir eine neue kaufen." Und genau so erging es ihm lei den anderen, denn einen Armen beschenken ist sür einen gläubigen Juden stets nur eine Freude. An demselben Vormittag ersck,ien aber der alte Wtlmr bei Tobia Fischtran und hielt bei ihm für seinen Sohn um die schöne Esther an. Zur Schächtfrage. Wir haben in der letzten Nummer unseres „Mitteilungsvlatt" eine kurze Besprechung des Heftchens „Tierschutz im Judentum" von Tr. Unna (Verlag I. Kausfmnnn-Frankfurl u. M.) gebracht. Obwohl zugegeben sei, daß vielfach die Angriffe gegen das Schä hten,.soweit sie von Tiers.hutzverei ren erhoben werden, von guteil Absichten, wenn au>h von niangelhaften Sachkenntnissen getragen sind, so sind doch leider auch viclsach Angriffe zu verzeichnen, die nicht so seh> für das Tier, sondern gegen die Juden geplant sind. Wirkliche Grausa nkciten den Tieren gegenüber, wie das Abschneiden dcr Ohren und Schwänze bei Hunden, die Kastrierung verschiedener Tierarten und vor allein die Tierjagd aus Sport, gäben diesen Schächtgegnerii noch ein weites Feld für ih>e Humanitären Bestrebungen. Hier sei ein kurzer Auszug aus dem genannten Unna'schen Werke gebracht, aus welchem die' Stellungnahme des Judentums zur Frage „Tierjagd" erhellt wird Eine besondere Betrachtung verdient die Auffassung des biblisch-talmui ischen Judenturns von der Jagd. Schon die Bibel stellt Jakob, den Mann der geistigen Beschäftigung, dem Jäger Esau entgegen. Sie setzt auch voraus, daß ^der Israelit nur zu Nutzzwecken Tiere jagen wird (Levit. 17, 18). Go scheinen denn auch Treib- und Hetzjagden in Israel selbst bei den Königen völlig unbekannt geweien zu sein. Josephns erwähnt in sinnen „Altertümern", daß der hnlbheidmsche König Herodes, der durch die Römer zur Herrschaft gelangt war und überall heidnisches Wesen bevorzugte, auch Jagden veranstaltete, zuin großeii Mißvergnügen der jüdischen Welsen. Das Psalmwort „Heil dem Manne, der nicht im Rate der Frevler wandelt und auf dein Wege der Sünder nicht steht" (Ps. 1,1.) beziehen die Talmudlehrer auch auf den, der sich nicht an Jagden beteiligt (Abodah Sara 18 h). R. Meir aus Rothenburg (1220—1298) sagt in seinen Responsen, daß derjenige, der sich mi Hetzjagden mit Bluthunden beteilige, der ewigen Seligkeit verlustig gehe. Auch in der talmudischen Enzyklopädie Pachad Jizchak von R. Jsak Lampronti (gest. 1756) wnd ein Rcsponsum wiedergegeben, in welchem es als eine unjüdifcke Sitte gebrandlnarkt wird, die Tiere mit Hunden zu Tode zu hetzen. Sehr bemerkenswert sind auch die Aeußerungen des berühntten Prager Obercabbiners 9s. Ezechiel Landau (gest. 1793) über diesen Gegenstand. Er wurde von einem Gutsbesitzer, der große Waldungen mit einem reichen Wildbestand besaß, ungefragt, ob es ihm religionsgesetzlich gestattet sei, in seinen Wäldern zu jagen. 9t. Ezechiel Landau untersucht die Frage nach verschiedenen Gesichtspunkten, wobei er mit besonderem Nachdruck die Wichtigkeit des Verbots der Tierqrlälerei hervorhcbt. Am Schluß aber sagt er: „Die ganze Frage setzt mich in Erstaunen. Als Jäger werden in der heiligen Schrift nur Nimrod und Esau genannt, das ist aber nicht die Art der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Hat man doch sogar gesagt, daß man zur Erwerbung eint-.s neuen Kleidungsstückes, das nur durch die Tötung eines Tieres gewonnen werden kann, z. B. eines Pelzes, keinen Glückwunsch aussprechen soll. Wie sollte also ein jüdischer Mann auf den Gedanken kommen, lebendige Wesen ohne jede Notwendigkeit nur zum Zeitvertreib zu töten! Wer Tiere töten muß, weil es zu seinem Unterhalt notwendig ist, oder weil man sie zu Speise- und Nutzzwecken braucht, der mag eS tun; in andern Fällen ist es eine zwecklose Grausantkeit". Das lvurde zu einer Zeit geschrieben, in der es noch keine Tierschutzvereine gab, in der in manchen Ländern Europas noch nicht einmal die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben war. Lrster deutscher Teppidi- Grop-Imporf Teppiche jeder Art Klein- und Groß-Verkauf „seit 1830" B. Ganz & Co. Achtung nur Flachsmarkt Für alle elektrotechnischen Installationen u. Reparaturen empfiehlt sich Peter Zenkeri hlnt. Synagogenstr 32 Fernsprecher 2359 Schäfer &Huy Baudekorationsgeschäft Mainz Leibnizstrasse 2Vi0 6