Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 3 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Verbünde Süddeutschlands. Sitzung am 26. Februar d. I. in Stuttgart. Anwesend: Vertreter des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden, Vertreter des Oberrats der Israeliten Badens, Vertreter des Oberrats der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und Vertreter des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens. — Der Hauptpunkt der Tagesordnung war eine Besprechung der Vorschläge des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin über den Entwurf der Satzung der Neichsorganisation. Zu den von dem Preußischen Landesverband gemachten Vorschlägen, betreffend Aenderung des Entwurfs vom 24. Oktober 1926 durch den Vorsitzenden des Preußischen Landesverbandes, Herrn Kammergerichtsrat Wolfs, hatte der Vorsitzende des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Reumeyer, Gegenvorschläge gemacht, die im allgemeinen die Billigung der Versammlung fanden. Es wurde der Beschluß gefaßt, nur dann in weitere Verhandlungen mit dem Preußenverband wegen der Reichsorganisation einzutreten, wenn dieser Verband erklären sollte, daß er im Prinzip mit den bayrischen Gegenvorschlägen einverstanden sei. Der Hauptpunkt, aus welchem die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft unbedingt verharren muß, ist die Gründung des Reichsverbands durch die Landesverbände und nicht durch den D.I.G.B. Nachdem die Besprechung und die Beschlußfassung über die Reichsorganisation beendet, wurde noch über die sozialen Ausgaben der Verbände, über die Unterstützung der Ausbildungsanstalten und über Beschaffung eines Lektorats für rabbinische Wissenschaften in Tübingen gesprochen. Hierüber und über die weiteren Fortgänge in der Frage der Reichsorganisation werden wir in nächster Nummer berichten. Gestalten aus der alten Wormser jüd. Gemeinde. Von S. Rothschild, Worms. XI. Rabbiner Samson Bacharach (1650—1670). Nach dem Tode Samuel Bacharachs zog dessen unglückliche Gattin mit ihren Kindern, darunter auch Samson, nach Prag ins elterliche Haus. Der Erziehung ihrer Kinder hingegeben, brachte sie in frommen Werken und Studien ihre trnuerbollen Jahre hin, des verlorenen Gatten in unauslöschlicher Liebe gedenkend. Von tüchtigen Lehrern ausgebildet, schienen die Gaben des Vaters auf den Sohn übergegangen zu feilt. Nach damaliger Sitte wurde er schon früh zum Schwiegersohn ausersehen, und zwar bon einem reichen Mann, so daß es ihm nicht eilte, ein Rabbiliat anzunehmen. Aber die Leiden des 80jährigen Krieges mußte auch sein Schwiegervater an sich selbst erleben, der in Gefangenschaft genommen und nur gegen ein Lösegeld von 10 000 Gulden davon befreit wurde. 1635 befand sich S. Bacharach zu seiner weiteren Vervollkommnung in Leipnick. Seine Mutter war in Prag geblieben, wo sie inzwischen ihre drei Töchter verheiratet hatte. 1643 verließ Samson Leiptiick, um in der Stadt sesiier Jugend, in Prag, das Amt eines Predigers anznuehmen. Aber die Leiden des für Prag so furchtbaren 30jährigen Krieges störten auch das Glück dieser friedsamen Familie, die während der Pest, die bis 1648 dauerte, in einem kleinen böhmischen Oertchen Schutz suchte. 6X> Jahre war R. Samson ununterbrochen Woche für Woche predigend, seinem Berufe in Prag nachgekornmcn, als er im Sominer 1660 nach Worms berufen wurde. Seine Freude über das ihm zuteil gewordene Glück kannte keine Grenzen, der Nachfolger seines Vaters zu iuerden. Seitie Mutter reiste mit nach Worms, wohnte noch der Barntizwohseier ihres Enkels Jair Ehajim an, um daim ihren längst im Herzen getragenen Wunsch, ins hl. Land auszuwanderll, zur Ausführung zu bringen. Nachdem sie kaum ein Jahr in Worms gewesen, reißt sie sich von ihrer Familie los, um als schwache Greisin die Pilgerfahrt nach Palästina anzutreten. Ihr Herzenswunsch wurde ihr versagt, mitten auf der Wanderung ereilte sie der Tod; sie wurde in Sofia begraben. Seit dem Schreckcnsjahre 1615 hatte sich die jüdische Gemeinde Worms wieder erholt; sie kam wieder zu Wohlstand und das religiöse Leben pulsierte wieder in allen Kreisen. Hervorragende Rabbiner walteten ihres Amtes: Ganz besonders hervorzuheben R. Elia b. Mose Loans, der Abkömmling Joselmanns von Rosheim, des hingebungsvollsten und erfolggekrönten Anwalts, der jemals den Juden erstanden war. Frömmigkeit und kabbalistische Gelehrsamkeit haben ihm den Ehrennamen des Wundermannes eingebracht, er war aber auch weltmännisch und gebildet genug, urn mit Männern wie Broughton, Buxdors und Plantiritius Gespräche führeil zu können; er war auch ein hervorragender Kantor. An seiner Bahre und im Trauerhause sprachen unter anderem der Enkel R. Elia ben Mose Blins, R. Joses Fulda und Lehrer Hoheneck. So übernahm R. Samson das Rabbinat, das er durch seine Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und durch sein Predigertalent in der prächtigsten Weise versah. 1662 starb seine Gattin nach zehnjährigem Leiden. Vergebens hatte ihr Gatte Jahre hindurch in dem von ihm verfaßten Bußgebete am Rüsttage des Neumondes für ihre Herstellung Gott angerufen; an der schwelle des Alters stand er alleiit. Es kam das Jahr 1666 mit seinem großen Sterben in der Judengasse. 136 Personen sanken im kurzen Zeiträume in das Grab. Des Begrabens war kein Ende. Mit den letzten Tagen des Monats Tischri erlosch die Seuche. In dem schwarzen Jahre hatte Samson aber doch auch d:e Freude gehabt, seinem Sohne das Rabbinat Koblenz verliehen zu sehen. Doch nicht allzulange waltete er dieses Amtes. Sich dort nicht wohl fühlend, hatte er beim Ausbruche der Pest die Stadt verlassen müssen. Nach kurzem Aufenthalte in Limburg an der Lahn reiste er 1660 zu seinem Vater nach Worms, der 1670 starb, nachdem er zwei Jahrzehnte der Gemeinde Worms vorgestanden. Was ihn int Sterben noch ausrichtete, das war die Hoffnung und Zuversicht, sein Sohtt werde zu seinem Nachfolger erwählt werden. Ausdrücklich bat und beschwor er mündlich und schriftlich vor seinem Scheiden die Gemeinde, ihre Wahl aus seinen Sohn fallen zu lassen, den er vor Gott als zu dieser Nachfolge geeignet und würdig erklären könne, aber vergeblich. Er wurde zwar mit der Stellvertretung betraut, aber die Hoffnung, jemals der wirkliche Nachfolger R. Samsons zu werden, war ihm von vornherein benom men worden; er wußte, daß er weichen müsse, sobald der rechte Mann gefunden sein würde. XII. Rabbiner Jair Ebajim Bacharach «1700—1702.) _ Im Jahre 1638 wurde R. Samson Bacharach in Lcipnik ein oofm geboren, der den Namen Ehajim erhielt, später wurde ihm während einer schweren Krankheit noch der Name Jair beigelegt. Seine früheste Kindheit siel in die schreckliche Schwedenzeit. Sechs Jahre war der Knabe alt, als sein Vater als Prediger nach Prag und 13 Jahre als er nach Worms als Rabbiner berufen wurde. Der außerordentlich begabte Knabe war schon vor dem 13. Jahre von dem üblichen Lehrer und seinem Vater in Bibel, Mischna und Talmud eingesührt worden und hatte iu dieseii Diciplinen so hervorragende Kenntnisse sich angeeignet, daß er, nachdem er einige Jahre im Hause seiues Schwiegervaters in Fulda zugebracht hatte uiid im Winter 1659,60 nach Worms zu fcittcn Eltern zurückgekehrt war, daran deiikeri konnte, sich von einem bedeutenden Rabbiner die rabbinische Autorisation zu verschaffen. Wirklich erhielt er diese von dem gefeierten Rabbiner von Frankfurt, R. Mendel Baß aus Krakau. Aus der Messe in Frankfurt erregten die öffentlichen Predigten des juugeli, 22jährigen Rabbiners das höchste Aussehen. Vorübergehend scheint er Stellvertreter des Rabbiiiates in Mainz gewesen zu sein «1661), doch schon im nächsten Jahre treffen wir ihn iu Worms, wo er in der Syiiagoge liriks vom Aluienior, der hl. Lade gegenüber, den Sitz erwarb, der Löb Hoheneck gehörte und seine Belsielle von der seines Vaters trennte. In dem schwarzen Jahre la. Ware! Reelles Gewicht! ftauder & C9, Mainz Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. Kaiserstraße 291/10 Telefon 3920 Beste u. billigste Bezugsquelle für sämtliche Hausbrandkohlen