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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-02-01 · 2 (2.1928) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
2 (2.1928)
Date
1928-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Literatur. Mit herzlichen Worten begrüßte Fräulein Senta Ehrmann die zahlreich Erschienenen. In kurzer Rede legte sie ihnen ^weck und Ziele der zu gründenden Vereinigung dar. Ihre warmen *n ^cn H^Zen ihrer Zuhörerinnen lebhaften Widerhall. Die Leitung der Vereinigung übertrug man Frl. Ehrmann UT}k '^,ce Rothschild wurde zu ihrer Stellvertreterin gewählt. Frl. Thea Krämer übernahm das Amt der Kassiererin. Möge sich der junge Verein zu voller Blüte entfalten. Friedberg i. H. Am Sonntag, den 30. Jan. d. I. fand die ordentliche Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft der jüd. Wohltätigkeitsvereine statt. Der Vorsitzende derselben, Herr Siegfr. Rothschild, sowie der Geschäftsführer, Herr Lehrer Seelig, konnten m ihren Berichten ein Bild von der segensreichen Tätigkeit dieser Vereinigung geben. Auch die Berichte der dieser Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Vereine ließen erkennen, daß viel geleistet wurde, daß aber auch in der jetzigen Zeit noch manches schwere Problem zu lösen ist. Friedberg i. H. Der im 89. Lebensjahre stehende Herr Moritz Stahl wurde auf der letzten Hauptversammlung des „Holzvereins", einer der ältesten Wohlfahrtsvereine unserer Gemeinde, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Herr Stahl, der lange Jahre Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde war, hat sich um den Holzverein bis auf den heutigen Tag große Verdienste erworben. Der würdige Greis besucht noch regelmäßig den Sabbatgottesdienst und nimmt an den Vorgängen der Gemeinde regsten Allteil. — Frau Pappenheimer, geb. Hirschhorn, feierte am 3. Februar ihren 80. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. — In ebensolcher Frische begeht am 8. Februar Herr Elias Ehrmann, ein eifriges Mitglied unserer Gemiluth-Chasadim-Kippe, seinen 70. Geburtstag. Groß-Gerau. Ein Jubiläum seltener Art feierte Fabrikant Heinrich Hirsch in seiner Eigenschaft als Mitglied der Hessischen Industrie- und Handelskammer Darmstadt, der er mit den ersten Januartagen 1928 25 Jahre ununterbrochen angebört. Während dieser aanzen Zeit hat er die ibm anvertrauten Jntereffen der heimischen Handels- und Wirtschastskreise in ganz besonders rühriger Weise zu vertreten aewußt. Anläßlich seines Jubiläum? wurde ihm seitens der Handelskammer eine kunstvoll ausgefertigte Ehrenurkunde überreicht. Auch die Stadtverwaltung sowie verschiedene andere Kärvcrschaften l'nd Zahlreiche Private haben es sich nirfct nehmen lassen. Herrn Hirsch zu diesem Jubiläum recht herzlichst »u bealückwüm'chen. Main,. Der IIP. beaing am 18. Dezember 1927 seine Ehouukkahfeier. Für Einleitung sprach Frl. Aenne Hirsch lGroß- Ger-a'O einer, von Herrn Sanitätsrat Dr. Pieard lLauterburg) n.'rfanit'n Prolna. Er schuf wirkungsvoll ftp Weihcstimmuna, in der Herr Oberkautor Jonas die Ebanuklablichter entzündete und Non allen Anwesenden aemeinsam ..Moaus zur" aesnnn-'n wnrde. Mach den BearuVunasworten des Vorsitzender, brachte Fran Käte Renmnnn awft Lieder mit wohlklingender Stimme au Gebär und leitete Herr Ernst Hartmann als Anlaaer aum heiteren Teil des ^ri-irnmms über Ans den Reiben der Mitglieder bestritten, aesialtete es ffrfi an einem köstlichen Erlebnis. Sämtliche Mitwirkende ."-rariaen sich d"res> ihre binaebenden. ansaeaeichneten, darstellenden Leiltnn'-'en reichsten Beifall. Die Stunden floaen in gemütlichster u^d bester Sfjmmuno dahin. Eine, reichheschenkte Tombola — allen Suend-"M sei drr Dank des JJV. hier zum Allsdruck gebracht — prfreu+o die alsicksichen Gewinner, llut» auch die Tanalust kam au 'lirem Rell't. Wies in allem war der Abend eine wirkliche Feier der Juaend die lehr Zahlreich anwesend war. s^ssrnlmch a. M. Aln 15 Februar 1928 findet im Gmneiudel'^ns Ggptbestrabe 1. ein Vortrag des Herrn Prot Dr S t e n Gftßeu. „Für Psvcholoaie des Kindes" statt — Am 9. Jan. d. I. brai"g der Inhaber der Firma Josevh Heilbrunn. Herr Nathan Grüuowald. daL um unser jüdisches Gemeinwesen sehr verdie'ils, Mitglied des Pgrstnndes der Reliaionsaemernde. sein 25iäbr. Eeschältsiubiläum. Die Firma selbst, die 1873 gegründet wurde, ainn am genannten Tage an d"n ietziaen Inhaber über. Die Zahlreichem von iüdischer und nichtiüdischer Seite übersai'dten Glückwünsche und sonstigen Esiruuaeo leatcn Feuailis gh von dem giof""-, Zusehen. dellen sich der Juftlar in den weitesten Kreisen der Beuälkernna erfreu^ — An, 19. Januar konnte Frau Sieam„od Eollin Wwe.. Feldstrak-e 68, in körverlicher nnd geistiger Frische ihren 85. Geburtstag feiern. Möge denk Gebnrtstaaskind üoch ein recht langer, froher und gesunder Lebensabend belchieden sein. Sprendlingen Kreis Offenbach a. M. Am 17. Januar fand hier eine Versammluna des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, in welcher der stellvertretende Spndikus des Landesverbands. Herr Erwin Baer, Frankfurt a. M. einen eingebunden Bericht über die Bedeutung der Reichstagswahlen gab. Ansbesondctre wurde ihre Allswirkung auf die Schächtfraae und die St-gfrechtsreform besvrochen. Die Versammlung trug sehr zur Belebung des Interesses in unserer Ortsgruppe bei. Worms. Der 80. Geburtstag des Herrn Lehrer Rothschild verlief unter Teilnahme der ganzen jüdischen Gemelilde, der staatlichen und städtischen Behörden, der Direktionen sämtlicher Schulen und der Geistlichkeit, sowie der gesamten Bevölkerung. Am Abend vorher veranstalteten ehemalige Schüler der Volksschule des Jahrganges 1876 eine erhebende Feier in Gegenwart des Jubilars und seiner Familie, die auch von Schülerinnen späterer Jahrgänge besucht war. Der Jubilar wurde hierbei und an den folgenden Tagen mit zahlreichen Aufmerksamkeiten bedacht, und aus ganz Deutschland kamen von Korporationen und prominenten Persönlichkeiten, von Freunden und Kollegen telegraphische und briefliche Wünsche, teilweise in poetischer Form. Worms. Es ist immer so gewesen: Beim Abschiednehmen erkennen wir erst den vollen Wert des uns verlassenden Mitmenschen. So auch hier. Herr Oberarzt Dr. Fried vom hlesigen städtischen Krankenhause verläßt in diesen Tagen Worms, um eine leitende Stelle an dem jüdischen Krankenhause in Breslau zu übernehmen. Bisher wußte man, Dr. Fried ist hier und betrachtete es als selbstverständlich, daß er auf den Plan trat, wenn das Eingreifen eines die jeweilige Lage sofort überschauenden, zielbewußten, tatkräftigen Mannes vonnöten war. Und Herr Tr. Fried erfüllte, was von ihni erwartet wurde. Er war der geborene Führer Gleichstrebender. Was ihn hierzu besonders befähigte, war sein freundliches, vornehmes Wesen, sein kluger Sinn und nicht zuletzt die Art und Weise, wie er seine Gedanken zum Ausdruck zu bringen wußte. Eine fertige, abgeschlossene Persönlichkeit, führte er im Kampfe seine Klinge meisterhaft. Sprach er, so riß er seine Zuhörer mit sich fort, nie verletzte er. auch gegen den Geaner blieb er gerecht und ritterlich. Er wollte überzeuaen, aber nicht webe tun. — So war es natürlich, daß ibm bei Gründung der Ortsgruppe Worms des „Rcichsbundes jüdischer Frontsoldaten" die Führung übertragen wurde. Was er hier geleistet, bleibt unvergessen. Ob er in helßem Ringen dem politischen Gegner entgegentrat, ob er bei Einweihuna einer Gedenktafel, an Erinnerungstagen für unsere gefallenen Brüder das Wort ergriff, ob er einem Kameraden ein letztes Abschiedswort nachries, immer fühlte jeder, hier legt das Herz die Worte auf die Lippen. Und dieser Mann verläßt lins. Durste das aescbehen. ohne dasi man mit ibm noch einen lebten Händedruck wechselte? ^arum veransiosiete die Ortsgrnvve Worms am Abend des 14. Januar eme Abschiedsseier. zu der ein aroßer Kreis von Kameraden lind Freunden erschienen war. die mit ihren Anaehöriaen in bunter Mischuno ben Saal der „Dalbera-Loae" füllten. Ein jeder wollte dem Scheidenden noch einen Beweis feiner Liehe. Hochachtuna nnd Darkbarkeit geben, wollte ihm womöglich noch ein herziges Wort zurufen. Denk entsprach alich alles, was an diesem Abend aum Vortraa kam. Dem entsprachen die musikalischen Darbletunaen de? Ouartetts Heinrich Kehr, die Gesanasvorträae durch Fräulein Hanna Hevvenheimer und Herril Reinhard, die humoristischen Vorträae des Herrn Sieafried Rosentbal. Dem entsprach auch eine theatralische Aufführung durch Frau Karl Gliaaenbeim und Herrn und Frau Heinrich K e h r. in der Herr und Frau Dr. Fried <Vt treffend wiederaeaeben wurden dab man nicht wusite, stehen sie auf der Bühne oder sind sie inl Saale Dem entsprach auch die Ernennuua zum Ehreunlitgliede der Ortsaruppe Worms, dem entsprachen die überreichten wertvollen Ebrenaaben, sowie die einaelaufenen Telearamme und Glückwunschschreiben. Worte der Bearüßuna und der Würdiaung sprachen die Herren: Karl Guaaenbeim namens der Ortsaruppe Worms. Gabriel. Offenbach, als stellvertretender Landesperbandsvorsitzender. Herz. Wiesbaden, naulens der Bezirksaruvve. Tbalheimer, Tarmstadt. namens seiner Ortsgruppe, sowie Lehrer Mendel namens des Juaeildvereins. Herr Dr. Fried antwortete hierauf. Er schilderte sein Wollen und Streben, was er im Verein mit seinen Kameraden erreicht und was noch als Fiel in der Ferne schwebt. Er aedachte in bewegten Worten feiner beimgeganaenen Mitkämpfer, namentlich seines Kameraden und Freilndes Dr. Fritz S a l o m o n (was auch vorher schon in herzlicher Weise durch Herrn G u g g e n - beim aeschehenl und mit ihm all der Streiter, die ihr junaes Leben für das Vaterland hingegeben. Höhepunkt seiner Ausführungen waren Worte der Mahnung, gerichtet an seine zurückbleibenden Kameraden. Sie klanaen aus in die Forderungen: Bleibet stark in der Abwehr, ehrt die toten Kameraden und sorgt für die Lebenden, hellt der Jugend, arbeitet in der Abwehr so, damit später eine solche nicht mehr notwendig ist! Schluß seiner Worte war der Zuruf: Kameraden, bleibet meine Freunde! Unser aller Antwort ist: Herr Dr. Fried, bleiben Sie auch unser Freund! Mögen alle Wünsche, die für Sie und die lieben Ihrigen ausgesprochen wurden, im neuen Wirkungskreis zu Ihrer und zu unserer Freude sich verwirklichen! Treue um Treue! Die Feier, die jedem, der ihr beigewohnt hat, unvergeßlich bleiben wird, stand unter der trefflichen Leitung des Herrn Karl Guggenheim. dem stellvertretenden Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe WormS. ■> *y

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